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![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file17.png)

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I

Und wie konnte ihnen denn der Unterschied nicht zum Bewußtsein kommen, wenn sie einmal mit Schmerzen klagten & einmal ohne Schmerzen? Aber mußte der Unterschied für sie so wichtig sein, wie für uns? (Mancher erzählt in Gesellschaft unwahre Geschichten, die Andern wissen, daß sie unwahr sind, laßen sie aber gelten, wie die wahren. Sie nehmen von dem Unterschied keine Notiz.)

Ein Stamm, der den Begriff der geheuchelten Schmerzen nicht kennt. Wer bei ihnen Schmerz äußert, wird betreut, bemitleidet. Die mißtrauische Haltung zur Schmerzäußerung kennen sie nicht. Der Reisende, der von uns zu ihnen kommt, denkt oft, daß ein Klagen übertrieben ist, daß es falsch ist & nur berechnet, Mitleid zu erzeugen; die Eingeborenen scheinen nicht so zu denken. In ihrer Sprache ist ein Ausdruck, der, wenigstens einigermaßen, dem unsern: "Schmerzen haben", entspricht. -- Ein Missionar lehrt diese Leute unsre Sprache; er erzieht sie aber auch & bei ihm lernen sie, zwischen echtem & geheucheltem Schmerzausdruck unterscheiden. Denn er mißtraut mancher Äußerung & läßt sie nicht gelten, & lehrt die Leute diese Einstellung. Sie lernen unsern Ausdruck "Schmerzen haben", auch den "Schmerzen heucheln", -- haben sie einen neuen Schmerzbegriff erhalten? Ich werde doch gewiß nicht sagen, sie wissen jetzt erst, was Schmerzen sind. Denn das hieße, sie hätten früher nie Schmerzen gehabt. Aber sie mußten für den Gebrauch unserer Worte eine neue Abrichtung erhalten. Diese (Abrichtung) war ähnlich, aber nicht gleich der alten.

[1.]{.series-number} 22.10.1948

Eine Sprache in der es ein Wort "sich fürchteln" gibt, welches bedeutet: sich mit Furchtgedanken quälen. -- Und nun könnte man z.B. annehmen, daß dies Zeitwort keine erste Person des Präsens hat. Das Englische "I am ...ing"

[2.]{.series-number} Wenn ich Einem sage "Ich hoffe, Du wirst kommen" ist es weniger dringend, wenn das Hoffen nur 30 Sekunden gedauert hat, als wenn es 2 Minuten gedauert hätte? "Ich freue mich, daß es Dir gelungen ist!" -- "Wie lange freut es Dich?" Eine seltsame Frage. Aber sie könnte Sinn haben. Die Antwort könnte sein: "Immer, wenn ich dran denke" oder "Zuerst hab ich mich nicht darüber gefreut, aber dann doch" oder "Ich denke immer wieder daran & freue mich" oder "Es fällt mir nur für Augenblicke ein, aber dann freue ich mich", etc.. Man sagt auch "Es ist mir eine dauernde Freude", & "Für einen Augenblick freute ich mich über sein Unglück".

[3.]{.series-number} "Ich ziehe mit dem Läufer" -- "Wie lange ziehst Du?"

[4.]{.series-number} Als Beispiel der Satzform "Wenn p, so q" bedenke: "Wenn er kommt, werde ichs ihm sagen". Wenn er nun nicht kommt, -- habe ich damit mein Versprechen gehalten? -- habe ich's gebrochen? -- Kann man aber sagen jener Satz behaupte einen 'Zusammenhang'? Würde ich auf ihn antworten "Es muß nicht sein"? Es ist nicht, wie wenn der Satz gewesen wäre: "Wenn diese beiden sich treffen, gibt's eine Rauferei." Hier wäre jene Antwort möglich.

[5.]{.series-number} Wie, wenn aber die materielle Implikation behauptet würde (& diesen Fall gibt's!) -- kann ich da auf "p ⊃ q" auch antworten "Es muß nicht sein"? Und was bedeutet das hier?

[6.]{.series-number} "Wenn sich die beiden Pole nahekommen, springt ein Funke über" -- Was betrachtet man als eine Verifikation des Satzes? Die Beobachtung, daß sie sich nie nahekommen? -- Läßt sich, was wir hier sagen wollen, mit der materiellen Implikation ausdrücken? Gewiß nicht; aber vielleicht mit der 'formalen'? Doch ebensowenig. -- Was wir aussagen wollen, ist doch eine Art von Naturgesetz; die Art von Beobachtung, die dazu führt, ist leicht genug vorzustellen. Man hat beobachtet, daß immer ein Funke überspringt, wenn sie einander nahekommen. -- Ist der Satz vielleicht von der Art "(x)․φx ⊃ ψx:(∃x)․φx"? Wenn nicht, so muß dieser Satz doch eine Anwendung haben, wenn auch nicht die gleiche.

[7.]{.series-number} "Wenn er kommt, werde ich ihm sagen ..." ist ein Vorsatz, ein Versprechen. Wenn es kein falsches Versprechen sein soll, darf es sich nicht auf die Gewißheit stützen, daß er nicht kommen wird. Es ist weder eine materielle noch eine formale Implikation.

[8.]{.series-number} Bei einer wissenschaftlichen bedingten Vorhersage könnte man Berechtigung & Richtigkeit unterscheiden. Man konnte sie "berechtigt" nennen, wenn sie aus einer so & so begründeten Theorie folgt, hervorgeht. Wenn also der Vordersatz nicht zutrifft, so kann man dann sagen: wäre er zugetroffen, so wäre ‥‥‥ Nicht das aber gibt mir dazu ein Recht, daß der Vordersatz sich nicht bewahrheitet hat.

[9.]{.series-number} Ein Satz wie der "Jeder Körper bewegt sich ‥‥․" (Trägheitsgesetz), muß er in der Form "wenn -- so" gefaßt werden? "Wenn etwas ein Körper ist, so bewegt es sich ‥‥․" -- Oder muß es heißen: "Es gibt Körper; & wenn etwas ein Körper ist, so ‥․?" (Niemand würde daran denken, es so auszudrücken.)

[10.]{.series-number} 23.10.1948

Es ist offenbar, daß man einen Furchtbegriff einfach zur Anwendung auf Tiere haben könnte, & daß dem Begriffswort die erste Person fehlen würde. Seine dritte Person würde sehr ähnlich der dritten Person von "fürchten" verwendet.

[11.]{.series-number} 24.10.1948

Erinnre Dich, daß der Konjunktiv keinen Sinn hat, außer im Konditionalsatz. Wenn Einer sagt "Ich hätte dieses Spiel gewonnen", wird man fragen: "Wenn --?"

[12.]{.series-number} Nichts schwerer, als die Begriffe vorurteilsfrei betrachten. Denn das Vorurteil ist ein Verständnis. Und darauf verzichten, wenn uns eben daran so viel liegt, --.

[13.]{.series-number} Das Englische "I'm furious" ist kein Ausdruck der Selbstbetrachtung. Ähnlich im Deutschen "Ich bin wütend"; aber nicht "Ich bin zornig". (Entsetzlich wechselt mir der Grimm im Busen ‥‥". Es ist ein Zittern des Grimms.)

[14.]{.series-number} Man fragt sich "Was bedeutet 'ich fürchte mich' eigentlich? Was denke ich dabei ?". Und es kommt natürlich keine Antwort, oder eine die offenbar nicht genügt Die Frage ist: "In welcher Art Zusammenhang steht es?"

[15.]{.series-number} Man könnte auch sagen: "Ich sage es einfach". Denn dies heißt nur: Kümmre Dich nicht um etwas, was das Reden begleitet.

[16.]{.series-number} Kann nun die Äußerung nicht in verschiedenen Zusammenhängen stehen? die ihr einmal das eine, einmal das anderes Gesicht geben?

[17.]{.series-number} Ich sage "Ich fürchte mich ‥‥", der Andre fragt mich "Was wolltest Du damit? War es wie ein Ausruf; oder hast Du auf Deinen Zustand in den letzten Stunden angespielt; wolltest Du hier einfach eine Mitteilung machen?" Kann ich ihm immer eine klare Antwort geben? Kann ich ihm nie eine geben? -- Ich werde manchmal sagen müssen: "Ich habe daran gedacht, wie ich den heutigen Tag verbracht habe & gleichsam unwillig meinen Kopf über mich geschüttelt" -- manchmal aber: "Es hieß: O Gott! wenn ich mich nur nicht so fürchtete!" -- oder: "Es war nur ein Schrei der Furcht" -- oder: "Ich wollte, daß Du weißt, wie mir zu Mute ist." -- Es folgen der Äußerung ja wirklich manchmal solche Explikationen. Aber man könnte sie doch nicht immer geben.

[18.]{.series-number} Man könnte sich Menschen denken, die gleichsam viel bestimmter dächten als wir, & eine Menge verschiedener Wörter gebrauchten, einmal das eine, einmal das andere.

[19.]{.series-number} Nichts ist doch wichtiger, als die Bildung von fiktiven Begriffen, die uns die unseren erst verstehen lehren.

[20.]{.series-number} "Was ist Furcht?" -- "Die Erscheinungen & Anlässe der Furcht sind diese: -- -- --" "Ist also "Ich fürchte mich -- -- --" eine Beschreibung meines Zustandes?" Es kann in einem solchen Zusammenhang & mit einer solchen Absicht gebraucht werden. Aber wenn ich Einem z.B. einfach meine Befürchtung mitteilen will, so ist es keine solche Beschreibung.

[21.]{.series-number} 25.10.1948

"Ich fürchte mich" kann z.B. einfach zur Erklärung meiner Handlungsweise gesagt werden. Es ist dann weit entfernt ein Stöhnen zu sein, kann sogar lächelnd gesagt werden.

[22.]{.series-number} [→ ] Man fragt sich "Was bedeutet 'ich fürchte mich' eigentlich, worauf ziele ich (damit)?" Und es kommt natürlich keine Antwort, oder eine, die nicht genügt. Die Frage ist: "In welcher Art Zusammenhang steht es?"

[23.]{.series-number} Es kommt keine Antwort, wenn man die Frage "Worauf ziele ich", "Was denke ich dabei", etc. dadurch beantworten will daß ich die Worte sage & dabei auf mich achtgebe, aus dem Augenwinkel gleichsam dabei meine Seele beobachte. Ich kann aber allerdings in einem besonderen Fall fragen: "Warum habe ich das gesagt, was wollte ich damit?" & könnte die Frage auch beantworten, aber nicht auf Grund einer Beobachtung von Begleiterscheinungen des Sprechens. Und meine Antwort würde die frühere Äußerung ergänzen, paraphrasieren.

[24.]{.series-number} Was ist Furcht? Was heißt "sich fürchten"? Wenn ich's mit einem Zeigen erklären wollte -- würde ich die Furcht spielen.

[25.]{.series-number} Könnte ich Hoffen auch so darstellen? Kaum. Oder gar Glauben?

[26.]{.series-number} "Ich glaube, er wird kommen." "Ich sage mir immer wieder: 'Er wird kommen'." Für das zweite könnten Leute ein eigenes Verbum haben.

[27.]{.series-number} Meinen Seelenzustand (der Furcht etwa) beschreiben, das tue ich in einem ganz bestimmten Zusammenhang. (Wie eine bestimmte Handlung nur in einem bestimmten Zusammenhang ein Experiment ist. Ist es denn so erstaunlich, daß ich den gleichen Ausdruck in verschiedenen Spielen verwende? Und manchmal auch gleichsam zwischen den Spielen? "Ich dachte an ihn" & "Ich dachte über ihn nach" bedeutet doch sehr Verschiedenes.

[28.]{.series-number} Und rede ich denn immer mit sehr bestimmter Absicht? -- Und ist darum, was ich sage, sinnlos?

[29.]{.series-number} "Now you mention it: I think he'll come". Ich glaube jetzt, Du hast recht: er würde kommen." "Nein. Ich bin davon überzeugt: er wird kommen." Man kann sich bei allen solchen Ausdrücken einen Zusammenhang ausdenken.

[30.]{.series-number} Was gehört dazu, daß man einen Seelenzustand beschreibt? -- Oder könnte ich fragen: Was gehört dazu, daß man seinen Seelenzustand beschreiben will?

[31.]{.series-number} Man könnte auch fragen: "Worauf muß es mir dann ankommen?"

[32.]{.series-number} Ich wollte Dir meinen Seelenzustand beschreiben" -- etwa im Gegensatz dazu "Ich wollte nur meinen Gefühlen Luft machen". Ich wollte also, daß er weiß 'wie mir's zumute ist' (damit hängt oft die Angabe der Dauer des Zustands zusammen).

[33.]{.series-number} Es ist doch etwas anderes: die Furcht ruhig gestehen -- & ihr ungehemmten Ausdruck geben. Die Worte können dieselben sein, der Ton & die Gebärden verschieden.

[34.]{.series-number} Wenn es in einer Leichenrede heißt "Wir trauern um unsern ‥‥․" so soll das doch der Trauer Ausdruck geben; nicht uns etwas mitteilen. Aber in anderer Umgebung sind diese Worte eine Mitteilung. In einem Gebet am Grabe könnten sie auch eine Art von Mitteilung sein.

[35.]{.series-number} Wir sagen doch nicht unbedingt von Einem er klage, weil er sagt er habe Schmerzen. Also können die Worte "Ich habe Schmerzen" eine Klage & auch etwas anderes sein. (Und ähnlich ist es mit dem Ausdruck der Furcht & anderer Gemütsbewegungen.)

[36.]{.series-number} Ist aber "Ich fürchte mich" nicht immer etwas einer Klage ähnliches, warum soll es dann immer eine Beschreibung meines Seelenzustands sein? Was ist denn eine Klage?

[37.]{.series-number} Denn wodurch unterscheidet sich die Klage "Ich habe Schmerzen" von der bloßen Mitteilung? Doch durch die Absicht. Und die wird sich vielleicht auch im Ton ausdrücken.

[38.]{.series-number} Die Umstände in denen ein Satz steht sind am besten in einem Drama dargestellt, daher das beste Beispiel für den Ausdruck in einer bestimmten Bedeutung ein Zitat aus einem Drama ist. Und wer fragt die Person im Drama, was sie während des Sprechens erlebt?

[39.]{.series-number} 26.10.1948

"Du mußt wissen, -- ich fürchte mich." "Du mußt wissen, -- mir graut davor." Ja, man kann es auch in lächelndem Ton sagen.

Und willst Du mir sagen, er spürt das nicht? Wie weiß er's denn sonst? -- Aber auch wenn es eine Mitteilung ist, liest er's doch nicht von seinem Innern ab. Er könnte auch dann nicht zum Beweis seiner Aussage seine Empfindungen anführen. Sie lehren ihn's nicht.

[40.]{.series-number} Denn denk Dir die Empfindungen hervorgerufen durch die Gebärden des Grauens: die Worte "mir graut davor" sind ja auch so eine Gebärde, & wenn ich ihre Äußerung höre & fühle, gehört dies zu jenen übrigen Empfindungen. Warum soll denn die ungesprochene Gebärde die gesprochene motivieren?

[41.]{.series-number} [→ ] Wir lernen das Wort "denken" gebrauchen unter bestimmten Umständen. Sind die Umstände andere, so wissen wir's nicht zu gebrauchen. -- Darum müssen wir aber jene Umstände nicht beschreiben können.

[42.]{.series-number} "Wenn die Menschen in ihren Farbaussagen stark auseinandergingen, könnten sie unsern Farbbegriff nicht verwenden." -- Wenn die Menschen in ihren Farbaussagen stark auseinander gingen, dann würden sie, eben dadurch, unsern Farbbegriff nicht verwenden. Sie würden nicht unser Sprachspiel spielen: Denn bedenk doch, wie man das ihre & das unsre zu vergleichen hätte!

---

[43.]{.series-number} Wenn ich also Einen sagen höre "Ich fürchte mich", wie kann ich erfahren ob dies die 'Beschreibung eines Seelenzustands' oder was sonst ist? Soll ich ihn fragen, & wird er die Frage gewiß verstehen? -- Aber er könnte sie doch beantworten. Wie? Z.B. so: "Nein; ich habe mir nur Luft gemacht", oder "Ja; ich will, daß Du weißt, wie ich mich fühle." Aber so eine Frage wird man doch so gut wie nie stellen. Ist es nicht, weil der Ton & der Zusammenhang uns die Antwort geben müssen? Denn aus diesen wird man ersehen, ob er sich etwa über seine eigene Furcht lustig macht; ob er sie, sozusagen, in sich entdeckt; ob er sie mir unwillig aber um der Offenheit willen, gesteht; ob er sie wie einen Schrei äußert, etc. -- Und unterrichten mich die Worte, wie immer sie geäußert sind, nicht über denselben Sachverhalt, nämlich seinen Seelenzustand?

[44.]{.series-number} Hat denn der Satz "Napoleon wurde im Jahr 1804 gekrönt" einen andern Sinn, jenachdem ich ihn Einem zur Information sage; oder in der Geschichtsprüfung um zu zeigen, was ich weiß; oder etc. etc.? Um ihn zu verstehen müssen mir doch für alle diese Zwecke die Bedeutungen seiner Wörter auf die gleiche Art erklärt werden. Und wenn also die Bedeutung der Wörter & ihre Zusammenstellung den Sinn des Satzes ausmachen, -- -- --.

[45.]{.series-number} Das Problem ist doch dies: Der Schrei, den man keine Beschreibung nennen kann, der primitiver ist als jede Beschreibung, tut gleichwohl den Dienst einer Beschreibung des Seelenzustands

[46.]{.series-number} 27.10.1948

Wer schreien kann, der kann damit noch nicht einem etwas im Gespräch mitteilen.

[47.]{.series-number} Ich höre, daß Einer sagt "ich fürchte mich". Ich frage: "In welchem Zusammenhang hast Du das gesagt? War es ein Stoßseufzer, war es ein Geständnis, war es Selbstbeobachtung, ‥‥․?"

[48.]{.series-number} Will, wer "Hilfe!" ruft beschreiben, wie's ihm zumute ist? Nichts ist ihm ferner, als etwas zu beschreiben.

[49.]{.series-number} Aber es gibt Übergänge von dem, was wir nicht Beschreibung nennen würden, zu dem, was wir Beschreibung nennen würden.

[50.]{.series-number} Das Wort "Beschreibung des Seelenzustands" charakterisiert ein gewisses Spiel. Und wenn ich bloß die Worte "Ich fürchte mich" höre, so mag ich zwar erraten, welches Spiel hier gespielt wird (aus dem Ton etwa), aber ich werde es erst wissen, wenn ich den Zusammenhang kenne.

[51.]{.series-number} Denn zu dem, was wir "beschreiben" nennen gehört eines oder das andere einer Klasse von Merkmalen. Das beobachtende, überlegende, erinnernde Verhalten, ein Trachten nach Genauigkeit, die Fähigkeit des Verbesserns, das Vergleichen. Ein Schrei ist keine Beschreibung. Aber es gibt Übergänge. Und die Worte "Ich fürchte mich" können näher & weiter von einem Schrei sein. Sie können ihm ganz nahe liegen & ganz weit von ihm entfernt sein.

[52.]{.series-number} [→ ] Wenn ein feines Aufhorchen mir zeigt, daß ich in jenem Spiel das Wort "weiche" bald so, bald so erlebe, -- zeigt es mir nicht auch, daß ich, im Zusammenhang eines ganzen Satzes, den ich verstehe & in irgend einem Sinne erlebe, jenes Wort selbst oft gar nicht erlebe

[53.]{.series-number} "Mir stand die Bedeutung des Wortes vor der Seele" -- Wird man denn das sagen, wenn das Wort im unzweideutigen Zusammenhang steht?

[54.]{.series-number} Eine Schrift in der das durchgestrichene Wort, der durchgestrichene Satz ein Zeichen ist.

[55.]{.series-number} Du versicherst doch, das Wort, wie Du es jetzt ausgesprochen hast, so 'gemeint' erlebt zu haben: Dann sag doch auch mit dem gleichen feinen Gefühl, ob Du dieses Wort im rechten Zusammenhang, in diesem Sinne, so meinst. Denn daß Du's in anderm Sinne so & nicht so meinst, intendierst, später wohl auch erklärst, ist ja klar.

[56.]{.series-number} Aber es bleibt dann die Frage, warum wir bei dem Spiel des Meinens auch von einem 'meinen' reden. -- Das ist eine Frage anderer Art. Es ist eben die Erscheinung des Spiels, daß wir hier in einem nur endlichen Sinn von einem 'Meinen' reden.

[57.]{.series-number} 28.10.1948

Es ist als stellte man in einem Buch über reine Mathematik eine Frage der Physik als die, die du stellen wolltest? Ist es denn ein Mißverständnis? Ich verwende ja nun das Wort nicht für etwas anderes; sondern in einer andern Situation. [Wie ich auch nicht zweierlei mit dem Worte "Wissen" bezeichne, wenn ich sage "Ich wußte im Traum. Vgl. auch Gefühl der Unwirklichkeit.] Wird mir denn die Technik seiner Anwendung hier anders beigebracht?

[58.]{.series-number} Ich höre ein Beethoven'sches Werk & sage "Beethoven!" -- Hat das Wort hier eine andere Bedeutung, als in dem Satz "Beethoven wurde im Jahre 1770 zu Bonn geboren"? (Wer den Ton des Ausrufs nicht verstünde, könnte man ihn etwa erklären: "So schreibt nur Beethoven".)

[59.]{.series-number} Wäre es richtiger zu sagen dem e 'entspreche' gelb, als "e ist gelb"? ist es nicht eben der Witz des Spiels, daß wir sagen e sei gelb, Ja, wenn es Einen gäbe, der geneigt ist zu sagen, dem e 'entspreche' gelb & nicht, es sei gelb, wäre der nicht vom Andern beinahe so verschieden, wie Einer, für den Vokale & Farben nicht zusammenhängen? Und ähnlich für das Erleben der Bedeutung.

[60.]{.series-number} Wenn ich beim Lernen des Wortes "Bank", & um mir seine doppelte Bedeutung einzuprägen, abwechselnd auf das Bild der Sitzbank & der Geldbank schaute & immer sagte "Bank", oder "Das ist eine Bank", -- fände hier das 'Bedeutungserlebnis' statt? Da gewiß nicht, möchte ich sagen. Wenn es mir aber z.B. im Ton der Aussprache zu liegen schiene, daß ich das eine, oder andere meine, -- dann schon.

[61.]{.series-number} [→ ] Es ist ja nicht, als würden da zwei Dinge hartnäckig mit demselben Wort bezeichnet, & man fragte: Warum tut man das, wenn sie wirklich verschieden sind? -- Der neue Gebrauch besteht ja gerade darin, daß der alte Ausdruck in einer neuen Situation verwendet wird; nicht zur Bezeichnung für etwas neues.

[62.]{.series-number} Das Erlebnis des 'treffenden Worts'. Ist dies dasselbe, wie das Erleben des 'Meinens'?

[63.]{.series-number} "Warum nennt man dies im Traum ein 'Wissen'?" -- Man nennt ja nichts im Traum ein Wissen, sondern sagt "ich wußte im Traume ‥‥" Warum nennt man dies "meinen" & "bedeuten", wenn es sich nicht um meinen & bedeuten handelt? -- Was nenne ich denn im Spiel ein 'Meinen' (oder 'Bedeuten'): ich sage "ich habe mit dem Wort jetzt ‥‥․ gemeint".

Aber was nenne ich denn so? -- Ein Erlebnis? Und welches Erlebnis? Kann ich's denn anders beschreiben, als eben durch den Ausdruck: ich 'meine' jetzt dieses Wort so?

[64.]{.series-number} Ich kann also nicht sagen: Ich benenne eben zwei verwandte Dinge mit demselben Wort. (Denn sonst wäre ja das Problem nie entstanden.)

[65.]{.series-number} "Warum reden wir bei jenem Spiel auch von einem 'Meinen'?" -- Wonach frage ich? Nach einem Grund, nach einer Ursache? -- Gewiß nicht nach einer Überlegung, die mich bestimmt, so zu reden; noch nach einer Rechtfertigung; denn um nichts solches handelt es sich.

[66.]{.series-number} 29.10.1948

[→ ] Nenn es einen Traum!

[67.]{.series-number} Aber es bleibt dann die Frage warum verwendet Einer im Spiel des 'Meinens' auch das Wort "Meinen"? Kann er denn ein anderes verwenden? Verwendet er denn dasselbe Wort für: etwas Anderes? Könnte er eine andere Erklärung davon geben?

[68.]{.series-number} Nenn es einen Traum. Es ändert nichts.

[69.]{.series-number} 30.10.1948

"Schubert" -- Es ist, als ob der Name ein Eigenschaftswort wäre.

[→ ] Man kann ja auch nicht sagen: "Sieh, was alles 'paßt'. Es paßt auch z.B. der Name zum Träger." [→ ] Ein Anbau wäre doch eine Erweiterung; & eine Erweiterung ist ja hier gerade nicht. Denn man nennt ja nicht ein 'Zusammenpassen', was eigentlich kein Zusammenpassen ist. Als dehnte man nur diesen Begriff aus. Sondern es liegt hier gleichsam eine Täuschung vor, eine Spiegelung. Wir glauben zu sehen, was nicht da ist. Aber es ist nur gleichsam so. -- Wir wissen sehr wohl, daß der Name "Schubert" zu seinem Träger & zu Schuberts Werken in keiner Beziehung des Passens steht; & doch sind wir unter einem Zwang, uns so auszudrücken.

[70.]{.series-number} Man sieht etwas unter dem Bild, unter dem Begriff, des Passens. Ich kann doch Eins als Variation eines Andern sehen. Und nun könnte im äußersten Fall doch das was ich als Variation sehe mit dem, als dessen Variation ich's sehe, gar keine Ähnlichkeit mehr haben. -- Sagen wir's so: Erst ist diese Figur eine einfache Projektion jener. Dann krümmen sich die Projektionsstrahlen etwas; aber es ist für mich doch noch eine Projektion. Endlich verbiegen sie sich bis zur Unkenntlichkeit, aber für mich ist das noch immer die Projektion (Wie Manche im Alten immer noch den Jungen sehen, im völlig veränderten Menschen immer noch den frühern.) Es ist vielleicht seltsam den Fall des Personennamens damit in Zusammenhang zu bringen. Aber man kann einen Zusammenhang machen. Nämlich den: Man sehe eben den Personennamen als Bildnis.

[71.]{.series-number} Nehmen wir an, ich sehe ein Dreieck als Quadrat, indem ich es als das Ende einer Veränderung sehe:

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-- Dann gehört die Art des Variierens zum gesehenen Aspekt. Aber so etwas liegt ja eben nicht vor, wenn uns der Name das Bildnis des Trägers zu sein scheint.

[72.]{.series-number} Ich sage etwas (z.B. "Der Name 'Schubert' paßt doch vollkommen zum Schubert") -- es heißt nichts.

[73.]{.series-number} Der Satz "Der Name ‥‥ paßt auf ‥‥" ist, wie wir ihn gebrauchen, keine Mitteilung über den Namen, oder seinen Träger. Er ist eine pathologische Mitteilung über den Mitteilenden. -- Man lehrt ein Kind nicht, daß dieser Name auf den Menschen paßt.

[74.]{.series-number} 31.10.1948

Einer winkt (mir) mit der Hand. "Was wolltest Du?" -- "Ich wollte, daß Du kommst." Das ist die Absicht zur Zeit des Wirkens. Das Zeichen war der Ursprung einer Bewegung. War es also nicht auch der Ursprung der Erklärung? Konnte nun diese Erklärung selber lauten: "Das Winken mit der Hand war der Ursprung der Erklärung, die ich Dir jetzt gebe: "Komm zu mir"?

[75.]{.series-number} 02.11.1948

Man konnte hier nicht sagen "Er [der Name] paßt nicht geradezu", oder "Er scheint nicht geradezu zu passen".

Es ist nicht, als ob "passen" nicht ganz das rechte Wort wäre. Man könnte allerdings auch andere Wörter gebrauchen; z.B. "Es ist eine Verwandtschaft da".

"Das, was immer assoziiert ist, hält man leicht für verwandt. Ist das der richtige Ausdruck? Nicht ganz. Aber es ist, als wären sie verwandt.

[76.]{.series-number} Es ist nicht so: "Ich halte sie für verwandt, obwohl sie's nicht sind" -- denn ich brauche, gleichsam, nur aufzuwachen, um zu wissen, daß sie's nicht sind. Aber ich sehe sie unter dem Bild der Verwandtschaft. Ich gebrauche das Wort, das Bild. --

Man kann freilich erklären: Zusammenpassen & Assoziation im Gebrauch gehen oft zusammen; & daher jene Täuschung (wenn man es Täuschung nennen soll).

[77.]{.series-number} Ich denke mir, eine physiologische Erklärung des seltsamen Phänomens ist gefunden worden. Man sieht jetzt, wie die Täuschung zu Stande kam. Es geht nämlich dann im Gehirn manchmal das vor, was auch vorgeht, wenn ‥‥․ Freudige Aufregung: Jetzt verstehen wir, warum man immer sagte ‥‥! Und wenn nun die Erklärung gegeben, das Rätsel gelöst ist in welcher Lage läßt uns das zurück? Es hat nur eine Frage weggeräumt, die uns nicht interessiert hat es läßt uns mit der Tatsache zurück, daß wir jenen Ausdruck, jenes Bild gebrauchen, gebrauchen möchten, wo die normale Veranlassung fehlt.

[78.]{.series-number} [→ ] Aber es bleibt dann die Frage, warum wir bei jenem Spiel des Meinens auch von einem 'Meinen' reden. Die Frage gehört (gar) nicht her. Wir gebrauchen (hier) das Wort: weil es diese Bedeutung hat. Kein anderes, keine andere Bedeutung täte es für uns. Es ist die Tatsache hinzunehmen.

[79.]{.series-number} 03.11.1948

Aber wird nun das Wort in zwei Bedeutungen gebraucht? Nein. (Sonst wären wir ja eine Erklärung schuldig.) Lehrt man den Gebrauch auf zwei verschiedene Arten?

[80.]{.series-number} Aber hat für uns eine Erklärung des seltsamen Phänomens nicht doch Interesse? Denk an andere verwandte Phänomene, & was ihre Erklärung leistet. Ja, es ist freilich interessant zu verstehen warum ich auf diesem Spaziergang unter dem Eindruck stehe, die Stadt müsse dort liegen; obwohl eine einfache Überlegung mich davon überzeugen kann daß es nicht so ist. Ich will nun annehmen, ich wisse, wie die Täuschung zustande kann: Ich zog falschen Schlüsse aus Ähnlichkeiten der Gegend mit einer andern Gegend, & dergl. -- Aber ich hatte ja den falschen Schluß nicht ausdrücklich gezogen, & es ist auch nicht erklärt, warum jene Ähnlichkeiten mich zu diesem vorschnellen Schluß verleitet haben. Die Erklärung läßt die Seltsamkeit bestehen. (Ebenso für das Phänomen Laute farbig zu sehen, etc.)

[81.]{.series-number} Wenn Einer auf die Frage "Wird N. wiederkommen" wieder & wieder bejahend antwortet, kann man das so ausdrücken, er sei in einem Zustand des Dafürhaltens. Aber niemand wird sagen, daß die Antwort "N wird wiederkommen" den Zustand des Gefragten beschreibt.

[82.]{.series-number} Wenn "Ich glaube p" aussagt, ich sei in einem bestimmten Zustand, so auch "rp". Denn die Anwesenheit der Worte "Ich glaube" kann's nicht machen, kann es höchstens andeuten.

[83.]{.series-number} Sprache, in der "Ich glaube, daß p" nur durch den Tonfall der Behauptung "p" ausgedrückt wird. Statt "Er glaubt ‥․" heißt es dort "Er ist geneigt zu sagen ‥․" & es gibt auch die Annahme "Angenommen, ich sei geneigt, zu sagen ‥․", aber nicht eine Äußerung "Ich bin geneigt, zu sagen ‥․".

[84.]{.series-number} Anomalien gibt es ja auch sonst. Man sagt "Es wird vielleicht regnen", aber nicht "Angenommen, es werde vielleicht regnen, ‥‥"

[85.]{.series-number} Moore's Paradox gäbe es in jener Sprache nicht; statt dessen gäbe es ein Verbum, das keine erste Person des Präsens hat.

[86.]{.series-number} Das aber sollte uns nicht überraschen. Denk daran, daß man die eigene künftige Handlung in der Äußerung der Absicht vorhersagen kann.

[87.]{.series-number} Denk an den Ausdruck "Ich sage, ‥‥" z.B. "Ich sage, es wird heute regnen", welches einfach der Behauptung "Es wird heute ‥․" gleichkommt." Er sagt, es wird ‥․" heißt beiläufig "Er glaubt, es wird ‥․". "Angenommen, ich sage ‥‥" heißt nicht "Angenommen, es werde heute ‥․".

[88.]{.series-number} Verschiedene Begriffe berühren sich hier & laufen ein Stück Wegs miteinander. Man muß eben nicht glauben, daß die Linien alle Kreise sind.

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[89.]{.series-number} Wer etwas einer Deutung gemäß sieht, erlebt deswegen nicht eine Deutung.

[90.]{.series-number} Jeder der denkt, weiß, wie Notizen, Bilder, die einem Andern nichts sagen würden, & die man auch selbst nicht zu erklären weiß, für Gedanken, oder einzelne Charakterzüge von Gedanken stehen können. (Die Notation des Kunstrechners.) [Noch nicht gelungen.] Für einen Gedanken, oder einzelne Züge des Gedankens stehen können.

