Was ist Wahrheit? - Exkurs

 Satzreihe 2.1*: Bil dtheorie

Vorbemerkungen zu Satzreihe 5.6*: Solipsismus

Marcus Hinz

     Inhalt

Inhalt

1 Einleitung	1

2 Das Bild	3

2.1 Der Aufbau des Bilds	3

2.2 Vertretung	3

2.2.1  Strukturelle Eigenschaften des Bilds	4

2.3  Die abbildende Beziehung	4

2.4 Der Bildinhalt	5

2.5 Die Form der Abbildung	5

2.5.1  Die Form der Darstellung	6

2.5.2  Die logische Form	7

2.6 Grenzen des Bilds	9

3 Solipsismus	9

4 Die Frage	10

## Einleitung

Ein Bild stellt  einen Teil der Welt dar.

Kein Bild gibt die Welt wieder, wie  sie ist.

 Die Welt wird zum Bild transformiert: Eine Fotografie bildet zum Beispiel nicht die  Geräusche, den Geruch und die Haptik des Abgebildeten ab. Genauso wird bei der Aufnahme die Größe  verändert.

Ist die Transformation in diesem Falle dem Medium der Abbildung geschuldet,  ist es weit häufiger der Fall, dass wir Inhalte bewusst transformieren:

 Möchte  ich etwa  darstellen, dass der Eiffelturm höher als der Kölner Dom ist, werde ich zwei einfache Zeichnungen der Gebäude  nutzen , und nur darauf achten, dass die Größenverhältnisse stimmen.  Etwa so:

 Halcyon Maps: History of the  tallest  building in Europe (Ausschnitt)

 Nicht abgebildet w i rd  hier  z.B., dass der Kölner Dom aus Stein der Eiffelturm dagegen aus Eisen gebaut ist. Das macht das Bild  weder  falsch noch unvollständig. Das Bild stellt das, was es darstellt, richtig dar.

Das Bild  gibt nur einen Aspekt der  Welt  wieder – es ist ein Modell.

Die sinntragenden Elemente der Sprache – die Sätze – si nd für Wittgenstein Modelle im Sinne des Beispiels oben1

 Abhandlung, Satz 4.01
.  Darüber hinaus spiegeln d ie Sätze unmit­telbar unsere Gedanken2

 Abhandlung, Satz 4
.

Eine Analyse der Modelle und ihres Funktionierens kann also helfen unser Denken zu verstehen3

 Abhandlung, Satz 4.1121
. Insbesondere werden die Grenzen, die Modellen in der Abbildung gezogen sind, auch die Grenzen unseres Denkens markieren4

  Abhandlung, Einleitung Abs. 3
.

 Hier nimmt Wittgenstein für sich in Anspruch, mit der   Abhandlung  eine abschließende Analyse des Modells und seiner Grenzen vorzulegen.

 Auf nur 84 Seiten 5

TODO: überprüfen, Standarddruckausgabe Suhrkamp
  will er „ die  [philosophischen]  Probleme im Wesentlichen endgültig gelöst [ … ] haben “ 6

 Abhandlung, Einleitung, letzter Absatz.
 .

 Die meisten der philosophischen Fragen und Theorien sind nicht falsch sondern unsinnig, weil sie Themen zum Inhalt haben, die außerhalb des modellhaft – sprachlich – abbildbaren liegen 7

  Abhandlung, Satz 4.003
.

 Wittgensteins  Argumentation fußt  also   einerseits auf der Grenze, die er  dem Modell und damit der  Sprache zieht, und andererseits darauf, dass diese Grenze auch für den Gedanken gilt.

Die Grenze des sprachlich Ausdrückbaren zieht Wittgenstein in seiner Bildtheorie, die er in Satzreihe 2.1* einführt.

Den Beleg, dass die dort gezogene Grenze auch für den Gedanken gilt, in seinen Überlegungen zum Solipsismus in Satzreihe 5.6*.

