This commit is contained in:
marcusH
2026-05-27 09:05:00 +02:00
parent b9859174f3
commit 261c0c5241
703 changed files with 207270 additions and 4314612 deletions
@@ -0,0 +1,625 @@
E xposé zu
Was ist Wahrheit?
Wittgensteins Logisch-philosophische Abhandlung
Marcus Hinz
ἐστιν ἐ στιν
Inhalt
Inhalt
Einleitung 0
Textanlage 0
Die Satznummern 0
1 Tatsachen und Sachverhalte 1
1.1 Russells Sicht 1
1.2 Die Idee 2
2 Das Bild 5
2.1 Der Bildinhalt: Gegenstand, Sachverhalt & Logischer Raum 5
2.1.1 Gegenstände (Sachen, Dinge) 5
2.2 Die Bildtheorie 7
3 Das Satzzeichen / Der Satz als Modell 9
3.1 Satzinhalte 9
3.2 Der Satz als Tatsache 9
3.3 Elemente des Satzes 9
3.4 Strukturelle Eigenschaften des Satzes 9
3.5 Satzsinn 9
4 Der Satz 10
4.1 Natürliche Sprache 10
4.2 Der Satz als dynamisches Modell 10
4.3 Grenzen der Sprache 10
4.4 Elementarsatz und Logischer Raum 10
4.5 Die Wahrheitstafel 10
4.6 Wahrheitsgründe des Satzes 10
4.7 Die allgemeine Form des Satzes 10
5 Wahrscheinlichkeit / Logischer Schluss 11
5.1 Elementarsatz als Argument 11
5.2 Wahrheitsgründe 11
5.3 Interne Relationen / Wahrheitsoperationen 11
5.4 Prinzip der Reduzierbarkeit 11
5.5 Logische Gegenstände 11
5.6 Satzbedeutung 11
5.7 Solipsismus 11
6 Conclusio 12
6.1 Die Zahl 12
6.2 Logischer Schluss 12
6.3 Mathematik 12
6.4 Naturwissenschaften 12
6.5 Ethik 12
6.6 Das Mystische 12
7 Schluss 12
## Einleitun g
Das vorliegende Dokument fasst Gedanken, die ich in den letzten drei Jahren zu Wittgensteins Logisch philosophische Abhandlung entwickelt habe, zusammen.
Es ist keine abschließende Darstellung der Überlegungen, ste l lt vielmehr die Grund ­ ideen möglichst kurz dar .
Das Dokument soll helfen, Be ­ wertungen und Ideen zu sammeln, um entscheiden zu können , ob es Wert ist, die Überlegungen weiter zu verfolgen .
Neu an den Gedanken ist soweit ich sehen kann mein Verständnis der Begriffe Tatsache und Sachverhalt, die das Fundament Wittgensteins Über ­ legungen bilden.
Mein Verständnis erlaubt, die Ab h andlung als geschlossen Text zu verstehen , statt sie wie häufig zu lesen als Ansammlung unzusammen­hängender Sätze zu begreifen .
Bevor wir starten, zwei Anmerkungen zu meiner Lesart der Abhandlung :
## Text anlage
Wittgensteins Thema in der Abhandlung ist die Zeichenspr a che 1
Vgl. Satz 4.1121
.
Die dabei zu Grunde gelegte Bildtheorie ist die Basis jeder Überlegung der Abhandlung .
Der Text folgt aber nicht d i e se r Systematik. Wittgenstein gibt dem Text einen universelleren Aufbau: Beginnend mit der Ontologie entwickelt Wittgenstein ein systematisch korrektes Bild der Welt, das abschließend und unabhängig von seine r speziel l en Deduktion der Wahrheit Bestand haben soll.
Wittgenstein führt die Bildtheorie in Satzreihe 2.1* ein.