[91.]{.series-number} "Hast Du, wie Du das Wort sagtest, das gemeint?" -- Nein, ich hatte eigentlich an ... gedacht." -- Ist das ein Erlebnis? Nein. Ein Erlebnis hätte nicht das gleiche Interesse. Es könnte dem Psychologen zum Erforschen der unbewußten Absicht dienen.

[92.]{.series-number} D.h.: Wenn ich z.B. erführe, er habe beim Aussprechen des Wortes das & das vor sich gesehen, so wäre es möglich daß ich daraus einen Schluß auf eine Tendenz in seinem Unbewußten zöge -- Was ihm vorschwebte war nicht seine Absicht bei dem Worte.

[93.]{.series-number} "Diese Pflanze wächst aus dem Keim, nicht jene Pflanze." Denk Dir, man würde sich in einer Sprache wirklich so ausdrücken!

[94.]{.series-number} Aber was ist der Keim? -- Das Erlebnis zur Zeit des Sprechens. (Also z.B. eine Vorstellung -- wie sie ja freilich oft vorhanden ist.) Aber es ist doch nicht, seiner Natur nach, der Keim. Noch wird etwas durch die spätere Entwicklung zum Keim. So bleibt also nur, daß sich das Bild vom Keim uns aufdrängt. (Ganz natürlich; denn wir wollen im Erlebnis

[95.]{.series-number} Die Frage, die uns interessieren muß, ist also: Wozu dient der Bezug auf den Zeitpunkt des Redens? Was teilt er Einem mit?

[96.]{.series-number} "Ich dachte mir, daß Du dabei an ihn denken würdest." Es lag nicht in dem Bild, das er vor sich sah (das war nicht genau zu erkennen), noch am Namen, den er sich vorsagte (der konnte auch einem Andern gehören). Es war die Kette von Deutungen, von Erklärungen. Denn wenn er sagte "Ich dachte dabei an ‥․", "Ich meinte damit ‥․", so knüpft er ja dadurch an jenen Zeitpunkt an. (Er erinnert sich also nicht z.B. eines Vorstellungsbildes, welches er vor sich sah & nun zeigt es ihm, daß er an ‥‥ gedacht hat.)

[97.]{.series-number} Er liest es nicht vom Vorstellungsbild ab, woran er gedacht hat.

[98.]{.series-number} Er sagte etwas & ich mußte dabei an N. denken. Wann fiel mir N. ein? In welchem Augenblick, bei welchem seiner Worte? -- Wenn ich weiß, bei welchem, -- was geschah mir bei diesem Wort? Die Gedanken nahmen von dem Wort ihren Ausgang. Da fing die Kette an. Was aber macht sie zur Kette? Daß ich es sage?

[99.]{.series-number} "Ich habe bemerkt, daß Du bei diesem Wort nachdenklich geworden bist."

[100.]{.series-number} "Wie ich dies Wort hörte, fiel er mir ein." Was ist die praktische Bedeutung dieses Zeitpunkts? -- Denn ich will einmal sagen: Es kam mir vor, als fiele er mir bei diesem Wort ein," -- so macht das Subjektive daran ja keinen Unterschied. Die Frage ist dann noch immer dieselbe: "Welche Folgen hat so eine Mitteilung?"

[101.]{.series-number} 04.11.1948

"Ich habe bei diesem Wort an ihn gedacht." Wo liegt das Interesse dieser Mitteilung? Was ist die primitive Reaktion, die solchen Worten entspricht?

[102.]{.series-number} "A propos ‥‥" "Wie bist Du plötzlich auf ihn gekommen?" -- "Du sagtest ‥‥ & das hat mich an ihn erinnert."

[103.]{.series-number} Wann sagt man, ich schreibe an diesen Menschen. Wie zeigt es sich? Wie weiß ich's selbst?! -- Schreibe ich an ihn, während ich schreibe?

[104.]{.series-number} Es wäre beinahe seltsam, zu sagen: "Ich dachte an ihn, während ich an ihn schrieb."

[105.]{.series-number} "Wir haben gerade von ihm geredet", von diesem Menschen, auf den ich jetzt zeige. Wie hing die Rede mit ihm zusammen? Machte ich nicht, gerade durch diese Worte den Zusammenhang mit ihm?

[106.]{.series-number} "Ich wußte, von wem ihr geredet habt." -- Wie wußte ich's? Und was war das für ein Seelenzustand, das 'Wissen, daß von diesem Menschen die Rede ist'?

[107.]{.series-number} "Von wem habt ihr gesprochen?" -- "Vom N." "Von meinem Freund N." -- "Von dem Menschen auf dieser Photographie." -- "Von dem, der jetzt zur Tür hereinkommt."

[108.]{.series-number} Gott, wenn er in unsre Seelen geblickt hätte, hätte dort nicht sehen können, von wem wir sprachen.

[109.]{.series-number} In der Philosophie muß man unterscheiden: Zwischen (den) Sätzen, die die Neigung ausdrücken, & denen, die die Lösung geben.

[110.]{.series-number} Die unheilbare Krankheit ist die Regel, nicht die Ausnahme. |

[111.]{.series-number} Du beziehst Dich mit dieser Äußerung auf den Zeitpunkt des Redens. Es macht einen Unterschied, ob Du Dich auf diesen, oder auf jenen Zeitpunkt beziehst. (Die Worterklärung bezieht sich auf keinen Zeitpunkt.)

Wie fängt man an, das zu sagen? (Worin liegt die Wichtigkeit dieser Frage?)

[112.]{.series-number} "Warum hast Du mich bei diesem Wort angeschaut; hast Du an ... gedacht?" Es gibt also eine Reaktion in diesem Zeitpunkt, "Ich dachte an ‥‥" erklärt die Reaktion.

[113.]{.series-number} 05.11.1948

"Wir haben bei diesem Wort Beide an ihn gedacht." Nehmen wir an, jeder von uns hätte dabei die gleichen Worte zu sich selbst gesagt -- & mehr kann es doch nicht heißen. Aber wären eben diese Worte nicht auch nur ein Keim? Sie müssen doch zu einer Sprache gehören & zu einem Zusammenhang, um wirklich der Ausdruck des Gedankens an ihn zu sein.

[114.]{.series-number} Es kommt doch vor daß ein laut gesprochenes Wort in der Mitte eines nicht ausgesprochenen Gedankenganges steht. Und dies könnte man doch melden. So wie man überhaupt melden kann, man habe sich zu dieser Zeit das & das überlegt, ohne zu sprechen. Was immer das Interesse dieser Meldung ist, muß es auch jener Meldung sein; & also auch: man habe bei dem Wort ‥‥ an ‥‥ gedacht.

[115.]{.series-number} "Ich habe damals gedacht: ob er wohl kommen werde --." "Du hast so zweifelhaft dreingeschaut; was hast Du gedacht?" -- "Ich habe gedacht: ob er wohl kommen wird --". -- -- "Hast Du Dir dabei diese, oder ähnliche Worte im Geist gesagt?" -- "Nein. Ich habe dabei seltsamerweise an Piccolomini gedacht, an die Scene, in der ‥‥".

[116.]{.series-number} Das Reden in der Vorstellung ist in wichtiger Weise nicht mit dem Reden zu vergleichen, aber unsre Sprachspiele mit den beiden sind ähnlich. (Das Tennis mit Ball & das Tennis ohne Ball.) Und auch irgend ein Vorstellungsbild spielt in ihnen die Rolle eines wirklichen Bildes, das ja auch im Zusammenhang von Sätzen & Erklärungen stehen kann.

[117.]{.series-number} D.h.: Unser Sprachspiel bezieht sich auf ein Vorstellungsbild ungefähr so, wie auf einen laut ausgesprochenen Satz. Denn dieses ist auch nur eine Lautreihe & bezieht sich auch ohne weiteres, noch auf gar nichts.

[118.]{.series-number} Es wäre nun die Frage: Wenn ein Wort in einem bestimmten Zusammenhang steht, so kann ich dennoch dabei im Gedanken einen andern Zusammenhang machen-- tu ich das nun nicht, geschieht nichts Abnormales, -- geht dann mein Denken meiner Rede entlang?

[119.]{.series-number} Wenn mein Denken einmal vom Weg der Rede abweicht, geht es im normalen Fall den Weg entlang.

[120.]{.series-number} Wenn alles seinen normalen Gang geht, denkt niemand an etwas, was die Rede begleitet.

[121.]{.series-number} 06.11.1948

Philosophie ist nicht Beschreibung des Sprachgebrauchs, & doch kann man sie durch ständiges Aufmerken auf alle Äußerungen der Sprache lernen.

[122.]{.series-number} Wissen, Glauben, Hoffen, Fürchten (u.a.) sind lauter so verschiedenartige Begriffe, daß eine Klassifikation, ein Einordnen in Fächer, für uns keinen Nutzen hat. Wir wollen aber die Verschiedenheiten & Ähnlichkeiten unter ihnen erkennen.

[123.]{.series-number} Vergleiche: "Ich glaube als Du vom 'N.' sprachst, Du meintest den ‥‥" & "Als Du vom N. sprachst, wußte ich, daß Du den ‥‥ meintest." Gehört zum Zweiten ein bestimmtes Erlebnis? Und warum also zum Ersten?

[124.]{.series-number} Der Ausdruck: "Mir ist ‥‥ durch den Kopf gegangen." "Beim Lesen ging mir unser gestriges Gespräch durch den Kopf." Geht mir beim aufmerksamen Lesen auch das, was ich lese, durch den Kopf?

[125.]{.series-number} "Nein, als ich 'Bank' sagte, ging mir für einen Augenblick unsre Gartenbank durch den Kopf." -- Würde ich auch sagen, es sei mir die Geldbank 'durch den Kopf gegangen', wenn sich alles ganz normal abgespielt hätte?

[126.]{.series-number} Stell Dir vor, jemand würde, sowie er eine Äußerung tut, uns (immer) von dem, was sich in seinem Geist dabei abgespielt hat, unterhalten. (Es ist eine Gewohnheit.) Würde uns das unter allen Umständen interessieren?

[127.]{.series-number} "Ich meine, als ich 'Bank' sagte, natürlich die Bank, auf die Du gehen sollst." Mußte ein Bedeutungserlebnis das Wort begleiten? (Unsinn!) -- Warum aber dann, wenn ich -- gegen den Zusammenhang -- an unsre Gartenbank dabei dachte?

[128.]{.series-number} "Ich habe mich heute schon dreimal daran erinnert, daß ich an N. schreiben muß." Welche Wichtigkeit hat, was dabei geschah?! -- Aber anderseits, welche Wichtigkeit, welches Interesse hat der Bericht selbst? Er läßt gewisse Schlüsse zu.

[129.]{.series-number} "Es war mir nicht ganz entfallen; ich hab mich heute dreimal daran erinnert." -- "Ja, ich weiß: Du bist einmal beim Wort ‥‥ zusammengefahren." -- Sein Geisteszustand wird beleuchtet, & es hat gewisse Folgen. Andere z.B. als der Sachverhalt: "Es war mir gänzlich entfallen; ich habe nicht mehr dran gedacht."

[130.]{.series-number} 07.11.1948

Ich bin bei dem Wort in dieser Richtung gegangen. (Es ist also, als ob man die Tangente an eine Kurve in diesem Punkte angäbe.) Aber das ist wieder nur ein Bild. (Wie wenn man das Tennis ohne Ball durch das Tennis mit Ball beschreibt.)

[131.]{.series-number} Das Sprachspiel "Ich meine (oder meinte) das" (nachträgliche Worterklärung) ist ein ganz anderes als das Sprachspiel ich dachte dabei an ‥‥" Dies ist verwandt mit: "Es erinnerte mich an ‥‥".

[132.]{.series-number} Hier ist zur Zeit des Meinens, Gedenkens, Erinnerns eine charakteristische Reaktion möglich.

[133.]{.series-number} Was ist die primitive Reaktion, mit der das Sprachspiel anfängt? Die dann in Worte umgesetzt werden kann. Wie kommt es denn, daß Menschen diese Worte gebrauchen?

[134.]{.series-number} "Du sagtest das Wort, als wäre Dir dabei plötzlich etwas Anderes eingefallen." Diese Reaktion hat man nicht gelernt. Die primitive Reaktion konnte auch eine Wortreaktion sein.

[135.]{.series-number} Nimm an, ich bin mit jemand im Gespräch über Dr N.. In mitten des Gesprächs sage ich "Ich dachte beim Namen 'N' jetzt an Dr N." -- der Andre wird mich nicht verstehen. Hätte ich gesagt "Ich meinte mit 'N' jetzt den Dr N., der ‥‥", so wäre die Antwort vielleicht gewesen: "Freilich. Wen hättest Du sonst meinen können!" Hätte ich gesagt "Beim Namen 'N" habe ich den Dr N. jetzt vor mir gesehen", so wäre das vielleicht nicht zur Sache gewesen.

[136.]{.series-number} "Ich dachte bei dem Wort an ...‥‥" -- Wenn Einer auf die Frage "Was ging dabei in Dir vor?" nichts zu antworten wüßte, -- -- -- war seine Äußerung ungültig? -- Er hätte ja antworten können "Ich hab's vergessen", & es kam ihm nur so vor, als hätte er es je gewußt.

[137.]{.series-number} Ist "Ich wollte Dir mit dem Zeichen zu verstehen geben ‥‥" vergleichbar mit: "Wie ich früher den Mund geöffnet habe, wollte ich sagen ‥‥"? D.h.: Ist jener Satz die Äußerung einer vergangenen Absicht?

[138.]{.series-number} 08.11.1948

"Ich wollte Dir mit dem Zeichen zu verstehen geben Du solltest" ... "Dies drückt keine Zeichenregel aus (keine Übereinkunft); sondern den Zweck, jenes Zeichens meiner Handlung.

[139.]{.series-number} [→ ] "Diese Zahl ist die folgerechte Fortsetzung dieser Reihe" Mittels dieses Ausdrucks kann ich einen dazu bringen, daß er in Zukunft das & das die "folgerechte Fortsetzung" nennt. Was 'das & das' ist, kann ich nur an Beispielen zeigen. -- D.h., ich kann ihn eine Reihe (Grundreihe) fortsetzen lehren, einen Ausdruck für das Gesetz der Reihe zu verwenden, vielmehr als ein Substrat für die Verwendung algebraischer Regeln, oder was ihnen ähnlich ist.

[140.]{.series-number} Ich kann nun allerdings beim Lehren der Grundreihe das Wort "gleich" gebrauchen, welches er etwa in andern Zusammenhängen, d.h. in anderer, wenn auch verwandter Bedeutung, schon kennt: Es kann sich zeigen, daß er die Grundreihe leichter bilden lernt, wenn ich ihm dabei sage "Du mußt immer wieder das tun, immer wieder dazugeben.", also eine Regel ausspreche; aber sie funktioniert hier (noch) nicht als Regel, es gibt noch keine Algebra.

[141.]{.series-number} Gäbe es ein Verbum mit der Bedeutung: fälschlich glauben, so hätte das im Indikativ keine erste Person des Präsens.

[142.]{.series-number} "Ich glaube, er wird kommen, aber er wird gewiß nicht kommen." Wenn ich das jemandem sage, so ist es die Mitteilung, er werde nicht kommen, & ich sei trotzdem durchdrungen vom Gegenteil, werde mich also entsprechend diesem Glauben verhalten. Aber freilich tu ich das schon dadurch nicht, daß ich dem Andern mitteile, er werde nicht kommen.

[143.]{.series-number} "Ich glaube bestimmt, er wird kommen, aber er wird bestimmt nicht kommen. Wozu teilt man Einem mit man glaube etwas? Um ihn von dem, was man glaubt, zu überzeugen, oder nur, um ihn auf mein Verhalten in dieser Sache vorzubereiten?

[144.]{.series-number} Betrachte: "Er wird nicht kommen, aber ich werde mich ganz so stellen, als glaubte ich, er werde kommen." Das könnte ich Einem sagen, aber in Wirklichkeit zu dieser Verstellung pathologisch gezwungen sein, so daß sie nicht eigentlich Verstellung wäre.

Man könnte das so ausdrücken: Es ist nicht so, aber ich muß es glauben.

[145.]{.series-number} Ich sagte der Satz "Ich glaube, es ist so, & es ist nicht so" könne wahr sein; wenn ich es nämlich wirklich fälschlich glaube; was doch wohl möglich ist. Aber was macht den Satz wahr? Wie kann ein Andrer sehen, daß er wahr ist? Wie weiß er, daß ich es glaube? Nicht aus meinem Betragen; denn das ist widerspruchsvoll.

[146.]{.series-number} ---

09.11.1948 Wenn ich sage: "Schau! in diesem Bild ist diese Figur enthalten." -- mache ich eine geometrische Bemerkung? -- Ist 'dieses Bild' nicht das, wovon dies die genaue Kopie ist? was mit den Worten ‥‥ zu beschreiben wäre? Hätte es also Sinn, zu sagen, es enthalte jene Figur jetzt? oder habe sie enthalten? -- Meine Bemerkung ist also zeitlos, & man kann sie "geometrisch" nennen.

[147.]{.series-number} Was folgt aber daraus für's Wahrnehmen so eines Sachverhaltes? Denk Dir, Einer sieht ein Vexierbild an & findet darin die versteckte Figur. Er bildet sich aber nun ein, das Bild habe sich so verändert, daß die Figur jetzt in ihm liegt. Er sagt etwa "Hier ist jetzt diese Figur". Oder es konnte, umgekehrt, das Bild sich unbemerkt verändert haben, & er glaubt nur, etwas darin entdeckt zu haben, was immer darin gelegen hatte.

[148.]{.series-number} "Eigentlich sollte man bei den Worten 'Ich sehe dies' auf den eigenen Gesichtseindruck deuten, dann würde man wirklich auf das zeigen, was man sieht." Ein Resultat der Kreuzung verschiedener Sprachspiele. (Ähnlich: "'dieses' ist der eigentliche Name.")

[149.]{.series-number} "Ich sehe jetzt, daß diese Gesichter nicht ganz gleich sind." (Zeitloser Satz.) Dazu sind doch auch die Augen da! Denk Dir, Einer wollte sagen: "Ja, das ist eine Wahrnehmung mittels des Gesichtssinnes; aber es beschreibt nicht meine Gesichtseindrücke". Was wären diese? Nun, ich schaute von einem Gesicht zum andern, um sie zu vergleichen, dabei erhielt ich eine Menge Gesichtseindrücke; oder einen sich kontinuierlich verändernden Gesichtseindruck, etwas, was man durch einen Film darstellen möchte. Könnten wir aber, um die Sache zu vereinfachen, aus allen diesen nicht zwei herausheben, könnten's zwei Gesichtseindrücke im extremen Fall nicht tun? Und könnten diese zwei nun darstellen was ich bemerkt hatte, nämlich die Ungleichheit? Haben wir hier nicht eben ein ganz anderes Spiel?

[150.]{.series-number} Es ist nicht Zufall, daß ich in diesem Buch soviele Fragesätze verwende.

[151.]{.series-number} Soll ich nun hier sagen, der Gesichtseindruck, das Sinnesdatum, der visuelle Gegenstand sei ein anderer? Dieser Begriff scheint hier nicht recht zu passen. Wollte man sich vorstellen, man sähe Ähnlichkeit oder die Verschiedenheit als etwas Bildartiges, so dächte man sie sich etwa im Bild betont; so wie man, um Einem zu zeigen, wo die Verschiedenheit zweier Bilder liegt, verschieden ist stark ausziehen kann. Aber wer das Nachgezogene in beiden sieht, bemerkt damit noch nicht die Verschiedenheit der Bilder. Du mußt das Spiel als Ganzes ausschauen, dann siehst Du den Unterschied.

[152.]{.series-number} "Ich sehe, daß die Beiden ähnlich sind" kann zeitlich & zeitlos gebraucht werden, jenachdem wie 'die Beiden' definiert sind. Aber sehe ich darum auch jedesmal etwas Anderes? "Ich sehe" ist immer zeitlich, aber "Die Beiden sind ähnlich" kann unzeitlich sein.

[153.]{.series-number} Aber ist es im praktischen Gebrauch auch immer klar, ob der Satz zeitlich, oder zeitlos gemeint ist? -- Es handelt sich um zwei Brüder; ich treffe sie & sage dann "Ja, ich sehe, daß sie einander ähnlich sind". Meinte ich: diese beiden Menschen, M & N, sind einander jetzt ähnlich. (Waren es vielleicht früher nicht, etc..) -- Oder: Ich bemerke, daß diese beiden menschlichen Erscheinungen, die z.B. ein Bild festhalten kann, einander ähnlich sind. -- Hätte ich die Äußerung getan & wäre gefragt worden, welches ich meine, könnte ich es unbedingt beantworten?

[154.]{.series-number} 10.11.1948

"Du sollst sein Gesicht nicht zeichnen" könnte heißen: Du sollst das Gesicht dieses Menschen nicht zeichnen, wie immer es ausschaut -- oder: Du sollst diese Gesichtszüge nicht zeichnen, die jetzt zufällig die seinen sind. Es kommt jedesmal auf etwas anderes an. Und das Verbot, so oder so aufgefaßt, hat verschiedene Konstruktionen.

[155.]{.series-number} Auch wenn ich sage "Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen diesen (beiden) Gesichtern" kann's mir auf verschiedenerlei ankommen. Es könnte z.B. heißen: Es besteht eine Ähnlichkeit zwischen dieser Art von Gesicht & dieser Art von Gesicht. Wo die beiden Arten durch Beschreibungen charakterisiert werden. Es können nicht die Gesichter dieser Menschen interessieren, oder diese Gesichtsformen, wo immer ich sie antreffe. Der Unterschied, der mir vorschwebt ist natürlich der zwischen dem Sinn: Diese beiden Striche haben ähnliche Form -- & dem: Kreis, Ellipse, Parabel & Hyperbel haben eine Ähnlichkeit mit einander.

[156.]{.series-number} Der Unterschied ist der zwischen externer & interner Ähnlichkeit.

[157.]{.series-number} Wenn ich nun von zwei Gesichtern sage, sie seien ähnlich, -- hat es Sinn zu fragen "Meinst Du die externe, oder die interne Ähnlichkeit"?

[158.]{.series-number} "Interessiert es Dich, daß Du in diesen scheinbar ganz verschiedenen Formen eine Ähnlichkeit bemerken kannst?" "Willst Du sagen, diesen Formen ist etwas gemeinsam, -- oder diesen Menschen?" -- Aber wo ist der Unterschied? -- Interessieren Dich die Formen, oder die Menschen? Wenn die Formen, so wirst Du sie vielleicht genau nachzeichnen, die Ähnlichkeit der Linien studieren & die Menschen ganz vergessen. Entsteht darüber eine Diskussion, so wird es eine geometrische sein, eine über Typen von Linien.

[159.]{.series-number} Angenommen, ich zeichnete die Gesichtsformen nach, um jemand die Ähnlichkeit zu erklären & er sagte "Ja diese Linien haben eine Ähnlichkeit, das seh ich; aber so schauen diese Gesichter nicht aus, ‥‥․" -- so könnte ich antworten: "Vielleicht hast Du recht, aber darauf kommt's mir nicht an. Ich wollte sagen, daß eine solche Form & eine solche, so verschieden sie ausschauen, ‥‥․" Hier handelte sich's mir um eine geometrische Frage. Hätte ich aber geantwortet: "Du hast Recht, ich habe mich geirrt." -- so wär's mir auf die Ähnlichkeit dieser Menschen angekommen.

[160.]{.series-number} "Das sind Geschwister, aber ganz unähnlich" -- Ich kann eine Ähnlichkeit in ihnen sehen." Worauf kommt's mir da an?

[161.]{.series-number} Denke, es gäbe eine ästhetische Regel, nach der zwischen Gesichtern auf einem Gemälde eine Ähnlichkeit bestehen muß. Ich zeige nun auf zwei Leute & sage Einem "Nimm diese als Modelle für Dein Bild; sie haben eine Ähnlichkeit."

[162.]{.series-number} Aber wenn ich ihn bei einer bestimmten Gelegenheit ausspreche, ist da immer klar, ob ich die Ersetzung zulassen wollte, oder nicht? Muß ich mir's überlegt haben?

[163.]{.series-number} Es kann mir drauf ankommen, das ich in diesen Linien, denen scheinbar nichts gemeinsam ist, doch etwas Gemeinsames sehe. Also auf meinen analytischen Blick.

[164.]{.series-number} 12.11.1948

"Ich sehe in einem viel wichtigern Sinne verschiedenes, als dasselbe."

[165.]{.series-number} Eine Bildergeschichte. In einem ihrer Bilder kommen Enten vor, in einem andern Hasen; aber einer der Entenköpfe ist genau so gezeichnet wie einer der Hasenköpfe. Jemand sieht sich die Bilder an & es fällt ihm nicht auf. Wenn er sie beschreibt, beschreibt er unbedenklich diese Form einmal als das eine, einmal als das andere. Erst wenn wir ihn drauf aufmerksam machen, folgt das Erstaunen.

[166.]{.series-number} Er sah also die Aspekte & doch nicht den Aspektwechsel.

[167.]{.series-number} Hätte er, beim Kopieren der beiden Bilder, den Kopf jedesmal anders nachgezeichnet? Nicht daß ich wüßte! Er sah sie also beidemale genau gleich.

[168.]{.series-number} Aber stellte er sich beidemale das gleiche darunter vor? -- Soweit ich diese Frage verstehe -- nein.

[169.]{.series-number} Im Aspektwechsel wird man sich des Aspekts bewußt.

[170.]{.series-number} War es aber richtig zu sagen "Er sah die beiden Aspekte, aber nicht den Aspektwechsel"? Hätte ich nicht sagen sollen "Er deutete also das Bild auf zweierlei Weise, sah aber nicht den Aspektwechsel"? Für ihn war ja zuerst das Bild wie irgendeines einer Ente: & sah er hier einen Aspekt, so überhaupt in jedem Bild, & dann auch in jedem Gegenstand. Dann habe ich jedes Bild daraufhin untersucht, ob man es nicht noch anders sehen könnte? -- Ich werde also sagen: er sah den Aspekt nicht; er deutete das Bild so & so.

[171.]{.series-number} Die Äußerung des Erlebens des Aspekts ist: "Jetzt ist es ein ‥‥".

[172.]{.series-number} Was ist die philosophische Wichtigkeit dieses Phänomens? Ist es denn soviel seltsamer, als die alltäglichen Gesichtserlebnisse? Wirft es ein unerwartetes Licht auf sie? -- In seiner Beschreibung spitzen sich (die) Probleme, den Sehbegriff betreffend, zu.

[173.]{.series-number} Und man kann da die Frage stellen: Wenn Einer sagt "Jetzt ist es eine Ente -- -- -- jetzt ist es ein Hase!" -- was geschah denn da zuerst? Er hatte ja den Wechsel da noch nicht erlebt, & doch sagt er schon "Jetzt ist es ...". Es 'geschah' eben nichts; aber er spielte schon jenes Spiel. Du müßtest nach etwas suchen, was das Seherlebnis bei den Worten "Jetzt ist es eine Ente" von dem Seherlebnis bei den Worten "Das ist eine Ente" (wenn Einer gar nichts von Aspekten weiß) unterscheidet. Und natürlich ist nichts zu finden. Denn was soll ich sagen? -- wann geht das Erlebnis, das mich interessiert, bei den Worten "Jetzt ‥‥‥ jetzt ‥‥‥" vor sich? (Haben wir hier zwei außerordentliche Erlebnisse? oder drei?

[174.]{.series-number} Das seltsame ist eigentlich das Staunen; das Fragen "Wie ist es möglich!" Der Ausdruck davon ist etwa: "Dasselbe -- & doch nicht dasselbe".

[175.]{.series-number} Das Paradoxe äußert sich etwa im Lachen. Aber man könnte sich doch auch einen denken, der hier nicht lachen würde; dem nichts paradox erschiene. Und der würde doch auch den Aspektwechsel erleben. Er würde das Bild jetzt so, jetzt so ansprechen: & das wäre alles.

[176.]{.series-number} Und was tut er? Er sagt jetzt als Erlebnisäußerung, was sonst sein Bericht der Wahrnehmung ist. (Die große Ähnlichkeit mit dem Erleben der Bedeutung.)

[177.]{.series-number} Worin liegt die Ähnlichkeit des Aspektsehens mit dem Denken? Daß dieses Sehen nicht die Folgen des Wahrnehmens hat; daß es darin einem Vorstellen ähnlich ist.

[178.]{.series-number} Nimm an, es gäbe eine Zeichensprache, in der ein Entenkopf eine gewisse Nachricht ist, ein Hasenkopf eine andere. Jemand, der diese Chiffre benützt zeichnet, unabsichtlich, einen Entenkopf so, daß er auch als Hasenkopf gesehen werden kann. Der Empfänger der Nachricht gibt ihm die falsche Deutung: das wird sich an seinen Handlungen zeigen. Kommt er aber darauf, daß man ihn so & so sehen kann, so wird er nun nicht je nach dem Aspekt, den er gerade sieht, (auch) anders handeln.

[179.]{.series-number} "Ist es ein Denken? ist es ein Sehen?" -- Heißt das nicht eigentlich "Ist es ein Deuten? ist es ein Sehen?" Und das Deuten ist ein Denken; & es bewirkt oft ein Umschlagen des Aspekts. Kann ich sagen: Das Sehen des Aspekts ist verwandt einem Deuten? -- Die Neigung war ja, zu sagen "Es ist, als sehe ich eine Deutung". Nein, der Ausdruck dieses Sehens ist verwandt dem Ausdruck des Deutens.

[180.]{.series-number} 13.11.1948

[→ ] Zwei Verwendungen des Berichts "Ich sehe ‥‥" -- Das eine Sprachspiel: Der Beobachter meldet, was er von seinem Posten sieht. -- Das andere: Die gleichen Gegenstände werden von Mehreren betrachtet; Einer sagt: "Ich sehe eine Ähnlichkeit zwischen ihnen". Im ersten Sprachspiel hätte die Meldung z.B. sein können "Ich sehe zwei Leute, die einander ähnlich sind, wie Vater & Sohn." Das ist eine weit unvollständigere Beschreibung, als z.B. die durch eine genaue Zeichnung es wäre. Aber jemand könnte diese vollständigere Beschreibung geben & doch die Ähnlichkeit nicht bemerken. Und ein Anderer könnte die Zeichnung dieses sehen & die Ähnlichkeit in ihr entdecken.

[181.]{.series-number} Es gibt ein Spiel: Gedanken erraten. Eine Variante davon wäre die: Ich spreche einen Satz in einer Sprache, die A versteht, B nicht versteht. B soll raten, was ich gesagt habe. Eine andere Variante: Ich schreibe einen Satz nieder, den der Andre nicht sehen kann. Er muß ihn erraten; oder erraten, wovon er handelt.

[182.]{.series-number} Die Absicht erraten: Ich schreibe auf einen Zettel, den der Andre nicht sieht, ich werde, wenn die Uhr schlägt, den linken Arm heben. Der Andre soll erraten, was ich um diese Zeit tun werde.

[183.]{.series-number} "Nur ich kann wissen, was ich tun werde." Aber ich mag mich doch irren; & kann's der Andere nicht richtig vorhersagen? Aber für gewöhnlich weiß es der Andre nicht, & ich weiß es oft. Ebenso weiß der Andre nicht, an wen ich schreibe, -- wenn er's nicht sieht, oder von mir erfährt; aber ich kann's sagen. Um die Motive meiner Handlung frägt man meistens mich, nicht einen Andern. Ebenso auch darum, ob ich Schmerzen habe. Das liegt im Sprachspiel.

[184.]{.series-number} Wäre es aber richtig zu sagen, meine Schmerzen seien versteckt?

[185.]{.series-number} Ist z.B. die Zukunft versteckt?

[186.]{.series-number} "Nichts ist so gut versteckt, wie die Ereignisse der Zukunft. Man kann sie nicht wissen. Nur was jetzt geschieht, kann man wissen."

[187.]{.series-number} Man kann sich freilich über die unmittelbare Erfahrung nicht täuschen: aber nicht, weil sie so gewiß ist. Das Sprachspiel läßt die sinnlose Äußerung nicht zu, -- wenn auch nicht die 'falsche'.

[188.]{.series-number} "Die Zukunft kann man nicht wissen" ist eine grammatische Bemerkung über den Begriff 'wissen'. Es heißt etwas ähnliches wie: "Das ist nicht wissen." Und nun könnte man fragen: Warum soll Einer versucht sein diese Begriffsgrenze zu ziehen? Und die Antwort ist: Wegen der Unsicherheit der Vorhersagen.

[189.]{.series-number} "Die Zukunft kann man nicht wissen? -- Wie ist es mit den Sonnen- & Mondfinsternissen?" -- Wissen kann man sie eigentlich auch nicht." -- "Wissen? -- wie was z.B.?"

[190.]{.series-number} 14.11.1948

[→ ] Wenn ein Löwe sprechen könnte, wir könnten ihn nicht verstehen.

[191.]{.series-number} Wenn Einer auch alles ausspräche, 'was in seinem Innern ist', wir müßten ihn nicht verstehen.