Vor allem die Überlegungen zu m Solipsismus stellen hier eine Heraus ­forderung dar: Wittgenstein ist einer wenigen Denker, die den Solipsismus nicht  unreflektiert mit Bausch und Bogen verwerfen8

 Wie Dennet t das  etwa in  Consciousness Ignored tut (Dennet t, 1991, S.3,ff).
.

 Statt dessen bezieht er ihn als  gegebenen  Sachverhalt  in seine Systematik ein.

Er ist deswegen nicht der Auffassung, ein Hirn im Fass zu sein.

 Sein Zugang zum Thema ist deutlich  durchdachter , als er in solchen  Geschichten zum Ausdruck kommt.

 Beachtet man den reflektierten Zugang Wittgensteins zum Solipsismus nicht, kommt man leicht zu Russells Schluss, dass es sich bei den Aussagen um eine etwas eigenartige  Betrachtung  {„a  somewhat curious discussion “} 9

 Abhandlung.  Introduction by Bertrand Russell. (S. 178, Abs.1)
  des Themas handelt,  und geht damit an einem zentralen Argument der   Abhandlung  vorbei.

 Im Folgenden möchte Wittgensteins Sicht auf beide Themen kurz erläutern, um eine These, die ich zur   Abhandlung  entwickelt habe, besser darstellen zu können, als es ohne das Verständnis der Bildtheorie und ihrer Konsequenzen möglich ist.

## Das Bild

Wittgensteins gesamte Überlegungen in der  Abhandlung  beruhen auf seinen Überlegungen zur Funktionsweise  von  Modelle n, die zur Abbildung der Welt genutzt werden .

 Kern dieser Überlegungen ist die Bildtheorie, die beschreibt, wie ein Modell die  Welt  abbildet. In Satzreihe 2.1* stellt Wittgenstein seine seine Bildtheorie vor:

2.1	Wir machen uns Bilder der Tatsachen.

[ … ]

2.12	Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit.

Mein Lieblingsmodell eines Modells sind  Gliederpuppen,  wie sie als Vorlage  im Zeichen ­training genutzt werden :

 Man kann Wittgensteins  Bild theorie   sehr viel  besser an einer solchen  Puppe  als  durch bloßen Text  erläutern.

##  Der  A ufbau des  Bilds

   ist das  Bild  eines Menschen.

 Im  Bild  unterscheidet Wittgenstein zwischen festen und  veränderlichen  Teilen, die sich in verschiedener Weise auf  d as  abgebildete  Stück Welt   beziehen:

## Vertretung

2.13	Den Gegenständen entsprechen im Bilde die Elemente des Bildes.

2.131	Die Elemente des Bildes vertreten im Bild die Gegenstände.

 Die Elemente, von denen Wittgenstein in Satz 2.13 spricht, sind i m vor­liegenden  Modell  einfach zu identifizieren: Sie sind durch Gelenke von ­ einan ­ der getrennt.

 Jede r Teil  des Modells steht für einen Gegenstand, der  im   Bild   vorkommt  –  jedes Element vertritt einen Gegenstand:

vertritt eine Hand.

vertritt einen Fuß.

vertritt den Kopf.

[ … ]

##   Struktu relle  Eigenschaften des Bilds

 Ebenso wie den gegenständlichen Aspekt de r   Welt , wiederholt das Bild auch de ren  Struktur:

2.14	Das Bild besteht darin, dass sich seine Elemente in bestimmter Art und Weise zu einander verhalten.

Das Beispielmodell hat zwei  wesentliche strukturelle Eigenschaften:

-

 Die Proportionen der  Glieder  des Modells zueinander entsprechen den typischen Proportionen der Gliedmaße eines Menschen zueinander.

-

 Die  Glieder   der Puppe nehmen eine bestimmte Position zueinander ein und stellen so die  H altung  eines Menschen nach.

 Die Unterscheidung zwischen Vertretung und  den  strukturelle n   Eigenschaften des Bilds  ist für Wittgenstein fundamental, da sich dahinter zwei völlig ver ­ schiedene  Mecha ­ nis ­ men  de s   Bezugs auf  die Wirklichkeit   verstecken.