Satzreihen 1.* und 2.0* beruhen also auf der Bildtheorie, ohne dass sie ein ­geführt wurde. Das trifft insbesondere Satzreihe 2.0 zu: Wittgensteins Gedanken zu Gegen ­ ständen und Sach ­ ver ­ halten sind kaum zu verstehen, da er sich in seiner Argumentation auf Begr iffe und Konzepte bezieht, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht eingeführt sind.
Ich werde bei der Vorstellung dieser Satzreihe deshalb nicht ins Detail gehen, vielmehr werde ich auf Referenzstellen im späteren Textverlauf hinweisen, die Wittgensteins Argumente ausleuchten.
## Die Satznummern
Wittgenstein legt den Text nicht als klassischen Fließtext an.
Er ordnet seine Gedanken vielmehr in ein Satzgefüge, das über Nummern, die jedem der Sätze vorangestellt sind, die formale Stellung jedes Satzes zu jedem anderen Satz des Texts voll­ständig t ransparent macht.
Wittgenstein erläutert d ie Systematik der Satznummern in Fußnote zu Satz 1:
Die Decimalzahlen als Nummern der einzelnen Sätze deuten das logische Gewicht der Sätze an, den Nachdruck, der auf ihnen in meiner Darstellung liegt. Die Sätze n.1, n.2, n.3, etc., sind Bemerkungen zum Sätze No. n; die Sätze n.m1, n.m2, etc. Bemerkungen zum Satze No. n.m; und so weiter.
Satznummern, die eine 0 enthalten, sollte es laut dieser Systematik nicht geben.
Über die Hälfte des Textes findet sich in Sätzen mit Satz­num­mern, die eine 0 enthalten.
Darüber hinaus beginnen Satzreihen, die Satznummern mit 0 enthalten, anders als Satzreihen mit regulär nummerierten Sätzen:
Der Übergang von Satz 2 zu Satzreihe 2.1* wird über den regulär nummerierten Satz 2.1 hergestellt. Der Übergang von Satz 2 zu Satzreihe 2.0* dagegen über Satz 2.01. Der Satz 2.0 als eigenständige Anmerkung entfällt.
Meine Lesart der Systematik dieser Nummern:
-
Die 0 in der Satznummer führt dazu, dass die Nummer länger wird. Das logische Gewicht so num­merierter Sätze wird geringer.
-
In der Sortierung rutscht der so num­merierte Satz aber vor die Sätze mit regulärer Num­merierung.
Die 0 in der Satznummer gibt Wittgenstein die Möglichkeit, Sätze an der regulären Systematik vorbei, vor andere Sätze zu schmuggeln, ohne ihnen ein ungewollt hohes logisches Gewicht geben zu müssen.
Ich behandle diese Sätze als einleitende Bemerkungen zum eigent ­lichen Thema, das in den regulär nummerierten Sätzen besprochen wird.
0 steht für eine Vorbemerkung zu regulären Sätzen, 00 für Vor ­be ­merkungen zu Sätzen, deren Nummer eine 0 enthält.
## Tatsachen und Sachverhalte
Satzreihe 1.*
In Satzreihe 1 bespricht Wittgenstein die der Abhandlung zu Grunde gelegte Ontologie.
Wittgenstein betrachtet die Welt als „die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge“ 2
LPA Satz 1.1
: Er setzt der gängigen Dingontologie eine Tatsachenontologie ent ­ gegen.
Zu Beginn v on Satzreihe 2 führt Wittgenstein ergänzend die Sachverhalte ein. Wie sich die Sachverhalte zu den Tatsachen verhalten, bleibt aber unklar. Wittgenstein formuliert an dieser Stelle etwas nebulös: „ die Tatsache ist das Bestehen von Sachverhalten“ 3
LPA Satz 2
.
## Russells Sicht
In seinem Vorwort zur Abhandlung formuliert Russell die wohl gängigste Interpretation des Verhältnisses von Tatsache und Sachverhalt 4
LPA S. 262 Abs. 1 Ende
:
What is complex in the world is a fact. Facts which are not compounded of other facts are what Mr. Wittgenstein calls Sachverhalte, whereas a fact which may consist of two or more facts is a Tatsache: thus, for example “Socrates is wise” is a Sachverhalt, as well as a Tatsache, whereas “Socrates is wise and Plato is his pupil” is a Tatsache but not a Sachverhalt.
