Files
marcusH 261c0c5241 reorg
2026-05-27 09:05:00 +02:00

3.3 KiB
Raw Permalink Blame History

title, short, abbreviations, composition, first_publication, language, type
title short abbreviations composition first_publication language type
Über Gewißheit ÜG
ÜG
OC
On Certainty
19501951 1969 deutsch primärwerk-metadaten

Über Gewißheit — Metadaten

Vollständiger Titel: Über Gewißheit Englischer Titel: On Certainty (OC) Erstveröffentlichung: 1969 (Blackwell / Suhrkamp).

Entstehung

  • Wittgensteins letzte Bemerkungen, geschrieben April 1950 bis April 1951 — die letzte Eintragung trägt das Datum 27. April 1951, zwei Tage vor seinem Tod.
  • Manuskripte: MS 172, 174, 175, 176, 177 — teilweise dieselben Hefte, aus denen auch die Bemerkungen über die Farben und LSPP II stammen.
  • Anlass: G. E. Moore hatte in Proof of an External World (1939) und A Defence of Common Sense (1925) Sätze wie „Hier ist eine Hand" als unbestreitbare Wissens-Sätze gegen den Skeptizismus angeführt. Wittgenstein nimmt das auf — nicht zustimmend, sondern als Anlass zur Klärung von „Wissen" und „Sicherheit".
  • Wittgenstein hatte das Material nicht für den Druck redigiert; die Edition ist eine Auswahl-Komposition durch die Herausgeber, in der Reihenfolge der Manuskripte.

Erstveröffentlichung

  • 1969, hrsg. von G. E. M. Anscombe und G. H. von Wright, Blackwell. Bilingual mit englischer Übersetzung Denis Paul / Anscombe.

Editionen

  • Blackwell 1969 (bilingual) — Standardedition.
  • Suhrkamp Werkausgabe Bd. 8.
  • Bergen Electronic Edition mit vollständiger MS-Treue.

Stellung im Werk

  • Letzter zusammenhängender Themenkomplex: das Verhältnis von „Wissen", „Sicherheit", „Glaube" und „Zweifeln".
  • Zentrale Thesen:
    • Manche Sätze sind nicht „wahr", sondern Grundlage unserer Sprachspiele („Sätze in der Form von Erfahrungssätzen, die aber nicht von Erfahrung kontrollierbar sind", §§9495).
    • Skeptizismus setzt voraus, was er bestreitet (die Sprache, in der zweifelt wird).
    • Methodologisch: das „Flussbett des Denkens" (§§9599) als Bild für die nicht-empirischen Voraussetzungen der Lebensform.
  • Verbindung zu PU und LSPP: thematisch eng mit dem Privatsprachen-Argument und mit der Diskussion der „inneren Vorgänge" verbunden, aber von dort unabhängig.
  • Verbindung zur ABH: nicht direkt; Wittgenstein bezieht sich nicht auf seine Frühphilosophie. Aber strukturell: die ABH suchte Grenzen in der Sprache; ÜG sucht die Grundlagen unterhalb der Wissen-Sprachspiele.

Quelle im Vault

  • Datei: wittgenstein-schriften/Über Gewißheit/Über Gewißheit.md
  • Umfang: 1768 Zeilen (entspricht 676 nummerierten Bemerkungen).
  • Vorlage: Ludwig Wittgenstein Project, basierend auf Anscombe/von Wright-Edition 1969.

Forschungsstand (knapp)

Heißumstrittene Spätschrift — Hauptachsen:

  • Moyal-Sharrock, Understanding Wittgenstein's On Certainty (2004) — „hinge propositions" als Schlüsselbegriff.
  • Pritchard und andere Erkenntnistheoretiker: ÜG als anti-skeptische Strategie.
  • Wright/Strawson: Verhältnis zum Common-Sense-Realismus.
  • Für das Buchprojekt: tangential — falls Solipsismus, Skeptizismus, „Grenzen der Welt" eine Rolle spielen, gibt ÜG die spätere Wittgenstein-Position dazu.

Quellen

  • Anscombe/von Wright, Vorwort 1969.
  • Moyal-Sharrock, Understanding Wittgenstein's On Certainty (2004).
  • Stroll, Moore and Wittgenstein on Certainty (1994).