SRLF in die Sammlung; Kap 03 logischer Raum ausgebaut
- Some Remarks on Logical Form (1929): Volltext, Analyse (Übersicht/17), INDEX-Eintrag - Kap 03: Gegenstand/Einfachheit, Stützpunkt im logischen Raum, intern/extern, Sachverhalt/Sachlage, Neinologie-Randnotiz Co-Authored-By: Claude Opus 4.8 (1M context) <noreply@anthropic.com>
This commit is contained in:
@@ -13,6 +13,17 @@
|
||||
- [2026-05-30 12:25] Gegen McGinns „treacherous": W ist hier nicht trügerisch. Er sagt ganz klar, dass Gegenstände unselbständig sind (Selbständigkeit als Form der Unselbständigkeit, 2.0122) — die Oberfläche ist keine Falle.
|
||||
- --> Daraus die Frage herleiten: warum müssen die Gegenstände dann einfach sein?
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 15:29] Es entsteht ein harter Widerspruch, liest man Gegenstände ontologisch:
|
||||
- 1.1: „Die Welt ist die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge."
|
||||
- 2.01: „Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (Sachen, Dingen.)"
|
||||
- Ontologisch gelesen (Gegenstand/Ding als Baustein der Welt, vgl. 2.021 „Substanz der Welt") kollidiert 2.01 mit 1.1: die Welt wäre dann doch aus Dingen aufgebaut.
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 15:38] 4.2211 — W nimmt ontologisch Stellung, ohne etwas zu sagen:
|
||||
- „Auch wenn die Welt unendlich komplex ist, so dass jede Tatsache aus unendlich vielen Sachverhalten besteht und jeder Sachverhalt aus unendlich vielen Gegenständen zusammengesetzt ist, auch dann müsste es Gegenstände und Sachverhalte geben."
|
||||
- Reine Existenz-Forderung ohne Inhalt: es muss sie geben, wer oder was weiß niemand.
|
||||
- Der „unendlich komplex"-Fall entkoppelt den Gegenstand vom Ende der Analyse → Formrolle, kein gefundenes Atom.
|
||||
- Zweischneidig: die realistische Lesart (Hacker/Pears) liest denselben Satz als ontologische Festlegung. Daher als Stellungnahme ohne Inhalt führen. Verbündete: Anscombe (4.2211 → „Gegenstand" als formaler Begriff).
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 12:59] Warum Gegenstände einfach sein müssen — an zwei Beispielen erläutern:
|
||||
- **1. Kontrafaktische Analyse**
|
||||
- Beispielsatz: „Papageno heiratet Papagena."
|
||||
@@ -21,11 +32,38 @@
|
||||
- --> Leicht zu widerlegen: „Papagenos Kopf, Leib und Arme, aber Taminos Beine heiraten Papagena" — kompletter Unsinn.
|
||||
- --> Ich muss Papageno im Satz behalten: „Papagenos Kopf, Arme, Leib und Beine heiraten Papagena" — Zirkel perfekt.
|
||||
- [2026-05-30 13:18] **Zweiter Teil — Kenny:**
|
||||
- Man könnte argumentieren, dass das Ensemble aus Kopf, Leib, Armen und Beinen Papagena heiratet --> so ist die Verbundenheit ohne den Bezugszirkel auf Papageno gegeben.
|
||||
- Kenny umgeht den Zirkel, indem er statt Papageno das Ensemble aus Kopf, Leib, Armen, Beinen Papagena heiraten lässt — Verbundenheit statt Name.
|
||||
- (Fn schon hier möglich: diese Idee scheint mir allein schon völlig absurd.)
|
||||
- Erste Frage: Was, wenn das linke Bein nicht will? Wird es in die Ehe gezwungen? Wie viele Glieder müssen ja sagen, damit es gilt?
|
||||
- Wendet einer ein, dass man diese Fragen aus logischer Sicht nicht stellen darf, beweist er nur, dass die unterstellte Komplexität keine echte ist --> der Verbund verhält sich wie EIN Ding, und dieses Ding heißt eben Papageno.
|
||||
- [Claude-Schärfung, prüfen] Dilemma nicht an „Zustimmung" hängen, sondern an „haben die Teile eigenständige logische Stellung — kann ich sie einzeln variieren?". Eigenständige Glieder ⇒ einzeln variierbar (absurd); nicht eigenständig ⇒ ein Name. Das widerwillige Bein bleibt Illustration. Schließt den Schlupf, dass Kenny „heiraten" nie vom Bein, sondern nur vom konfigurierten Ganzen prädiziert.
|
||||
- [2026-05-30 15:13] **2. Umgekehrt — ein Wort erfinden (Blaume)**
|
||||
- Kunstwort: blaue Blume → Blaume (analog Blote / Blelbe). Beispielsatz: „Die Blaume blüht."