Dieser Sicht nach unterscheiden sich Tatsache und Sachverhalt nicht wesentlich.
Jeder Sachverhalt ist für sich bereits eine Tatsache, Tatsachen nicht mehr als eine Ansammlung von Sachverhalten.
Diese These passt aus mehreren Gründen nicht zum Text.
Der wichtigste ist wohl ein Widerspruch, der entsteht, zieht man Satz 2.01 in Betracht:
2.01 Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (Sachen, Dingen.)
Nimmt man an, dass Sachverhalte aus Gegenständen bestehen, und darüber hinaus, dass Tatsachen Sachverhalte sind, dann bestehen auch Tatsachen aus Gegenständen.
Ist dem so, ist die Welt die Summe der Gegenstände, nicht der Tatsachen, da die Gegenstände dann die Tatsachen konstituieren.
Ein klarer Widerspruch zu Satz 1.1, der postuliert, dass die Welt die Summe der Tatsachen und eben nicht der Gegenstände ist.
Tatsächlich sagt Wittgenstein an verschiedenen Stellen der Abhandlung , dass Sachverhalte aus Gegenständen bestehen, aber an keiner, dass das auch für Tatsachen gilt.
Und genauso wenig gibt es eine Stelle in der Abhandlung , in der Wittgenstein vo n der Tatsache sagen würde, dass sie e in Sachverhalt sei .
Ich habe eine These zum Verhältnis von Gegenstand, Sachverhalt und Tatsache entwickelt, die diesen Widerspruch vermeidet.
## Die Idee
E ine Tatsache ist jedes Stück Wirklichkeit, über das wir Aussagen tref ­ fen können, ohne den weiteren Kontext der Tatsache zu kennen 5
Ich verzichte an dieser Stelle bewusst darauf, von Tatsachen zu sagen, sie seien unabhängig voneinander. Ich folge hier Wittgenstein, der diese Ausdrucksweise ebenfalls vermeidet (vgl. S. 1.21) ich vermute mit Blick auf seine Überlegung in Satz 6.45.
.
Zum Beispiel so etwas : 6
Ich werde Tatsachen immer als Fotografien darstellen.
Das ist natürlich ein Kompromiss: Gerüche, Haptik und Geräusche werden so z um B eispiel nicht abgebildet, obwohl sie Teil der Tatsache sind. Es ist das Beste, das ich in einem Buch bieten kann.
Sätze zu wählen verbietet sich: Sätze sind immer schon Bilder.
Wolfgang Brendel als Papageno in Mozarts Zauberflöte, München 2005
Der Kontext der dargestellten Tatsache ist nicht bekannt. Man weiß z.B. nicht, ob sich noch weitere Sänger auf der Bühne befinden. Genauso wenig ist klar, ob es sich um eine Probe oder eine Aufführung handelt, etc..
Trotzdem ist es möglich sinnvolle Aussagen zur Tatsache zu machen, etwa, dass ein Mann auf einer Bühne steht.
D ie Frage, was auf dem Bild zu sehen ist, kann sehr verschieden beantwortet werden . Ich möchte zwei mögliche Antworten herausgreifen und ein wenig näher beleuchten:
-
Es ist Papagenos erste r Auftritt in Mozarts Zau ­ber ­flöte.
-
Es ist Wolfgang Brendels erste r Auftritt in Mozarts Zauberflöte.
Beide Aussagen sind wahr, beide Aussagen beziehen sich auf denselben Gegenstand, nämlich diesen da .
Jetzt sieht es so aus, als wäre ein gegebenes Ding zwei Dinge gleich­zeitig, nämlich ein Sänger und eine Opernfigur.
