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2026-06-13 16:29:37 +02:00

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stil Schreibt oder überarbeitet Text im Schreibstil von Marcus Hinz (Buchprojekt "Was ist Wahrheit"). Nutzen, wenn der User Text "im Stil", "in meinem Stil", "im Buchstil" verfasst oder eine Passage entsprechend umgeschrieben haben will.

Schreibstil Marcus Hinz

Abgeleitet aus dem Korpus in material4skill/ (Hauptdokument "Vom Bild zum Solipsismus", 2026-Einleitung, buffer.odt). Ziel: nüchterne, didaktisch klare Philosophie-Prosa, die ihre eigene Perspektivität durchscheinen lässt, ohne in Essayistik zu kippen.

Zielpublikum (Prüfkriterium)

Ein Abiturient muss den Text ohne Vorwissen folgen können. Das ist der Maßstab, an dem jede Passage zu messen ist — nicht akademische Vollständigkeit. Konkret heißt das:

  • Jeder Fachbegriff wird vor seiner Verwendung an einem Beispiel eingeführt, nie vorausgesetzt.
  • Kein Schritt überspringt eine Abstraktionsstufe: Wenn ein Leser ohne Vorwissen den Sprung nicht mitmachen kann, fehlt ein Zwischenschritt oder ein Beispiel.
  • Voraussetzungsreiche Anspielungen (Sekundärliteratur, Schuldebatten) gehören in die Fußnote, nicht in den Haupttext.
  • Im Zweifel: ein Beispiel mehr, ein Fremdwort weniger. Das verträgt sich mit der Begriffskonstanz und dem induktiven Vorgehen — es widerspricht ihnen nie.

Zwei Granularitäten: Absatz vs. Zeilenumbruch (zentral)

Der wichtigste Strukturzug. Der Text arbeitet auf zwei Ebenen, die in der ODT durch eigene Absatzvorlagen getrennt sind (Text_20_body mit Abstand danach vs. LineBreak ohne Abstand):

  • Absatz = ein Schritt im Argument. Vertikaler Abstand davor/danach. Jeder Absatz ist eine eigenständige Bewegung: These, Beleg, Einwand, Zwischenfazit. Oft nur ein bis zwei Sätze lang.
  • Zeilenumbruch (gestapelte Zeile, kein Abstand) = gehört eng zum Block darüber, kein neuer Schritt. Eingesetzt für:
    • Lead-in + Aufzählung: ein Satz, der mit Doppelpunkt öffnet, danach die Punkte zeilenweise gestapelt.
    • ein eng gekoppeltes Satzpaar, das eine Einheit bildet.

Faustregel: Neuer Gedanke → Absatz (Leerzeile). Dasselbe weiterführen/auffächern → gestapelte Zeile (kein Abstand). Nicht jeden Satz gleich behandeln — erst entscheiden, ob er den Block fortsetzt oder einen neuen Schritt eröffnet.

Abbildung in Markdown (Arbeitsmedium der Kapitel-MDs):

  • Absatz → Leerzeile dazwischen (normaler Markdown-Absatz).
  • Zeilenumbruch → kein Leerzeilen-Abstand: Aufzählungspunkte direkt unter den Lead-in, bzw. das gekoppelte Paar als eine Einheit halten.

Satzbau

  • Hauptsätze, parataktisch gereiht. Kurz bis mittellang. Hypotaxe nur, wo das Argument sie zwingt. Kein Schachtelsatz um der Eleganz willen.
  • Der Doppelpunkt ist das Leitwerkzeug. Muster: These : Erläuterung oder These : Beispiel. Der Doppelpunkt trägt den Großteil der Beweislast. Beispiel: „Strukturelle Eigenschaften können dem Bild weder zugeschrieben noch genommen werden: Sie sind gegeben, oder eben nicht.“ Häufig öffnet der Doppelpunkt zugleich eine gestapelte Aufzählung (siehe oben).
  • Gedankenstrich () zum Einschub und zur Zuspitzung. Eingeschoben: „Es ist denke ich nicht zu schwer zu sehen ...“. Oder als Schlussbewegung: „... ohne dass es dafür eine Rechtfertigung in der Welt gäbe.“
  • Inversion zur Betonung. Sätze beginnen oft mit Adverb, Partizip oder Verb: „Klar ist, dass ...“, „Anders, betrachtet man ...“, „Komplexer ist die Begrenzung ...“.

Argumentation

  • Induktiv vom Beispiel. Erst das konkrete Beispiel (Gliederpuppe, Papageno, Granit, Stadtplan, Eiffelturm/Kölner Dom), dann die These. Nie umgekehrt. Beispiele sind Argumentträger, keine Illustration.
  • "Nicht X, sondern Y." Begriffe werden durch Abgrenzung geschärft, nicht durch Definition. „Nicht: Ich drücke etwas im Bild aus., sondern: Im Bild drückt sich sein Inhalt aus.“ / „Die Neudefinition ist nicht falsch, sie ist unsinnig.“
  • Negation als Definitionsmittel. Was etwas ist, wird oft gesagt, indem benannt wird, was es nicht ist und nicht leisten kann.
  • Diagnose, klar benannt. Probleme werden ohne Beschönigung markiert: „scheitert in der Lesepraxis krachend“, „Hier scheitert die Form ein zweites Mal“, „windschief zueinander“. Kein akademisches Abfedern.
  • Erste Person, perspektivisch und bescheiden. „Ich möchte zeigen ...“, „Ich halte mich an die einfachste Möglichkeit ...“, „zumindest ging es mir so“. Das Ich markiert den Standpunkt, posiert nicht.
  • Zwischenfazit statt Pointe. Abschnitte schließen mit nüchterner Bündelung (oft als gestapelte Liste „Drei Kernprinzipien lassen sich klar herausstellen:“), nie mit rhetorischem Schlusspunkt.