[192.]{.series-number} Er wird also zornig, wenn wir keinen Grund dafür sehen; was uns erregt, läßt ihn ruhig. -- Wäre der wesentliche Unterschied, daß wir seine Reaktionen nicht voraussehen könnten? -- Könnte es nicht sein, daß wir sie zwar nach einiger Erfahrung wüßten, aber doch nicht mit könnten.

[193.]{.series-number} Er benimmt sich wie Einer, in dem verzwickte Denkprozesse vorsichgehen; & wenn ich sie nur verstünde, verstünde ich ihn. -- Denken wir uns diesen Fall; & er spricht nun seine Gedanken vor sich hin, & ich verstehe in gewissem Sinne sein Handeln. D.h.; ich sehe die Gedankenketten & weiß, wie sie zu den Handlungen führen.

[194.]{.series-number} Er hörte dadurch vielleicht auf, mir ein Rätsel zu sein.

[195.]{.series-number} Denke an die Rätselhaftigkeit des Traumes. Ein solches Rätsel muß keine Lösung haben. Es intriguiert uns. Es ist, als wenn hier ein Rätsel wäre. Dies könnte doch eine primitive Reaktion sein.

[196.]{.series-number} Es ist als wenn hier ein Rätsel wäre; aber es muß doch kein Rätsel sein. ("Alle Formen sind ähnlich & keine gleichet der andern, & so deutet das Chor auf ein geheimes Gesetz.")

[197.]{.series-number} Ich weiß nicht, was in ihm vorgeht. Ich könnte mir seine Gedanken nicht ergänzen.

[198.]{.series-number} Er ist mir unverständlich, heißt: ich kann nicht so mit ihm verkehren, wie mit Andern.

[199.]{.series-number} 15.11.1948

Wer gegen ein mathematisches Resultat mißtrauisch ist, der wird die Rechnung verdächtigen. Aber ist dies nicht nur eine Methode? Wer gegen den unmittelbaren Ausdruck der Erfahrung mißtrauisch ist & nicht meint, der Andre lüge, wird sagen, er wisse nicht, was er sagt, er träume, oder sei nicht bei Sinnen.

[200.]{.series-number} 16.11.1948

[→ ] Aber wie weiß ich, was ich täte, wenn ...? Vielleicht, wenn ich auf die Straße hinaus träte & fände Alles anders, als ich es je gesehen habe, täte ich ganz lustig mit. Benähme mich also auch ganz anders, als ich mich je benommen habe. Und doch ist etwas Wichtiges an meiner Bemerkung.

[201.]{.series-number} Schon in Menschen, die sämtlich die gleichen Gesichtszüge hätten, konnten wir uns nicht finden.

[202.]{.series-number} Ein Volk: mit einer herrschenden Klasse, deren Individuen (bis auf sexuelle Merkmale) alle gleich ausschaun, & einer unterdrückten Klasse, die unsre Variabilität der Gestalt & Gesichtszüge hat.

[203.]{.series-number} 17.11.1948

Ein Stamm der den Begriff der geheuchelten Schmerzen nicht kennt. Wer bei ihnen Schmerz äußert, wird bemitleidet. Die mißtrauische Einstellung zu der Schmerzäußerung kennen sie nicht. Der Reisende, der von uns zu ihnen kommt, denkt oft, daß ein Klagen übertrieben ist ja auch daß nur den Zweck hat Mitleid zu erzeugen; die Eingeborenen scheinen nicht so zu denken. (Sie haben in ihrer Sprache einen Ausdruck der beiläufig, unserm "Schmerzen haben" entspricht.) Ein Missionar lehrt die Kinder unsre Sprache; er erzieht sie auch, & bei ihm lernen sie zwischen echtem & geheucheltem Schmerzausdruck unterscheiden. Denn er mißtraut der Schmerzäußerung & stellt sie ab & lehrt die Kinder mißtrauisch sein. -- Sie lernen unsern Ausdruck "Schmerzen haben", auch den "Schmerzen heucheln", & es ist die Frage: hat man ihnen einen neuen Schmerzbegriff beigebracht? Ich werde doch gewiß nicht sagen, sie wissen jetzt erst, was Schmerzen sind. Denn das hieße, sie hätten früher nie Schmerzen gehabt.

[204.]{.series-number} Hatten diese Leute etwas übersehen, & hat der Lehrer sie auf etwas aufmerksam gemacht?

[205.]{.series-number} Und wie konnte ihnen denn der Unterschied nicht zum Bewußtsein kommen, wenn sie einmal mit Schmerzen & einmal ohne Schmerzen klagten? Soll ich sagen: sie haben immer gedacht, es ist dasselbe? -- Gewiß nicht. Oder: es sei ihnen kein Unterschied aufgefallen? -- Aber warum nicht: es sei ihnen nicht darauf angekommen?

[206.]{.series-number} [→ ] 18.11.1948 "Bezieht sich ein Begriff auf eine bestimmte Lebensschablone, so muß in ihm eine Unbestimmtheit liegen." Dabei denke ich so: wir hätten auf einem Streifen ein regelmäßig fortlaufendes Bandmuster & auf diesem Muster als einem Grund eine unregelmäßige Zeichnung oder Malerei die wir mit Beziehung auf das Muster beschreiben da uns diese Beziehung das Wichtige ist. Wenn das Muster liefe: a b c a b c a b c etc., so hätte ich z.B. einen besonderen Begriff dafür, daß etwas Rotes auf ein c fällt & etwas Grünes auf das nächste b. Wenn nun einmal Anomalien in dem Muster auftreten, so werde ich im Zweifel darüber sein, welches Urteil zu fällen ist. Aber könnte dafür in meiner Instruktion nichts vorgesehen sein? Oder nehme ich eben an, daß bei der Abrichtung, die uns den Begriff beibringt, das besondere Muster Voraussetzung war & selbst nie beschrieben wurde?

[207.]{.series-number} [→ ] Wenn die Farben in der Welt des Menschen eine andere Rolle spielten, als in der unsern, welche Folgen hätte das für die Farbbegriffe? Das ist eigentlich eine naturwissenschaftliche Frage, & eine solche will ich nicht stellen. Eher die: Welche Folgen kämen uns plausibel vor? Welche Folgen würden uns nicht überraschen?

[208.]{.series-number} Wenn die Farben in der Welt des Menschen eine andere Rolle spielten als in der unseren, was für, von den unseren verschiedene, Farbbegriffe würde uns dann nicht überraschen? Überlege verschiedene Fälle. Die Frage ist noch nicht richtig gestellt; aber was ist ihr Zweck? --

[209.]{.series-number} Andere Begriffe, als die unseren sind darum so schwer vorzustellen, weil uns gewisse sehr allgemeine Naturtatsachen nicht bewußt werden & es uns nicht einfällt, sie uns anders vorzustellen, als sie sind. Tun wir das aber, dann ist es nicht mehr schwer uns in andere Begriffe zu finden.

[210.]{.series-number} Unser Begriff der reinen Zukunft "Es wird geschehen" -- im Gegensatz zu "Es will geschehen" & "Es soll geschehen". Muß jedes Volk diesen Begriff haben, der gleichsam die Zeit räumlich auffaßt?

[211.]{.series-number} Wenn ein Lebensmuster die Grundlage für eine Wortverwendung ist, so muß in ihr eine Unbestimmtheit liegen. Das Lebensmuster ist ja nicht genaue Regelmäßigkeit.

[212.]{.series-number} Wer nur an seinen Fingern zählt, für wen 5 die Hand, 10 der ganze Mensch ist & wer dann die Menschen wieder an seinen Fingern abzählt, etc., für den wird das Dezimalsystem nicht ein beliebiges Zahlensystem sein. Es ist ihm nicht eine Methode des Zählens, sondern das Zählen.

[213.]{.series-number} Sechs reine Farben. Muß es uns so vorkommen? -- Braun gehört nicht zu ihnen. Aber was teilt uns das überhaupt mit? Wo brauchen wir dergleichen? Wenn wir Dinge nach ihren Farben beschreiben? -- Doch; wenn wir's z.B. in einer allgemeinen Weise tun. "Braun gehört nicht zu ihnen" kann ja der Ausdruck einer instinktiven Ablehnung einer Farbenzusammenstellung sein.

[214.]{.series-number} "Das Licht ist weiß. Farben sind schon ein Schatten." -- Aber ist denn wirklich alles 'Licht' weiß? Gibt die Lampe nicht Licht? -- Woher dann dieser erste Satz, der doch so einleuchtend klingt? Und warum klingt er einleuchtend?) -- Das Hellste nennen wir immer das Weiße. Ist von zwei Farben eine die hellere, so kann nur sie die weiße sein. Und Helligkeit & Licht sind hier gleichgesetzt.

[215.]{.series-number} Es scheint uns einen Begriff der Farbenmischung zu geben, der über dem aller physikalischen Methoden der Farbenmischung steht. So daß wir also von so einer Methode sagen können: sie repräsentiert noch am ehesten die 'reine' Farbenmischung, z.B..

[216.]{.series-number} Wir beurteilen also, ob nach unserem Begriff die beiden Farben a & b wirklich die Farbe c geben sollen.

[217.]{.series-number} Wie kamen wir zu diesem Begriff? Das ist eigentlich gleichgültig.

[218.]{.series-number} "Mehrere Schatten geben zusammen das Licht" -- diese Idee könnte schon wie eine höllische Verdrehung der Wahrheit erscheinen.

[219.]{.series-number} Könnte man auch alle Farben als Mischungen von Weiß & Schwarz empfinden? -- Wenn z.B. das weiße & das schwarze Pigment unter bestimmten Umständen rot, grün, etc., gäben, vielleicht. Man würde vielleicht sagen: "Das Licht bringt aus dem Schwarz das Rot hervor." (Denkt sich also die Farbe im Schwarz versteckt.)

[220.]{.series-number} Rot & Grün das Gleiche. Ich stelle mir vor, es gibt nur einen Ton von Rot & von Grün. Die beiden gehen in der Natur (wie im Herbst in gewissen Blättern) immer in einander über. Sie werden überall mit einander angetroffen, das eine eine Variation des andern. Ihr Unterschied spielt keine andere Rolle als der von heller & dunkler. Aber sehen die Leute den Unterschied nicht?! Freilich. Aber sie haben etwa ein Wort "Blattfarbe" welches einigermaßen analog unsern Farbnamen gebraucht wird & rot oder Grün bezeichnet, & zwei Bestimmungsworte, "scharf" & "stumpf", analog etwa unsern "hell" & "dunkel", welche rot von grün trennen. Und nun fragt es sich: welcher ihrer Begriffe ist ähnlich einem unsrer Farbbegriffe, ihr Begriff 'Blattfarbe' oder ihr Begriff 'scharfe Blattfarbe' (d.i. rot) z.B.? (Wenn es sich um das Färben, Anstreichen eines Gegenstands handelt sagen sie etwa, sie wünschen ihn blattfarbig. Gefragt, ob scharf oder stumpf, antworten sie vielleicht, es ist ihnen gleichgültig.) Oder wären diese Leute dann farbenblind? Nun, wenn wir sie unsre Sprache lehren, so erweisen sie sich als farbensehend.

[221.]{.series-number} Der Unterschied zwischen Rot & Grün hat bei ihnen nur nicht die Wichtigkeit wie bei uns.

[222.]{.series-number} Wenn wir sie mit einer größern Mannigfaltigkeit von Farben bekanntmachen, werden sie vielleicht unser System als das einzig natürliche empfinden, d.h., zu ihm übergehen & das andre ohne Schwierigkeit verlassen. Vielleicht aber nicht.

[223.]{.series-number} Eine Malerei, in welcher die Lichtseite der Körper immer grün, die Schatten rot gemalt werden.

[224.]{.series-number} Könnten wir uns denken, daß Leute einen vom unsern verschiedenen Begriff der Verstellung hätten? -- Aber wäre es dann der Begriff der Verstellung? -- Nun, es könnte ein dem unsern verwandter Begriff sein.

[225.]{.series-number} Aber gibt es nicht wesentlichere & unwesentlichere Züge eines (solchen) Begriffs? D.h.: Ändert man dies, so wird man es noch "Verstellung" nennen, -- ändert man dies, so nicht mehr. Und das Benehmen bedeutet hier eine Einstellung.

[226.]{.series-number} Leute, deren Gesicht ihre Empfindungen dem Andern sogleich verraten, verbergen es, wenn sie heucheln wollen.

[227.]{.series-number} Die Leute sagen nicht, man könnte in das Innere, in das Herz, nicht schauen, sondern, man könne die Züge nicht lesen, wenn sie verhüllt sind.

[228.]{.series-number} "Man kann nicht in sein Herz sehen." Die Frage ist: Kann er's? (Das bestimmt den Begriff.)

[230.]{.series-number} "Man kann dem Menschen nicht in das Herz schauen." Dabei ist eigentlich angenommen, daß er selbst es kann. -- Ist es Erfahrung, die uns das lehrt? Ja & nein -- möchte ich antworten. Und das muß einen Grund haben.

[231.]{.series-number} "Er könnte mir über sich sagen, was ich sonst nicht wüßte."

[232.]{.series-number} Dies ist sicher: Er kann Bewegungen seines Körpers vorhersagen, die ich nicht vorhersagen kann. Und sag ich seine Handlungen voraus, dann auf andere Weise.

[233.]{.series-number} Und ist das Erfahrungstatsache? oder: Von welcher rede ich hier? Ich kann z.B. seinen Arm nicht willkürlich bewegen, wie den meinen. Was damit aber gemeint ist, ist nicht ganz einfach zu erklären.

[234.]{.series-number} Ich kann nicht wissen, was er in seinem Innern plant. Aber angenommen, er machte immer geschriebene Pläne; von welcher Wichtigkeit wären sie? Wenn er sich z.B. nie nach ihnen richtete. --

[235.]{.series-number} Vielleicht sagt man: Dann sind's eigentlich keine Pläne. Aber so wären's also auch keine, wenn sie in ihm wären, & in ihn zu sehen würde mir nichts nützen.

[236.]{.series-number} 20.11.1948

"Siehst Du nicht, er hat Schmerzen!" -- "Schmerzen dort? Wieso?" Er würde nicht verstehen, was es heißt, der Andre habe Schmerz.

[237.]{.series-number} Wie, wenn Einem in der Jugend beigebracht worden wäre, die Pflanzen empfänden Schmerz; später aber glaubt er es nicht mehr. -- Wie ginge dieser Übergang vor sich? Er wirft die Idee ab, wie eine Hülle, die nicht mehr paßt.

[238.]{.series-number} Wie würde Einer handeln, der nicht 'glaubt', der andre Mensch fühle Schmerzen? Man kann sich das vorstellen. Er behandelt ihn, wie etwas lebloses, oder so, wie die Meisten die menschenunähnlichsten Tiere. (Quallen z.B.)

[239.]{.series-number} Wir alle kennen die Frage des Doktors "Hat er Schmerzen"; auch die Unsicherheit ob der Narkotisierte, welcher stöhnt, Schmerz empfindet; aber die philosophische Frage, ob der Andre (etwas) empfindet, ist von ganz anderer Art; : es ist nicht der Zweifel im bestimmten Fall auf jeden Einzelnen angewandt. [Die Pointe dieses Satzes ist nicht herausgekommen.]

[240.]{.series-number} Kommt uns dieser Zweifel im gewöhnlichen Leben unter? Nein. Aber vielleicht etwas ihm ähnliches: die Gleichgültigkeit gegen die Schmerzäußerung des Andern.

[241.]{.series-number} Sind die fiktiven Fälle, mit denen ich mich auseinanderzusetzen trachte, nicht wie Rechenexempel? (Und wie würdest Du diese Gleichung lösen? & wie diese?)

[242.]{.series-number} 21.11.1948

Glauben, der & der habe keine Schmerzen, weil er keine äußert, -- oder weil er sie nur heuchelt, -- oder weil er in der Narkose ist, -- hat andre Gründe als der Glaube, eine Amöbe habe keine Schmerzen, & auch andre, als der des fiktiven Unmenschen, der die Schmerzäußerungen der Umgebung wie Erscheinungen an den leblosen Dingen betrachtet. Würde dieser aber überhaupt sagen, er glaube, sie haben keine Schmerzen? -- Vielleicht. Aber würde er dasselbe meinen, wie der Doktor z.B., der mich über den Zustand des Patienten beruhigt? Die Äußerung -- wie immer er sie gelernt haben mag -- steht bei ihm in einem andern Zusammenhang; wenn auch manche ihrer Folgen ähnlich sind.

[243.]{.series-number} "Die Unsicherheit, ob der Andre Schmerzen hat" -- liegt sie darin, daß er er ist & ich ich? (Aber frag Dich doch: "Kann er's wissen? er hat ja keinen Vergleichsgegenstand.") Nein; hier täuscht mich ein Bild Die Unsicherheit ist eine von Fall zu Fall & das Schwanken des Begriffes. Aber das ist unser Spiel-- wir spielen es mit einem elastischen Werkzeug.

[244.]{.series-number} Könnte es nicht Menschen geben, die nie in den Fall gekommen sind, diese Unsicherheit zu spüren?

[245.]{.series-number} "Darum soll ich unsicher sein, weil er er ist & ich ich? Was meinst Du nur?" würden sie sagen.

[246.]{.series-number} Und könnten Leute es mit einem starren Begriffe spielen? -- Dann wäre es von dem unsern in einer befremdlichen Weise verschieden. Denn wo alle Begriffe elastisch sind, in dem Wechsel des Lebens, nähme sich ein starrer Begriff seltsam aus.

[247.]{.series-number} Muß nicht auch jeder Begriff des Benehmens allein unscharf sein, um ungefähr dem Spiele mit solchen Begriffen dienen zu können?

[248.]{.series-number} Es könnte ja jemand geben, der den Andern gegenüber in einem ernsten, hoffnungslosen Zweifel wäre. Aber wie würde der handeln? (Wie ein Geistesgestörter.) Er würde etwa sagen: Manchmal fühle ich, der Andre & ich seien dasselbe, & manchmal wieder nicht. Und dementsprechend würde er manchmal Mitgefühl zeigen, manchmal keines, manchmal aber den Zweifel.

[249.]{.series-number} Das Benehmen des Menschen nicht vorhersehbar, nicht berechenbar. Angenommen, es wär's. Ich hätte die Berechnung angestellt & nun beobachtete ich ihre Handlungen (wie die Bewegungen komplizierter Maschinen). Wenn das vorkäme, -- wäre es möglich, daß er sie mit Teilnahme betrachtete? Wäre es unmöglich, daß er sagte "Man kann nicht wissen, was in ihnen vorgeht"? Wenn er sich z.B. sagt "So ist der Mensch. Ganz so bin ich auch." Es wäre ja möglich, daß er dann seine Rechnung mit neuen Augen betrachten würde.

[250.]{.series-number} Warum spielen wir nur dieses Spiel! -- Aber wonach fragt man da? Nach seiner Umgebung, nicht nach seinen Ursachen.

[251.]{.series-number} "Wo ich sicher bin, ist er unsicher." Wenn das auch bei einer Rechnung geschähe --.

[252.]{.series-number} 22.11.1948

[→ ] "Konnte er sich nicht verstellen?" -- Aber könnte er sich nicht nur einbilden, er verstellte sich? (Wäre dies nicht denkbar? & auf die Denkbarkeit kommt es uns hier an, nicht auf die Wahrscheinlichkeit.) Verstellung ist ja eben nur ein besonderer Fall; nur unter besondern Umständen können wir ein Benehmen als Verstellung deuten.

[253.]{.series-number} Der Begriff 'Verstellung' knüpft an die Vorgänge & Situationen der Verstellung an. Also kann nicht alles Benehmen, unter allen Umständen Verstellung sein?

[254.]{.series-number} Aber ist der Begriff nicht eben solcher Art, daß man sich zu jedem Benehmen, etc., eine noch weitere Umgebung denken konstruieren kann, in der auch dies ein Benehmen der Verstellung wäre? Ist nicht z.B. darauf das Problem jeder Detektivgeschichte gegründet?

[255.]{.series-number} Man könnte auch sagen: Der Begriff der Verstellung hat es mit einem praktischen Problem zu tun. Und die verschwommene Grenze des Begriffs ändert daran nichts.

[256.]{.series-number} Schon das Erkennen des philosophischen Problems als eines logischen ist ein Fortschritt; es bringt die rechte Einstellung (mit), & die Methode.| ...

[257.]{.series-number} "Es könnte, theoretisch, Verstellung sein": Was heißt das?

[258.]{.series-number} Es muß doch heißen: der Begriff der Verstellung ließe es zu.

[259.]{.series-number} Und das heißt: Wenn ich nun noch das & das & das erführe, würde ich vielleicht sagen, es sei Verstellung (gewesen). (Euklidische Geometrie.)

Aber wo steht es denn, daß man das sagen würde; oder woraus schließe ich's denn?

'Soweit dieser Begriff bestimmt ist, läßt er auch das zu.'

[260.]{.series-number} Aber hier machen wir uns ein falsches Bild unseres Begriffes.

[261.]{.series-number} Der Begriff 'Verstellung' dient praktischen Zwecken.

[262.]{.series-number} (Zur 'Verstellung' gehört der Anlaß, das Motiv, etc.)

[263.]{.series-number} Wie Fälle von Verstellung ausschauen, zeigt Dir z.B. ein Drama.

[264.]{.series-number} Die typischen Erscheinungen der Verstellung könnte man sich nun variiert denken. Die Dramen solcher andrer Menschen verliefen dann ganz anders. Und wir würden sie gar nicht verstehen. Was bei uns ganz unmotiviert wäre, schiene ihnen natürlich.

[265.]{.series-number} (So könnte die Art, wie Orest sich dem König gegenüber ausweist, indem er auf sein Schwert weist etc. Menschen gänzlich unsinnig erscheinen.)

[266.]{.series-number} Ein Schauspiel dieser Leute wäre uns unverständlich. (Und ist uns die griechische Tragödie verständlich?) Und was heißt hier 'verstehen'?

[267.]{.series-number} Ein schärferer Begriff wäre nicht derselbe Begriff. Das heißt: der schärfere Begriff hätte für uns nicht den Wert des unscharfen. Eben weil wir Leute, die dort ihrer Sache ganz sicher sind, wo wir es nicht sein können, nicht verstehen (würden).

[268.]{.series-number} 23.11.1948

Könnte Einer nicht, um zu zeigen, daß er versteht was 'Verstellung' ist, Geschichten erfinden, worin Verstellung vorkommt? Um nun den Begriff der Verstellung zu entwickeln, erfindet er immer kompliziertere Geschichten. Was z.B. wie ein Geständnis ausschaut ist nur eine weitere Verstellung; was wie die Verstellung ausschaut, ist nur eine Front um die eigentliche Verstellung zu verbergen; etc. etc. etc.. Der Begriff ist also in einer Art von Geschichten niedergelegt.

[269.]{.series-number} Und die Geschichten sind nach dem Prinzip konstruiert, daß alles Verstellung sein kann. Dazu gehört natürlich, daß in jeder Geschichte etwas als der wahre Urgrund charakterisiert wird. Und wie ist der wahre Urgrund als solcher zu charakterisieren? Etwa in Form von Monologen. Diese dürfen nicht hörbar sein, sonst könnten sie zum Betrug gehören. -- Aber könnte nicht Einer gedankliche Monologe halten, nur weil sie ihm eine gewisse Erscheinung geben, die er zum Betrug verwenden will? -- So ist also die Absicht der Urgrund? Und wie kann die in der Geschichte herauskommen?

[270.]{.series-number} Der Begriff der Verstellung dient praktischen Problemen. D.h.: Wenn der, welcher die finstern Ränke schmiedet, nichts als Gutes & Herrliches tut, bis er dann einmal die finstere Tat begeht, so wird das auch nur 'theoretisch' eine Verstellung sein; denn es sieht nicht mehr wie Verstellung aus & die Schlüsse, die man im normalen Fall aus finstern Anschlägen ziehen würde, treffen hier nicht zu.

[271.]{.series-number} Und was hab ich nun mit allem dem erreicht? In der Erklärung des Begriffs den Gebrauch an die Stelle des Bilds gesetzt.

[272.]{.series-number} "Das Wort W. hat zwei Bedeutungen" heißt: es hat zwei Arten der Verwendung. Was teilt Einem dieser Satz mit? Unter welchen Umständen wird er gebraucht? Jemand kennt das Wort "Bank" nur in einer Verwendung; ich teile ihm mit: es hat noch eine andere. (Nämlich‥‥‥) Er kennt schon jede Verwendung des Wortes, wird aber plötzlich stutzig, kennt sich nicht aus, & ich erkläre ihm: "Das Wort hat zwei Verwendungen: ‥‥․"

[273.]{.series-number} In diesem Begriff von der Bedeutung ist manche Unbestimmtheit.

[274.]{.series-number} Man sagt z.B. nicht, "gehe" & "gehst" haben verschiedene Bedeutung. Sie bedeuten ganz dasselbe, würde man Einem sagen; nämlich das -- & nun würde man ihm das Gehen vormachen.

[275.]{.series-number} Du kommst zu einem Stamm, sie haben eine Sprache; in dieser Sprache hörst Du ein Wort (einen Laut) -- -- hat er eine Bedeutung, oder mehrere? Wie wirst Du es entscheiden?

[276.]{.series-number} Manchmal wird die Entscheidung jedenfalls ganz leicht & klar sein. [Aber immer?]

[277.]{.series-number} Ich weiche um kein Haar" "Er hat kein Haar auf dem Kopf". Hat "Haar" in beiden Sätzen die gleiche Bedeutung? -- Und bedeutet "ein bißchen" einen kleinen Bissen? -- "Man ist sich in einem Fall noch der alten Bedeutung bewußt, im andern nicht." Und dieser Satz bezieht sich nicht auf ein Bewußtsein beim Aussprechen des Worts, sondern etwa auf eine Erklärung, welche man gäbe, oder nicht gäbe, wenn ... Also auf Verbindungen, welche gemacht, oder nicht gemacht würden.

[278.]{.series-number} Was ist die korrekte Übersetzung eines englischen Wortspiels in's Deutsche? Vielleicht ein ganz anderes Wortspiel.

[279.]{.series-number} 24.11.1948

Was willst Du mit der Entscheidung, das Wort habe nur eine, oder nicht nur eine, Bedeutung? Du kannst ja seinen Gebrauch lernen, ohne das zu entscheiden (ohne darüber nachzudenken).

[280.]{.series-number} Sagst Du, es hat zwei Bedeutungen, so mußt Du sie nun durch eine Erklärung trennen. (Das kann verschiedenen Zweck haben.

[281.]{.series-number} Aber die Unterscheidung kann in's Auge springen, oder auch nicht.

[282.]{.series-number} Sie mag schon beim ersten Sprechenlernen gemacht werden, oder auch erst von Einem, der die Grammatik der Sprache erforscht.

[283.]{.series-number} (Du mußt ja hier von der lebenden Sprache ausgehen.)

[284.]{.series-number} Die Unterscheidung von Verwendungsweisen hat verschiedene Zwecke.

[285.]{.series-number} Ich schaue die Sprache an & sage "verschiedene Wörter werden ganz verschieden gebraucht". Dann aber auch: "Diese haben ähnliche Verwendung". Ja: "Diese (hier) haben die gleiche." Und ferner: "Dieses Wort hat zwei ganz verschiedene Verwendungen." Aber auch: "Es hat zwei verschiedene, & doch ähnliche Verwendungen." -- Und soweit beschreibe ich, was mir auffällt. (D.h., es ist hier noch kein Problem.) (Soweit bin ich noch ganz naiv.) Zu jeder Bedeutung gehört hier immer eine Erklärung der Bedeutung. Und die Erklärungen können ihrer Art nach ungemein von einander verschieden sein & wieder in verschiedener Weise mit einander ähnlich sein. [Eine Erklärung von "gehen", & von "gegangen".] Die Unterschiede können primitiver, & weniger primitiv sein.

[286.]{.series-number} Du kommst in eine neue Lage, wenn Du mehrere Sprachen betrachtest & miteinander vergleichst.

[287.]{.series-number} Die Erklärung mancher Wortverwendung wird uns einfach, lapidar, ursprünglich, vorkommen; einer andern: künstlich, willkürlich, zwecklos.

[288.]{.series-number} "Wir brauchen ein Wort, um diesen Gegenstand, dies Werkzeug, zu bezeichnen; aber wozu ein Wort, das dieses jeden Montag, jenes jeden Dienstag, etc., bezeichnet?" Hat dieses Wort überhaupt eine Bedeutung, oder sieben?

[289.]{.series-number} Nicht jeder Gebrauch, willst Du sagen, ist eine Bedeutung.

[290.]{.series-number} Hat dieses Wort eine Funktion in unserm Leben, oder hat es sieben Funktionen? Eine Funktion: dafür hat man gewisse Vorbilder. Und was diesen verwandt ist, heißt so. (Ein unscharfer Begriff.)

[291.]{.series-number} Bedeutung, Funktion, Zweck, Nutzen, -- zusammenhängende Begriffe.

[292.]{.series-number} Denk Dir die Hypothese: der Mensch erinnere sich eines Traums nie richtig, er vergäße beim Erwachen sofort den Gedanken des Traumes & behielte nur die Bilder im Gedächtnis, die denselben begleiteten. Die Geschichte geht verloren & nur die Illustrationen bleiben.

[293.]{.series-number} Denk Dir; in einer Geschichte ersetzten wir jedes zehnte Wort durch das Wort "Tisch". -- Und nun hätte in einer Sprache ein Wort die Verwendung, die das Wort "Tisch" in jener Geschichte hat. Wie könnten wir die Verwendung eines solchen vagierenden Wortes beschreiben? Oder was hieße: "Einen den Gebrauch dieses Wortes lehren"?

[294.]{.series-number} Worauf will ich hinaus? Doch darauf, daß die Beschreibung eines Wortgebrauchs die Beschreibung eines Systems, oder von Systemen ist. -- Aber was ein System ist, dafür habe ich keine Definition.

[295.]{.series-number} Ich komme zu Leuten, die in ihrer Sprache ein vagierendes Wort benützen.

[296.]{.series-number} Hätten sie nur vagierende Worte -- dann wäre es eben keine Sprache.

[297.]{.series-number} Ich denke mir hier einen Menschen, der ganz naiv (ohne philosophische Hintergedanken) die Varietäten der Wortverwendung anschaut & für sich beschreibt. Es könnte z.B. das Wort, das jeden Tag der Woche etwas andres bedeutet, wie das normale Substantiv klassifizieren, & es käme ihm nicht die Frage "Hat dies eine Funktion, oder mehrere?"

[298.]{.series-number} Die Frage kommt ihm gar nicht: "Haben 'non' & 'ne' die gleiche Bedeutung?"

[299.]{.series-number} 25.11.1948

Aber nun vergleicht er auch seine Sprache mit der primitiven, die Einer lernt, der als Fremder unter Leute kommt, die ihn nicht verstehen. Dieser nämlich lernt einzelne wichtige Worte durch Demonstrationen verschiedener Art. Zu jedem Wort gehört ein Zeigen, ein Vormachen (eine Szene). -- Auch die Bedeutung der Verneinung wird natürlich vorgemacht. (Sei es im Befehl "Tu das nicht!" oder in der Mitteilung.)

[300.]{.series-number} In dieser Sprache wird es z.B. auf die genauen Endungen der Worte nicht ankommen. (Oder auch: diese Sprache hat keine Flexion.) Die Demonstrationen unterscheiden zwar die Verwendung eines Wortes von der Verwendung eines andern, aber sie unterscheiden z.B. nicht "geht" von "gehst".

[301.]{.series-number} Und wir könnten nun in unsre Sprachbeschreibung einen Begriff 'Bedeutung' einführen solcher Art, daß zwei Worte die gleiche Bedeutung haben, wenn in jener primitiven Sprache die gleiche Demonstration sie erklären würde.

[302.]{.series-number} Man kann also fragen: Wenn ein Fremder zu den Leuten kommt, die "non" & "ne" sagen, auf welcher Stufe wird ihm der Unterschied beigebracht werden? Anfänglich gewiß nicht; er wird eine Verneinung lernen die den Unterschied nicht kennt.

[303.]{.series-number} Denke, ich sagte, 'Bedeutung' wäre die primitive Funktion eines Worts -- würde das stimmen?

[304.]{.series-number} Und natürlich ist dieser Begriff äußert vag.

[→ ]

28.11.1948

[→ ] Ist aber z.B. die primitive Funktion der Verneinung im Bericht & der Abwehr im Befehl ("Tu das nicht!") die gleiche? -- Was man die gleiche Funktion, & was nicht, nennen wird, wird von der menschlichen Natur abhängen. Sowie natürlich auch: was Notwendigkeit ist, & was nicht.

[305.]{.series-number} 26.11.1948

Die Worte "die Rose ist rot" sind sinnlos, wenn das Wort "ist" die Bedeutung von "ist gleich" hat. -- Heißt dies: Wenn Du jenen Satz sprichst & dabei "ist" als Gleichheitszeichen meinst, so zerfällt Dir der Sinn?

[306.]{.series-number} Wir nehmen einen Satz & erklären Einem die Bedeutung jedes seiner Wörter; er lernt damit, sie anzuwenden & also auch jenen Satz. Hätten wir statt des Satzes eine unsinnige Wortreihe gewählt, so würde er sie nicht verwenden lernen. Und erklärt man das Wort "ist" als Gleichheitszeichen, -- dann lernt er nicht die Wortfolge "die Rose ist rot" zu verwenden.