Man kann versuchen die ontologische Doppeldeutigkeit z.B. so zu vermeiden:
Richtig hätte ich sagen müssen: „Es ist Wolfgang Brendel in der Rolle des Papageno bei seinem ersten Auftritt in Mozarts Zauberflöte.“
Der Satz wird quasi ontologisch nach Wolfgang Brendel aufgelöst, die Opern ­figur verschwindet als selbstständiger Teil der Welt: Eindeutigkeit ist hergestellt.
Ein Einwand:
Die Wenigsten werden gewusst haben, dass die singende Person Wolfgang Brendel ist, viele davon aber sehr wohl Papageno erkannt haben.
Der Sänger hat zunächst nichts mit der Opernfigur zu tun.
Ich kann den Satz „ Es ist Papagenos erste r Auftritt in Mozarts Zauberflöte.“ verstehen, ohne Wolfgang Brendel zu kennen.
Die zugrunde liegende Tatsache stellt keine not­wendige Beziehung zwischen Sänger und Opern­figur her.
Deutlicher wird das Argument, nimmt man eine zweite Tat­sache hinzu:
Papageno in Mozarts Zauberflöte, Lindauer Marionettenoper, 2012 (?)
Wieder Papagenos erster Auftritt in der Zauberflöte.
Dieser Umstand setzt beide Tatsachen in Beziehung zueinander: Man kann etwa Papagenos Kostüm oder sein Erscheinen auf der Bühne in der jeweiligen Inszenierung vergleichen.
Diesmal ist Papageno eine Marionette.
Der Vergleich funktioniert nur, wenn der Sänger für die Opern ­figur unerheblich ist; wenn man vom Sänger absehen und trotz ­dem die Opernfigur betrachten kann.
Der Satz „ Es ist Papagenos erste r Auftritt in Mozarts Zauberflöte.“ handelt nicht von Wolfgang Brendel und es ist eine wesentliche Eigenschaft des Satzes, nicht von Wolfgang Brendel zu handeln.
Wäre dem nicht so, könnte man z.B. die Kostüme nur ver ­gleichen, wenn Wolfgang Brendel sie trägt.
Die Sätze „ Es ist Papagenos erste r Auftritt in Mozarts Zauberflöte.“ und „ Es ist Wolfgang Brendels erste r Auftritt in Mozarts Zauberflöte“ sind logisch unabhängig von ­einander und müssen es sein.
Trotzdem treffen beide Sätze gleichermaßen auf dasselbe Stück Welt dieselbe Tatsache zu.
Die Sätze beschreiben zwei Sach­verhalte, die unabhängig von ­einander und gleich­berechtigt auf zutreffen.
Das ist Wittgensteins Grund gedanke:
2 Was der Fall ist, die Tatsache, ist das Bestehen von Sach ­verhalten.
Zu jeder Tatsache jedem Stück Welt gibt es ver ­schiedene, logisch von ­einander unabhängige Zugangs ­weisen, die nicht auf ­einander reduziert werden können.
Jeder dieser Zugangsweisen ent ­spricht ein Sach­verhalt, der gleichberechtigt neben allen anderen Sachverhalten, die auf die Tatsache zutreffen, besteht.
Umgekehrt:
Ein Ding, das außerhalb jeder Bezugs ­weise nur für sich existiert, gibt es nicht.
D ieses da ist t atsächlich zwei Dinge gleichzeitig: Je nach Bezugs­weise Papageno oder Wolfgang Brendel.
Ge genstände sind in diesem Sinne Nichts in der Welt, kenn­zeichnen vielmehr Bezugs­wei­sen auf eine Welt, die sich in Tatsachen manifestiert .
1.1 Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge.
## Das Bild
Satzreihe 2.*
Mit seiner Sicht de s Gegenst and s fügt Wittgenstein der Welt eine zweite Ebene hinzu, die verschiedene Bezugsweisen verschiedene Sichten auf d as selbe Stück Welt dieselbe Tatsache erlaubt.