Wortwahl (korpusbelegt)

  • Begriffskonstanz vor Eleganz. Ein kleines Inventar, ständig wiederholt: Bild, Form, Satz, Welt, Zeichen, Bedeutung, Abbildung, Vertretung. Dasselbe Wort für dieselbe Sache — kein Synonym-Ausweichen, keine Variation um der Abwechslung willen. Die Wiederholung ist gewollt (Termini-Stabilität).
  • Scharniere sind Logikwörter, kein Schmuck. Tragend: erst, aber, nur, also, damit, weil, vielmehr, dagegen, umgekehrt, genauso, indem. „erst“ und „nur“ als Restriktoren zur präzisen Eingrenzung („nur soweit ...“, „erst dieses Gerüst erlaubt ...“). Kontrast/Parallele über „vielmehr / dagegen / umgekehrt / genauso“.
  • Kein Hedging, keine Verstärker. „eigentlich/tatsächlich“ nur vereinzelt. Verboten und im Korpus faktisch nie: „letztlich, in der Tat, nicht zuletzt, durchaus, gewissermaßen“.
  • Deutsches Kernvokabular, Fremdwort nur als Terminus (Projektion, Notation, disjunkt, arbiträr, atomar). Kein bildungssprachliches Imponiervokabular.
  • Termini nüchtern, nie zelebriert. Form der Abbildung, logischer Raum, strukturelle Identität — gesetzt, nicht ausgestellt.
  • Verben des Tragens/Zeigens/Greifens. „die Form trägt nicht“, „das Argument trägt weit“, „der Sinn zeigt sich“, „die Form greift auch hier“, „eine Brücke schlagen“, „etwas krachen aufeinander“.
  • Metaphern bildhaft, aber präzise und sparsam. „der Abhandlung eine Beule verpassen“, „archimedischer Punkt“, „leere Hüllen“, „aus dieser Ruine“, „windschief“. Eine pro Gedanke, nie gehäuft.
  • Selbstironie homöopathisch. Erlaubt, aber selten und trocken („Hurra, ich kann fliegen!“). Nie als Stilmittel breitgetreten.

Abstraktion

  • Abstraktion immer an einem Konkretum festgehalten. Granit, Gliederpuppe, Papageno, Stadtplan stehen mitten im begrifflichen Vokabular. Nie zwei Abstraktionsstufen ohne Beispiel dazwischen — das Beispiel kommt zuerst, die Abstraktion wird daran abgelesen.
  • Operationalisieren statt definieren. Ein Abstraktum wird nicht durch „X ist ...“ bestimmt, sondern dadurch, was man mit ihm tun/nicht tun kann: „Tinte kann Granit im ersten Satz ersetzen, im zweiten nicht.“ Die Probe am Fall trägt die Bedeutung, nicht die Erklärung.
  • Abstraktionsgrad wird transparent markiert. Wenn naiv/umgangssprachlich gearbeitet wird, wird es gesagt: „Ich werde die Wörter zunächst naiv umgangssprachlich nutzen. Wenn es holprig wird, werde ich darauf aufmerksam machen.“ Vorgriffe auf später eingeführte Termini werden offen als solche gekennzeichnet (oft in der Fußnote).
  • Von unten nach oben. Bewegung stets vom Modell zum Begriff zur Grenze — nie mit der abstrakten Behauptung beginnen.

Verbote (hart)

  • Keine Pointen-/Clou-/Dreh-Vokabeln, keine essayistischen Schlusspunkt-Floskeln.
  • Kein „intersubjektiv“ — importiert eine fremde Subjekt-Architektur. Stattdessen: „wir krachen aufeinander“, „Geteiltheit zeigt sich“.
  • Keine rhetorischen Fragen als Effekt, kein Pathos der Selbstreflexion.
  • Kein Aufblähen: keine Fülladjektive, keine „in der Tat / letztlich / nicht zuletzt“-Verstärker.
  • Wittgensteins Frühwerk heißt ABH, nie TLP/Tractatus (außer in fremden Zitaten).

Mikro-Mechanik

  • Fußnoten tragen Präzisierungen und Selbstkorrekturen: „Das stimmt nicht ganz: ...“.
  • ABH-Zitate werden mit Satznummer vorangestellt eingerückt, dann im Fließtext erläutert — nie nur paraphrasiert.
  • Übergänge sind kurz und funktional: „In Schritten:“, „Am Beispiel:“, „Drei Beispiele zur Verdeutlichung:“, „Hier meine Idee dazu:“.

Arbeitsweise beim Anwenden

  1. Beim Umschreiben: Inhalt und Argumentgang vollständig erhalten, nur Stil angleichen. Nichts inhaltlich hinzuerfinden.
  2. Beim Neuschreiben: erst das tragende Beispiel suchen, dann die These daraus entwickeln.
  3. Erst die Block-Struktur entscheiden (Absatz = neuer Schritt, gestapelte Zeile = Fortführung), dann Doppelpunkt- und Gedankenstrich-Rhythmus innerhalb setzen.
  4. Keine Formulierungs-Alternativen anbieten (Arbeitsmodus) — eine Fassung liefern, Polier später.
  5. Im Zweifel texttreu und nüchtern bleiben statt zu schärfen — Standard-Rezeption ≠ dieses Projekt.