[307.]{.series-number} Und dennoch ist es wahr, daß einem der beim Wort "ist" an "gleich" denkt der Sinn jenes Satzes im Geist zerfällt. Ähnlich wie wenn jemand beim Ausrufe Ei, ei! an zwei Eier dächte. -- Man könnte Einem sagen: Wenn Du den Ausruf "Ei, ei!" ausdrucksvoll sprechen willst, darfst Du nicht an ein Ei dabei denken!

[308.]{.series-number} ---

Was macht meine Vorstellung von ihm zu einer Vorstellung von ihm? Wenn ich sage "Ich stelle ihn mir jetzt vor, wie er ‥‥" so wird hier nichts als sein Portrait bezeichnet. Aber kann ich nicht daraufkommen, daß ich ihn mir ganz falsch vorstellte? Ist meine Frage nicht wie die: "Was macht diesen Satz zu einem, der von ihm handelt"? "Daß wir von ihm sprachen." -- Und was macht unser Gespräch zu einem über ihn?" -- Gewisse Übergänge die wir gemacht haben, oder machen würden.

[309.]{.series-number} 27.11.1948

Was macht dies Bild zu seinem Portrait? -- Es ist im Katalog als das bezeichnet.

[310.]{.series-number} Angenommen, statt mir etwas vorzustellen, skitzierte ich auf einem Stück Papier. Ich rede also von N. & mein Bleistift skitziert dabei eine Figur auf dem Papier. Da kann man mich fragen "Stellt das den N. vor?" Und es mag ihn vorstellen, ob es ihm ähnlich ist, oder nicht. Ist es richtig zu sagen: So ähnlich ist es mit der Vorstellung. Gewiß; insofern man manchmal zeichnen kann, was man sich vorgestellt hat.

[311.]{.series-number} Die Frage "Was macht dies zu einer Vorstellung von ihm?" tritt normalerweise nicht auf, wenn ich mir etwas vorstelle. Und zeichne ich was ich mir etwas vorstelle. Und zeichne ich was ich mir vorgestellt habe & man fragt "Was macht dieses Bild zu seinem Bild?", so könnte ich antworten: "Meine Vorstellung".

[312.]{.series-number} "Was macht die Bemerkung, die ich jetzt machte, zu einer Bemerkung über ihn?"

[313.]{.series-number} Was läßt sich darauf sagen? Nichts, was mit ihr gleichzeitig ist. Wenn Du wissen willst, wen er gemeint hat, frag ihn!

[314.]{.series-number} "Was macht meine Vorstellung von ihm ‥‥‥? Gibt es hier etwas, was ich daraufhin untersuchen könnte, ob es meine Vorstellung von ihm war?

[315.]{.series-number} Denn wenn ich sage "Ich sehe ihn jetzt lebhaft vor mir, wie er ..." so gilt ja von diesem Satz & vom Vorstellungsbild die gleiche Frage.

[316.]{.series-number} Anderseits könnte mir ein Gesicht vorschweben, ja ich könnte im Stande sein es zu zeichnen, & wüßte nicht wem es angehört, wo ich es gesehen habe.

[317.]{.series-number} Was macht meine Vorstellung von ihm zu einer Vorstellung von ihm? Nicht die Ähnlichkeit des Bildes. Von der Äußerung "Ich sehe ihn jetzt lebhaft vor mir" gilt ja die gleiche Frage wie von der Vorstellung. Was macht meine Äußerung zu einer Äußerung über ihn? Nichts, was in ihr liegt, oder mit ihr gleichzeitig ist ('hinter ihr steht'). Wenn Du wissen willst, wen er gemeint hat, frag ihn!

[319.]{.series-number} Wenn aber jemand beim Vorstellen, oder statt des Vorstellens zeichnete, wenn auch nur mit dem Finger in der Luft. (Man könnte das "motorische Vorstellung" nennen.) Da könnte man ihn fragen "Wen stellt das vor?" Und seine Antwort entscheidet. Sie würde uns eine Intention mitteilen. Die Linie die ich zeichnete, war wie eine Beschreibung.

[320.]{.series-number} ---

Man muß sich eigens daran erinnern, daß ein Gesicht mit seelenvollem Ausdruck gemalt werden kann, um zu glauben, daß bloße Farben & Formen so auf uns einwirken.

[321.]{.series-number} "Ich glaube daß er leidet." -- Glaube ich auch, daß er kein Automat ist? Nur mit Widerstreben könnte ich das Wort in diesen beiden Zusammenhängen gebrauchen. (Oder ist es so: "Ich glaube daß er leidet; ich bin sicher daß er kein Automat ist"? Unsinn!) (Das wäre Philosophenunsinn.)

[322.]{.series-number} Denke ich sage von einem Freunde "Er ist kein Automat" -- Was für eine Mitteilung wäre das? Für wen wäre es eine? Für einen Menschen, der ihn unter normalen Umständen sieht? Was könnte ihm das mitteilen?! (Doch höchstens, daß er sich immer wie ein Mensch & nicht manchmal wie eine Maschine benimmt.)

[323.]{.series-number} "Ich glaube, daß er kein Automat ist" hat so ohne weiteres noch gar keinen Sinn.

[324.]{.series-number} Meine Einstellung zu ihm ist die Einstellung zur Seele. Ich habe nicht die Meinung, daß er eine Seele habe.

[325.]{.series-number} Es drängt sich uns freilich ein Bild auf, das vom Unkörperlichen, was das Gesicht belebt (wie eine zitternde Luft). Man muß eigens daran denken, daß ein Gesicht mit seelenvollem Ausdruck sich malen läßt, um zu glauben, daß Farben & Formen allein so auf uns einwirken können.

[326.]{.series-number} Der Begriff 'Bedeutung' wird dazu dienen, das, was man die kapriziösen Bildungen der Sprache nennen könnte, von den wesentlichen, in der Natur ihres Zweckes gelegenen zu unterscheiden.

[327.]{.series-number} Der Begriff der 'Bedeutung' wird in die Beschreibung der Wortverwendung einen neuen Gesichtspunkt einführen.

[328.]{.series-number} Beispiel: Ein Verbum, das in der ersten Person schreiben bedeutet, in der zweiten lieben, in der dritten essen.

[329.]{.series-number} Was kapriziös ist entscheidet die menschliche Natur.

[330.]{.series-number} Aber die Natur Eines, der schon eine Sprache kennt, oder dessen, der noch keine kennt (z.B. also des einjährigen Kindes)?

[331.]{.series-number} Ist es kapriziös, oder nicht, daß ein Wort an jedem Wochentag etwas anderes bedeutet? oder in der ersten Person etwas andres, als in der zweiten?

[332.]{.series-number} 'Bedeutung' ist ein primitiver Begriff. Es gehört zu ihm die Form: "Das Wort bedeutet das"; d.i., die Erklärung der Bedeutung durch ein Zeigen. Dies funktioniert gut unter gewissen Umständen & bei gewissen Wörtern. So wie man den Begriff auf andere Wörter ausdehnt entstehen aber Schwierigkeiten.

[333.]{.series-number} Die Erklärung eines Worts ist nicht eine Analyse dessen, was in mir vorgeht (oder vorgehen soll) wenn ich es ausspreche.

[334.]{.series-number} "Auf je zwei Meter stehen zwei Soldaten." "Er saß in der Bank auf einer Bank."

[335.]{.series-number} "Für dieses Wort unser Sprache will ich zwei setzen; das eine erkläre ich so: ‥‥‥, das andere so: ‥‥․" Ich hätte auch sagen können: Dieses Wort unserer Sprache hat zwei Bedeutungen: ‥‥‥" Hier könnte man nicht fragen: "Aber sind das wirklich zwei Bedeutungen?" -- Oder doch -- wenn das heißen soll: "Ist diese Unterscheidung nicht ganz willkürlich, ganz zwecklos?"

"Warum unterscheidest Du sie, was ist der Witz dieser Unterscheidung?"

[336.]{.series-number} "Ich sehe ihren Zweck nicht ein." Wie schaut aber die Erklärung eines Zwecks aus? Ich kann darauf keine allgemeine Antwort geben.

[337.]{.series-number} Du stellst Dir Aufgaben & löst sie dann, wie ein Mathematiker. Die Aufgabe: non & ne.

[338.]{.series-number} Der welcher die Wortverwendungen naiv beschreibt, wird auch die von "non" & die von "ne" beschreiben, & er kann auch die Bemerkung machen, daß sie beinahe die gleichen sind. -- Aber das ist nicht alles: Kann er nicht sagen, daß die beiden Wörter nur in sehr speziellen Sprachspielen verschiedene, & sonst die gleiche Verwendung haben?

[339.]{.series-number} Muß er nicht sagen können, daß in einem bestimmten Sprachspiel ein Wort durch ein anderes ersetzbar ist?

[340.]{.series-number} Wenn das Sprachspiel, die Tätigkeit, z.B. das Bauen eines Hauses (wie in № 2), die Verwendung eines Wortes fixiert, so ist der Begriff der Verwendung elastisch mit dem der Tätigkeit. Das aber liegt im Wesen der Sprache.

[341.]{.series-number} Denken wir uns also diesen Gebrauch von "non" & "ne": Die beiden Wörter werden wie unser "nicht" gebraucht; bei dem gleichen Anlaß wird einmal das eine, einmal das andre verwendet, sie verhalten sich darin ganz wie synonyme Wörter; nur in dem seltenen Fall der Verdopplung wird unterschieden. Ich werde also versucht sein die Wortverwendung 'als ganze' von einer Teilverwendung zu unterscheiden. Ja, hier wird die Teilverwendung wichtiger scheinen als die 'ganze'.

[342.]{.series-number} Ich sage also: "Die Verwendung hier & hier ist dieselbe. In allen diesen Fällen kann man das eine für das andre setzen." Aber was heißt das eigentlich?

[343.]{.series-number} Der naive Beschreiber, -- kennt er den Begriff 'ein Wort durch ein andres ersetzen können'? -- Er kennt gewiß den, der gemischten Verwendung zweier Wörter.

[344.]{.series-number} Oder auch so: Der Reisende, welcher das Land, wo "non" & "ne" gebraucht wird, bereist & die Sprache in die seine zu übersetzen trachtet, wird keinen Grund haben, jedes durch ein besondres Wort seiner Sprache zu übersetzen, -- bis er einmal zu einem Fall der doppelten Verneinung kommt (dann mag er in seiner Sprache ein Äquivalent finden).

[345.]{.series-number} Der Reisende könnte doch sagen: "Die Verwendung, soweit ich sehen kann, ist die Gleiche."

[346.]{.series-number} "'ne' & 'non'" hat in allen diesen Fällen genau die gleiche Bedeutung." Das könnte man z.B. sagen, wenn in ihrer Sprache die Worte in diesen Fällen wie Synonyme behandelt werden. (Und wir wissen wie das ausschaut.) -- Es könnte aber auch sein, daß der Stamm sie zwar nicht wie Synonyme behandelt, sie nicht 'vermischt', & sie für uns dennoch Synonyme wären.

[347.]{.series-number} ---

Die größte Schwierigkeit in diesen Untersuchungen ist, eine Darstellungsweise für die Vagheit finden.

[348.]{.series-number} Man kann von der Funktion des Worts im Satz, im Sprachspiel, in der Sprache, reden. Aber "Funktion" heißt in jedem dieser Fälle Technik. Bezieht sich also auf eine allgemeine Erklärung & Abrichtung.

[349.]{.series-number} Wer Einen ein Verneinungszeichen lehrt, richtet ihn so & so ab. (Die doppelte Verneinung braucht in der Abrichtung gar nicht zu erscheinen.) Nun kann er sie aber einmal gebrauchen, oder hören & sie dabei so, oder so auffassen. Die Auffassung müßte nicht mit seiner frühern Abrichtung in Zusammenhang stehen, obwohl sich so einer denken läßt. Soll ich aber sagen, die Abrichtung hat ihn den Sinn der doppelten Verneinung gelehrt? Das muß ich nicht sagen. Und hat sie mich gelehrt zwei Wörter in gleicher Weise als Negation zu gebrauchen, so gewiß nicht, zwischen ihnen dann im Fall der Verdoppelung zu diskriminieren. Diese Unterscheidung habe ich gewiß durch die Abrichtung nicht gelernt. Ich habe aber eine Bedeutung durch sie gelernt, & also die selbe.

[350.]{.series-number} Man kann in einer Abrichtung (wieder) Abrichtungen unterscheiden. Und also in einer Wortverwendung Verwendungen.

[351.]{.series-number} ---

30.11.1948 So handelt die Psychologie vom Benehmen; nicht vom Seelischen? Was berichtet der Psychologe? -- Was beobachtet er? Nicht das Benehmen der Menschen & insbesondre ihre Äußerungen? Aber diese handeln nicht von ihrem Benehmen.

[352.]{.series-number} Der Arzt fragt "Wie geht es ihm?". Die Krankenschwester sagt "Er stöhnt". Ein Bericht über's Benehmen. Aber muß die Frage überhaupt auftauchen ob das Stöhnen echt sei? Kann es nicht sein, als ob diese Frage gar nicht existierte? Kann nicht z.B. der Schluß gezogen werden: "Wenn er stöhnt, so müssen wir ihm noch ein schmerzstillendes Mittel geben"? Kann in dieser Gedankenwelt der Bericht über das Benehmen nicht eben als Bericht über das Seelische verwendet werden. Kann es nicht zu diesem Dienst verwendet werden, & kommt es eben nicht auf den Dienst an?

[353.]{.series-number} "Aber diese machen dann eben eine stillschweigende Voraussetzung." Dann ist die Technik der Verwendung unsrer Worte immer stillschweigende Voraussetzung.

[354.]{.series-number} "Wir machen dabei immer eine Voraussetzung; wenn sie nicht stimmt, so ist natürlich alles anders." Sagen wir das z.B., wenn wir Einen einkaufen schicken. Ist die Voraussetzung, daß er ein Mensch ist & das Geschäft keine Fata Morgana? Die Voraussetzungen haben ein Ende.

[355.]{.series-number} Aber könnte, was hier nicht 'Voraussetzung' ist, dies in einem andern Falle nicht sein? Ist Voraussetzung nicht, wo ein Zweifel ist? Und der Zweifel kann gänzlich fehlen; & er kann im geringsten Grade & bis zum größten vorhanden sein.

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[356.]{.series-number} Denk Dir, es sagte Einer "Es gruselt mir, es gruselt mir die ganze Zeit", -- er meint aber damit, er könne Schach spielen. Er gibt einer Fähigkeit einen Ausdruck eines Erlebnisses.

Selbst wenn er nur dann & nur solange dies könnte, als er jenes fühlt, wäre das Gefühl nicht die Fähigkeit.

[357.]{.series-number} 01.12.1948

Wie vergleicht sich das Benehmen des Zornes, der Freude, der Hoffnung, des Erwartens, des Glaubens, der Liebe, des Verstehens? -- Stelle einen zornigen Menschen dar! Das ist leicht. Einen Freudigen, -- da käme es drauf an: was für eine Freude? Die Freude des Wiedersehns, oder die Freude beim Hören einer Musik ...? -- Die Hoffnung? Das wäre schwer. Warum? Es gibt nicht Gebärden der Hoffnung. Wie drückt die Hoffnung sich aus, daß er wiederkommen wird?

[358.]{.series-number} Es ist leicht sich ein Tier zornig, furchtsam, traurig, freudig, erschrocken vorzustellen. Aber hoffend?

[359.]{.series-number} Hoffen ist doch ein ruhiges, freudiges Erwarten. (Obwohl so eine Analyse etwas abstoßendes hat.)

[360.]{.series-number} Ein Hund kann seinen Herrn erwarten, aber kann er erwarten, sein Herr werde übermorgen kommen? Und was kann er nun nicht? -- Wie mache denn ich's? Was soll ich darauf antworten?

[361.]{.series-number} ---

Die 'Bedeutung' ist ist nicht das Erlebnis beim Aussprechen oder Hören des Worts; & der 'Sinn' des Satzes nicht der Komplex von Erlebnissen, die zu den Worten gehören Wie ist der Sinn von "Ich habe ihn noch immer nicht gesehen" aus den Bedeutungen der, Wörter zusammengesetzt? Der Satz ist aus den Wörtern zusammengesetzt, & das ist genug.

[362.]{.series-number} Das Wortgefühl. Denk Dir, wir fänden einen Menschen der uns beim Sprechen über die Wortgefühle sagte für ihn hätte "wenn" & "aber" das gleiche Gefühl. Dürften wir ihm das nicht glauben? -- Oder sollen wir einfach sagen er spiele nicht unser Spiel. Es wäre das ähnlich wie wenn jemand nicht mit jedem Vokal eine eigene Farbe verbände, sondern, sagen wir, eine mit a, e, i; & eine andre mit o & u. Vielleicht gibt es solche.

[363.]{.series-number} Sie wären, möchte man sagen von uns viel verschiedener, als die, welche gar keine Farben mit den Vokalen verbinden. Beinahe möchte man sie farbenblind nennen.

[364.]{.series-number} Und würde jener darum im Gebrauch "wenn" & "daß" verwechseln?

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[365.]{.series-number} Kann nur hoffen, wer sprechen kann? Nur der, der die Verwendung der Sprache beherrscht. Die Zeichen des Hoffens sind Modifikationen eines kompliziertern Lebensmusters. (Wenn ein Begriff seine Anwendung auf den Charakter der Handschrift hat, dann hat er keine Anwendung auf Wesen, die nicht schreiben.)

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[366.]{.series-number} Der Blick den das Wort uns in einem bestimmten Zusammenhang nur zuwirft. Die Art & Weise wie es uns anschaut hängt natürlich von der Umgebung ab in der es steht.

[367.]{.series-number} Ist nicht das Wenn-Gefühl dieses Wort, in diesem Ton & dieser Umgebung?

[368.]{.series-number} Das Wenn-Gefühl kann nicht etwas sein, was das Wort "wenn" begleitet.

[369.]{.series-number} Sonst könnte es auch etwas anderes begleiten.

[370.]{.series-number} Denk Dir ich redete von einer Wenn-Geste. Könnte ein anderes Wort dieselbe Geste machen? -- Oder 'wäre es dann nicht dieselbe'?

[371.]{.series-number} Zur Wenn-Geste gehört eben auch der Klang des Wortes "wenn".

[372.]{.series-number} Können zwei Gesichter den gleichen Ausdruck haben? (Ja & Nein.)

[373.]{.series-number} Das Wenn-Gefühl müßte zu vergleichen sein dem besondern 'Gefühl', das uns eine musikalische Phrase gibt. (Es könnte Einer von einem 'Halbschluß-Gefühl' reden (wollen).)

[374.]{.series-number} Aber kann man dies Gefühl von der Phrase trennen? Und doch ist es nicht die Phrase selbst; denn Einer kann sie hören ohne dies Gefühl.

[375.]{.series-number} Ist es darin ähnlich dem 'Ausdruck' mit welchem sie etwa gespielt wird?

[376.]{.series-number} Denn man meint nicht ein Gefühl, das sie begleitet, höchstens die Phrase mit dem Gefühl.

[377.]{.series-number} "Er sah mich mit einem eigentümlichen Lächeln an." -- Mit was für einem? -- Da muß ich vielleicht sein Gesicht zeichnen.

[378.]{.series-number} 02.12.1948

Das Wenn-Gefühl ist nicht ein Gefühl, das das Aussprechen des Wortes "Wenn" begleitet.

[379.]{.series-number} Wir sagen, diese Stelle gibt uns ein ganz besonderes Gefühl. Wir singen sie uns vor, & machen dabei eine gewisse Bewegung, haben vielleicht auch irgend eine besondere Empfindung. Aber diese Begleitungen -- die Bewegung, die Empfindung -- würden wir in einem andern Zusammenhang gar nicht wiedererkennen. Sie wären ganz leer ↑, & sind's nur nicht, wenn wir diese musikalische Phrase singen

[380.]{.series-number} Sagen wir "Ich singe sie mit einem ganz bestimmten Ausdruck", dann bezeichnet "Ausdruck" nicht etwas, was ich von ihr trennen kann. Man könnte sich schon denken, daß, in einem andern Sinne, ich eine andere Phrase mit demselben Ausdruck spielen könnte.

[381.]{.series-number} Das besondre Gefühl, das mir die Stelle gibt, gehört zur Stelle, ja zu ihr in diesem Zusammenhang.

[382.]{.series-number} Ich kann doch von dem Ausdruck reden, mit welchem Einer eine Stelle spielt, auch ohne dran zu denken, daß eine andre Stelle den gleichen Ausdruck haben könnte. Der Begriff dient hier nur zur Vergleichung von Wiedergaben dieser Stelle.

[383.]{.series-number} ---

03.12.1948 Daß wir einen Satz verstehen, zeigt uns daß wir ihn unter Umständen verwenden könnten (wenn auch nur in einem Märchen), aber es zeigt uns nicht was, & wieviel wir mit ihm anfangen können.

[384.]{.series-number} ---

04.12.1948 [non & ne] Es hat denselben Zweck, dieselbe Verwendung -- bis auf eine Bestimmung.

[385.]{.series-number} So gibt es also zwischen Wortverwendungen wesentliche & unwesentliche Unterschiede? Erst wenn man vom Zweck des Wortes redet, taucht diese Unterscheidung auf.

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[386.]{.series-number} Meine kinästhetischen Empfindungen belehren mich über die Bewegungen & Lagen meiner Glieder.

Ich lasse jetzt meinen Zeigefinger eine leichte Pendelbewegung vor- & rückwärts machen. Ich spüre sie kaum, oder gar nicht. Vielleicht eine wenig in der Fingerspitze, wie ein Spannen der Haut (gar nicht im Gelenk). Und diese Empfindung belehrt mich über die Bewegung? Denn ich kann sie genau beschreiben.

[387.]{.series-number} "Du mußt die Bewegung eben doch fühlen, sonst könntest Du nicht wissen, wie sich der Finger bewegt." Aber, es "wissen", heißt nur: es beschreiben können. -- Ich mag die Richtung aus der ein Schall kommt nur angeben können, weil er das eine Ohr stärker affiziert als das andre; aber das höre ich nicht. Es bewirkt nur: ich weiß von wo der Schall kommt, ich blicke z.B. in dieser Richtung.

[388.]{.series-number} So geht es auch mit der Idee, ein Merkmal der Schmerzempfindung müsse uns über den Ort des Schmerzes belehren; oder ein Merkmal des Erinnerungsbildes über die Lage eines Ereignisses in der Zeit

[389.]{.series-number} Eine Empfindung kann uns über die Bewegung, oder Lage eines Gliedes belehren. Wer z.B. nicht wie der Normale, im Stande wäre mit geschlossenen Augen anzugeben, ob sein Arm gestreckt sei, könnte durch einen Schmerz im Ellbogen darüber belehrt werden. -- Und es kann auch der Charakter eines Schmerzes uns über den Sitz der Verletzung belehren.

[390.]{.series-number} Wie weiß ich, daß den Blinden sein Tastgefühl & den Sehenden sein Gesicht über die Gestalt & Lage der Dinge belehren?

[391.]{.series-number} Weiß ich's nur aus eigener Erfahrung, & vermute es nur bei den Andern?

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[392.]{.series-number} Die Evolution der höheren Tiere & des Menschen & das Erwachen des Geistes, (des) Bewußtseins auf einer bestimmten Stufe Unsere Sprache beschreibt zuerst einmal ein Bild. Was mit dem Bild zu geschehen hat, wie es zu verwenden ist, bleibt im Dunkeln. Aber es ist ja klar, daß dies erforscht werden muß, wenn man den Sinn unsrer Aussage(n) verstehen will. Das Bild aber scheint uns dieser Arbeit zu überheben; es deutet ja schon auf eine (ganz) bestimmte Verwendung. Dadurch hat es uns zum besten.

[393.]{.series-number} ---

06.12.1948 Was ist das Kriterium dafür, daß mich ein Sinneseindruck über die Form & Farbe belehrt?

[394.]{.series-number} Welcher Sinneseindruck? Nun, dieser. Ich kann ihn beschreiben: "er ist derselbe, wie der, ‥‥" -- oder ihn an einem Bild zeigen. Und nun: was fühlst Du, wenn Deine Finger in dieser Lage sind? -- "Wie soll man ein Gefühl erklären? Man kann es nur in sich selbst kennen." Aber den Gebrauch der Worte muß man doch lehren können!

[395.]{.series-number} Ich suche nun nach dem grammatischen Unterschied.

[396.]{.series-number} Farbe, Klang, Geschmack, Temperatur, diese haben eine subjektive & eine objektive Seite. Das heißt doch wohl: sie geben manchmal an, was ich fühle, manchmal beschreiben sie die Außenwelt. -- Nun, das subjektive Zwischenglied scheint in meiner Kenntnis der Körperstellung zu fehlen.

[397.]{.series-number} Man kann ein Gefühl nicht beschreiben? Freilich kann man es. Man tut es alle Tage. Aber wie? Nun, wir müssen uns auf die besondern Fälle besinnen.

[398.]{.series-number} Wenn Einer mir sagte, er hätte damals das gefühlt was man fühlt wenn man seine Finger in dieser Lage hält, oder so bewegt, so würde ich die Lage oder Bewegung nachahmen & ihn dann vielleicht fragen "Meinst Du das Gefühl in den Fingerspitzen, oder in den Muskeln, oder an dieser Stelle?" D.h., es müßte mir noch nicht klar sein, von welchem Gefühl er spricht; ja ich könnte ihm sogar sagen "Ich fühle jetzt gar nichts bei dieser Bewegung." Bedenk: ich könnte ihn auch fragen "Ist es ein starkes Gefühl, oder ein sehr schwaches?"! (Aber diese Bemerkung ist erst am Rande, noch nicht im Zentrum der Sache.)

[399.]{.series-number} Und was ist der Ort des kinästhetischen Gefühls? Kannst Du auf ihn deuten? (Denn daß Rezeptoren in den Gelenken & Muskeln sind geht uns hier nichts an.)

[400.]{.series-number} Sehen wir einmal vom kinästhetischen Gefühl ab! -- Ich will einem ein Gefühl beschreiben, & sage ihm "Mach's so, dann wirst Du's haben." dabei halte ich meinen Arm, oder meinen Kopf, in bestimmter Lage. Ist das nun eine Beschreibung eines Gefühls, & wann, werde ich sagen, er habe verstanden, was für ein Gefühl ich gemeint habe? Er wird daraufhin noch eine weitere Beschreibung des Gefühls geben müssen. Und welcher Art muß die sein? -- Angenommen, er sagt mir "Ja, ich hab's. Es ist ein sehr eigentümliches Gefühl" Auf die Frage "Was für eins? Wo?" sagt er, das könne er nicht sagen, -- es sei ganz eigenartig. Wie wüßten wir, daß es ein Gefühl ist?

[401.]{.series-number} Die 'weitere Beschreibung' wird das Gefühl mit andern Gefühlen in Zusammenhang bringen: Es wird einen Ort haben, es wird gleichbleiben, oder sich ändern, stärker oder schwächer werden.

[402.]{.series-number} "Mach's so, dann wirst Du's haben" dabei hatte ich meinen Arm, oder meinen Kopf in bestimmter Lage. Kann da nicht ein Zweifel sein? muß nicht einer sein, wenn ein Gefühl gemeint ist?

[403.]{.series-number} Was würden wir sagen, wenn jemand uns mitteilt, er sähe an einem bestimmten Ding eine Farbe, die er nicht beschreiben könne? Muß er sich richtig ausdrücken? Muß er eine Farbe meinen?

[404.]{.series-number} Das schaut so aus; das schmeckt so; das fühlt sich so an: "das" & "so" müssen verschieden erklärt werden.

[405.]{.series-number} 06.12.1948

Ein 'Gefühl' hat für uns ein ganz bestimmtes Interesse. Und dazu gehört z.B. ein 'Grad des Gefühls' , die Übertäubbarkeit eines Gefühls durch ein anderes.

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[406.]{.series-number} "Kummer" beschreibt eine Art wiederkehrendes Muster im Lebensteppich. Nun, zu diesem Muster gehört auch ein Verlauf. Wenn der Körperausdruck des Grames & der Freude bei einem Menschen, etwa mit dem Ticken eines Metronoms, wechselten, so ergäbe das nicht das Gram- oder das Freudemuster. (Das heißt nicht Freude oder Kummer sei ein Benehmen.)

[407.]{.series-number} Wer den eigenen Kummer beobachtet, mit welchen Sinnen beobachtet er ihn? Mit einem eigenen Sinn? Mit einem der den Kummer fühlt? So fühlt er ihn anders, wenn er ihn beobachtet? Und welchen beobachtet er nun, den welcher nur da ist, während er beobachtet wird? -- 'Beobachten' erzeugt nicht das beobachtete. (Das ist eine begriffliche Feststellung.)

[408.]{.series-number} Aber ich kann doch meinen Kummer beobachten. Ich frage mich z.B. "Bin ich heute so betrübt, wie gestern?" & antworte darauf.

[409.]{.series-number} Ich sage (zu mir selbst) z.B.: "Vor einem Monat hätte ich noch nicht ohne Grauen daran denken können."

[410.]{.series-number} 07.12.1948

Wen man abgerichtet hätte beim Anblick von etwas Rotem einen bestimmten Laut auszustoßen, beim Anblick von etwas Gelbem andern, & so fort für andere Farben, von dem würde man dennoch nicht sagen, er könne Gegenstände ihrer Farben nach beschreiben obwohl er uns zu einer Beschreibung verhelfen könnte. Um zu beschreiben, muß er nach irgend einer Projektionsregel Bilder von Farbverteilungen im Raume machen können. (Sprachspiel ?)

[411.]{.series-number} Wer z.B. seinen Blick in einem Zimmer schweifen ließe, plötzlich fällt er auf einen Gegenstand von auffallender roter Färbung & er ruft aus "Rot!" -- der hätte keine Beschreibung gegeben, auch wenn er eine geben könnte.

[412.]{.series-number} 08.12.1948

Sind die Worte "Ich fürchte mich" eine Beschreibung eines Seelenzustandes? Es kommt drauf an, in welchem Spiel sie stehen.

[413.]{.series-number} Wir setzen bei dem, der der Furcht ausdrückt, natürlich gewisse physiologische Begleiterscheinungen voraus Den schnellen Puls, den keuchenden Atem, vielleicht erhöhten Blutdruck & eine Reihe, schwerer beobachtbare Erscheinungen des Nervensystems, alles das wieder begleitet von manchen charakteristischen Gefühlen. Wenn Einem der Angstschweiß ausbricht, dann hat er die charakteristischen Empfindungen des Schwitzens.

[414.]{.series-number} Und ferner: es ist wohl möglich, daß der, welcher gewisse typische Mienen, Gebärden, Laute, der Furcht nachahmt, & eben dadurch das eine oder andre typische Gefühl, welches diese Gebärden erzeugen, erhält, -- daß dieser dadurch in seinem Körper andere der physiologischen Furchterscheinungen induziert & mit diesen noch weitere Furchtempfindungen erhält.

[415.]{.series-number} Ja, es kann auch sein, daß Furcht spielen Furcht erzeugt. (Es muß nicht sein, es liegt nicht im Wesen der Furcht.)

[416.]{.series-number} ---

09.12.1948 Das Sprachspiel der Meldung kann so gewendet werden, daß die Meldung uns nicht über den Gegenstand der Meldung unterrichten soll, sondern über den Meldenden. So ist es z.B. wenn der Lehrer den Schüler prüft. (Man kann messen um den Maßstab zu prüfen.)

[417.]{.series-number} "Wenn mich meine Sinne nicht täuschen, so kommt er dort." "Wenn ich mich nicht irre, so kommt er dort." Wie heißt davon die Annahmeform?

[418.]{.series-number} Man kann sehr wohl sagen "Mir scheint es, er käme, aber er kommt nicht."

[419.]{.series-number} Man kann den eigenen Sinnen mißtrauen aber nicht dem eigenen Glauben.

[420.]{.series-number} Man kann sogar sagen: "Es macht auf mich den Eindruck er kommt, aber er kommt nicht.

[421.]{.series-number} Angenommen, ich führte einen Ausdruck, z.B. "Ich glaube", so ein: Er soll dort der Meldung vorgesetzt werden, wo sie dazu dient über den Meldenden Auskunft zu geben. (Es braucht dem 'Ich glaube' keine Unsicherheit anzuhängen. ) Was hieße dann: "Ich glaube, es ist so, & es ist nicht so."? Bedenke auch daß die Unsicherheit sich auch unpersönlich ausdrücken läßt: "Er dürfte heute kommen."

[422.]{.series-number} "Ich glaube‥‥" beleuchtet meinen Zustand. Es lassen sich aus dieser Äußerung Schlüsse auf mein Verhalten ziehen. Also ist hier eine Ähnlichkeit mit den Äußerungen der Gemütsbewegung der Stimmung etc.

[423.]{.series-number} Gäbe es ein Verbum "Zu glauben scheinen" dann fehlte ihm eine sinnvolle erste Person im Indikativ Präsentis. (Unserm Worte "träumen" könnte sie auch fehlen.)

[424.]{.series-number} 10.12.1948

Das beste Beispiel für einen Ausdruck in ganz bestimmter Bedeutung ist eine Stelle in einem Drama.

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[425.]{.series-number} Die augenblickliche Bewegung. Wer eine Bewegung sieht, sieht überhaupt nicht Lagen in Zeitpunkten. Er könnte sie nicht abbilden, nachahmen.

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[426.]{.series-number} "Ich glaubte damals die Erde sei eine Scheibe." Ein Glaube hat einen Grund, die Erfahrungen, Berichte, Beziehungen auf denen er fußt. Er steht auf einem Boden.