##  Die abbildende Beziehung

 vertritt im Modell die Hand des Menschen.

Der zur Vertretung genutzte Gegenstand hat mit einer Hand nicht viel zu tun: Eine Hand  besteht nicht aus Holz, und wesentlicher fehlen dem Vertreter die Finger, die eine Hand normalerweise ausmachen.

Beide Eigenschaften sind für die Vertretung  unerheblich: Ich hätte genauso gut Metall statt Holz wählen  können. Die Finger sind für den Bildinhalt ohne Belang.

Umgekehrt kann ich aus dem Modell auch keine Informationen über die Hand herleiten:

    lässt nicht erkennen, dass eine Hand fünf Finger hat.

 D as schadet dem Bild aber nicht: Es wird deshalb weder falsch noch unvollständig.  Inform ation en über das Vertretene  w e rd en  im  Bild   einfach  nicht transportier t.  Der Vertreter kann deshalb frei gewählt werden.

Die Willkür in der Wahl der vertretenden Gegenstände entkoppelt das Bild vom Abgebildeten:

2.1512	Es  [das Bild] ist wie ein Maßstab an die Wirklichkeit angelegt.

2.15121	Nur die äußersten Punkte der Teilstriche b erühren den zu messenden Gegenstand.

 Das Vorkommen von      im Bild   besagt nicht, dass im Bild eine Hand vor­kommt.

 Nichts am  Bild  macht es zwingend zum Bild 10

Das zu Satz 2.141. Das Bild als Tatsache nehme später auf.
 . Die Verknüpfung zwischen  Welt  und Bild muss aktiv hergestellt werden:

2.151 3	Nach dieser Auffassung gehört also zum Bilde auch noch die abbildende Beziehung, die es zum Bild macht.

2.1514	Die abbildende Beziehung besteht aus den Zuordnungen der Elemente des Bildes und der Sachen.

2.1515	Diese Zuordnungen sind gleichsam die Fühler der Bildelemente, mit denen das Bild die Wirklichkeit berührt.

  D ie Vertreter spielen für den Bildinhalt keine Rolle.

##  D er Bildinhalt

 Anders betrachtet man sich die strukturelle n   Eigenschaften :

 Das Modell kann laufen:  .  Hier    sieht man es  s itzen.

 Eine  Ä nderung der Stellung der Puppenglieder führt zur un­mittel­baren Änderung des Bildinhalts.

 Anders als im Falle der Vertretung,  ist  die  Beziehung  der strukturellen Eigenschaften von Bild und Abgebildeten  unmittelbar gegeben:

   bildet einen  s itzenden  Menschen ab. Es gibt keine  sinnvolle  Möglichkeit, aus diesem Bild das Bild eines  l aufenden  Menschen zu machen.

2.15	Dass sich die Elemente des Bildes in bestimmter Art und Weise zu einander verhalten, stellt vor, dass sich die Sachen so zu einander verhalten.

[ ... ]

[ ... ]

2.161	In Bild und Abgebildetem muss etwas identisch sein, damit das eine überhaupt ein Bild des anderen sein kann.

Das Bild ahmt die  Welt nach:  Die Positionierung der Puppenglieder  e ntspricht  de r  Positionierung der Glied­maße beim Menschen.

 Die Unmittelbarkeit  der Abbildung besteht in der Übereinstimmung der strukturellen Eigenschaften von Bild und  Welt .  Nur soweit die se   Übereinstimmung gegeben ist , ist Abbildung gegeben.

Kurz:

-

Die Elemente des Bilds sind für seinen Inhalt unerheblich, da der ver ­tre ­tende Gegenstand  beliebig ist.

-

 Der Bildinhalt ist allein durch die strukturellen Eigenschaften des Bilds  g egeben .

Das ist der Kern von Wittgensteins Bildtheorie.

##  Die  Form der Abbildung

Di e strukturelle Identität zwischen Bild und Abgebildetem  impliziert , dass das Bild nur den Teil der  Welt  abbildet, den es überhaupt nachahmen kann:

 2 .17	Was das Bild mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie auf seine Art und Weise – richtig oder falsch – abbilden zu können, ist seine Form der Abbildung.

