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marcus hinz aedd4ba314 Kapitelübersichten - 1 - 3
Co-Authored-By: Claude Opus 4.8 (1M context) <noreply@anthropic.com>
2026-06-05 16:48:32 +02:00

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01 - Wittgenstein zur Sprache und Philosophie

Ziel des Kapitels

Wittgenstein sieht in der Sprache ein ganz klar eingrenzbares Problem: Wir wissen nicht, wie die einfachen Zeichen (Worte) bezeichnen. Deshalb bedarf es einer Analyse der Sprache, um logische Klarheit über das Gesagte zu bekommen. Wittgenstein kommt zur Diagnose, weil er die Entdeckung der Bildtheorie gemacht hat, in der Bild und Abgebildetes sich als Tatsachen gegenüberstehen.

Argumentationsführung

Erläuterung am Beispiel "Feuer" in "Feuer ist ein ionisiertes Gas" und dem Ausruf "Feuer, Feuer" --> Komplexität der Umgangssprache wird bei Philosophen oft unterschätzt / ignoriert. Das ist das Problem, auf das Wittgenstein hinweisen und das er lösen möchte.

Belegstellen

4.002 f.

4.002

Der Mensch besitzt die Fähigkeit Sprachen zu bauen, womit sich jeder Sinn ausdrücken lässt, ohne eine Ahnung davon zu haben, wie und was jedes Wort bedeutet. Wie man auch spricht, ohne zu wissen, wie die einzelnen Laute hervorgebracht werden.
Die Umgangssprache ist ein Teil des menschlichen Organismus und nicht weniger kompliziert als dieser.
Es ist menschenunmöglich, die Sprachlogik aus ihr unmittelbar zu entnehmen.
Die Sprache verkleidet den Gedanken. Und zwar so, dass man nach der äusseren Form des Kleides, nicht auf die Form des bekleideten Gedankens schliessen kann; weil die äussere Form des Kleides nach ganz anderen Zwecken gebildet ist, als danach, die Form des Körpers erkennen zu lassen.
Die stillschweigenden Abmachungen zum Verständnis der Umgangssprache sind enorm kompliziert.

4.003

Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Wir können daher Fragen dieser Art überhaupt nicht beantworten, sondern nur ihre Unsinnigkeit feststellen. Die meisten Fragen und Sätze der Philosophen beruhen darauf, dass wir unsere Sprachlogik nicht verstehen.
(Sie sind von der Art der Frage, ob das Gute mehr oder weniger identisch sei als das Schöne.)
Und es ist nicht verwunderlich, dass die tiefsten Probleme eigentlich keine Probleme sind.

4.112 ff.

4.112

Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken.
Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit.
Ein philosophisches Werk besteht wesentlich aus Erläuterungen.
Das Resultat der Philosophie sind nicht „philosophische Sätze“, sondern das Klarwerden von Sätzen.
Die Philosophie soll die Gedanken, die sonst, gleichsam, trübe und verschwommen sind, klar machen und scharf abgrenzen.

4.1121

Die Psychologie ist der Philosophie nicht verwandter als irgend eine andere Naturwissenschaft.
Erkenntnistheorie ist die Philosophie der Psychologie.
Entspricht nicht mein Studium der Zeichensprache dem Studium der Denkprozesse, welches die Philosophen für die Philosophie der Logik für so wesentlich hielten? Nur verwickelten sie sich meistens in unwesentliche psychologische Untersuchungen und eine analoge Gefahr gibt es auch bei meiner Methode.

4.114

Sie soll das Denkbare abgrenzen und damit das Undenkbare.
Sie soll das Undenkbare von innen durch das Denkbare begrenzen.

4.116

Alles was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen.

Stärke / Schwäche

Stärke: Einfache und klare These zum Thema der Abhandlung Direkte Brücke zur Bildtheorie ist im Ziel-Abschnitt bereits angelegt — die These motiviert das nächste Kapitel Kenny stützt den Frame textnah; Russells Idealsprach-Lesart wird im Kontrast sichtbar Die These erlaubt, das ganze Buch als eine Bewegung zu lesen: Problem → Bildtheorie → Satz → Grenze

Schwäche: Vielleicht zu einfach und eindimensional? These greift den Sprach-Aspekt, deckt aber nicht warum die ABH bis zu Ethik/Mystik weiterzieht — Logik, Tautologie, Solipsismus wirken dann wie Anhängsel statt Konsequenzen

Sekundärliteratur

Russell

  • sieht ideale Sprache als Ziel
  • ignoriert Wittgensteins Anmerkung, dass die natürliche Sprache logisch vollkommen geordnet ist
  • kommt zum Schluss, dass man Wittgensteins Idee nur in unsinnigen Sätzen ausdrücken kann (woher er das auch immer nimmt)

Kenny

  • sieht im Nicht-Verstehen der Umgangssprache das Problem, das Wittgenstein lösen möchte (p. 15, p. 27)
  • nimmt sie deshalb ernst (das passt mir) (p. 15)
  • PU brauchen wir an dieser Stelle nicht
  • Kenny sieht darin Wittgensteins Motivation, die Bildtheorie zu schaffen

McGinn

  • leitet das Thema der Abhandlung aus den Notebooks als Außenquelle her
  • identifiziert das "one great problem" mit der Natur des Satzes (NB p. 23, 39, 40)