[427.]{.series-number} Die Linie "X ist im Irrtum" hat keinen reellen Punkt für X = ich. Die Linie taucht hier in's Dunkel.

[428.]{.series-number} Man kann ja fragen: Ist ein Zustand, den ich aus den Äußerungen des Menschen entnehme wirklich derselbe wie der, den einer auf diese Weise nicht erkennt? Und die Antwort ist eine Entscheidung.

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[429.]{.series-number} Das Phänomen, wovon wir reden, ist das Aufleuchten des Aspekts.

[430.]{.series-number} Man sagt sich z.B. "Es könnte auch das sein" (gibt eine neue Deutung) & der Aspekt mag aufleuchten.

[431.]{.series-number} 11.12.1948

Zwei Verwendungen von "sehen". Die eine: "Ich sehe dies" -- wobei ich auf eine Beschreibung anspiele, oder auf ein Bild, eine Kopie zeige. Damit mag ich einem Andern mitteilen: dort, wo seine Blicke nicht hinreichen befinde sich das & das. Ein Beispiel der andern Verwendung; "Ich sehe eine Ähnlichkeit in diesen beiden Gesichtern". Der, dem ich die Mitteilung mache, mag die Gesichter so deutlich sehen, wie ich.

[432.]{.series-number} Der Eine könnte die Gesichter genau portraitieren, der Andre in diesen Bildnissen ihre Ähnlichkeit bemerken, die der erste nicht sah.

[433.]{.series-number} Ich mag zwei Gesichter, die sich nicht ändern, betrachten: auf einmal leuchtet ihre Ähnlichkeit auf. Ich nenne diese Erfahrung das Aufleuchten eines Aspekts.

[434.]{.series-number} Seine Ursachen interessieren den Psychologen nicht mich.

[435.]{.series-number} Uns interessiert der Begriff & seine Stellung in den Erfahrungsbegriffen.

[436.]{.series-number} Man kann das Aufleuchten des Aspekts hervorrufen, indem man z.B. gewissen Linien des Gesichts (mit dem Blicke) folgt.

[437.]{.series-number} Was ist der charakteristische Ausdruck des Aufleuchtens? Wie weiß ich daß jemand diese Erfahrung hat? -- Der Ausdruck ist ähnlich der der Überraschung.

[438.]{.series-number} Ein Aspekt leuchtet auf & verhallt. Soll er uns bewußt bleiben, so müssen wir ihn immer wieder anschlagen.

[439.]{.series-number} Ich sehe plötzlich die Lösung eines Vexierbilds. Wo früher Äste & Zweige waren ist jetzt ein Mensch. Mein Gesichtseindruck hat sich geändert, & ich erkenne jetzt daß er nicht nur Farbe & Form, sondern auch eine ganz bestimmte Organisation hatte & eine andre hat. -- Mein Gesichtseindruck hat sich geändert; -- wie war er früher; wie ist er jetzt. -- Stelle ich ihn durch eine genaue Kopie dar -- und ist das keine gute Darstellung? -- so zeigt sich keine Änderung.

[440.]{.series-number} Und sag nur ja nicht "Mein Gesichtseindruck ist doch nicht die Zeichnung! er ist dies, was ich niemand zeigen kann." Freilich ist er nicht die Zeichnung, aber auch nichts von der gleichen Kategorie, das ich in mir trage.

[441.]{.series-number} Kann also die Kopie den Aspekt nicht wiedergeben? -- Man nennt sehr verschiedenes "Kopie". -- Die Art des Kopierens könnte den gesehenen Aspekt anzeigen. Sie kann z.B. 'Zusammengehöriges' zusammennehmen. Auch die besondern Fehler die Einer beim Kopieren macht können den Aspekt den er sah anzeigen.

[442.]{.series-number} Der Begriff des 'innern Bildes' ist irreführend, denn das Vorbild dieses Begriffs ist das äußere Bild, & doch sind ihre Anwendungen ganz verschieden

[443.]{.series-number} Wer die Organisation des Gesichtseindrucks mit Formen & Farben zusammenstellt, geht vom Gesichtseindruck als einem innern Gegenstand aus. Dieser Gegenstand wird dadurch freilich ein Unding, ein seltsam schwankendes Gebilde. Denn die Ähnlichkeit mit dem Bild ist nun gestört.

[444.]{.series-number} Wer eine Reihe äquidistanter Punkte als Reihe von Punktpaaren sieht deren innere Entfernungen kleiner sind als die äußeren, der kann sagen, er sieht die Reihe in besondrer Weise organisiert, denn das Bild, das er von der Reihe entwürfe hätte eben eine besondere Organisation. Es könnte sich ja hier auch um einen Irrtum handeln: er hält die Reihe für so organisiert.

[445.]{.series-number} Die Organisation: das sind etwa die räumlichen Beziehungen. Die Darstellung räumlicher Beziehungen im Gesichtseindruck sind räumliche Beziehungen in der Darstellung des Gesichtseindrucks. Die Änderung des Aspekts kann sich durch eine Änderung räumlicher Beziehungen in der Darstellung des Gesehenen darstellen. Beispiel: die Aspekte des Würfelschemas. Die gezeichnete Kopie ist immer die gleiche, die räumliche verschieden.

[446.]{.series-number} Der Begriff der Darstellung des Gesehenen, der Kopie ist sehr dehnbar, & daher auch der Begriff des Gesehenen. Aber die beiden hängen innig zusammen. (D.h. nicht, daß sie einander ähnlich sind.)

[447.]{.series-number} Wer bei der Betrachtung des Würfelschemas sich so ausdrückte: "Ich sehe jetzt einen Würfel in dieser Lage, jetzt einen in dieser" -- der könnte sehr Verschiedenes meinen. Etwas Subjektives, & etwas Objektives. Seine Worte allein lassen das nicht erkennen. -- Der Bericht des Aspektwechsels hat wesentlich die Form eines Berichts über den wahrgenommenen Gegenstand. Aber seine weitere Anwendung ist verschieden.

[448.]{.series-number} Ist der Aspekt eine Art Organisation, & die Organisation vergleichbar den Charakteristiken der Form & Farbe, dann ist der Wechsel des Aspekts wie der Wechsel der scheinbaren Farbe.

[450.]{.series-number} 'Farbe' & 'Form' muß objektiv gelernt werden. Der Ausdruck des Aspekts folgt dann dem Ausdruck der Wahrnehmung, wie der der Vorstellung dem der Wahrnehmung. Aber hier muß man sich daran erinnern, daß die visuelle Vorstellung sich nicht immer durch die Beschreibung eines Gesichtseindrucks darstellen läßt. Ich stelle mir z.B. eine geschlossene Schachtel vor, aber das Bild der geschlossenen Schachtel könnte manches Andere auch darstellen. (Dies erinnert an den Ausdruck in der Traumerzählung: "Und ich wußte, daß ‥‥․")

[451.]{.series-number} Das Sehen des Aspekts eine Willenshandlung. Man kann Einen auffordern: Schau es jetzt so an. Trachte die Ähnlichkeit 12.12.1948 wieder zu sehen. Hör das Thema so etc. Aber ist damit das Sehen eine Willenshandlung? nicht vielmehr die Art des Anschauens die dies Sehen hervorruft? Ich kann z.B. das Würfelschema so sehen, indem ich den Blick auf diese Kanten besonders richte. Wenn ich es tue, dann folgt das Umschlagen des Aspekts. Hier weiß ich wie ich es herbeiführe. Anderseits, wenn ich

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so & so betrachte so bin ich mir dessen nicht bewußt.

[452.]{.series-number} Der Aspekt ist vom Willen abhängig. Darin gleicht er der Vorstellung.

[453.]{.series-number} Aber es ist doch auch die visuelle Wahrnehmung vom Willen abhängig! Schau ich genauer hin, so sehe ich etwas anderes, & ich kann den andern Gesichtseindruck nach Willkür hervorrufen. Das macht den Eindruck freilich nicht zu einem Aspekt -- aber ist er nicht auch vom Willen abhängig?

[454.]{.series-number} Wer eine Figur immer als ein Druck-F aufgefaßt hat, braucht nie die Erfahrung gehabt haben, die die Worte "Jetzt seh ich's als ein F" ausdrücken. Dieser Aspekt mußte nicht 'aufgeleuchtet' haben.

[455.]{.series-number} Wer das H.-E.-Bild betrachtet & über den Gesichtsausdruck des H. nachdenkt, etwa trachtet, das richtige Wort dafür zu finden, der betrachtet das Bild im H-Aspekt aber dieser H-Aspekt leuchtet nicht auf. Ist es aber richtig zu sagen dieser sehe das Bild die ganze Zeit in diesem Aspekt? Nun er beschreibt, was er sieht als einen H-Kopf, denn so redet er z.B. über das was er sieht.

[456.]{.series-number} Frage Dich nun nicht "Wie geht es mit mir?" Frage "Was weiß ich vom Andern?"

[457.]{.series-number} Frage Dich nicht "Seh ich es in so einem Fall?" -- sondern "Was macht mich sagen, er sieht es in so einem Fall?".

[458.]{.series-number} Hörte ich Einen über das H-E Bild reden, & jetzt in gewisser Weise über den besonderen Ausdruck des H-Gesichts, so würde ich sagen "Er betrachtet das Bild jetzt als H.-Kopf", oder "im H-Aspekt".

[459.]{.series-number} Die größte Gefahr ist, hier sich selbst beobachten wollen.

[460.]{.series-number} Wenn ich sage "Diese beiden Formen schienen mir auch keine Ähnlichkeit miteinander zu haben", kann ich einen stärkern Ausdruck dafür gebrauchen, daß ich jedesmal etwas andres sah?

[461.]{.series-number} Er sieht z.B. zwei Bilder; in dem einen den H.-E.-Kopf umgeben von Hasen, im andern von Enten. Er bemerkt die Gleichheit nicht. Folgt daraus daß er beidemale etwas andres sieht? -- Dies gibt uns einen Grund, es zu sagen

[462.]{.series-number} Und wie ist es mit seiner Äußerung "Ich hab es ganz anders gesehen!"? Nun die zeigt etwa, daß einem dieser Begriff naheliegt & das ist auch begreiflich.

Ich hatte es also so 'gesehen', -- obwohl dieser Aspekt nie aufgeleuchtet hatte.

[463.]{.series-number} Und wie vergleicht sich nun dieses chronische 'so-sehen' mit Farben & Formen? Hatte also mein Gesichtsbild immer: diese Farben, diese Formen, diese Organisation? Soweit ist es ja nur eine Ausdrucksform; aber wie ähnlich sind diese Begriffe?

Man kann natürlich sagen "Es gibt gewisse Dinge, die sowohl unter den Begriff 'Bildhase' als 'Bildente' fallen. Und so ein Ding ist ein Bild, eine Zeichnung. -- Aber der Eindruck ist nicht zugleich der von einer Bildente & von einem Bildhasen.

[464.]{.series-number} Du hattest gelernt: das ist 'rot'; das ist 'rund', das ist ein 'Hase'.

[465.]{.series-number} Ich lernte nun die Begriffe 'rot', 'rund', 'Bildhase', 'Bildente', -- soweit sind sie ungefähr auf einer Stufe. Ich kann sie an Mustern lernen.

[466.]{.series-number} Ein Bildhase ist so etwas: & nun zeige ich Beispiele. Eine Bildente ist also etwas anderes, wenn auch ein Beispiel das gleiche ist.

[467.]{.series-number} Wenn ich also den H-E.-Kopf als H. sah so sah ich: Diese Form & Farbe (ich zeichne sie genau -- & außerdem noch so etwas: dabei nun zeige ich eine Menge verschiedener H.-Bilder. Das zeigt die Verschiedenheit der Begriffe.

[468.]{.series-number} "Ich habe es ganz anders gesehen, ich hätte es nie erkannt!" Nun das ist ein Ausruf. Und er hat auch eine Rechtfertigung.

[469.]{.series-number} Du hättest es all diese Zeit durch dieses Gesicht (die Imitation eines Hasen) kopiert, also sahst Du es doch in einem Sinne so.

[470.]{.series-number} Und wenn ich's nun einmal als H. (&) einmal als E. sehe so sehe ich's so, & so ( wobei ich jedesmal ein andres Tier nachmache & in andrer Richtung schaue).

[471.]{.series-number} Von wem sagt man er genieße den sprechenden Ausdruck dieses Bilds? Nun, wer es so anschaut, so & so darüber redet, so darauf reagiert.

[472.]{.series-number} Ich habe es immer als Hasen gesehen könnte sogar heißen: es war für mich immer ein Hase, ich habe immer dazu wie zu einem Hasen gesprochen. Ein Kind tut dies. Ich hab es immer als Hasen behandelt, heißt das.

[473.]{.series-number} Wenn nun das Kind das Hasenbild als einen wirklichen Hasen behandelt, zeigt das etwas über die Organisation des Gesichtsbilds? Ist das ein Beweis, daß das Kind nicht nur Farben & Formen sieht?

[474.]{.series-number} Und nun der Aspektwechsel. Das Erlebnis des neuen Aspekts. Oder: des Erscheinens des Aspekts. Und sein Ausdruck ein Ausruf. Ein H.! etc.

[475.]{.series-number} "Du würdest doch sagen, daß sich das Bild jetzt gänzlich geändert hat!"

[476.]{.series-number} Aber was ist anders: mein Eindruck? Meine Stellungnahme? -- Kann ich's sagen? Ich beschreibe die Änderung, wie eine der Wahrnehmung; ganz als hätte sich der Gegenstand vor meinen Augen geändert.

[477.]{.series-number} Denk Dir den H-E Kopf ausgeschrieben & ein Kind behandelt ihn als Puppe, einmal so, einmal so.

[478.]{.series-number} Man zeigt mir einen Bildhasen & fragt mich was das sei; ich sage "Das ist ein H.". Nicht "Das ist jetzt ein H.". Ich teile die Wahrnehmung mit. Man zeigt mir den H.-E. Kopf & fragt mich was das sei; da kann ich sagen "das ist der H.-E. Kopf". Aber ich kann auch ganz anders drauf reagieren. -- Sage ich es sei der H.-E.Kopf so ist es wieder die Mitteilung der Wahrnehmung; sage ich aber "Jetzt ist ein H., dann nicht. Hatte ich gesagt "Es ist ein Hase", so hätte ich die Doppeldeutigkeit nicht bemerkt & hätte die Wahrnehmung berichtet.

[479.]{.series-number} Ist aber nicht auch dann ein Unterschied zwischen dem ersten "Jetzt ist es ein Hase" & dem nun entstehenden Aspekt?

[480.]{.series-number} 13.12.1948

Eine fleckige Wand; & ich beschäftige mich damit, Gesichter in ihr zu sehen; aber nicht um die Natur des Aspekts zu studieren, sondern weil mich jene Gestalten interessieren & das Verhängnis, das mich von einer zur andern führt. Aspekte leuchten immer wieder auf, andre vergehen, manchmal starre ich wie blind auf die Wand.

[481.]{.series-number} Unter dem Flecken könnte auch das Doppelkreuz & der H.-E.-Kopf sein & sie könnten wie die andern & mit ihnen in verschiedenen Aspekten gesehen werden.

[482.]{.series-number} Der Aspekt scheint zur Struktur der innern Materialisation zu gehören.

[483.]{.series-number} Wir lernen Sprachspiele. Wir lernen Gegenstände nach ihren Farben ordnen, die Farben von Dingen melden, Farben erzeugen, Formen vergleichen, messen, etc. etc. -- Lernen wir aus sie uns vorstellen?

[484.]{.series-number} Es gibt ein Sprachspiel: "Melde ob (auch "wie oft" & "wo") diese Figur in jener vorkommt." Was Du meldest ist eine Wahrnehmung.

[485.]{.series-number} Man könnte also auch sagen: "Melde ob hier ein Spiegel-F vorkommt", & es kann einem plötzlich auffallen. Dies könnte von großer Wichtigkeit sein.

[486.]{.series-number} Die Meldung aber "Jetzt seh ich's als ..." meldet keine Wahrnehmung.

[487.]{.series-number} "Du kannst dabei einmal an das denken, einmal an das, einmal es als das ansehen, einmal als das, & dann wirst Du's einmal so sehen, einmal so." Wie denn? Es gibt ja keine weitere Bestimmung.

[488.]{.series-number} Ich kann die Aspekte des F wechseln & mir keiner andern Willenshandlung dabei bewußt sein.

[489.]{.series-number} Es ist nützlich in diesen Betrachtungen den Begriff 'Bild-Hase' 'Bild-Mensch' etc. einzuführen. Ein Bild-Gesicht, z.B., ist die Figur

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file3.svg)

[490.]{.series-number} "Ich sehe ja jetzt das" könnte ich sagen. Es ist die Meldung einer neuen Wahrnehmung.

[491.]{.series-number} Wie aber, wenn ich erst das Wahrgenommene genau zeichnete; dann sagte: "Ich sehe jetzt es ist ein Hase", oder "Ach, es ist ein Hase!" Nun äußere ich ein Erlebnis zur Zeit des Ausrufs.

[492.]{.series-number} 14.12.1948

Das Wahrnehmen der internen Relation & das Aufleuchten des Aspekts der internen Relation. Wer den H.-E.-Kopf zuerst immer als H. gesehen hat & ihn dann einmal als E. sieht, der mag dadurch lernen daß ein H.-Kopf & ein E.-Kopf die gleiche Kontur haben können. Das kann unter bestimmten Umständen eine wichtige Entdeckung sein. (Ich denke an eine Chiffre in der ein Hasenkopf ein Zeichen ist.) -- Aber das Aufleuchten des H-Aspekts ist nicht das Wahrnehmen jener Relation. Wäre es nicht möglich, daß Einer sie wahrnimmt, ohne das Umschlagen des Aspekts erleben zu können, oder das Aufleuchten?

[493.]{.series-number} 15.12.1948

Einmal heißt es: "Was ich vor mir habe, ist das [Kopie]. Ich kann es auch als einen Hasen beschreiben." -- Das andremal: Früher sah ich etwas andres, jetzt einen Hasen.

[494.]{.series-number} Der Ausdruck des Aspektwechsels ist der Ausdruck einer neuen Wahrnehmung zugleich mit dem Ausdruck der unveränderten Wahrnehmung.

[496.]{.series-number} Die Kopie beschreibt die Wahrnehmung gänzlich . Das Modell, worauf ich auch noch deute, eine Art meiner Anschauung; man könnte also auch sagen: das Seherlebnis. -- Als eine Meldung der Wahrnehmung ist die Kopie dann genauer. Wenn aber der Aspekt aufleuchtet, dann ist der Ausdruck davon (das Zeigen aufs Modell z.B.) wesentlich der Ausdruck einer neuen Wahrnehmung. So also, als müßte diesem Ausdruck jetzt eine neue Kopie entsprechen. Was aber nicht der Fall ist.

[497.]{.series-number} Ich frage: "Was siehst Du?" Der Andre fängt an zu zeichnen; dann gibt er's auf & sagt "Ich kann's nicht gut zeichnen; es ist ein sitzender Hase." Darauf könnte ich vielleicht seine Zeichnung verbessern.

[498.]{.series-number} "Ich sehe einen Hasen. Und das ist genau, was ich sehe [& jetzt zeichne ich's]".

[499.]{.series-number} Ist nun die Kopie eine unvollkommene Beschreibung meines Seherlebnisses? Nein. Es kommt doch auf die Umstände an, welche näheren Bestimmungen ich zu machen brauche. Es kann eine unvollkommene sein; wenn eine Frage übrigbleibt. (Beispiel: Würfelschema.)

[500.]{.series-number} Also mag das Zeigen auf's Modell, noch außer der Kopie, zur Beschreibung des Seherlebnisses gehören. Zur Beschreibung der visuellen Wahrnehmung gehört es dann nicht.

[501.]{.series-number} 16.12.1948

Wenn ich weiß, daß es verschiedene Aspekte des Würfelschemas gibt, kann ich den Andern, um zu erfahren, was er sieht, dies nicht nur zeichnen sondern ihn außerdem auch noch auf einen Würfel zeigen lassen; auch wenn er gar nicht weiß, warum. Mir beschreibt es, was er sieht. Beim Aspektwechsel aber verschiebt sich's. Es wird das der einzig mögliche Erlebnisausdruck, was früher vielleicht nach der Kopie eine unnütze Bestimmung schien.

[502.]{.series-number} Wenn ich weiß, daß es verschiedene Aspekte des Würfelschemas gibt, kann ich den Andern, um zu erfahren, was er sieht, außer die Kopie auch noch ein Modell des Gesehenen herstellen, oder zeigen lassen; auch wenn er gar nicht weiß, was diese doppelte Demonstration soll. Beim Aspektwechsel aber verschiebt sich's. Es wird das der einzig mögliche Erlebnisausdruck, was früher nach der Kopie vielleicht eine unnütze Bestimmung schien, oder (auch) war.

[503.]{.series-number} Und das allein eliminiert für uns den Vergleich der 'Organisation des Gesichtseindrucks' mit Farbe & Form.

[504.]{.series-number} Ja, ich gestehe, nichts scheint mir möglicher, als daß die Menschen einmal zur bestimmten Ansicht kommen werden, dem einzelnen Gedanken, der einzelnen Vorstellung, Erinnerung, entspreche keinerlei Abbild im Physiologischen, im Nervensystem.

[505.]{.series-number} Wie wäre es, wie sähe es aus, wenn der Aspekt gänzlich der Willkür entzogen wäre?

[506.]{.series-number} Heißt "den Aspekt sehen": die interne Relation wahrnehmen? Was spricht in mir dagegen?

[507.]{.series-number} Wer nach einer Figur (1) in der andern (2) sucht, & sie dann findet, der sieht (2) nun anders, kann man sagen. Er kann nicht nur eine neue Art der Beschreibung von ihr geben, sondern jenes Bemerken war ein neues Seherlebnis.

[508.]{.series-number} Aber es muß nicht geschehen, daß er sagen möchte: "Die Figur (2) sieht nun ganz anders aus, sie hat auch keine Ähnlichkeit mit der frühern; obwohl sie mit ihr kongruent ist!"

[509.]{.series-number} "Das innere Bild hat Farben, Formen, & überdies eine bestimmte Organisation." Daraus würde folgen: es schaut so aus, & nicht so aus.

[510.]{.series-number} Du bemerkst eine Organisation des Objekts (des Gegenstands der Wahrnehmung). Oder vielmehr: Du bemerkst etwas an seiner Organisation; einen Zug dieser Organisation.

[511.]{.series-number} Das Bemerken ist ein Seherlebnis.

[512.]{.series-number} Man kopiert die Farbe & die Form. Man zeigt ein Muster der Farbe & Form. Man zeigt kein Muster der Organisation des Gesichtseindrucks.

[513.]{.series-number} Aber man könnte etwa sagen: "Um den Eindruck zu erhalten, den ich habe, mußt Du auf diese Figur schauen, insbesondere auf diesen Teil, & so, daß Dir dies an ihr auffällt." Aber man tut das nicht. So etwas nennt man nicht "den Gesichtseindruck beschreiben", wie man auch zu diesem Zweck nicht vorschreibt, wie der Blick des Andern über den Gegenstand zu wandern hat. Das zeigt uns, daß "Gesichtseindruck" etwas wie "Gesichtsbild" bezeichnen soll, & dies etwas einem Bild verwandtes.

[514.]{.series-number} Fragst Du mich, was ich gesehen habe, so werde ich vielleicht eine Skizze herstellen können, die es zeigt, aber daran, wie mein Blick gewandert ist, werde ich mich in den meisten Fällen überhaupt nicht erinnern.

[515.]{.series-number} Der Farbe des Objekts entspricht die Farbe im Gesichtseindruck, der Form des Objekts die Form im Gesichtseindruck. Aber der Organisation des Objekts entspricht nicht der Aspekt des Gesichtseindrucks, denn der kann sich ändern, während die gleiche Organisation betrachtet wird. Im Aspekt bemerke ich einen Zug der Organisation.

[516.]{.series-number} Der Farbe des Objekts entspricht die Farbe im Gesichtseindruck (dies Fließpapier scheint mir rosa, & es ist rosa) -- der Form des Objekts die Form im Gesichtseindruck (es scheint mir rechteckig, & es ist rechteckig) -- aber was ich im Aspekt sehe, ist nicht eine Eigenschaft des Objekts, es ist eine interne Relation zwischen ihm & andern Objekten.

[517.]{.series-number} Denk Dir den H.-E.-Kopf in einer Menge von Strichen versteckt. Einmal nun bemerke ich ihn in dem Bild & zwar einfach als H.. Später einmal schaue ich das gleiche Bild an & bemerke die gleiche Linie, aber als E., & dabei brauche ich noch gar nicht zu wissen, daß es beidemale die gleiche Linie war. Wenn ich später nun den Aspekt wechseln sehe, kann ich sagen daß dabei die Aspekte H. & E. ganz anders gesehen werden, als da ich sie einzeln im Gewirr der Striche bemerkte? Nein. Aber der Wechsel ruft ein Staunen hervor, den das Bemerken nicht hervorrief.

[518.]{.series-number} 17.12.1948

Der Aspekt leuchtet nur auf, bleibt nicht stehen. Aber das muß eine begriffliche Bemerkung sein, keine psychologische. Der Ausdruck des Sehens des Aspekts ist der Ausdruck der neuen Wahrnehmung.

[519.]{.series-number} (Ich mache scheinbar 'Gedankenexperimente'. Nun, es sind eben keine Experimente. Viel eher Rechnungen.)

[520.]{.series-number} Der Ausdruck des Aufleuchtens des Aspekts ist: "Jetzt ist es das -- jetzt ist es das. Der Ausdruck des Bemerkens des H.-Kopfes in dem Gewirr von Strichen ist: "Es ist hier ein H-Kopf." Wir hatten etwas nicht bemerkt & bemerken es jetzt; daran ist nichts Paradoxes. Wir wollen nicht sagen: das Alte sei verschwunden, -- es sei etwas Neues da; & doch ganz das Alte.

[521.]{.series-number} "Jetzt ist es das" sagt man nicht vor dem ersten Wechsel des Aspekts.

[522.]{.series-number} ---

18.12.1948 Die zaghafte Behauptung ist nicht eine Behauptung der Zaghaftigkeit.

[523.]{.series-number} Denk an den zaghaften Befehl.

[524.]{.series-number} Und man muß sich davor hüten zu sagen: "Es dürfte regnen" heiße eigentlich "Ich glaube, es wird regnen". Warum dann nicht umgekehrt?

[525.]{.series-number} Die Aristotelische Logik tabuliert den Widerspruch als einen Unsatz, der aus der Sprache auszuschließen ist. Diese Logik aber behandelt nur ein ganz kleines Gebiet der Logik unsrer Sprache. (Es ist, als wäre das erste System der Geometrie eine Trigonometrie gewesen; & als glaubten wir nun, die Trigonometrie sei der eigentliche Grundstock, wenn nicht vielleicht sogar die ganze Geometrie.)

[526.]{.series-number} Betrachte nicht die zaghafte Behauptung als Behauptung der Zaghaftigkeit.

---

[527.]{.series-number} "Ich bemerke die Ähnlichkeit der Beiden vielleicht fünf Minuten lang." -- Das hieße: sie fiel mir fünf Minuten lang auf, sie beschäftigten mich 5 Minuten lang, ich mußte während dieser Zeit immer wieder an sie denken. "Sie fiel mir nur für fünf Minuten auf, dann nicht mehr." "Die Ähnlichkeit verblüffte mich fünf Minuten lang. Ich mußte immer wieder ausrufen ..." Das heißt nicht: ich beobachtete sie 5 Minuten lang, dann verschwand sie. "The similarity struck me for 5 minutes" "Die Ähnlichkeit verblüffte mich 5 Minuten lang. Danach bemerkte ich sie nicht mehr.

[528.]{.series-number} Ich beobachtete diese Ähnlichkeit für 5 Minuten" würde heißen: Ich beobachtete die sich ändernden Gesichter auf ihre Ähnlichkeit hin.

[529.]{.series-number} Die Organisation des Gesichtsbildes: das gehört zusammen, das nicht. Organisiert wird also durch ein Zusammennehmen & ein Trennen. Nun, beim Zeichnen kann man das z.B. tun.

[530.]{.series-number} Es gibt sehr verschiedene Arten der 'Aspekte'. Eine Art könnte man "Aspekte der Organisation nennen.

[531.]{.series-number} Die Linien hängen anders zusammen. Was früher zusammengehörte, gehört jetzt nicht zusammen.

[532.]{.series-number} ---

20.12.1948 Ich konnte also den H.E.-K. von vornherein als Bild-H. sehen. D.h. gefragt: "Was ist das?" oder "Was siehst Du da?" hätte ich geantwortet "Einen Bild-H.". Hätte man mich weiter gefragt, was ein Bild-H. sei, so hätte ich zur Erklärung auf verschiedene Hasenbilder, auch auf wirkliche Hasen zeigen müssen, hätte von dem Leben dieser Tiere reden & sie nachmachen können.

[533.]{.series-number} Ich hätte nicht gesagt "Ich sehe das als Bild-H." oder "Ich sehe das jetzt als Bild-H." Ich hätte einfach die Wahrnehmung beschrieben; nicht anders als hätte ich gesagt "Ich sehe dort einen roten Kreis". Dennoch hätte ein Andrer von mir sagen können "Er sieht diese Figur als H.."

[534.]{.series-number} 21.12.1948

Zu sagen "Ich sehe das jetzt als ..." hätte für mich sowenig Sinn gehabt als wie beim Anblick einer Flasche Wein zu sagen "Ich sehe das jetzt als Flasche". Man würde diese Äußerung nicht verstehen. "Ebensowenig wie die Äußerung aus heiler Haut "Das ist jetzt für mich eine Flasche" oder auch diese "Das kann auch eine Flasche sein."

[535.]{.series-number} Man könnte auch normalerweise nicht sagen "Ich halte das für Messer & Gabel".

[536.]{.series-number} Man hält auch nicht, was man bei Tisch als Messer & Gabel erkennt, für Messer & Gabel; sowenig wie man beim Essen für gewöhnlich zu essen versucht, oder zu essen trachtet.

[537.]{.series-number} 23.12.1948

Denkt der Hund an den Hasen, den er plötzlich gewahr wird?

[538.]{.series-number} Wenn nun ein Mensch spazieren geht, & es läuft ihm plötzlich ein Tier über den Weg: ich sehe ihn überrascht schauen -- was weiß ich von seinem Erlebnis? Gefragt, könnte er sagen "Es hat mich plötzlich etwas erschreckt; ich weiß nicht was." Oder auch: "Ich sah plötzlich etwas vorbeihuschen -- das war alles." Oder: "Es wäre ein Hase!"

[539.]{.series-number} Denk Dir, er hätte nie ein Tier gesehen: Wäre sein Seherlebnis dann anders, als das eines, dem die Tiergestalt des Vorbeihuschenden vertraut ist? (Ich möchte gerne die Frage bejahen, weiß aber nicht warum.)

[540.]{.series-number} Man kann die Frage auch anders stellen: Jemand sieht plötzlich einen Gegenstand vor sich, den er nicht er kennt; (es mag ein ihm wohlvertrauter Gegenstand sein, aber in ungewöhnlicher Lage, oder Beleuchtung); das nicht-Erkennen dauert vielleicht nur sekundenlang. Ist es richtig: er habe ein anders Seherlebnis, als der dem der Gegenstand gleich bekannt ist?

[541.]{.series-number} Können wir uns denn nicht vorstellen, daß Einer die vor ihm auftauchende, gänzlich unbekannte Form ebenso genau beschreiben kann, wie ich, dem sie vertraut ist? Und ist das nicht die Antwort? Freilich, im allgemeinen wird es so nicht sein. Auch wird seine Beschreibung ganz anders ausschauen. Ich werde z.B. sagen "Das Tier hatte lange Ohren" -- er: "Es waren da zwei lange blattförmige Fortsätze.)

[542.]{.series-number} Man muß sich hüten, hier in den hergebrachten psychologischen Kategorien zu denken. Etwa das Erlebnis einfach in ein Sehen & ein Denken zu zerlegen; oder dergl..

[543.]{.series-number} Man will fragen "Ist Erkennen ein Teil des Sehens?" & die Frage ist falsch gestellt. Was sind die Zeichen des Erkennens --? was sind die Zeichen des Sehens. Wer den Freund plötzlich in der Menge sieht & seinen Namen ausruft, wovon gibt der ein Zeichen?

[544.]{.series-number} Oder ich sehe Einen, den ich jahrelang nicht gesehen habe, ich sehe ihn deutlich, erkenne ihn aber nicht. Plötzlich erkenne ich ihn, sehe in seinem veränderten Gesicht sein altes. Ich glaube, ich könnte ihn jetzt anders portraitieren.

[545.]{.series-number} Es ist klar, es ist hier eine Verwandtschaft der Begriffe.

[546.]{.series-number} Ist es nicht möglich, daß Einer ein ihm fremdes Gesicht genauer beschreiben kann, als ich ein mir alt bekanntes?

[547.]{.series-number} (Und hier muß man zwischen dem Erlebnis des Wiedererkennens unterscheiden & dem Erkennen, welches einfach ein Mir-Vertrautsein ist.)

[548.]{.series-number} Versuche nicht, in Dir selbst das Erlebnis zu analysieren!