2.171	Das Bild kann jede Wirklichkeit abbilden, deren Form es hat.

Das räumliche Bild alles Räumliche, das farbige alles Farbige, etc.

   ist ein räumliches Modell und kann deshalb Räumliches – im vorliegenden Fall die  Haltung  des Menschen – abbilden.

 Eine Abbildung des Farbraums der Gemälde van Goghs ist mit dem Modell nicht möglich.

Die Form der Abbildung ist  demnach eine  gegebene Eigenschaft des Bilds selbst,  keine, die ihm zugeordnet werden k önn te.

2.172	Seine Form der Abbildung aber, kann das Bild nicht abbilden; es weist sie auf.

[ … ]

2.174	Das Bild kann sich aber nicht außerhalb seiner Form der Dar ­stellung stellen.

 Deutlich er wird  die Idee hinter Wittgensteins  Gedanken an einem kleinen  Experiment:

 wird im  Beispiel zur  Vertretung der Hand genutzt.

Diese Festlegung  ist nicht zwingend. Ich kan n    auch nutzen, um den Fuß des Menschen zu vertreteni

 An dieser Stelle gibt es tatsächlich eine Unstimmigkeit in der   Abhandlung .

 Es ist nicht möglich zur Vertretung    des Fußes  zu wählen. Das liegt daran, dass sich das Verhältnis von Länge zu Breite im Falle von     und    deutlich  u nterscheidet .

Das bedeutet, dass ich im Ende aus dem vertretenden Gegenstand doch etwas über das Vertretene lernen kann. Im vorliegenden Fall das Verhältnis von Länge zur Breite des Fusses.

Ich halte diese Unstimmigkeit für lässlich:

-

Was ich über den Gegenstand lerne ist Teil derselben Zugangsweise zur Tatsache, und auf diese Zugangsweise beschränkt.

-

Die Vorüberlegungen in dieser Passage zielen natürlich auf Satz und Wort. Ein Wort ist soweit vom Gegenstand abstrahiert, dass es solche Effekte im Falle von Satz und Wort nicht geben sollte.

Ich mag mich irren.

: .

Tue ich das, bin ich aber gezwungen, ein  sehr viel kleineres Modell als das vor ­liegende  zu bauen:

 ist deutlich kürzer als , das im Beispiel den Fuß vertritt.

In Folge  dessen müssen alle Glieder der Puppe soweit verkleinert werden, dass die veränderte strukturelle Eigenschaft des Bilds – die Proportion der Größe der Glieder – wiederhergestellt ist.

 Anders als im Falle der Vertretung, kann  d iese Beziehung zwischen Bild und Abgebildetem nicht  a ufgehoben  werden.

Die abbildende Beziehung besteht tatsächlich nur in den „Zuordnungen der Elemente des Bildes und der Sachen“11

Satz 2.1514  (Zitat oben)
.

Sind die Elemente  aber  einm a l zugeordnet liegt ein Bild vor – oder eben nicht. Die Form der Abbildung ist gegeben – oder eben nicht.

 Das Bild weist  d ie Form der Abbildung  auf,  i ch  kann sie dem Bild nicht geben.

 Für Wittgenstein besitzt die Form der Abbildung  wesentliche und unwesent­liche  Züge :

## Die Form  der Darstellung

Die Gliederpuppe ist nicht die einzige Möglichkeit einen stehenden Menschen abzubilden:

    bildet ebenso einen stehenden Menschen ab .  Das Bild unterscheidet sich lediglich in den Elementen, die zur Vertretung genutzt werden.  Welches Element zur Vertretung genutzt wird, trägt aber Nichts zum Bildinhalt bei.