Diese Ebene nennt Wittgenstein Wirklichkeit7
Zuerst in S. 2.06: „Das Bestehen und Nichtbestehen von Sachverhalten ist die Wirklichkeit.“
.
Bilder bilden die Wirklichkeit ab, sie stellen Sachverhalte dar:
Erst Tatsache und Bezugsweise gemeinsam erlauben die Formulierung von Inhalten, die klar genug sind, als Bild fungieren zu können.
## Der Bildinhalt: Gegenst a nd, Sachverhalt & Wirklichkeit
Satzreihe 2.0*
Die Systematik hinter diesen Überlegungen führt Wittgenstein in Satzreihe 2.0* ein. Zentral sind hier die Begriffe Gegenstand, Sachverhalt und Wirklichkeit .
## Gegenst and und Wirklichkeit
Sein erste r Auftritt in der Zauberflöte ist nicht der einzige Sachverhalt, in dem Papageno eine Rolle spielt. Er ist z.B. ein ziemlicher ängstlicher Typ, der zum Trinken neigt.
In all diesen Sachverhalten spielt derselbe Papageno eine Rolle, der auch seinen ersten Auftritt in der Zauberflöte hat: Ein Gegenstand kann nicht auf sein Vor ­kommen in einem Sachverhalt reduziert werden. Er ist eine Konstante die ver ­schiedenen Sachverhalten eigen ist.
Die Existenz der Konstante verbürgt deshalb nicht die Existenz eines Gegen ­ stands, der unabhängig von den Sachverhalten wäre, weißt vielmehr nur darauf hin, dass in all diesen Sachverhalten dieselbe Bezugsweise auf die Tatsachen gewählt wurde.
Die durch die Konstante suggerierte Selbständigkeit ist so Wittgenstein nur scheinbar 8
Auf die Unterscheidung von Sachverhalt und Sachlage gehe ich gleich ein.
:
2.011 Es ist dem Ding wesentlich, der Bestandteil eines Sachverhaltes sein zu können.
[ … ]
2.0122 Das Ding ist selbständig, insofern es in allen mögliche n Sachlagen vorkommen kann, aber diese Form der Selbständigkeit ist eine Form des Zusammenhangs mit dem Sachverhalt, eine Form der Unselbständigkeit. (Es ist unmöglich, dass Worte in zwei verschiedenen Weisen auftreten, allein und im Satz.)
2.0123 Wenn ich den Gegenstand kenne, so kenne ich auch sämtliche Möglich ­keiten seines Vorkommens in Sachverhalten.
(Jede solche Möglichkeit muss in der Natur des Gegenstandes liegen.)
Es kann nicht nachträglich eine neue Möglichkeit gefunden werden.
Die Konstante der Gegenstand (Sache, Ding) ist die vollständige und abschließende Vor­stel­lung 9
M it „Vorstellung“ reflektiere ich, dass Wittgenstein von „kennen“ spricht.
von allen Sachverhalten, in denen sie auftreten kann .
Die Konstanten bilden Kristallisationspunkte , um die herum sich Sachverhalte als Verbindungen .
D ie ordnende Funktion kann wiederum nur ausgefüllt werden, wenn Gegen­stände eine Eigenschaft besitzen :
2.02 Der Gegenstand ist einfach.
[ … ]
2.021 Die Gegenstände bilden die Substanz der Welt. Darum können sie nicht zusammengesetzt sein.
Wittgenstein verwendet den größten Teil der Satzreihe darauf, diese Forderung zu untermauern. E s ist eine seiner zentralen Überlegungen zu den Grenzen der Sprache.
Wie schon in der Einleitung angemerkt, beruhen seine Argumente in der Satzreihe aber allesamt auf der Bildtheorie, die an dieser Stelle noch nicht eingeführt ist.