[549.]{.series-number} 24.12.1948

Ich schaue auf ein Tier im Käfig. Man fragt mich: "Was siehst Du?" Ich antworte: "Einen Hasen." -- Ich sehe in die Landschaft; plötzlich läuft ein Hase vorbei. Ich rufe aus: "Ein Hase!" Beides, die Meldung & den Ausruf, kann man den Ausdruck der Wahrnehmung & des Seherlebnisses nennen. Aber der Ausruf ist es in anderm Sinn, als die Meldung; er entringt sich uns. Er verhält sich zum Erlebnis ähnlich, wie der Schrei zum Schmerz.

[550.]{.series-number} Aber ist es nicht einfach so: Der Ausruf, d.h. der besondere Ton der Worte ist einfach ein Ausdruck der Überraschung. Die Worte selbst sind, ganz wie die der Meldung, der Ausdruck der visuellen Wahrnehmung, etc. Die Überraschung hätte sich auch in einem unartikulierten Laut ausdrücken können; gefragt "Warum bist Du erschrocken?", sage ich dann: "Ein Hase ist über den Weg gelaufen."

[552.]{.series-number} Ein anderer Ausruf wäre gewesen: "Was war das?!" Aber ist es auch das gleiche Erlebnis, dessen Ausdruck der unartikulierte Laut, dessen Ausdruck der Ausruf "Ein Hase!", war? Wie soll ich's beurteilen? (Ich meinte nicht das gleiche.)

[553.]{.series-number} Aber da er (der Anruf) die Beschreibung einer Wahrnehmung ist, kann man ihn auch den Ausdruck eines Gedankens nennen. Und man kann also sagen: wer den Gegenstand anschaut & sieht, muß nicht an ihn denken; wer aber das Seherlebnis hat, dessen Ausdruck jener Ausruf ist, der denkt auch an das, was er sieht.

[554.]{.series-number} Und darum scheint das Erlebnis des Aspektwechsels halb Seh-, halb Gedankenerlebnis.

[555.]{.series-number} Beim Sehen des Aspektwechsels muß ich mich mit dem Objekt beschäftigen

[556.]{.series-number} Mit dem; was ich jetzt bemerke, was mir auffällt, beschäftige ich mich. Insofern ist das Erleben des Aspektwechsels auch gleich einem Tun.

[557.]{.series-number} Drückt der Ausruf "Was war das?" ein besondres Seherlebnis aus?

[558.]{.series-number} Könnte man nicht sagen: Ja & Nein?

[559.]{.series-number} "Ich sah nur einen Schatten vorbeihuschen." Ist das nicht der Ausdruck des Seherlebnisses?

[560.]{.series-number} Ich sehe eine 'fragwürdige' Gestalt.

[561.]{.series-number} Aber kannst Du wirklich sagen, daß die Fragwürdigkeit & die Gestalt gesehen wird?

[562.]{.series-number} Frage: Was spricht dafür? Nun, daß die Beschreibung die ich von der Erscheinung gebe auch durch die Fragwürdigkeit gemodelt wird.

[563.]{.series-number} Was ist das Kriterium des Seherlebnisses? Was soll das Kriterium sein? Die Darstellung dessen, 'was gesehen wird'.

---

[564.]{.series-number} Kann ich nun beim Aufleuchten des Aspekts ein Seherlebnis von einem Denkerlebnis trennen? -- Wenn Du es trennst, dann scheint das Aufleuchten des Aspekts verloren zu gehen.

[565.]{.series-number} Ich glaube man könnte es auch so sagen: Das Wesentliche des Aspektwechsels ist ein Staunen. Und Staunen ist Denken.

[566.]{.series-number} Aber ist denn das nicht nur meine Auffassung des Aspektwechsels?

[567.]{.series-number} Was leuchtet denn auf? Der Aspekt des H., z.B.. Und darin, daß man es nur so ausdrücken konnte, lag der Gedanke.

[568.]{.series-number} Etwas Vorbeifliegendes könnte mich überraschen, sozusagen körperlich überraschen, & ich doch nicht daran denken. D.h., ich könnte z.B. in einem Gedankengang fortfahren, obgleich ich zusammenzuckte.

[569.]{.series-number} Denke nun aber an die Aspekte der rotierenden Trommel. Wenn sie wechseln ist es, als ob die Bewegung gewechselt hätte. Man weiß hier nicht & notwendigerweise ob die Bewegungsweise oder der Aspekt sich geändert hat. Hier haben wir also auch nicht im gleichen Sinne das Erlebnis des Aspektwechsels.

[570.]{.series-number} Denk Dir, zwei Lichter, blau & rot, wechseln vor meinen Augen ab. Es ist meine Aufgabe beim Aufleuchten des blauen auf einen Knopf zu drücken, bei Aufleuchten des andern, auf einen andern Knopf. Das könnte Einer doch gewiß ganz mechanisch tun. -- Und nun denk Dir dies Spiel gespielt mit den beiden Aspekten des Schwarz-weiß-Kreuzes. Ist es denn unmöglich, daß es da ein ebenso mechanisches, gedankenloses, Reagieren gibt?

[571.]{.series-number} Wenn ich nun diesen Menschen in der Menge erkenne, nachdem ich vielleicht schon längere Zeit in seiner Richtung geschaut habe, -- ist es ein Sehen? ein Denken? Der Ausdruck des Erlebnisses ist "Schau, da ist die ‥‥! -- aber es könnte natürlich auch eine Skizze sein. Auch in der Skizze & im Skizzieren mag es sich ausdrücken, daß ich diesen Menschen erkenne. (Aber das plötzliche Erkennen drückt sich darin nicht aus.)

Derselbe Ausdruck, der früher Meldung des Geschehenen war, ist jetzt Ausruf des Erkennens.

[572.]{.series-number} Nimm an, das Kind erkennt plötzlich einen Menschen. Es sei das erste Mal, daß es jemand plötzlich erkennt. -- Es ist als wären ihm plötzlich die Augen aufgegangen. [] Man kann z.B. fragen: Wenn es den N.N. plötzlich erkennt, -- könnte es dasselbe Seherlebnis haben, aber ohne ihn zu erkennen? Es könnte ihn doch z.B. falsch wiedererkennen.

[573.]{.series-number} Denk Einer fragte: "Tu ich denn das mit den Augen?"

[574.]{.series-number} Es läuft ein Hase über den Weg. Einer kennt ihn nicht & sagt: "Etwas Seltsames ist vorbeigesaust" & beschreibt nun die Erscheinung. Ein Andrer ruft "Ein Hase!" & kann ihn nicht so genau beschreiben. Und warum will ich nun dennoch sagen, daß der, der ihn erkennt ihn anders sieht, als der ihn nicht erkennt?

[575.]{.series-number} Sieht Einer ein Lächeln, das er nicht als Lächeln erkennt, nicht so versteht, anders, als der es versteht? Er macht es z.B. anders nach.

(Verstehen der Kirchentonarten.)

[576.]{.series-number} Was ist dafür zu sagen daß er es anders sieht?

[577.]{.series-number} "Wenn man weiß, was es ist, schaut's anders aus." -- Wieso?

[578.]{.series-number} Wie wäre es wenn Einer das Vorüberhuschende zwar nicht kennt, sich aber gleich darin auskennt? Sieht er's dann wie der, der es kennt?

[579.]{.series-number} Es ist eine Frage der Begriffsbestimmung.

[580.]{.series-number} Ich erwähne diese Arten der Aspekte, um zu zeigen, mit welcher Art der Vielheit man es hier zu tun hat.

[581.]{.series-number} Es gibt hier eine große Menge mit einander verwandter Erscheinungen & möglicher Begriffe.

[582.]{.series-number} Manchmal ist im Aspekt das Begriffliche vorherrschend. D.h.: Manchmal ist der Ausdruck des Aspekterlebnisses nur durch eine begriffliche Erklärung möglich. Und diese | kann wieder sehr verschiedener Art sein.

[583.]{.series-number} 25.12.1948

Die verschiedenen Arten der Aspekte.

[584.]{.series-number} Das Hören einer Melodie & die Bewegungen, mit denen man sie in einer bestimmten Weise auffaßt, oder hört.

[585.]{.series-number} Warum scheint hier Tun & Erleben so schwer zu trennen?

[586.]{.series-number} Es ist, als ob Tun & Eindruck nicht nebeneinander hergingen, sondern das Tun den Eindruck formte.

[587.]{.series-number} Ich höre es anders, ich kann es jetzt anders spielen. Also anders wiedergeben.

[588.]{.series-number} Es gibt viele Arten des Aspekterlebnisses. Es ist ihnen gemeinsam der Ausdruck: "Ich sehe es jetzt als das"; oder "Ich sehe es jetzt so"; oder "Jetzt ist es das, -- jetzt das": oder "Ich höre es jetzt als das; "Ich höre es jetzt als ...". Die Erklärung Erläuterung aber dieser "das" & "so" ist in verschiedenen Fällen die denkbarst verschiedene.

[589.]{.series-number} Wie wäre es aber wenn ich im Freien plötzlich einen Löwen gewahr würde? Ich nehme an, ich sehe nur ein Stück seines Kopfes, erkenne es aber sogleich & schreie "Ein Löwe!". Das Stärkste in mir ist die Furcht. -- Und nun frage ich wieder: Wie war es mit dem Gesichtseindruck? War er von andrer Art als der, den ich im zoologischen Garten empfange? (Abgesehen davon, daß dieser viel vollständiger ist. --)

[590.]{.series-number} (Ich kann mich noch nicht über die Masse der Erscheinungen erheben.)

[591.]{.series-number} Es ist hier schwierig zu sehen, daß es sich um Begriffsbestimmungen handelt. Dir Begriff drängt sich auf. (Das darfst Du nicht vergessen.)

[592.]{.series-number} 26.12.1948

Der Gesichtseindruck scheint sich zu dieser Form zu organisieren.

[593.]{.series-number} Das heißt doch eigentlich: er änderte sich, & er änderte sich nicht.

[594.]{.series-number} Als ich ihn plötzlich erkannte, schien aus meinen Gesichtseindruck plötzlich das zu werden.

[595.]{.series-number} War es ein Verstehen? war es ein Sehen?

[596.]{.series-number} Was, wenn überhaupt etwas, rechtfertigt mich, von einem Sehen hier zu reden?

[597.]{.series-number} Denk, Einer erzählte mir: "Es war als ob sich mein Gesichtseindruck zu diesem Gesicht & seiner Umgebung plötzlich organisierte." Ich würde ihn verstehen. Ich würde begreifen, warum er sich so ausdrückt. D.h., ich wäre auch geneigt, das Bild zu brauchen.

[598.]{.series-number} Diese Figur

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ist die Umkehrung von

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& diese:

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[muß in Spiegelschrift geschrieben werden] die Umkehrung von

dieser:

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Man ist geneigt zu sagen daß man das verkehrte Wort anders sieht als das aufrechte. Dieses ist leicht zu kopieren, jenes schwer.

[599.]{.series-number} Die Figur a) 🖵 ist die Umkehrung der Figur b) 🖵, wie die Figur c 🖵 von d)🖵. Aber zwischen meinem Eindruck von c & d besteht noch ein anderer Unterschied-- möchte ich sagen -- als zwischen a & b, (d sieht z.B. ordentlich aus, c unordentlich. Vergl. Lewis Carroll 'Looking glass') d ist leicht zu kopieren, c schwer.

[600.]{.series-number} Was früher im Gesichtseindruck auseinanderfiel, gehört jetzt zusammen.

[601.]{.series-number} 29.12.1948

Wie wäre diese Erklärung: "Ich kann etwas als das sehen, wovon es ein Bild sein kann"? -- Aber ist das eine Erklärung, oder ein Pleonasmus? --

[602.]{.series-number} Es heißt doch: Die Aspekte im Aspektwechsel sind die, die die Figur unter Umständen statisch in einem Bild haben könnte.

[603.]{.series-number} Ein Dreieck kann ja wirklich in einem Bild stehen, in einem andern hängen, in einem dritten etwas Umgefallenes darstellen. -- So zwar, daß ich, der Betrachter, nicht sage "Das kann auch etwas Umgefallenes darstellen", sondern "Dieser Krug ist umgefallen & liegt in Scherben" ... So reagieren wir auf das Bild.

[604.]{.series-number} Könnte ich sagen, wie ein Bild beschaffen sein muß, damit man so darauf reagiert? Nein. Es gibt z.B. Malweisen, die mir nichts auf diese direkte Weise mitteilen, aber doch einem Andern. Ich glaube, daß Gewohnheit & Erziehung etwas damit zu tun haben.

[605.]{.series-number} 30.12.1948

Betrachte nun als Beispiel die Aspekte des Dreiecks. Das Dreieck

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kann gesehen werden als dreieckiges Loch, als Körper, als geometrische Zeichnung; auf seiner Basis stehend, von seiner Spitze hängend; als Berg, als Keil, als Pfeil oder Zeiger; als ein umgefallener Körper, der (z.B.) auf der kürzeren Kathete stehen sollte, als ein halbes Parallelogramm, und anderes.

---

[606.]{.series-number} Was heißt es nun, daß ich auf dem Bild die Kugel schweben sehe? Liegt es schon darin, daß ich das Bild so beschreibe? Daß mir diese Beschreibung die nächstliegende, natürlichste ist? Nein; das könnte sie aus verschiedenen Gründen sein. Sie könnte z.B. einfach die herkömmliche sein.

[607.]{.series-number} Was aber ist der Ausdruck dafür, daß ich das Bild nicht nur 'z.B.' so verstehe (weiß was es darstellen soll), sondern so sehe? Ein solcher Ausdruck ist: "Die Kugel scheint zu schweben", "Man sieht sie schweben.", oder auch in besonderem Tonfall "Sie schwebt!" Das ist also der Ausdruck des Dafürhaltens. Aber nicht als solcher verwendet.

[608.]{.series-number} Wir fragen uns hier nicht, was die Ursachen sind & was in einem besondern Fall diesen Eindruck hervorruft.

[609.]{.series-number} Und ist es ein andrer Eindruck? -- "Ich sehe doch etwas anderes, wenn ich die Kugel schweben, als wenn ich sie bloß daliegen sehe." -- Das heißt eigentlich: Dieser Ausdruck ist gerechtfertigt! (Denn wörtlich genommen ist es ja nur eine Wiederholung.)

[610.]{.series-number} (Und doch sehe ist mein Eindruck auch nicht der einer wirklichen schwebenden Kugel. Vergleiche verschiedene Arten des 'räumlichen' Sehens; Räumlichkeit der gewöhnlichen Photographie & dessen, was man durchs Stereoskop sieht.)

[611.]{.series-number} "Und ist es wirklich ein anderer Eindruck?" Um es zu beantworten, möchte ich mich fragen, ob wirklich etwas anderes in mir existiert. Aber wie kann ich mich davon überzeugen -- Ich beschreibe, was ich sehe, anders.

---

[612.]{.series-number} Den Wechsel des Aspekts können wir hervorrufen, & er kann auch gegen unsern Willen eintreten. Er kann unserm Willen folgen wie unser Blick.

[613.]{.series-number} Wenn man bei nachts im Omnibus fährt & er eine Kurve macht & man schaut dabei die Vorderwand des Omnibusses an (die sich relativ zum Fahrgast nicht bewegt), so glaubt man, man sehe sie die Biegung machen. Man spürt natürlich, daß das Gefährt die Bewegung macht & möglicherweise sieht man auch irgend ein Anzeichen davon an der äußern Dunkelheit, die man noch aus dem Augenwinkel sieht, wenn auch unbewußt. Aber man meint, die Vorderwand die Kurve beschreiben zu sehen & zugleich natürlich sich nicht gegen uns zu verändern.

[614.]{.series-number} 01.01.1949

(Rhees) Wenn jemand seine gegenwärtige Stimmung beschreibt, z.B. sagt, sie gleiche einer grauen Wolke, -- beobachtet er sie nicht, auch wenn sie vielleicht durch dies Beobachten modifiziert wird? & gilt für diese Beschreibung, was ich von 'Beschreibungen' allgemein sagte?

[615.]{.series-number} Schaue ich nicht in mich & sage: "Was ist nur das richtige Wort für dies Gefühl, diese Stimmung? -- Und ist es klar daß sie durch mein Schauen nicht z.B. verstärkt wird? Kann ich nicht in einer Stimmung schwelgen? Und kann Selbstbeobachtung nicht zum Schwelgen gehören?

[616.]{.series-number} Ist dem ähnlich, daß ich einen Körperschmerz (auf welche Weise immer) in mir hervorrufe & dann seinen Charakter genau zu beschreiben trachte.

[617.]{.series-number} Denke, ich sage in so einem Fall: "Ja, dieser Schmerz ist wie eine lodernde Flamme".

[618.]{.series-number} In welcher Weise & in welchem Sinne beobachte ich den Schmerz? (Denn es scheint mir da keinen Unterschied zu machen, ob Einer seine Traurigkeit oder seinen eigenen Schmerz beobachtet.) Ich setze mich in den Stand, ihn zu fühlen. Aber welchen? den so gearteten, -- oder den, der auf diese Weise hervorgerufen wird? Sage ich "Ich möchte wieder diesen selben lodernden Schmerz erzeugen, um zu, sehen, wie er ist? Wozu soll ich ihn beobachten, wenn ich ihn so identifizieren kann? Nun, man könnte sagen: "Wenn ich nur diesen selben Schmerz wieder & wieder fühle, werde ich endlich das rechte Wort oder gar das rechte farbige Bild (etwa das einer Flamme) für ihn finden." Und nun kann ich den Fall vereinfachen. Er braucht ja den Schmerz nicht absichtlich hervorrufen; sondern es sei ein andauernder Schmerz (im Kopf, oder Magen) & er denkt über die richtige Beschreibung seines Gefühls nach.

[619.]{.series-number} Was ich sagen will, ist doch das, daß ich durch's Schauen nicht den Gesichtseindruck beobachte, sondern das Angeschaute.

[620.]{.series-number} Wenn ich also in irgend einem Sinn auf meinen Kummer schaue, so beobachte ich nicht den Eindruck den ich so erhalte.

[621.]{.series-number} Aber denk Dir, ich schaue starr auf einen Gegenstand & frage mich "Was für ein Rot sehe ich da?" Es interessiert mich dabei gar nicht die Farbe des Gegenstandes sondern ich suche (etwa) nur nach einem Namen für meinen gegenwärtigen Eindruck von ihm. Kann ich sagen: Über einen Eindruck nachdenken ist nicht 'ihn beobachten'?

[622.]{.series-number} 02.01.1949

Was teilt uns der mit, der sagt "Jetzt seh ich es als ...? Das heißt: Welche Folgen hat diese Mitteilung, welche Art von Verwendung kann sie haben? Sie könnte verschiedenerlei Folgen haben. Wer z.B. den H.-E.-Kopf als H. sieht, wird nicht den Ausdruck des E.-Gesichts beschreiben können. Raumvorstellung in der Darstellenden Geometrie. Wer das Würfelschema eben sieht, wird verschiedene zeichnerische Operationen mit ihm nicht vornehmen können. [Stimmt nicht ganz.]

[623.]{.series-number} Verbindung mit dem Spiel "Das könnte ein ‥‥ sein".

[624.]{.series-number} Was teilst Du mir mit den Worten ‥‥ mit? Was kann ich mit dieser Äußerung anfangen? Welche Folgen hat sie?

[625.]{.series-number} Gewisse Zeichnungen sieht man immer, flach als Figur in der Ebene, andere manchmal, oder auch immer räumlich.

[626.]{.series-number} Da möchte man nun sagen: Der Gesichtseindruck der räumlich gesehenen Zeichnungen ist räumlich; ist für's Würfelschema z.B. ein Würfel. (Denn die Beschreibung des Eindrucks ist die Beschreibung eines Würfels.)

[627.]{.series-number} "Ich sehe es jetzt immer als ‥‥" Ich habe auf dem Bild dies früher fälschlich als ‥‥ gesehen; jetzt aber nicht mehr. Ich sehe es jetzt immer, wie es gemeint ist. -- Wie äußert sich das?

[628.]{.series-number} Und es ist dann merkwürdig, daß unser Eindruck für manche Zeichnung etwas Flaches, für manche etwas Räumliches ist. Man fragt sich: "Wo kann das enden?" [Das Bild eines Läufers]

[629.]{.series-number} 03.01.1949

"An was erinnert mich diese Farbe?" -- Wer einen Gegenstand anschaut & sich das fragt, -- beobachtet der den Gesichtseindruck? []

---

[630.]{.series-number} Was teilt mir Einer mit, der sagt "Ich sehe es jetzt als ‥‥"? Welche Folgen hat diese Mitteilung? Was kann ich mit ihr anfangen?

[631.]{.series-number} Menschen assoziieren oft Farben mit Vokalen. Es könnte sein, daß für Manchen ein Vokal, wenn er öfters hintereinander ausgesprochen wird, seine Farbe wechselt. Der Vokal a wäre 'jetzt blau -- jetzt rot'. "Ich sehe es jetzt als ‥‥" könnte uns nicht mehr bedeuten, als "a ist rot" (gekuppelt mit physiologischen Beobachtungen könnte auch dieser Wechsel uns wichtig werden.)

[632.]{.series-number} Wenn ich mich nach der Verwendung, nach dem Interesse, jener Mitteilung fragte, fällt mir ein, wie oft es in ästhetischen Betrachtungen heißt "Du mußt es so sehen, so ist es gemeint", "Wenn Du es so siehst, siehst Du, wo der Fehler liegt", "Du mußt diese Takte als Einleitung hören", "Du mußt nach dieser Tonart hinhören", "Du mußt das Thema so phrasieren" (& das kann sich auf's Hören & auf's Spielen beziehen).

[633.]{.series-number} Die Figur

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soll eine konvexe Stufe vorstellen, & zur Demonstration gewisser räumlicher Vorgänge verwendet werden. Ich ziehe dabei etwa die Linie a durch die Mittelpunkte

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der beiden Flächen. -- Wenn nun Einer die Figur nur auf Augenblicke räumlich sähe, & auch dann vielleicht manchmal als eine konkave Stufe, so könnte es ihm schwer werden, der Demonstration zu folgen. (Wie dem die Darstellende Geometrie schwer wird, der die Projektionen nicht räumlich zu sehen im Stande ist.) (Rolle der Anschauung in der Mathematik.) Und wenn für ihn der flache Aspekt mit einem räumlichen wechselt, so ist es nicht anders, als zeigte ich ihm während der Demonstration abwechselnd etwas Flaches & eines von zwei Modellen

[634.]{.series-number} Aber die Verwendungen in der Ästhetik & in der Darstellenden Geometrie sind doch grundverschieden. Ist es in der Ästhetik nicht wesentlich, daß das Bild, das Musikstück, etc., seinen Aspekt für mich wechseln kann? -- denn für jene Darstellung räumlicher Vorgänge ist es das natürlich nicht.

[635.]{.series-number} "Wenn ich es so sehe, so paßt es, aber wenn ich es so sehe, dann nicht."

[636.]{.series-number} Spiel: "Es kann auch ‥‥ sein".

---

[637.]{.series-number} "Das ist doch kein Sehen!" -- "Das ist doch ein Sehen!" -- Beide müssen sich begrifflich rechtfertigen lassen.

[638.]{.series-number} Die Frage ist: Inwiefern ist es ein Sehen?

---

[639.]{.series-number} "Siehst Du dies Blatt immer grün, solange Du es räumlich anschaust & auf die Frage, welche Farbe es hat, ohne zu lügen "grün" antworten würdest?" Hat diese Frage einen klaren Sinn? Eine Antwort wäre vielleicht: "Nun, ich sage mir beim Ansehen des Blattes nicht die ganze Zeit 'Ach, wie grün!'".

[640.]{.series-number} 04.01.1949

Was ist der Ausdruck davon, daß ich dies Bild als Bild beschneiter Bäume sehe? daß ich nicht nur weiß, daß es solche vorstellt, daß ich es nicht wie eine Blaupause lese? -- Ich behandle es anders. (Kind & Puppe)

[641.]{.series-number} Wenn ich in einem Bild ein Tier von einem Pfeil durchbohrt sehe, weiß ich nur, daß die Pfeilspitze mit den Federn zusammenhängt, oder sehe ich's? -- Ich verhalte mich zu diesen Stücken, wie zu einem Pfeil, d.h.: ich sage nicht nur, als wär's die Zeichnung einer Maschine, die ich entziffere, "Diese beiden Stücke gehören zusammen, es geht hier ein Stab durch"; sondern gefragt "Was sahst Du auf dem Bild antworte ich gleich: "Ein Tier von einem Pfeil durchbohrt."

[642.]{.series-number} "Die Erscheinung nimmt einen zuerst Wunder, aber es wird gewiß eine physiologische Erklärung dafür gefunden werden." -- Unser Problem ist kein kausales sondern ein Begriffliches.

Die Frage ist: Inwiefern ist es ein Sehen?

[643.]{.series-number} Ich sehe oft eine Kontur weitergehen, wenn sie in der Zeichnung unterbrochen ist.

[644.]{.series-number} Ich sehe, daß auf dem Bild der Pfeil das Tier durchdringt. Er hat es in den Hals getroffen & ragt noch beim Genick heraus. Denk Dir das Bild als Silhouette. -- Siehst Du den Pfeil, -- weißt Du nur, daß diese beiden Stücke Teile eines Pfeils darstellen (sollen)?

[645.]{.series-number} Vergleiche Köhlers Figur der einander durchdringenden Sechsecke.

[646.]{.series-number} Das ist doch ein Sehen! Inwiefern ist es ein Sehen?

[647.]{.series-number} Die Beschreibung, die ich von der Figur geben würde, wenn ich naiv an sie herantrete, ist unzweifelhaft die. Würde mir das Bild für kurze Zeit gezeigt & ich sollte es beschreiben, wäre das die Beschreibung, sollte ich's danach zeichnen, so würde ich gewiß zwei gleiche einander durchdringende Sechsecke zeichnen & in dieser Beziehung würde ich in der Kopie nicht irregehen, wenn auch sonst manches an ihr falsch sein könnte.

[648.]{.series-number} Ist es ein Wissen oder ein Sehen? -- Wie wär's, wenn es bloß ein Wissen wäre? In welcher Fällen würde ich sagen, es sei bloß ein Wissen? Wenn ich eine Blaupause lese, etwa.

[649.]{.series-number} Was heißt es, wenn ich, eine Zeichnung in der Darstellenden Geometrie betrachtend, sage: "Ich weiß, daß es hier weitergeht, ader ich kann es nicht so sehen"? Heißt es einfach, daß mir die Geläufigkeit des 'Auskennens' fehlt? Nun, diese Geläufigkeit ist gewiß eines unsrer Kriterien. Das Kriterium ist eine gewisse Art des sich Auskennens. (Gewisse Gesten z.B., die die räumlichen Verhältnisse andeuten. Feine Abschattungen des Verhaltens.)

[650.]{.series-number} Du mußt an die Rolle denken, welche Bilder (im Gegensatz zu Werkzeichnungen) in unserm Leben spielen. Und diese Rolle ist durchaus nicht etwas gleichförmiges.

[651.]{.series-number} Von dem der die Zeichnung als ... sieht werde ich mir andres erwarten als von dem, der nur weiß, was sie darstellen soll.

[652.]{.series-number} [Bemerkung über die dritte Person.]

[653.]{.series-number} Man hängt sich manchmal Sprüche an die Wand. Aber nicht Lehrsätze der Geometrie. Unser Verhältnis zu diesen beiden.

[654.]{.series-number} "Wenn ich es so sehe, so paßt es zu dem Übrigen." Dies ist ein ganz bestimmtes Sprachspiel mit dem Ausdruck "etwas so sehen". Und das Kriterium des 'so sehen' ist hier ein andres als im Fall der Darstellenden Geometrie.

[655.]{.series-number} Was ist das Kriterium dafür, daß er es so sieht, wenn er etwa sagt "Wenn ich es so sehe, dann paßt es zu diesem"? -- Daß er z.B. gewisse Änderungen an dem Bild, Gebäude, etc., machen oder vorschlagen kann, die eine gewisse Wirkung auf den Beschauer haben.

[656.]{.series-number} 05.01.1949

---

Wie, wenn Einer sagte: Die Traumerzählung ist eine seltsame Gedächtnisstörung; sie nimmt eine Menge von Erinnerungen vom Vortag, aus früheren Tagen, ja aus der Kindheit zusammen & macht daraus eine Erinnerung an ein Ereignis während der Zeit des Schlafs. Wir alle kennen ja Fälle in denen wir die Erinnerungen mehrerer Tage zu einer vermischen.

---

[657.]{.series-number} Wann würde ich's denn ein bloßes Wissen nennen? -- Wenn Einer das Bild wie eine Werkzeichnung behandelte. Das, was es darstellt aus ihm herausläse. (Feine Abschattungen des Benehmens.)

[658.]{.series-number} 06.01.1949

Ich erkenne die 6-Ecke gleich als solche. Nun schau ich sie an & frage mich: "Seh ich sie wirklich als Sechsecke?" -- & zwar: die ganze Zeit, während welcher ich sie sehe? -- Und ich möchte antworten: Ich denke nicht die ganze Zeit an sie als Sechsecke.

[659.]{.series-number} Das erste, was an diesem Bild in die Augen springt, ist: es sind Sechsecke.

[660.]{.series-number} Einer sagt mir: "Ich habe es sofort als zwei Sechsecke gesehen. Ja, das war alles, was ich daran gesehen habe." Aber wie versteh ich das? Ich denke, er hätte auf die Frage "Was siehst Du?" gleich geantwortet "Zwei Sechsecke". Er hätte diese Antwort auch nicht als eine von vielen möglichen behandelt. Sie ist darin gleich der Antwort "Ein Tier" -- wenn ich ihm das Bild eines solchen gezeigt hätte; oder "Ein Gesicht" -- wenn ich ihm die Figur

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gezeigt hätte.

[661.]{.series-number} Ich erkenne es sofort als Gesicht, bin bereit, es als das zu behandeln.

[662.]{.series-number} Es hätte ja auch sein können, daß ich das Bild zuerst als etwas andres sah, & mir dann sagte "Ach, es sind 2 Sechsecke!" Aber dies geschah nicht. Der Aspekt hätte sich also geändert. Und beweist das nun, daß ich's tatsächlich in einem besondern Aspekt sah? (Nun, wie Du willst!)

[663.]{.series-number} "Ist es ein echtes Seherlebnis?" Die Frage ist: In wiefern ist es eins?

[664.]{.series-number} [Es ist schwer zu sehen ‥‥․] [Das Auge "Sieh wie es schaut!"]

[665.]{.series-number} "Es ist für mich ein Tier, vom Pfeil durchbohrt" Ich behandle es als das, dies ist meine Einstellung zur Figur. Das ist eine Bedeutung davon: es ein Sehen zu nennen.

[666.]{.series-number} Kann ich aber auch im gleichen Sinne sagen: "Dies sind für mich zwei Sechsecke"? Nicht im gleichen Sinne, aber in einem ähnlichen. --

[667.]{.series-number} So seh ich es, in diesem Sinne, also nur so lange so, als ich diese Einstellung dazu habe? Man könnte es sagen.

[668.]{.series-number} "Dieser Zug des Bildes fiel mir in die Augen."

[669.]{.series-number} Die beste Beschreibung die ich von dem geben kann, was mir auf einen Augenblick gezeigt wurde ist das: ‥‥‥ "Der Eindruck war der von einem stehenden Tier" Es kam also eine ganz bestimmte Beschreibung. -- War das das Sehen, oder war es ein Gedanke? Wie soll ich's entscheiden?

[670.]{.series-number} Aber sehe ich also das Bild nur so lange in diesem Aspekt, als ich diese Einstellung dazu habe? -- Man kann es sagen.

[671.]{.series-number} Könnte man aber nicht auch sagen: "Ich sehe es immer als das, wenn ich's nie als etwas anderes sehe"?

[672.]{.series-number} [] "Er sieht es räumlich & kennt sich daher so gut in der Zeichnung aus, als operierte er in dem räumlichen Modell." Aber ist nicht eben sein besonderes Manipulieren in der Zeichnung das Kriterium dafür, daß er's räumlich sieht? (Denn was weiß ich sonst von seinem Eindruck?)

---

[673.]{.series-number} Ich sehe es doch nicht nur als ein Tier, während ich dies sage. Ein Körper hat auch sein Gewicht nicht nur während er gewogen wird. (Begriffsbestimmung)

[674.]{.series-number} Es ist für mich ein Löwe. Wie lange ist es für mich ein Löwe?

[675.]{.series-number} Aber halt! Sage ich denn wirklich je von dem gewöhnlichen Bild (eines Löwen), ich sehe es als Löwen? Ich habe das doch noch nie gehört. [→ ]

[676.]{.series-number} Und doch habe ich hier über so ein Sehen geredet!

[677.]{.series-number} 07.01.1949

Ich könnte von einem Bild von Picasso sagen, ich sehe es nicht als Menschen. Oder von manchem: Ich hätte es lange nicht als das, was es darstellt, sehen können, tue es aber jetzt. Das ist doch ähnlich dem: ich war lange nicht im Stande dies als Einheit zu hören, jetzt aber hör ich's so. Früher schien es mir wie lauter kurze Stücke, die immer wieder abreißen, -- jetzt hör ich's als Organismus. (Bruckner.)

[678.]{.series-number} Würdest Du's verstehen, wenn ich sagte "Wir betrachten die Photographie, das Bild an unsrer Wand, als die Menschen & andere Dinge, als diejenigen Dinge, welche auf ihnen dargestellt sind"?