Wichtig ist nur: Wurde n die  Elemente gewählt, ist das Bild an sie gebunden, da  sie die abbildende Beziehung vorg eb en –  sie sind  quasi die Notation des Bilds.  Diese Eigenschaft des Bilds   nennt Wittgenstein Form der Darstellung 12

Wie wenig Gewicht Wittgenstein der Form der Da rstellung beim isst, sieht man vielleicht am besten daran, dass der Terminus außerhalb von Satzreihe 2.17 nicht mehr genutzt wird.

 Der recht bekannte Satz 4.014 handelt z.B. einfach nur von verschiedenen Formen der Darstellung eines Sachverhalts. Wittgenstein hält es aber nicht für notwendig das Kind hier  m it dem eigenen  Terminus technicus  zu belegen .
 .

##  Die logische Form

Lässt man bei der Form der Abbildung  den unwesentliche n Teil  der gewählten Darstellungsart weg, erhält man die logische Form:

2.18	Was jedes Bild, welcher Form immer, mit der Wirklichkeit gemein haben muss, um sie überhaupt – richtig oder falsch – abbilden zu können, ist die logische Form, das ist, die Form der Wirklichkeit.

2.181	 Ist die Form der Abbildung die logische Form, so heißt das Bild das logische Bild.

2.182	Jedes Bild ist auch ein logisches. (Dagegen ist z. B. nicht jedes Bild ein räumliches.)

    ist das  Bild  eines  Menschen.

 Man kann  mit dem Modell  auch  diese Haltung abbilden : .

Das Modell wird dadurch nicht beschädigt,  ich kann ein räumliches Bild erstellen. Trotzdem würden wir das Modell so nicht als Bild des Menschen akzeptieren: Es ist für einen Menschen unmöglich, eine solche Haltung einzunehmen.

 O b ein Bild vorliegt, oder nicht, wird nicht durch das Modell sondern nur durch den abgebildeten Gegenstand  selbst  entschieden.

 Dazu muss f ür jeden  Gegenstand  bekannt  sein , welche Rolle er in welchen Sachverhalten spielen kann 13

An dieser Stelle muss ich doch auf Satzreihe 2.0* zu sprechen kommen.

In dieser Satzreihe w erd en die Voraussetzungen für das Erstellen von Modellen diskutiert.
 :

2.012	In der Logik ist nichts zufällig: Wenn das Ding im Sachverhalt vorkommen kann, so muss die Möglichkeit des Sachverhaltes im Ding bereits präjudiziert sein.

[ ... ]

2.0123	Wenn ich den Gegenstand kenne, so kenne ich auch sämtliche Möglichkeiten seines Vorkommens in Sachverhalten.

[ … ]

 E in Fuß kann die dargestellte Haltung zum Bein nicht einnehmen.

 A uf Basis dieses Wissens  wird  entschieden, ob ein sinnvolles Bild vor ­ liegt oder nicht.

Der Gegenstand befindet sich in einem Möglichkeitsraum, der vorgibt,  wie er in welche Sachverhalte eintreten kann. Diese Eigenschaft nennt Wittgenstein die Form des Gegen­stands14

Dazu Sätze 2.13 & 2.0141

Wittgenstein kombiniert die Möglichkeitsräume der Gegenstände  zum logischen Raum, der vorgibt, welche Sachverhalte überhaupt eintreten können (Satz 2.0??).

Bildet man davon wiederum die Untermenge aller Sachverhalte, die tatsächlich gegeben sind, erhält man die Wirklichkeit.

Logischer Raum und Wirklichkeit bilden  dann das geordnete / beschreibbare Gegen ­stück zur Welt als Gesamtheit der nicht beschreibbaren Tatsachen.

Die Diskussion dieser Begriffe ist an der vorliegenden Stelle noch nicht notwendig.
.

 Mit der Form des Gegenstands fügt Wittgenstein der Logik eine semantische  Ebene hinzu.

Nicht jeder Gegenstand kann beliebig mit jedem anderen zum Bild kombiniert werden. Was und Art und Weise der Kombination müssen zueinander passen, um überhaupt von einem Bild sprechen zu können. Wittgenstein bezieht sich mit dieser Bemerkung auf unser en ganz gewöhnlichen Umgang mit Bildern:

Um festzustellen,  ob      wahr oder falsch ist,  wird  das Bild mit der Wirklichkeit verglichen.