Hier deshalb nur eine erste Näherung an das zentrale Argument der Satzreihe:
2.0211 Hätte die Welt keine Substanz, so würde, ob ein Satz Sinn hat, davon abhängen, ob ein anderer Satz wahr ist.
2.0212 Es wäre dann unmöglich, ein Bild der Welt (wahr oder falsch) zu entwerfen.
Nehmen wir an, ich sei der Auffassung, die Farbe sei bei der Namensgebung der Blume schon immer sträflich vernach­lässigt worden.
Statt von Blume möchte ich deshalb im Falle von:
roten Blumen → Bloten
gelben Blumen → Blelben
blauen Blumen → Blaumen
[ … ]
sprechen.
Mit der Blote, Blelbe und Blaume habe ich drei Gegen­stände eingeführt, die Wittgensteins Anforderung an einen Gegen­stand aus Satz 2.02331 genügen:
Man kann Blote, Blelbe und Blaume „durch eine Beschreibung aus den anderen herausheben, und darauf hinweisen“.
Im Argument fordert Wittgenstein zunächst ein en Satz, in dem der Gegenstand eine Rolle spielt. Nehmen wir einfach „Die Blaume blüht“.
Man muss also zeigen können, dass die Sinnhaftigkeit des Satzes „Die Blaume blüht“ davon ab­hängt, dass eine Blaume einfach ist.
Im Argument ist von einem zweiten Satz die Rede, von dessen Wahr- oder Falschheit der Sinn des Satzes nicht abhängen darf.
Die zur Definition der Gegenstände genutzten Beschreibungen sind nahe ­liegende Kandidaten.
Da sie Sätze sind, können die Beschreibungen wahr oder falsch sein.
Die Be­schrei­bung „blaue Blume“ trifft z.B. auf zu, während sie auf nicht zutrifft.
Und wäre die Beschreibung falsch, weil es sich in Wirklichkeit nicht um eine Blume, sondern ein Auto handelt, wäre der Satz „Die Blaume blüht.“ unsinnig.
Der Sinn des Satzes „Die Blaume blüht.“ würde von der Wahrheit des Satzes „blaue Blume“ abhängen.
Das ist unmöglich: Der Sinn des Satzes ist gegeben, ohne dass es eine Tat ­sache gibt, auf die er angewendet wird.
Die Ver ­gleichs ­tatsache, d ie ich bräuchte, um festzustellen, ob „ blaue Blume“ wahr oder falsch ist, ist für das Verständnis des Sinns nicht notwendig.
Der Satz hat einen von den Tatsachen unabhängigen Sinn.
In Konsequenz:
2.024 Die Substanz ist das, was unabhängig von dem was der Fall ist, besteht.
2.025 Sie ist Form und Inhalt.
Der Sinn des Satzes „blaue Blume“ stimmt inhaltlich qua Definition mit der Bedeutung von „Blaume“ überein.
In der Form unterscheiden sich beide Konstrukte aber wesentlich. 10
Dazu Satz 3.232
Der Satz ist strukturiert und kann deshalb wahr oder falsch sein. Wahr- oder Falschheit sind Eigenschaften, die sich aus der Struktur der Konstruktion herleiten.
Das
#Der Gegenstand wird qua Beschreibung definiert, das Definierte kann aber nicht die Form der Definition haben.
Wenn die Definition des Gegenstands eine andere Form als der Gegenstand selbst hat, bleibt zur Kennzeichnung des Gegenstands nur das Zeichen selbst.
D as Zeichen ist einfach:
Anders als im Falle des Satzes, bei dem eine Änderung der Bestandteile zu einer Änderung des Sinns führt, führt eine Änderung der Bestandteile des einfachen Zeichens (sprich: Wort) nur zum Fehler.
Sollte d er Gegenstand differenziert sein , könnte die Differenzierung im ein­fachen Zeichen keinen Ausdruck finden. Die Bedeutung des Zeichens wäre unklar.
Diese Bedeutung ist gemeint, wenn von Gegenständen d ie Rede ist :
Die Argumente an dieser Stelle aufzulösen bedeutet nur, die Abhandlung bis ungefähr Satz 5 vorzuziehen. Darauf möchte ich verzichten.