|
||||
- Ein Komplex hat Konfigurationen (Permutationen seiner Teile). Etwas abzubilden, das so-oder-anders sein kann, verlangt Mannigfaltigkeit — die hat nur der Satz (3.144: Namen = Punkte, Sätze = Pfeile; 4.04).
|
||||
- „blaue Blume" ist eine Konfiguration → bipolar, kann zutreffen oder nicht.
|
||||
- „Blaume" ist ein Name → Bedeutung, aber kein Sinn → kann nicht falsch sein.
|
||||
- Der Satz kann falsch sein, das Wort nicht. Ein Name bildet nicht ab, er benennt. Presst man den Komplex in einen Namen, fällt die Bildhaftigkeit weg — die Konfiguration findet keinen Ausdruck mehr.
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 15:56] Intern / extern / Form:
|
||||
- intern = alle Eigenschaften, die den Raum strukturieren / ihm Form geben.
|
||||
- extern = alle Eigenschaften, die zur Identifikation genutzt werden können.
|
||||
- Blaume extern becshrieben <--> kann blühen z.B. interne Eigenschaft
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 15:50] Gegenstand als Stützpunkt des logischen Raums:
|
||||
- Gegenstände gehören zum **logischen** Raum, nicht zum empirischen / ontologischen. (logischer Raum im expliziten Gegensatz zum empirischen / ontologischen Raum — nicht zum Gemessenen, sondern zum Apparat der Darstellung.)
|
||||
- Sie sind Stützpunkte: um jeden Gegenstand gruppieren sich die möglichen Sachverhalte seines Vorkommens. Rot → Farbraum (2.013; 2.0131: „er hat sozusagen den Farbenraum um sich").
|
||||
- Gegenstand = Summe seiner Vorkommens-Möglichkeiten (2.0123/2.0124: „Wenn ich den Gegenstand kenne, so kenne ich auch sämtliche Möglichkeiten seines Vorkommens"). Cashet „Selbständigkeit als Form der Unselbständigkeit" (oben) ein.
|
||||
- Beispiel: Papagenoraum / Taminoraum / Papagenaraum → Zauberflötenraum.
|
||||
- lokal halten: Die Räume addieren sich nicht frei — die Form der Gegenstände gibt vor, welche Sachverhalte möglich sind (2.0141); der volle logische Raum (2.063) ist mehr als ein einzelner Zauberflötenraum.
|
||||
|
||||
- Substanz der Welt nur eine Form: Strkturiertter / geordneter logischer Raum
|
||||
-
|
||||
- [2026-05-30 17:40] Begriffliche Abgrenzungen / Leserisiken:
|
||||
- Wittgenstein stellt den Sachverhalt zu zwei Begriffen in eine 1:n-Beziehung:
|
||||
- Tatsache / Sachverhalt → Bezugsweisen (wie oben dargestellt).
|
||||
- (evtl. noch schärfen: Welt besteht aus Tatsachen, Bilder stellen aber immer Sachlagen / Sachverhalte dar.)
|
||||
- 2.11: W stellt einer Sachlage n bestehende und nicht bestehende Sachverhalte gegenüber.
|
||||
- Hier ist Klärungsbedarf.
|
||||
|
||||
## Belegstellen
|
||||
|
||||
@@ -46,3 +84,10 @@
|
||||
- [2026-05-30 12:05] Ihr fehlt die Unterscheidung Tatsache / Sachverhalt / Sachlage — und damit die Vielgestaltigkeit der Tatsache. Deshalb bleibt bei ihr alles ein wenig mystisch (vgl. Diskussion 2026-05-24).
|
||||
- [2026-05-30 12:05] Hinweis Bild/Satz: Erst im logischen Raum zeigt sich, dass alle Bilder Sätze sind (Bild = Spezialfall des Satzes). McGinn läuft umgekehrt: Bild ⊃ logisches Bild ⊃ Satz (Satz = engster Fall) — Richtungs-Konflikt, hier zu klären.
|
||||
- [2026-05-30 12:25] „Treacherous": McGinn hält die Eröffnungssätze (1–2.063) isoliert/wörtlich gelesen für trügerisch — erst nach der Bildtheorie als „logic in metaphysical guise" lesbar (change of aspect). Gegenposition → Argumentationsführung.
|
||||
|
||||
## Randnotizen
|
||||
|
||||
- [2026-05-30 18:00] Neinologie (Ort noch offen, wird relevant):
|
||||
- „a ist rot" schließt „a ist grün" aus (verneint ihn); „a ist blau" genauso.
|
||||
- ABER ein negativer Sachverhalt „a ist nicht grün" leistet etwas ganz anderes.
|
||||
- W behandelt die Negation selbst aufwändig — nicht als Nebenbemerkung.
|
||||
|
||||
Reference in New Issue
Block a user