 A nders im Falle von .  Die abbildende Beziehung kann nicht hergestellt werden.  M an sieht der Konstruktion selbst an, dass kein Bild vorliegt. Der Vergleich mit der Wirklichkeit  wird gar nicht erst durchgeführt .

 Nur d ie Form des Sachverhalts wird auf das Modell angewendet, um den Bild ­ inh alt zu ermitteln.

Bild und Abgebildetes teilen sich die logische Form.  Nur so stellt das Bild einen möglichen Sachverhalt dar.

2.19	Das logische Bild kann die Welt abbilden.

 Der bis h i er her  vorgestellten  Überlegung  nach könnten Bilder nur eine bestehende Wirklichkeit abbilden, da die geforderte Identität etwas Gegebenes voraus­setzt, zu dem die  strukturellen  E igenschaften  des Bilds  identisch sein können.

Das ist natürlich Unsinn:

 bildet einen sitzenden Menschen ab, unabhängig davon, ob es tatsächlich einen Menschen gibt, der  in diesem Augenblick durch  dieses Modell ab ­gebildet w ird.

 Auch wenn   der abgebildete Mensch steht und nicht sitzt, ist die oben geforderte Identität nicht gegeben: Das Bild ist in diesem Fall falsch,  was aber nichts am Bildinhalt ändert.

 Die Wirklichkeit, auf die sich ein Bild bezieht, ist für Wittgenstein nicht die empirisch gegebene Wirklichkeit, vielmehr ein Möglichkeitsraum,  der es ermöglicht,  mögliche  Wirklichkeit en  nachzustellen.  Diesen Raum nennt Wittgenstein den logischen Raum 15

Zuerst in Satz 1.13, An deutlichsten in Satz 4.031

An dieser Stelle muss ich doch auf Satzreihen 1 und 2.0* verweisen.

 Wittgenstein  nutzt  den Begriff, ohne ihn jemals zu erläutern. [ TODO: fill in]
 .

## Grenzen des Bilds

 Satzreihe 2. 2

 Die Form der Gegenstands, die Form des Sachverhalts und die logische Form der Abbildung sind identisch.  E s ist  die Form der Wirklichkeit.

Nur diese  unmittelbare Beziehung zwischen Bild und Abgebildeten macht das Bild zum Bild.

Andere Arten der Abbildung gibt es nicht.

Das Bild ist so an die Wirklichkeit gebunden – die Bindung ist eine Frage des Wie, nicht des Was; eine Frage der strukturellen Abbildung, nicht der Vertretung:

2.2	Das Bild hat mit dem Abgebildeten die logische Form der Abbildung gemein.

2.201	Das Bild bildet die Wirklichkeit ab, indem es eine Möglichkeit des Bestehens und Nichtbestehens von Sachverhalten darstellt.

2.202	Das Bild stellt eine mögliche Sachlage im logischen Raume dar.

 [ …  ]

2.221	Was das Bild darstellt, ist sein Sinn.

 [ …  ]

2.224	Aus dem Bild allein ist nicht zu erkennen, ob es wahr oder falsch ist.

2.225	Ein a priori wahres Bild gibt es nicht.

Die Grenzen der Wirklichkeit sind also auch die Grenzen des Bilds. Bilder, die darüber hinaus gehen, insbesondere solche, die – unabhängig von der Wirklichkeit – als Grundlage des logischen Raums dienen könnten, gibt es nicht.