## Die Bildtheorie
Bildelemente un d strukturelle Abbildung
2.1**
## D as Satz zeichen / Der Satz als Modell
## Satzinhalte
Der Gedanke
3.0*
## D er Sat z als Tatsache
Das Satzzeichen
3.1*
## Elemente des Satzes
Namen / Urzeichen
3.2*
## Strukturelle Eigenschaften des Satzes
Satzvariable
3.3*
## Satzsinn
Logische Ort
3.4* / 3.5
## Der Satz
## Natürliche Sprache
Sprache als Organ (reden, ohne zu wissen, wie die Bedeutung zu Stande kommt)
4.00*
## Der Satz als dynamisches Modell
Strukturelle Abbildung & Logische Mannigfaltigkeit
4.0*
## Grenzen der Sprache
Sagen vs. Sich Zeigen
4.1*
## Elementarsatz und Logischer Raum
Logischer Raum = Elementarsatz x Elementarsatz
4.2*
## Die Wahrheitstafel
Die Wahrheitstafel als Hilfsmittel zu r Systematisierung des logischen Raums
4.3*
## Wahrheitsgründe des Satzes
Reduktion der Wahrheits möglichkeiten des Satzes auf die Wahrheits ­ möglichkeiten der enthaltenen Elementarsätze.
Elementarsatz Wahrheitsfunktion seiner selbst.
Tautologie / Kontradiktion
4.4*
## Die allgemeine Form des Satzes
Es verhält sich so und so.
4.5*
## Wahrscheinlichkeit / Logischer Schluss
## Elementarsatz als Argument
Kritik an der Theorie Freges von der Bedeutung der Sätze und Funktionen
Elementarsätze als Wahrheitsargumente
5.0*
## Wahrheitsgründe
Logischer Schluss als strukturelle Eigenschaft von Satzgefügen. (Sätzen?)
Tautologie / Kontradiktion / Wahrscheinlichkeit
5.1*
## Interne Relationen / Wahrheitsoperationen
Wahrheitsoperation als Anwendung der Wahrheitsfunktionen auf die Elementarsätze.
Wahrheitsoperation als nicht materielle Regel zur Erzeugung eines Satzes aus einem anderen Satz (anderen Sätzen?) in Satzgefügen.
5.2*
## Prinzip der Reduzierbarkeit
Reduzierbarkeit der Wahrheitsfunktion aller Sätze (Satzarten?) auf die Wahrheitsfunktionen der Elementarsätze
5.3*
## Logische Gegenstände
Keine logischen Gegenstände.
Keine „nur“ logischen Strukturen / Gesetze → Es gibt nur einen Schluss
5.4*
## Satzbedeutung
Satzbedeutung = Verneinung aller anderen Sätze
Satzbedeutung = Stellung des Satzes im logischen Raum → Form der Abhandlung
5.5*
## Solipsismus
Solipsismus als empirisches Tautologie
Beweis Wittgensteins Auffassung der Gegenstände.
5.6*
## Conclusio
## Die Zahl
Zahlen → Resultat von Zeichenmanipulationen / Repräsentieren keine Klassen (Mengen)
6.0*
## Logischer Schluss
Der logische Schluss als Zeichenoperation (geometrische / mechanische Herleitung)
6.1*
## Mathematik
Reduktion der Mathematik auf Tautologien (Gleichungen → Substitutions ­methode)
6.2*
## Naturwissenschaften
Naturwissenschaft als Beschreibung der Welt gem. einer Form (z.B. physikalische Sicht vs. biologische Sicht).
Naturgesetze als Eigenschaft der Form der Beschreibung nicht des Beschriebenen.
Täuschung: Naturgesetze würden Welt erklären (vorher: Gott als letzte nicht zu erklärende Instanz)
## Et hik
Transzendenz der Ethik.
Keine ethischen Sätze.
6.4*
## Das Mystische
Wegfall der Frage.
6.5*
## Schluss
Satz 7