[679.]{.series-number} Dies müßte nicht sein. Wir könnten uns leicht Menschen vorstellen die zu den Bildern nicht dieses Verhältnis hätten. (Menschen z.B. die unsre Photographien abstießen, weil ein Gesicht ohne Farbe unheimlich & häßlich sei.)

[680.]{.series-number} Von dem konventionellen Bild eines Menschen sagen wir nicht "Ich sehe das als einen Menschen" "Ich sehe es als ein ‥‥" geht zusammen mit ‥‥‥ [→ ] ("Geht zusammen" im Sprachspiel.)

[681.]{.series-number} Wenn ich nun sage "Wir betrachten ein Portrait als Menschen", -- wann & wie lange tun wir dies? Immer, wenn wir es überhaupt sehen (& es nicht etwa als etwas andres sehen)? Ich könnte dies bejahen, & dadurch würde ich den Begriff des Betrachtens bestimmen. -- Die Frage ist, ob ein anderer Begriff außer diesem für mich wichtig wird: ein Begriff des so-Sehens, das nur statt hat, während ich mich mit dem Bild als ‥‥ beschäftige.

[682.]{.series-number} Der Begriff des Bemerkens. Ich kann sagen ich bemerke manchmal die Ähnlichkeit dieses Bilds mit ‥‥, & dergleichen; aber ich sage nicht ich bemerke manchmal daß diese Photographie ein Gesicht ist. Ich könnte sagen: Ein Bild lebt nicht immer für mich, während ich es sehe.

[683.]{.series-number} Aber die Frage ist nun: Ist dies "Leben" ein "Sehen" oder: mit welchem Recht könnte ich es ein "Sehen" nennen? Was hat dieser Begriff mit einem Sehbegriff gemeinsam?

[684.]{.series-number} Nun sagen wir aber nicht, wir 'sähen' das konventionelle Bild, eines Löwen z.B., als Löwen:

[685.]{.series-number} "Ihr Bild lächelt mich von der Wand an." Das muß es nicht immer tun, wenn ich es sehe. Und dieser Ausdruck ist doch eine Rechtfertigung des Ausdrucks, ich sehe es dann anders.

Ich strebe mit allen diesen Beispielen nicht irgend eine Vollständigkeit an. Kein Register aller psychologischen Begriffe. Ich will nur meinen Leser in den Stand setzen sich in begrifflichen Unklarheiten zu helfen.

[687.]{.series-number} Das Kind sagt "Jetzt ist es ein Haus." -- das kann auch in dem Spiel, in dem die Kiste ein Haus ist, in mancherlei Art & in mancherlei Situationen gesagt werden. Jemand kommt in's Zimmer während das Spiel im Gang ist; es wird ihm mitgeteilt "Jetzt ist es ein Haus". Dies heißt nicht: "Jetzt wurde es für mich ein Haus", nicht das Aufleuchten des Aspekts. Damit es das ist, müssen Ton & Situation von besonderer Art sein & es handelt sich wieder um feine Unterschiede des Benehmens.

[688.]{.series-number} 09.01.1949

'Feine Abschattungen des Benehmens' -- Wenn sich mein Verstehen eines Themas darin äußert, daß ich es mit dem richtigen Ausdruck pfeife, so ist das ein Beispiel dieser feinen Abschattungen.

Wenn aber "Jetzt ist es ein Haus" auch nicht das Aufleuchten des Aspekts ausdrückt, kann es nicht den stabilen Aspekt berichten?

[689.]{.series-number} "Er vergißt ganz, daß es eine Kiste ist; es ist für ihn tatsächlich ein Haus." (Dafür gibt es bestimmte Anzeichen.) Von wem man das sagen würde, wäre es von dem nicht auch richtig zu sagen, er sehe sie als Haus?

[690.]{.series-number} Und wer nun so spielen könnte & in einer bestimmten Situation mit besonderm Ausdruck ausriefe "Jetzt ist es ein Haus!", der würde das Aufleuchten des Aspekts ausdrücken.

[691.]{.series-number} Der Ausdruck der Stimme & Gebärde aber ist der gleiche, als hätte sich das Objekt geändert & wäre nun endlich zu dem & jenem geworden.

[692.]{.series-number} Ich möchte sagen, daß dasjenige, was hier aufleuchtet, nur so lange stehen bleibt, als eine bestimmte Beschäftigung mit dem Objekt dauert. ("Sieh, wie es blickt!") (Das Bemerken der Familienähnlichkeit dieses Gesichts mit einem Abwesenden.) -- 'Ich möchte sagen' -- & ist es so? -- Frage Dich: "Wie lange fällt mir etwas auf?" -- Wie lange ist es mir neu?

[693.]{.series-number} Wäre es richtig zu sagen, daß im Aspektwechsel der rotierenden Trommel die Wahrnehmung des Gleichbleibens des Objekts fehlt? Weil man hier ja wirklich zweifeln kann, ob sich nicht die Bewegungsweise geändert habe.

[694.]{.series-number} Du mußt bedenken, daß die Beschreibung der wechselnden Aspekte in jedem Falle von andrer Art sind.

[695.]{.series-number} Ich will die Aspekte 'schwarzes Kreuz', 'weißes Kreuz' zur Abkürzung die Hauptaspekte des Doppelkreuzes nennen. Ebenso von 2 Hauptaspekten der Stufe reden. Es ist ein fundamentaler Unterschied zwischen ihnen & dem Aspekt des Dreiecks z.B. als umgefallenes Dreieck.

[696.]{.series-number} Der Unterschied liegt in der Beschreibung zur Mitteilung des Aspekts.

[697.]{.series-number} Den Aspekterlebnissen ist gemeinsam die Form des Ausdrucks: "Ich sehe es jetzt als das" oder „Ich sehe es jetzt so" oder "Jetzt ist es das -- jetzt das" oder "Ich höre es jetzt als ...; früher hörte ich es als ...". Die Erklärung aber dieser 'das' & 'so' ist in verschiedenen Fällen von ganz verschiedener Art.

[698.]{.series-number} Zum Sehen des Dreiecks als halbem Parallelogramm gehört Vorstellungskraft, zum Sehen der Hauptaspekte des Doppelkreuzes nicht.

[699.]{.series-number} Diese scheinen fundamentalerer Art, als jener.

[700.]{.series-number} Den 'H. & E. Aspekt sehen' kann nur, wer die Gestalten jener Tiere innehat; die Hauptaspekte des Doppelkreuzes könnten sich in primitiven Reaktionen des Kindes äußern, das noch nicht sprechen kann.

[701.]{.series-number} -- -- -- Jene beiden Aspekte A (Ich will sie die Aspekte A nennen) ließen sich z.B. einfach dadurch mitteilen, daß der Betrachter abwechselnd auf ein freistehendes weißes & auf ein freistehendes schwarzes Kreuz zeigt. Ja, man könnte sich denken, daß dies eine primitive Reaktion eines Kindes wäre, das noch nicht sprechen kann. Bei der Mitteilung der Aspekte A wird also auf einen Teil der Doppelkreuzfigur hingewiesen. Den H. & E. Aspekt könnte man auf analoge Weise nicht beschreiben.

[702.]{.series-number} Nur von dem werden wir sagen, er sehe die Aspekte H. & E., der die Gestalten jener beiden Tiere innehat. Analoge Bedingungen gibt es für die Aspekte A nicht.

[703.]{.series-number} Den H. & E.-Kopf kann jemand für das Bild eines Hasen halten, das Doppelkreuz für das Bild eines schwarzen Kreuzes, aber die bloße Dreiecksfigur nicht für das Bild von etwas Umgefallenen. Diesen Aspekt des Dreiecks zu sehen, braucht es Vorstellungskraft.

[704.]{.series-number} Wer das Würfelschema täuscht, so daß er es für einen Würfel hält, der sieht es vor allem als diesen Würfel, ob er es auch später anders zu sehen versuchen, & es ihm auch gelingen kann. (Vergleich mit dem Doppelkreuz.)

[705.]{.series-number} Die Aspekte A sind nicht wesentlich räumliche Aspekte. Ein schwarzes Kreuz auf weißem Grunde ist nicht notwendigerweise ein schwarzes Kreuz das auf einer weißen Fläche liegt. Man könnte Einem diesen Begriff beibringen, indem man ihm nur auf Papier gemalte schwarze Kreuze zeigt; vorausgesetzt daß die Umgebung dieser Kreuze wechselt & das Kreuz das Wichtige an dem Wahrgenommenen ist: Läßt man es z.B. kopieren, so wird immer, oder vor allem, das Kreuz kopiert, etc.. Die Aspekte A hängen nicht in gleicher Weise mit einer Täuschung zusammen, wie die räumlichen Aspekte des Würfelschemas.

[706.]{.series-number} 16.01.1949

Von einem beliebigen Schriftzeichen -- diesem etwa \text{𝖄} -- kann ich mir vorstellen, es sei ein streng korrekt geschriebener Buchstabe irgend eines fremden Alphabets. -- Oder aber, es sei ein fehlerhaft geschriebener Buchstabe; & zwar fehlerhaft in einer von mehreren verschiedenen Weisen: z.B. schleuderhaft, oder typisch kindisch -- ungeschickt, oder bürokratisch verschnörkelt. Es könnte in verschiedener Weise vom korrekt Geschriebenen abweichen. -- Und je nach der Erdichtung, mit der ich es umgebe, kann ich es in verschiedenen Aspekten sehen. -- Hier besteht enge Verwandtschaft mit dem Erleben der Bedeutung eines isolierten Wortes.

[707.]{.series-number} "Ich bemerkte die Ähnlichkeit zwischen ihm & seinem Vater vielleicht für 5 Minuten." Das kann man sagen, wenn sich sein Gesicht ändert & nur in diesen 5 Minuten seinem Vater ähnlich sah. Aber es kann auch heißen: seine Ähnlichkeit mit dem Vater fiel mir nur für wenige Minuten auf, danach vergaß ich sie.

[708.]{.series-number} "Sie fällt mir nicht mehr auf" -- aber was geschieht da, wenn sie mir auffällt? -- Nun, ich schaue das Gesicht an, mit dem Ausdruck des Staunens etwa in meiner Miene, vielleicht auch in Worten. -- Aber ist das das Auffallen der Ähnlichkeit? Nein; das sind die Erscheinungen des Auffallens, aber diese sind 'was geschieht'. 'Auffallen' ist ein anderer Begriff. --

[709.]{.series-number} 'Denken' & 'in der Vorstellung sprechen' (ich sage nicht: "zu sich selbst sprechen") sind verschiedene Begriffe.

[710.]{.series-number} Ist das Auffallen Schauen & Denken? Nein. Viele Begriffe kreuzen sich hier.


[711.]{.series-number} "Wenn man die Bedeutung der Wörter nicht erlebte, wie könnte man dann über Wortwitze lachen?" [Hairdresser & sculptor.] -- Man lacht über solche Witze: & insofern, z.B. könnte man sagen, man erlebe die Bedeutung.

[712.]{.series-number} Denk nur an die Worte, die Liebende zu einander sprechen! Sie sind mit Gefühlen 'geladen'. Und sie sind gewiß nicht -- wie Fachausdrücke -- durch beliebige andere Laute auf eine Vereinbarung hin zu ersetzen. Ist das nicht, weil sie Gebärden sind? Und eine Gebärde muß nicht angeboren sein; sie ist anerzogen, aber eben assimiliert. -- Aber ist das nicht Mythus?! -- Nein. Denn die Merkmale der Assimilation sind eben, daß ich dies Wort gebrauchen & lieber keines, als ein aufgedrungenes verwenden will; & ähnliche Reaktionen.

[713.]{.series-number} Ein Wort ist uns z.B. der Träger eines Tons geworden; & ich kann nicht, auf Befehl, ein anderes Wort im selben gefühlten Ton aussprechen.

[714.]{.series-number} Die Ähnlichkeit (z.B.) fällt mir auf, -- & das Auffallen erlischt. Sie fiel mir nur für wenige Minuten auf, dann nicht mehr.

[715.]{.series-number} Was geschah da? Zuerst blickte ich das Gesicht mit einem eigentümlichen Ausdruck in meinem an, & hätte mich jemand gefragt "Warum schaust Du ihn so interessiert an?", so hätte ich geantwortet "Weil er so seinem Vater ähnlich sieht". Vielleicht spricht er zu mir & ich gebe gar nicht recht auf das acht, was er sagt, weil ich nur an diese Ähnlichkeit denke. -- Das ist etwa was mir auf die Frage, was da geschah", einfällt.

[716.]{.series-number} Aber in dieser Antwort steht ein heterogenes Element: "& hätte man mich gefragt ...". Das ist doch nichts, was 'geschah' als mir die Ähnlichkeit auffiel. -- Ja, auch meine Zerstreutheit ist nicht von gleicher Art, wie mein Gesichtsausdruck. -- Es bleiben also nur meine Mienen, Gebärden, vielleicht Worte, die ich zu mir selbst oder Andern sage.

[717.]{.series-number} Das Auffallen ist dem Denken verwandt.

[718.]{.series-number} Was geschah da? -- Wessen entsinne ich mich? Mein eigener Gesichtsausdruck kommt mir in den Sinn, ich könnte ihn nachmachen. Hätte Einer, der mich kennt, mein Gesicht gesehen, er hätte gesagt "Es ist Dir jetzt etwas an seinem Gesicht aufgefallen. -- Auch Worte fallen mir ein, die ich bei so einer Gelegenheit, laut, oder zu mir selbst spreche. Und das ist alles. Und ist das das Auffallen? Nein.

[719.]{.series-number} Bemerken, auf etwas aufmerksam werden, aufmerken.

[720.]{.series-number} 19.01.1949

"Siehst Du dies Blatt immer grün, solange Du es siehst, & sich die Farbe für Dich nicht ändert?" Hat diese Frage einen klaren Sinn? Eine Antwort darauf wäre vielleicht: "Nun, ich sage mir nicht die ganze Zeit 'Ach, wie grün!'".

[721.]{.series-number} "Bist Du Dir seiner Farbe die ganze Zeit bewußt?" Da möchte ich zuerst sagen: "Gewiß nicht!" Aber wann & (auf) wie lange bin ich mir ihrer bewußt? Darüber scheine ich nichts rechtes sagen zu können; ich weiß nicht welche Kriterien da anzuwenden sind. Soll ich sagen: "Nur solange, als ich an sie denke"?

[722.]{.series-number} Es erzählt mir Einer: "Ich sah die Blume an, dachte aber an etwas anderes & war mir ihrer Farbe nicht bewußt". Versteh ich das? -- Ich kann mir einen sinnvollen Zusammenhang dazu denken; es würde etwa weitergehen: "Dann plötzlich sah ich sie & erkannte, daß es die war, die ...".

[723.]{.series-number} Wie ist es aber mit dieser Antwort: "Hätte ich mich damals abgewandt & hätte man mich gefragt, welche Farbe sie hatte, ich hätte es nicht gewußt"? "Er blickte ihn an, ohne ihn zu sehen". Das gibt es. Aber was ist das Kriterium dafür? Es gibt da eben verschiedene Fälle.

[724.]{.series-number} "Ich habe jetzt mehr auf die Form, als auf die Farbe geschaut." Laß Dich durch solche Wendungen des Ausdrucks nicht verwirren. Vor allem, denk nicht "was mag da wohl im Auge, oder im Gehirn vor sich gehen?"

[725.]{.series-number} "Ein im Sehen nachhallender Gedanke" -- möchte man sagen.


[726.]{.series-number} "Das Wort hat eine Atmosphäre" -- Ein bildlicher Ausdruck; aber ganz verständlich in gewissen Zusammenhängen. Z.B.: Das Wort "Sabel" hat eine andre Atmosphäre als das Wort " Säbel". Sie haben die gleiche Bedeutung, insofern als beide Namen der gleichen Art von Gegenständen sind. Aber was soll man hier sagen? Haben sie verschiedene Bedeutung?

[727.]{.series-number} Soll ich nun so & so viele Arten des Bedeutens unterscheiden? Das will ich nicht tun. So eine Klassifikation kann nützlich sein für einen bestimmten praktischen Zweck. Denn für einen solchen wäre dann eine -- der unzähligen möglichen Einteilungen -- besser als eine andere.

[728.]{.series-number} Der Botaniker klassifiziert die Pflanzen. Aber um die unendliche Vielgestalt der Pflanzen zu zeigen & die Vielfältigkeit der feinen Übergänge braucht es keine Klassifikation.


[729.]{.series-number} Ich sah das Gesicht so klar (vor mir) wie früher, -- aber die Ähnlichkeit mit jenem andern merkte ich nicht mehr.

[730.]{.series-number} Es konnte auch die eine Ähnlichkeit für mich zurücktreten & eine andere mir zum Bewußtsein kommen.

[731.]{.series-number} Mach einmal -- als Hilfskonstruktion -- die Annahme, gewisse Erinnerungen würden, während ich sein Gesicht anschaue, bald mehr bald weniger lebhaft. & dies sei für den Aspektwechsel verantwortlich. Soll ich dann dennoch sagen, ich sehe jetzt das eine, jetzt das andre?

[732.]{.series-number} Ist also das Bemerken der Ähnlichkeit ein Sehen, oder nicht? Wie soll ich's entscheiden? Es sind hier ungleiche, aber verwandte Begriffe.

[733.]{.series-number} 20.01.1949

Man nimmt durch das Bemerken des Aspekts eine interne Relation wahr & dennoch ist es dem Vorstellen verwandt.

[734.]{.series-number} 21.01.1949

Nur von Einem, der das & das kann, gelernt hat, beherrscht, hat es Sinn, zu sagen, er habe Gewisses erlebt.

[735.]{.series-number} -- -- --Und sieht man nun die Zaghaftigkeit, oder sieht man sie nicht? Mit dem Begriff 'zaghaft' kann man das visuell Wahrgenommene beschreiben, wie mit dem Begriff 'Dur', oder 'Moll' das Gehörte.

[736.]{.series-number} Wie könnte ich sehen daß der Gesichtsausdruck gemein, furchtsam, grausam, ist, wenn ich nicht wüßte, daß dies ein Ausdruck, nicht die Anatomie des Wesens ist?

Aber heißt das nicht nur, daß ich diese Begriffe, die sich eben nicht nur auf Visuelles beziehen, dann nicht zur Beschreibung des Gesehenen anwenden könnte? Könnte ich nicht dennoch einen rein visuellen Begriff, sagen wir, des furchtsamen Gesichts, haben? (Ich könnte dann ein andres Wort gebrauchen.)

[737.]{.series-number} Ich muß schon viel wissen, um eine Schrift als "kindisch" beschreiben zu können. Aber kann ich auch sagen: "um sie als 'kindisch' sehen zu können"?

"Kindisch" kann eine Schrift beschreiben, also das was ich sehe, aber 'kindisch' ist nicht ein rein visueller Begriff.

[738.]{.series-number} Ist es nun richtig zu sagen: "Wir könnten einen rein visuellen Begriff haben, der sich ganz mit dem visuellen Teil des Begriffs 'gemein' (z.B.) deckt"?

[739.]{.series-number} Ein solcher Begriff wäre dann wirklich mit den Begriffen 'Dur' & 'Moll' zu vergleichen, die ja auch einen Gefühlswert haben, aber auch einzig zur Beschreibung der Struktur des Wahrgenommenen gebraucht werden können.

[740.]{.series-number} 'Dur' & 'Moll' ist also hier verglichen mit 'schiefwinkelig' & 'rechtwinkelig', z.B..

[741.]{.series-number} Aber wäre er nicht auch richtig zu sagen, daß wer nicht unsern Begriff des 'zaghaften', 'kindischen', 'gemeinen', hätte, die Schrift, den Gesichtsausdruck, nicht so empfinden könnte wie wir, selbst wenn er einen Begriff hat, der immer dort anwendbar ist, wo 'zaghaft' z.B. es ist? Könnte ich, also nicht sagen: Die Beiden sehen das Gleiche, empfinden es aber anders? Wie sie beide Dur hören, aber es verschieden empfinden können.

[742.]{.series-number} Denk nur an den Ausdruck "Ich hörte eine klagende Melodie"! Und nun die Frage: "Hört er das Klagen?"

[743.]{.series-number} Und wenn ich nun antwortete: "Nein, er hört es nicht; er empfindet es (nur)" -- was ist damit getan? Man kann ja nicht einmal ein Sinnesorgan dieser 'Empfindung' angeben. Mancher möchte nun antworten: "Freilich höre ich's!" -- Mancher: "Ich höre es eigentlich nicht." -- Es lassen sich aber Begriffsunterschiede feststellen.

[744.]{.series-number} (Es läßt sich eine Begriffsgrenze ziehen. Aber woher dann überhaupt die Idee des 'Empfindens' des Gemeinen, Furchtsamen etc.?) (Nun,) wir reagieren anders auf den zaghaften Gesichtsausdruck, als der, der ihn nicht als zaghaft (im vollen Sinne des Wortes) erkennt. -- Nun will ich aber nicht sagen, wir spüren in den Muskeln & Gelenken diese Reaktion. -- Nein, wir haben hier einen modifizierten Empfindungsbegriff.

[745.]{.series-number} Aber was ist hier Empfindungsartiges?

[746.]{.series-number} "Du mußt die Traurigkeit dieses Gesichts empfinden." (Bei der Betrachtung eines Bilds.) -- Wer sie empfindet macht oft das Gesicht mit dem seinen nach. Er ist beeindruckt. Das Bild bringt diese Wirkung in ihm hervor. Am ehesten könnte ich diese 'Empfindung' der Schmerzempfindung vergleichen, die auch einen charakteristischen Ausdruck im Mienen- & Gebärdenspiel hat. Und doch ist sie auch dem Sehen verwandt, weil sie (?)-- -- --

[747.]{.series-number} Was ist der Ausdruck, das Kriterium, dieser Empfindung? Doch z.B., wie, mit welchem Ausdruck, Einer die Melodie nachsingen wird. Auch vielleicht, mit welchem Gesicht. Oder: was er über sie sagen wird. Das ist doch wohl die besondere Beschreibung, die er von ihr gibt.

[748.]{.series-number} Die Wahrheit ist doch die: 'Klagen' ist ein Begriff der nicht rein akustisch ist. Ich kann ihn aber zum Beschreibung von rein Akustischem verwenden. ("Die Dampfpfeife gibt einen klagenden Ton".) Das Wort "klagen" könnte auch alle seine nicht-akustischen Beziehungen verlieren & zu einer rein akustischen Bezeichnung werden. (Wie die Worte "to travel" & "travailler" ursprünglich eine Beziehung zum Qualvollen hatten, die sie dann verloren.)

[749.]{.series-number} Man könnte nun gegen die Bezeichnung "rein akustisch" Einspruch erheben. Wer sagt was das "rein" Akustische ist? -- Nun, "rein akustisch" ist eine Beschreibung, wenn man nach ihr das Gehörte reproduzieren kann & alle andern Beziehungen aus dem Spiel gelassen werden.

[750.]{.series-number} Ich kann doch einen Sessel beschreiben durch den Begriff "Stil Ludwig XIV", & dem Entgegensetzen eine Beschreibung, die, etwa durch Zeichnungen, u.a., die Gestalt, Farbe, etc. notiert, ohne Bezug auf eine historische Periode, einen König, etc..

[751.]{.series-number} Denke, man fragte: "Siehst Du den Stil Ludwig XIV, wenn Du den Sessel anschaust?"

[752.]{.series-number} Es ist schwer Begriffsböschungen zu verstehen & darzustellen.

[753.]{.series-number} 22.01.1949

Man kann doch die Frage beantworten "Wie sieht ein Sessel im Stil Ludwig XIV aus?" -- oder die, "Wie klingt eine klagende Melodie?" -- Zeig mir solche Sessel, sing mir solche Melodie vor!

[754.]{.series-number} Das Adjektiv "traurig", auf das Strichgesicht angewendet, z.B., charakterisiert die Gruppierung von Strichen im Oval. (Dur, Moll) Angewendet auf den Menschen hat es eine andere, wenn auch verwandte, Bedeutung. (Das heißt aber nicht, daß der Gesichtsausdruck dem Gefühl der Traurigkeit ähnlich sei!)

[755.]{.series-number} Bedenke auch dies: Rot & grün kann ich nur sehen, aber nicht hören, -- die Traurigkeit aber, soweit ich sie in seinem Gesicht sehen kann, kann ich sie auch in seiner Stimme hören.

[756.]{.series-number} Viele Knoten entwirren, das ist die Aufgabe des Philosophen.

[757.]{.series-number} Dieses Gesicht ist unverschämt, dieses Gesicht widert mich an, dieser Geruch ist abscheulich. Gehört die Abscheulichkeit zur Geruchsempfindung? Wie entscheidet man's? Man könnte z.B. so fragen: "Können zwei Menschen die gleiche Geruchsempfindung haben, aber einer sie abscheulich finden, der andre nicht? -- Und was wäre des Kriterium der Gleichheit? -- Sie könnten ihn z.B. mit den gleichen Gerüchen vergleichen. -- Aber es gibt hier kein anerkanntes Kriterium. Sehe ich also die Unverschämtheit? Ja & Nein. Beides läßt sich rechtfertigen.

[758.]{.series-number} Einen Geruch abscheulich zu finden, dazu braucht es kein Wissen.

[759.]{.series-number} "Siehst Du, wenn Du diese Linien ziehst, wird das Gesicht traurig." In welche Kategorie gehört dieser Satz? Wie verwendet man ihn? Ich sagte einmal, er sei ähnlich einem geometrischen. Man könnte aber meinen, er sei ein psychologischer, also ein Erfahrungssatz. (Etwa vergleichbar dem: Wenn Du diese Substanzen mischt, entsteht eine gelbe.)

[760.]{.series-number} Man sagt einem Kind etwa "Siehst Du, wenn Du diese beiden Steine zusammengibst, so wird ein Kreis daraus".

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file12.svg)[.]{.post-block-punct}

Lernt es einen Erfahrungssatz? (Ich rede hier absichtlich vom Kind, nicht vom Erwachsenen.)

[761.]{.series-number} (Könnte der Satz nicht wieder 'Zwischen mehrere Spiele' hineinfallen?)

[762.]{.series-number} Jener Satz müßte kein geometrischer sein. Sein Zweck könnte sein, festzustellen, daß das Gesicht mit diesen Strichen mir jetzt einen traurigen Eindruck macht. Aber er könnte auch ungefähr die Rolle eines geometrischen (unzeitlichen) spielen.

[763.]{.series-number} 23.01.1949

Man könnte von Einem sagen, er sei für den Ausdruck in einem Gesicht blind. Aber fehlte deshalb seinem Gesichtssinn etwas? Aber das ist natürlich nicht einfach eine Frage der Physiologie. Das Physiologische ist hier ein Symbol für das Logische. Physiologische Unterscheidungen symbolisieren hier logische Unterscheidungen.

[764.]{.series-number} 'Er hat das Auge eines Malers', 'das Ohr des Musikers'.

[765.]{.series-number} Ist nun, vom Empfinden des Ausdrucks als einem Sehen zu reden einfach eine Begriffsverschiebung, wie wenn man vom Heiraten des Geldes redet? Ist hier also ein bloßes Mißverständnis, oder eine allmähliche Abböschung des Begriffs 'Sehen'?

[766.]{.series-number} Wer nur einen Gesichtsausdruck gesehen hätte, könnte den Begriff des 'Gesichtsausdrucks' nicht besitzen. 'Gesichtsausdruck' gibt es nur im Mienenspiel. Wer nur 'traurige' Gesichter gesehen hätte, könnte sie nicht als traurig empfinden.

[767.]{.series-number} Aber er könnte sie doch sehen, wie ich & Du. -- Aber das Wort "Empfinden" ist doch auch nicht einwandfrei. -- Was nehme ich denn mit der Empfindung wahr? Nehme ich, außer der sogenannten Traurigkeit der Gesichtszüge, auch die traurige Stimmung des Menschen wahr? Oder schließe ich diese aus dem Gesicht? Sage ich: "Seine Züge & sein Benehmen waren traurig, also war wohl auch er traurig"?

[768.]{.series-number} Hierher gehört, glaube ich, die Frage: Macht 'traurige Musik' uns traurig? Es scheint, Ja & Nein. Wir machen z.B. ein trauriges Gesicht, oder ein Gesicht, welches Trauer spiegelt.

[769.]{.series-number} 24.01.1949

Man sieht die Trauer, insofern man z.B. den traurigen Gesichtsausdruck sieht, aber man sieht doch nicht den traurigen Klang seiner Stimme.

[770.]{.series-number} Man sieht ja auch Weinen. Und sieht nun der es anders, der nur das physiologische Phänomen beobachtet, als der der darin den Ausdruck des Grams sieht? -- Er beobachtet es anders.

[771.]{.series-number} Ja, ich möchte fragen: Habe ich auch nur eine Entschuldigung, da von einem andern 'Sehen' zu reden?

[772.]{.series-number} Nun, was wäre das Anzeichen dafür, daß er es anders sieht? Doch nur seine Stellungnahme dazu. Und freilich: wer anders beobachtet, sieht auch etwas Anderes.

[773.]{.series-number} Denk dir, Einer fragte Dich ganz trocken "Warum sagst Du, er sieht es anders?" (Was könntest Du antworten?) Zuerst möchte ich sagen "Er schaut auf etwas anderes", dann etwa "Er wird andere Vergleiche ziehen". Es mag ja auch sein, daß das bloße Faktum, daß der Mensch nicht weint, oder klagt, sein Gesicht trauriger aussehen läßt.

[774.]{.series-number} Ich höre die Melodie ganz anders, nachdem ich den Stil dieses Meisters kenne. Ich hätte sie z.B. als heiter beschrieben, nun aber empfinde ich sie als den Ausdruck eines großen Leidens. Ich beschreibe sie jetzt anders, stelle sie mit ganz anderem zusammen.

[775.]{.series-number} Wer den Ernst einer Melodie empfindet, was nimmt der wahr? -- Nichts, was man durch Wiedergabe des Gehörten erklären kann.

[776.]{.series-number} 25.01.1949

Wie könnte ich den Ausdruck des Gesichts erkennen, wenn ich nicht wüßte, daß es ein Ausdruck, nicht die Anatomie dieses Wesens ist? Wie könnte ich Traurigkeit, Ernst, Grausamkeit in dem Gesicht sehen, ohne das zu wissen?

[777.]{.series-number} 26.01.1949

Denk Dir eine physiologische Erklärung für dies Erlebnis. Es sei die: beim Ansehen der Figur beschreibt der Blick das Objekt wieder & wieder entlang einer bestimmten Bahn. Diese Bahn entspricht einer bestimmten periodischen Bewegung der Augäpfel. Es kann geschehen, daß eine solche mit einer andern automatisch abwechselt. Gewisse Bewegungen sind physiologisch unmöglich, daher kann ich den H.-E.-Kopf nicht als Bild eines Hasenkopfes & eines hinter ihm liegenden Entenkopfes sehen, oder das Würfelschema als das zweier einander durchdringender Prismen. U.s.f..-- Nehmen wir an, dies sei die Erklärung. -- "Ja, nun weiß ich, inwiefern es ein Sehen ist." Du hast jetzt ein neues, ein physiologisches Kriterium des Sehens eingeführt. Und das kann das alte Problem verdecken, aber nicht lösen. -- Der Zweck dieser Bemerkung ist aber, Dir vor Augen zu führen, was geschieht, wenn uns eine physiologische Erklärung dargeboten wird. Unser Problem schwebt unberührt über dieser Erklärung & seine Natur wird nun erst recht klar. Es ist der psychologische Begriff der uns (hier) zu schaffen macht.

[778.]{.series-number} 27.01.1949

Es drängt sich nun die Frage auf: Könnte es Menschen geben, die nicht etwas als etwas sehen können? -- oder: Wie wäre es wenn einem Menschen diese Fähigkeit fehlte? was für Folgen hätte es? Wäre dieser Defekt vergleichbar dem der Farbenblindheit etwa, oder mit dem Fehlen des absoluten Gehörs? Wir wollen ihn (einmal) "Aspektblindheit" nennen -- & uns nun überlegen, was damit gemeint sein könnte. (Eine begriffliche Untersuchung.)

[779.]{.series-number} Soll er also z.B. das Würfelschema nicht als Würfel sehen können? Daraus würde nicht folgen, daß er es nicht als Darstellung (z.B. Werkzeichnung) eines Würfels erkennen könnte. Es würde aber nicht von einem Aspekt in den andern überspringen. Frage: Könnte er es, wie wir für einen Würfel halten? Wenn nicht, so wird man das keine Blindheit nennen. Er wird zu Bildern überhaupt ein anderes Verhältnis haben als wir. (Und Abweichungen vom Normalen dieser Art lassen sich leicht vorstellen.)

[780.]{.series-number} Soll er für die Ähnlichkeit zweier Gesichter blind sein? Aber also auch für die Gleichheit, oder angenäherte Gleichheit? Das möchte ich nicht sagen. -- Wer Gestaltgleichheit nicht erkennen könnte, würden wir "geistesschwach", nicht "blind" nennen.

[781.]{.series-number} Der Aspektblinde soll die Aspekte A nicht wechseln sehen. Soll er aber nicht erkennen, daß das Doppelkreuz ein schwarzes Kreuz enthält?? Soll er also die Aufgabe "Zeig mir unter diesen Figuren solche, die ein schwarzes Kreuz enthalten" nicht bewältigen können? Nein; er soll nur nicht sagen: "Jetzt ist es ein schwarzes Kreuz auf weißem Grund!"