 Den dargestellten Bildinhalt nennt Wittgenst ein den Sinn des Bilds

## Solipsismus

Hillary Putnam16

 Hillary Putna m:   Reason, Truth and History  [ Cambridge University Press, 1981,  S. 5 f ] .
:

The case of the brains in a vat

Here is a science fiction possibility discussed by philosophers: imagine that a human being (you can imagine this to be yourself) has been subjected to an operation by an evil scientist. The person’s brain (your brain) has been removed from the body and placed in a vat of nutrients which keeps the brain alive. The nerve endings have been connected to a super-scientific computer which causes the person whose brain it is to have the illusion that everything is perfectly normal. There seem to be people, objects, the sky,  etc; but really all the person (you) is experiencing is the result of electronic impulses travelling from the computer to the nerve endings. The computer is so clever that if the person tries to raise his  hand, the feedback from the computer will cause him to ‘see’ and ‘feel’ the hand being raised. Moreover, by varying the program, the evil scientist can cause the victim to ‘experience’ (or hallucinate) any situation or environment the evil scientist wishes. …

Die Geschichte vom Hirn im Fass ist die derzeit wohl bekannteste Variante,  anhand  welcher  der Solipsismus illustriert wird.

Immer, wenn ich  die Geschichte lese, denke ich, dass Putman hier ein  reichlich pessimis­tisches Szenario aufbaut: Warum m uss  es ein böser Forscher  sein?

Es handelt sich einfach um eine neue Form des Reisens. Wenn die Reise vorüber ist, wird alles wieder hergestellt und ich hatte für wenig Geld ein unbezahlbares Erlebnis.

 Oder so : Ich bin in Wirklichkeit Superman, der als Mensch ein Empathie­training durchläuft (Hurra, ich kann fliegen!).

 Aber m uss ich denn  überhaupt   menschenähnlich  sein? Ich könnte  etwas     völlig andere r  Art sein, das sein Mensch s ein nur denkt.  Vielleicht bin ich  das  Musik­instru­ment einer weit fortgeschrittenen   Zivilisation, und so fühlt sich deren Mozart an.

Nach diesem Muster lassen sich beliebig viele solipsistische Szenarien auf­bauen.

 So  verschieden die  Geschichten   sind , sind sie doch problemlos  untereinander  austauschbar.

Ein einzeln e  Geschichte träg t  nicht s zum Verständnis des Solipsismus bei.

 Die Formulierung  einer   Geschichte , in d ie  meine Erfahrung  ein gebettet wird, gleicht vielmehr dem Versuch, die Form eines Berges anhand der Form der Höhle, in der ich mich befinde, zu bestimmen.

Eine systematisch korrekte Analyse des Solipsismus beschäftigt sich nicht mit  belanglosen Geschichten, die um den Solipsismus gesponnen werden, vielmehr mit dem, was es ermöglicht, solche Geschichten zu erfinden.

## Die Frage

In erster Näherung schein t  ein Defizit unserer  Erfahrungswelt für die Unsicherheiten, die dem Solipsismus zu Grunde liegen, verantwortlich zu sein:

Unsere Wahrnehmung ist trügerisch.

FIXME --- Empirische Tautologie ---

Nur Gegenstände in Frage --- Empirie bleibt gleich == Beziehungen stabil

 Nur weil ich etwas  als Gegenstand  wahrnehme, heißt das nicht, dass es auch so ist.  Jede  meiner Wahrnehmungen kann reine Illusion  sein 17

 Abhandlung, Satz 5.634.
 .

Die  mit dieser Tatsache verbundenen Befürchtung en verweis en selbst wieder auf ein sehr gängiges Bild der Welt:

Die Welt besteht aus Gegenständen.

 Für eine korrekt e  Wahr nehmung der Welt reicht hin wenn meine Wahrnehmung die Gegenstände, wie sie in der Welt gegeben sind, spiegelt:

Das solipsistische Szenario stellt nur die Gegenstände, nicht ihre Beziehungen untereinander, in Frage – sonst der Solipsismus ist  keine eine empirische Tautologie.

.

 Die Möglichkeit der Illusion entzieht diesem Bild der Welt seine Basis:

Kann alles eine Illusion sein, steht jedes meiner Urteile und Handlungen in Gefahr falsch zu sein, weil es auf Basis falscher Fakten – falscher Wahr­nehmung – zu Stande kam.

An dieser Stelle von  Wahr- oder  Falsch heit zu sprechen, impliziert die Annahme, dass es ein Welt außerhalb meiner Wahrnehmung gibt.