[782.]{.series-number} Man sagt, Einer habe 'das Auge des Malers', 'das Ohr des Musikers', aber wer es nicht hat, dessen Defekt ist kaum eine Art der Blindheit oder Taubheit.

[783.]{.series-number} Man sagt, Einer habe kein 'musikalisches Gehör', & 'Aspektblindheit' ist (etwa) mit dieser Art Gehörlosigkeit zu vergleichen.

[784.]{.series-number} Die Wichtigkeit des Begriffs der 'Aspektblindheit' liegt in der Verwandtschaft des Sehens eines Aspekts mit dem Erleben der Bedeutung eines Worts. Denn wir wollen fragen: "Was geht dem ab, der die Bedeutung eines Wortes nicht erlebt?" -- Der z.B. das Wort Bank nicht einmal in einer, einmal in der andern Bedeutung isoliert aussprechen könnte, oder der nicht fände, daß wenn man das Wort zehnmal nacheinander ausspricht es gleichsam seine Bedeutung verliert & ein bloßer Klang wird.

[785.]{.series-number} Die Mitteilung "Das Wort -- -- -- war mit seiner Bedeutung angefüllt" hat ja eine ganz andere Verwendung, ganz andere Folgen, als der "Es hatte die Bedeutung ..."


[786.]{.series-number} 29.01.1949

"Wie weiß der Chemiker, daß ein Na Atom an dieser Stelle der Struktur sitzt?" Vergleiche damit: "Wie weiß Herr N, daß ein Na Atom an dieser Stelle etc.?" -- Die Antwort könnte sein: "B hat es ihm gesagt." Die Frage "Wie weiß der Chemiker ..." ist der typische Ausdruck der Frage nach dem Kriterium.


[787.]{.series-number} Denke hier an eine besondere Art der Täuschung, die auf diese Dinge ein Licht wirft. -- Ich gehe mit einem Bekannten in der Umgebung der Stadt spazieren. Im Gespräch zeigt es sich, daß ich mir die Stadt zu unsrer Rechten liegend vorstelle. Für diese Idee habe ich nicht nur keinen mir bewußten Grund, sondern eine ganz einfache Überlegung konnte mich davon überzeugen, daß die Stadt in unserm Rücken liegt. Gefragt, warum ich mir denn die Stadt in dieser Richtung vorstellte, kann ich zuerst keine Antwort geben. Ich hatte keinen Grund, das zu glauben. Obgleich aber keinen Grund, scheine ich doch gewisse psychologische Ursachen zu sehen, oder zu ahnen. Und zwar sind es gewisse Assoziationen & Erinnerungen. z.B. diese: Wir gehen einen Kanal entlang, & ich war auch einmal einem gefolgt der in der von mir vermuteten Richtung lief. Ich könnte die Ursachen meiner Überzeugung gleichsam psychoanalytisch erforschen.

[788.]{.series-number} "Aber was ist das für ein seltsames Erlebnis?" -- Es ist natürlich nicht seltsamer, als jedes andere; es ist nur von anderer Art als diejenigen Erlebnisse, die wir als die fundamentalsten betrachten, die Sinneseindrücke etwa.


[789.]{.series-number} Wie soll nun der, welcher fühlt, die Stadt liege in dieser Richtung, dies korrekt ausdrücken? Ist es z.B. richtig zu sagen, er fühle es? Soll er eigentlich ein neues Wort dafür prägen? Aber wie könnte Einer denn dies Wort lernen? Der primitive Ausdruck des Erlebnisses konnte es (ja) nicht enthalten. Seine Neigung wäre vielleicht zu sagen "Es ist mir, als ob ich wüßte, die Stadt liege dort". Nun, daß er dies, oder ähnliches, unter diesen Umständen sagt, ist eben der Ausdruck dieses eigentümlichen Erlebnisses.

[790.]{.series-number} Der Name, das Bild des Trägers.

[791.]{.series-number} "Mir ist als wüßte ich, daß die Stadt dort liegt" -- "Mir ist als paßte der Name Schubert zu Schuberts Werken & seinem Gesicht".

[792.]{.series-number} 30.01.1949

Es ist für die Mathematik eine Untersuchung möglich ganz analog der philosophischen Untersuchung der Psychologie. Sie ist ebensowenig eine mathematische, wie die andre eine psychologische. In ihr wird nicht gerechnet, sie ist also z.B. nicht Logistik. Sie könnte den Namen einer Untersuchung der "Grundlagen der Mathematik" verdienen.

[793.]{.series-number} Ich spreche mir das Wort "weiche" vor & 'meine' es einmal als Imperativ, einmal als Adjektiv. Und nun sag "Weiche!" & dann "Weiche nicht vom Platz!" Begleitet das gleiche Erlebnis das Wort "weiche"?

[794.]{.series-number} 31.01.1949

Wer sich etwas vorstellt, könnte sich primitiv so ausdrücken: "Mir ist, als ob ich ... vor mir sähe." -- Kann man nun sagen, er nenne "sehen", was eigentlich kein Sehen ist? sondern etwa nur etwas ähnliches?

[795.]{.series-number} Gegeben die beiden Worte "dick" & "dünn", -- würdest Du eher geneigt sein, zu sagen Mittwoch sei dick & Dienstag dünn, oder Dienstag dick & Mittwoch dünn. (Ich neige entschieden zum erstern.) Haben nun hier "dick" & "dünn" eine andere Bedeutung, als die gewöhnliche? Sie haben eine andere Verwendung. Hätte ich also eigentlich andere Wörter gebrauchen sollen? Doch gewiß nicht. Ich will diese Wörter (mit den geläufigen Bedeutungen) hier gebrauchen. Nun sage ich nichts über die Ursachen der Erscheinung. Sie könnten z.B. sein daß ich als Kind an jedem Mittwoch von einem dicken Lehrer & an Dienstagen von einem dünnen unterrichtet wurde. Aber das ist Hypothese. Was immer die Erklärung, -- jene Neigung besteht.

[796.]{.series-number} Wenn Du ihn fragtest "Was meinst Du hier eigentlich mit 'dick' & 'dünn'?" da könnte er es nur auf die ganz gewöhnliche Weise erklären. Er könnte nicht auf Dienstag & Mittwoch zeigen, & was er meint an ihnen klar machen.

[797.]{.series-number} Könnte man hier von 'primärer' & 'sekundärer' Bedeutung eines Worts reden? -- Die Worterklärung ist beidemale die der primären Bedeutung. Nur für den, der das Wort in jener Bedeutung kennt, kann es diese haben. D.h. die sekundäre Verwendung besteht darin, daß das Wort, mit dieser primären Verwendung, nun in dieser neuen Umgebung gebraucht wird.

[798.]{.series-number} Insofern könnte man die sekundäre eine 'übertragene' Bedeutung nennen wollen.

[799.]{.series-number} Aber das Verhältnis ist hier nicht, wie das zwischen dem 'Abschneiden eines Fadens' & 'Abschneiden der Rede', denn hier muß man ja nicht den bildlichen Ausdruck gebrauchen. Und wenn man sagt 'Der Vokal e ist gelb' so ist ja das Wort gelb nicht bildlich gebraucht.

[800.]{.series-number} Man sagt nur von solchen Kindern, sie spielen Eisenbahn, die von einer wirklichen Eisenbahn wissen. Und das Wort Eisenbahn im Ausdruck "Eisenbahn spielen" ist nicht bildlich gebraucht, oder im übertragenen Sinn.

[801.]{.series-number} 01.02.1949

Wer sagt, er rechne im Kopf, rechnet der eigentlich nicht, meint er mit rechnen etwas anderes? Man könnte Einem gar nicht begreiflich machen, was man mit "Kopfrechnen" meint, wenn man ihm nicht vorher den Begriff des Rechnens beigebracht hätte.

[802.]{.series-number} Nur mittels der Begriffs des Rechnens (schriftlichen, lauten Rechnens) kann man Einem begreiflich machen, was "Kopfrechnen" bedeutet.

[803.]{.series-number} Ich könnte Einem weder den Befehl begreiflich machen etwas lautlos zu lesen, noch den Begriff, er habe es lautlos gelesen, wenn ich ihm nicht zuerst den Begriff des lauten Lesens beibringe. Und diese Unmöglichkeit ist eine logische.

[804.]{.series-number} 02.02.1949

Nur wenn Einer rechnen gelernt hat, schriftlich oder mündlich rechnen, -- kann man ihm, mittels dieses Begriffs des Rechnens, begreiflich machen, was Kopfrechnen ist.

[805.]{.series-number} Denk aber an die Bilder, die ein Gesicht zugleich von vorn & im Profil darstellen. Man könnte sagen: "So schaut doch ein Gesicht nicht aus!" Aber auch: Es ist ein irreführendes Bild, -- es sei denn, Du läßt Deinen Blick so schweifen, daß Du es gar nicht mehr, im gewöhnlichen Sinne, als ein Bild siehst, sondern als mehrere Bilder, von denen jedes seine eigene Anwendung hat.

[806.]{.series-number} Das Gehirn schaut aus wie eine Schrift, die uns auffordert, sie zu lesen, & ist doch keine Schrift. Denke, Menschen würden um so gescheiter, je mehr Bücher sie besäßen -- das sei eine Tatsache, es käme aber gar nicht drauf an, was in den Büchern steht.


[807.]{.series-number} Nützt der Fortschritt der Wissenschaft der Philosophie? Gewiß. Die entdeckten Wirklichkeiten erleichtern dem Philosophen die Aufgabe Möglichkeiten zu erdenken. Bin wieder gesund, oder beinahe gesund.


[808.]{.series-number} 03.02.1949

"Ich sah ihn bei diesen Worten vor mir." Ist das kein Erlebnis? Und doch, daß ich ihn sah, konnte in dem Bild, das mir vorschwebte, nicht liegen. War da also ein Bild und ein Gedanke; & war das Bild ein Erlebnis, der Gedanke aber nicht?

[809.]{.series-number} Man 'erlebt' den Ausdruck des Gedankens.

[810.]{.series-number} Den Gedanken kann ich kein Erlebnis nennen, denn sonst müßte ich sagen, daß dies Erlebnis z.B. das Sprechen begleitet.

[811.]{.series-number} "Aber wie wußtest Du daß er's war, den Du vor Dir siehst?" -- Ich wußte es nicht. Ich sagte es.

[812.]{.series-number} Wenn ich sage, ich erlebe den Ausdruck des Gedankens, so muß ich hier unter "Ausdruck" auch den vorgestellten Ausdruck verstehen.

[813.]{.series-number} 04.02.1949

Der Zweck eines Zeichens. -- "Wenn Du willst daß er komme, wink ihm mit der Hand so." "Wenn Du willst, ich soll aufhören, mach dieses Zeichen." -- Kann man also z.B. von einem 'Zweck' der Verneinung (des Wortes "nicht") reden? Das könnte man doch nur wenn jeder Satz, worin man es verwendet, einen Zweck hätte. -- Dennoch könnte man von (den) Zwecken des Wortes "nicht" reden.

[814.]{.series-number} Und man könnte z.B. sagen: "non" & "ne" erfüllen im Großen & Ganzen dieselben Zwecke, & auch: "Dieses Wort hat so gut wie gar keinen Zweck. Du kannst ganz leicht ohne es auskommen."

[815.]{.series-number} Wer z.B. eine Kunstsprache (Esperanto, Basic English) konstruiert, wird ihre Wörter nach gewissen Gesichtspunkten auswählen, & aus diesen Gesichtspunkten könnte man dann wieder unsre Sprache betrachten. Er könnte z.B. sagen: "Ich werde nicht zwei Wörter, eins für "gehen", eins für "schreiten", zulassen, denn für alle wichtigen Zwecke genügt hier ein Wort." Und also auch: "'gehen' & 'schreiten' haben wesentlich die gleiche Bedeutung."

[816.]{.series-number} Man kann die Sprache aus verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Und sie spiegeln sich in dem jeweiligen Begriff der 'Bedeutung'.

[817.]{.series-number} 05.02.1949

"Ich habe dabei an ihn gedacht." Worin liegt es daß ich an ihn dachte? Wie hätte sich, was dabei geschah, geändert, wenn ich, statt an diesen, an einen Andern gedacht hätte? Mußte ich überhaupt einen 'Keim' angeben können, der sich dann zum Wortausdruck auswuchs? Nein.

[818.]{.series-number} "Als Du von 'einem Freund' sprachst, wen hast Du da gemeint?" -- "Ich habe ... gemeint." Was geschah während Deiner Worte, das sie zu einer Anspielung auf diesen Menschen machte? Nichts, was sie dazu machte. Denn auch wäre mir beim Sprechen sein Bild mit allen Einzelheiten vorgeschwebt (oder was immer Du an die Stelle dieses Bildes setzen willst) so hätte das doch nicht mehr leisten können, als hätte ich bei meinen Worten ihn angeschaut, & ihn ausschauen heißt doch nicht ihn meinen. -- Es gibt Zeichen dafür, daß ich ihn meinte, & ein Blick konnte so ein Zeichen sein. Auch eine Vorstellung ist nicht mehr als so ein Zeichen.

[819.]{.series-number} Vergleiche die Frage "Was geschah, als Du bei diesem Wort an ihn dachtest?" mit "Was geschah, als Du plötzlich weiter wußtest?" --

[820.]{.series-number} Das Meinen ist kein Vorgang, der die Worte begleitet. Denn kein 'Vorgang' könnte die besondern Folgen des Meinens haben.

[821.]{.series-number} Wenn ich mit den Worten "mein Freund" ihn meinte, mußte ich bei den Worten an ihn denken? Wo ist der Unterschied? Aber es ist ein Unterschied zwischen "Ich habe mit dem Wort ihn gemeint" & "Er ist mir bei dem Wort eingefallen."

[822.]{.series-number} Es gibt wichtige Begleitvorgänge des Redens, die dem gedankenlosen Reden oft fehlen. Aber diese sind nicht das Denken.

[823.]{.series-number} Ich habe also an diesen Menschen gedacht, -- aber doch nicht an alle Aspekte dieses Menschen.

[824.]{.series-number} Es schwebte mir der Garten dieser Tante vor. Ich sah ein Stück von ihm in der Vorstellung, aber doch z.B. nicht, daß er dieser Frau gehörte. Es war da etwas wie ein Zeichen, das ich dann weiter so ausdeutete. Oder las? Nein, ein Lesen ist es nicht, aber ein Deuten auch nicht.

[825.]{.series-number} "Jetzt weiß ich's!" Was ging da vor? --- --- Wußte ich's also nicht, als ich sagte, ich täte es? Du siehst es falsch an. (Wozu dient das Signal?)

[826.]{.series-number} Und könnte man das 'wissen' eine Begleitung des Ausrufs nennen?

[827.]{.series-number} (Der Keim könnte ein Wort oder ein Vorstellungsbild, oder verschiedenes andre sein.)

[828.]{.series-number} "Mir liegt das Wort auf der Zunge." Was geht da in meinem Bewußtsein vor? Darauf kommt's gar nicht an. Was immer vorging, meinte ich nicht mit jenen Worten. Interessanter ist, was in meinem Benehmen dabei vorging. Was ich sagte, welche Bilder ich verwendete, wie ich dreinschaute, -- "Mir liegt das Wort auf der Zunge" ist ein Wortausdruck dessen, was sich auch in ganz anderer Weise durch ein charakteristisches Benehmen ausdrückt. Frage wieder nach der primitiven Reaktion, die der Äußerung zu Grunde liegt.


[829.]{.series-number} 07.02.1949

Die Absicht hat keinen Ausdruck in Miene, Gebärde, oder Stimme, aber der Entschluß.


[830.]{.series-number} Die Philosophen legen sich für manches Wort eine ideale Verwendung zurecht, die dann aber nichts taugt.

[831.]{.series-number} "Ich weiß ..." bedeutet zumeist "Ich habe mich davon überzeugt, daß ...". Niemand sagt, er habe sich davon überzeugt, er habe zwei Hände.

[832.]{.series-number} Ich weiß wie man sich davon überzeugt, man habe zwei Münzen in der Tasche. Aber ich kann mich nicht davon überzeugen, ich habe zwei Hände, weil ich nicht daran zweifeln kann.

[833.]{.series-number} Aber was heißt es "sich von etwas überzeugen"? Um es zu verstehen, muß man sich einfache Sprachspiele mit diesem Wort vorführen. -- Wie überzeugt Einer sich im Sprachspiel 8, daß dort so & so viele Platten liegen? Wie überzeugt man sich davon, daß 6 + 6 = 12 ist? U.s.f..

[834.]{.series-number} Man sagt "Ich weiß ...", wo man zweifeln kann, während die Philosophen gerade dort sagen, man wisse etwas, wo es keinen Zweifel gibt & wo daher die Worte "Ich weiß" als Einleitung der Aussage überflüssig sind.

[835.]{.series-number} Es ist hier wie mit dem Schluß "Alle Menschen sind sterblich; Sokrates ist ein Mensch; etc.", von dem es auch nicht klar ist, wie, unter welchen Umständen, er anzuwenden wäre.


[836.]{.series-number} 08.02.1949

Wie wäre z.B. der Gesichtseindruck dessen, der eine Druckseite liest, zu beschreiben.


[837.]{.series-number} "Ja, jetzt weiß ich was 'bremseln' ist." (Er hat etwa zum erstenmal einen elektrischen Schlag gespürt.) -- Fühlt er ein andres mal dasselbe, so wird er vielleicht nach den gleichen Begleiterscheinungen ausschauen. Das Bremseln lehrt ihn die Außenwelt kennen. -- Lehrt uns das Erinnern auf gleiche Weise, das & das Ereignis sei vergangen? -- Dann müßte man es mit vergangenen Ereignissen in Zusammenhang bringen. (Photographie & Moden) Während es doch das Kriterium des Vergangenen ist.

[838.]{.series-number} Und wie wirst Du in Zukunft wieder wissen, wie Erinnern tut?

[839.]{.series-number} Wie weiß er, daß dies Gefühl 'Erinnern' ist? Vergleiche "Ja, jetzt weiß ich, was 'Bremseln' ist" (er hat etwa zum ersten mal einen elektrischen Schlag gekriegt). -- Weiß er, daß es Erinnern ist, weil er damit die Vergangenheit erkennt? Und wie weiß er, was Vergangenheit ist? Den Ausdruck der Vergangenheit lernt ja der Mensch, indem er sich erinnert.

[840.]{.series-number} Dagegen könnte man z.B. von einem Gefühl "Lang, lang ist's her" sprechen, denn es gibt einen Ausdruck der Stimme & Miene, der gewissen Erzählungen aus vergangenen Tagen eigen ist.


[841.]{.series-number} 09.02.1949

James will eigentlich sagen: "Was für ein merkwürdiges Erlebnis! Das Wort ist noch nicht da & ist doch, in einem Sinne, schon da, oder etwas ist da, was nur zu diesem Wort heranwachsen kann." -- Aber das ist gar kein Erlebnis, die Worte "Es liegt mir auf der Zunge drücken kein Erlebnis aus gibt ihnen nur die seltsame Deutung.

[842.]{.series-number} Sie drücken ebenso wenig ein Erlebnis aus, wie die Worte "Jetzt hab ich's!" -- Sie sind ein Ausdruck, den wir in gewissen Situationen gebrauchen & er ist umgeben von einem Benehmen besonderer Art, auch von manchen charakteristischen Erlebnissen. Insbesondre folgt ihnen häufig das Finden des Wortes. (Frage Dich: "Wie wäre es wenn Menschen nie das Wort fänden, das ihnen auf der Zunge liegt?")

[843.]{.series-number} Es gibt hier, wie in vielen verwandten Fällen, was man ein Keimerlebnis nennen kann: eine Vorstellung, Empfindung, die sich dann nach & nach zur vollen Erklärung auswächst. Und man möchte sagen, es sei ein logischer Keim, etwas, was sich mit logischer Notwendigkeit so auswachsen mußte. Mir fällt bei irgendeinem Anlaß der & der Mensch ein. Wie geschah es? -- Zuerst sah ich ein Bild vor mir, etwa bloß graue Haare -- dann sagte ich den Namen N.(aber der kann auch noch vielen Menschen angehören) -- aber ich sage, ich meine den N., welcher ... etc.-- Und ferner habe ich den Namen nicht von dem Vorstellungsbild abgelesen, & ich habe es auch nicht nachträglich so & so gedeutet; denn auf die Frage, ob ist erst später gewußt oder entschieden hätte, wem die grauen Haare & der Name N. gehören, werde ich's verneinen & sage, ich hätte es von Anfang an gewußt. Aber wissen ist kein Erlebnis. -- "Ich habe es von Anfang an gewußt" heißt eigentlich nur: Ich habe den Namen vom Bild nicht abgelesen, denn ich habe mir z.B. nicht überlegt "Wem gehören diese Haare, wer schaut so aus!" -- noch sagte ich mir "Der Name 'N' soll einmal für diesen Menschen stehn". Man könnte sagen, ich wurde immer expliziter. Aber woher nun die Idee vom logischen Keim? D.h. eigentlich: Woher die Idee "Es war alles schon im Anfang da & im ersten Erlebnis enthalten"? Hat es nicht einen ähnlichen Grund wie James's Behauptung, der Gedanke sei schon zu Anfang des Satzes fertig? Dies behandelt die Absicht als ein Erlebnis.

[844.]{.series-number} Ich schreite von Erklärung zu Erklärung (weiter). Scheine aber nur zu sagen, was schon da war. Freilich. Denn "Es ist nicht von Anfang an dagewesen" wäre falsch. "Der Gedanke ist nicht von Anfang an fertig gewesen" heißt: Ich habe erst später herausgefunden oder entschieden, was ich sagen wollte. Und das will ich nicht sagen.

[845.]{.series-number} Die Idee, dies Erlebnis sei ein Keim, entsteht allerdings durch einen logischen Prozeß. Es wird in einem logischen Sinne ein Keim. Durch eine logische Deutung.

[846.]{.series-number} Könnte ich nicht auch so sagen: Daß mir zuerst die grauen Haare vorschwebten, denn der Name ist ganz unwesentlich. Es hätte mir ebensogut der Name zu Anfang einfallen können.

[847.]{.series-number} Ich wußte gleich von Anfang, wer es war. "Ich wußte es nicht gleich von Anfang" würde ja heißen: ich bin später erst draufgekommen. So war es gewiß nicht.

[848.]{.series-number} 10.02.1949

Wenn ich (normalerweise) schreite, gehe, esse, rede, dahin & dorthin schaue trachte ich ebensowenig diese Handlungen auszuführen, als mir das Gesicht eines alten Freundes 'bekannt vorkommt'. Aber versuchen, trachten, sich entschließen sind die Willensakte, das worin sich der Wille für uns ausspricht, sie sind das, woran wir denken, wenn wir vom Willen reden.


[849.]{.series-number} (Ähnlich könnte man, glaube ich, sagen: Eine Multiplikation ist kein Experiment, denn kein Experiment könnte die besondern Konsequenzen einer Multiplikation haben.)

[850.]{.series-number} Aber 'kommt' das Wort, das Dir einfällt nicht in etwas besonderer Weise? Gib doch acht! -- Das genaue Achtgeben nützt mich nichts. Ich könnte damit doch nur entdecken, was in mir jetzt vorgeht. Und wie kann ich beim Philosophieren überhaupt drauf hinhorchen? Ich müßte dazu doch abwarten, bis mir wieder (einmal) ein Wort einfällt. Aber das Seltsame ist (ja), daß es scheint, als müßte ich (gar) nicht auf so eine Gelegenheit warten. Als könnte ich mir den Fall vorführen, auch wenn er mir nicht wirklich passiert. Und wie? -- Ich spiele ihn. -- Aber was kann ich auf diese Weise erfahren? Was mache ich denn nach? -- Gebärden, Mienen, einen Tonfall. (Diese Bemerkung hat sehr allgemeine Anwendung.)


[851.]{.series-number} 12.02.1949

-- -- -- Als Erlebnis gedeutet sieht es freilich seltsam aus. (Nicht anders, als das 'Meinen', gedeutet als Vorgang beim Sprechen, oder -- als Kardinalzahl.)

[852.]{.series-number} 13.02.1949

Das stille Reden ist nicht ein halb-verborgenes schwer klar zu sehendes Phänomen & wir müssen nun trachten es deutlicher zu sehen & darüber sagen, soviel wir wissen. -- Es ist gar nicht verborgen, aber sein Begriff ist verwirrend.

Wir können es einen artikulierten Vorgang nennen: denn es geht in einer Zeitspanne vor sich, kann einen andern Vorgang begleiten. gleichsam ein verschleiertes Antlitz, wie es manchmal scheint. (Die Frage, ob beim stillen Reden immer, oder zumeist Kehlkopfbewegungen etc. stattfinden, mag großes Interesse haben, aber nicht für uns.)

[853.]{.series-number} Ich soll nicht sagen "das stille Reden zu mir selbst", denn man kann innerlich reden, ohne zu sich selbst zu reden.

[854.]{.series-number} Denk Dir dieses Spiel -- ich nenne es "Tennis ohne Ball": Die Spieler bewegen sich auf einem Tennisplatz ganz wie im Tennis, sie haben auch Schläger aber keinen Ball. Jeder reagiert auf des Andern stroke so, oder ungefähr so, als hätte ein Ball ihre Reaktion bestimmt. (Manöver) Der der einen 'Blick' für das Spiel haben muß beurteilt strittigenfalls, ob ein Ball in's Netz gegangen ist, etc. etc.. Das Spiel hat offenbar große Ähnlichkeit mit dem Tennis & ist doch anderseits grundverschieden.

[855.]{.series-number} Aber es ist hier ein Unterschied: Reden in der Vorstellung kann nur der, der reden kann. Denn zum Reden in der Vorstellung gehört, daß es sich später mitteilen läßt, was ich im Stillen geredet habe. -- Dagegen könnte das Tennis ohne Ball (theoretisch) auch der lernen der das andre Tennis nicht kennt.

[856.]{.series-number} "Aber Reden im Stillen ist doch eine gewisse Tätigkeit, die ich lernen muß!" Wohl; aber was ist hier 'tun' & was ist hier 'lernen'? Laß dich die Bedeutung der Worte von ihrer Verwendung lehren!

[857.]{.series-number} "So rechne ich nicht wirklich, wenn ich im Kopf rechne?!" -- Du unterscheidest doch auch Kopfrechnen von wahrnehmbarem Rechnen! Und Du kannst jenen Begriff nicht haben, ohne diesen zu haben, & jene Tätigkeit nur lernen, indem Du diese lernst. (Ihre Begriffe sind so nah verwandt & soweit entfernt wie die der Kardinalzahl & der rationalen Zahl).

[858.]{.series-number} Du könntest lernen, nach dem Metronom im Kopf zu rechnen.


[859.]{.series-number} Nicht jedes Wesen das Furcht, Freude, Schmerz, äußern kann, kann sie heucheln.

[860.]{.series-number} Es wäre etwa so: Nur im Gesicht kann ein Auge lächeln, aber nur in der ganzen Gestalt kann es -- -- --

[861.]{.series-number} Nur in einer ganz gewissen Umgebung kann etwas Schmerzäußerung sein; aber nur in einer noch viel [unreadable] bestimmten kann es ein Schmerzheucheln geben.

[862.]{.series-number} Denn Heucheln ist ein (bestimmtes) Muster im Lebensteppich. Es kehrt in unendlichen Variationen wieder. Ein Hund kann nicht Schmerzen heucheln, weil sein Leben dazu zu einfach ist. Es hat nicht die nötigen Gelenke zu diesen Bewegungen.

[863.]{.series-number} Du kannst doch den Heuchler auf dem Theater darstellen. Es gibt also eine Erscheinung des Heuchelns, sie ist weit komplizierter als die Erscheinung des Leidens z.B.. Sonst könnte man Heuchelei nicht entlarven.


[864.]{.series-number} 14.02.1949

Es ließe sich auch denken, daß Menschen bewußt im Kehlkopf rechneten, wie sie ja auch z.B. mit den Fingern rechnen könnten. Willst Du denn sagen es sei eine Täuschung, wenn sie sich einbilden sie hörten im Innern die Rede, oder ein bloßer Trick der Sprache?

[865.]{.series-number} Die Hypothese, daß beim stillen Reden gewisse physiologische Vorgänge stattfinden, ist für uns nur insofern von Interesse, als sie uns eine mögliche Anwendung des Berichts "Ich sagte mir im Stillen ..." zeigt; nämlich die, von der Äußerung auf den physiologischen Vorgang zu schließen.


[866.]{.series-number} Was muß das Kind lernen, ehe es heucheln kann? Z.B. die Verwendung der Worte: "Er glaubt, ich habe Schmerzen, aber ich habe keine."

[867.]{.series-number} Das Kind macht die Erfahrung, es werde freundlich behandelt wenn es, z.B. bei Schmerzen, schreit; es schreit nun, um so behandelt zu werden. Das ist kein Heucheln. Nur eine Wurzel des Heuchelns.

[868.]{.series-number} Ein Kind muß allerlei lernen, ehe es heucheln kann.

[869.]{.series-number} Es muß ein kompliziertes Muster des Benehmens lernen, ehe es heucheln oder aufrichtig sein kann.

[870.]{.series-number} Ein Hund heuchelt nicht; aber er ist auch nicht aufrichtig.

[871.]{.series-number} Das Kind lernt auch den Schmerz mimen. Es lernt das Spiel: sich stellen, als habe man Schmerzen.

[872.]{.series-number} "Wenn das Kind nur einmal weiß, was Schmerzen sind, so weiß es natürlich auch, daß man sie heucheln kann."

[873.]{.series-number} 15.02.1949

" ... Und eines Tages glaubt nun das Kind etwas." Warum ist das falsch? "Eines Tages sagt es 'Ich glaube ...'" ist richtig. "Heute hat es zum ersten Mal etwas geglaubt." Nun, was ist dabei? -- es ist eben heute zum erstenmal das in seinem Innern vorgegangen. -- Aber wie zeigte es sich? Nun, er sagte heute zum erstenmal "Ich glaube, sie hat Schmerzen". Das aber ist nicht genug. Ich muß also annehmen, er zeigte in der Folge, daß er die Worte nicht nur nachgesprochen hatte. Kurz, jene Äußerung fing ein Spiel an, & er konnte es fortsetzen. Heute, so schien es, war ihn das Spiel aufgegangen. Aber wie kann dem Kind plötzlich ein Sprachspiel aufgehn? Gott weiß es. -- Es fängt eines Tages an, etwas zu tun. Denk Dir etwas Analoges im Lernen eines Brettspiels, das das Kind täglich gespielt sieht.

[874.]{.series-number} Er lernt nicht nur den Gebrauch des Ausdrucks "Schmerzen haben" in all seinen Zeiten & Personen , sondern auch in Verbindung mit der Negation & den Verben des Dafürhaltens. Denn: glauben, bezweifeln etc. daß der Andre Schmerzen hat, sind natürliche Arten unsres Verhaltens gegen den Andern. (Er lernt "Ich glaube, er hat ...", "Er glaubt, ich habe ..." etc. etc., aber nicht "Ich glaube, ich habe.") (Hat der Raum da ein Loch? Nein, er scheint nur eins zu haben.)

[875.]{.series-number} Ändert dabei das Wort 'Schmerz' seine Bedeutung?

[876.]{.series-number} Das 'Heucheln' macht im Schmerzbegriff keine Schwierigkeit. Es macht ihn komplizierter. (Gebrauch des Geldes.)

[877.]{.series-number} Die Unsicherheit, ob der Andre ..., sie ist ein (wesentlicher) Zug aller dieser Sprachspiele. Aber dies bedeutet nicht, daß jeder im hoffnungslosen Zweifel darüber ist, was der andre fühlt.

[878.]{.series-number} Die Teile eine Maschine sind elastisch, ja auch biegsam. Aber heißt das nun, daß es eigentlich keinen Mechanismus gibt, da sich die Maschinenteile benehmen, als wären sie aus Butter hergestellt? (Und denk Dir nun Mechanismen Uhrwerke etwa, aus Materialien hergestellt, die weit biegsamer sind als die Unsern, so daß die Bewegungen seltsam unregelmäßig würden, -- müßte so ein Mechanismus unbrauchbar sein, könnte er nicht, tatsächlich, verwendet werden? (Und wir haben ja unsre Begriffe nicht, weil sie praktisch sind. Oder doch nur einige aus diesem Grund.)

[879.]{.series-number} Denk Dir Unsicherheit in ein Spiel eingeführt! Das könnte auf vielerlei Weise geschehen. Denk Dir's so: [Tennis ohne Ball]. Wenn Du fändest, daß Leute dies Spiel spielen, würdest Du sagen, dies sei kein Spiel? Nun, verglichen mit den unsern wäre es von sehr verschiedenem Charakter. (It takes many kinds ...)

[880.]{.series-number} Daß das, was Einer innerlich redet, mir verborgen ist, es sei denn, er teile es mir mit, liegt im Begriff innerliches Reden'. Nur ist "verborgen" hier das falsche Wort; denn ist es mir verborgen, so sollte es ihm selbst offenbar sein, er müßte es wissen. Aber er 'weiß' es nicht, obwohl es für ihn meinen Zweifel nicht gibt.

[881.]{.series-number} "Ich weiß, was ich will, wünsche, glaube, hoffe, sehe" etc. etc. (durch alle psychologischen Verben) ist entweder Philosophenunsinn, oder aber nicht ein Urteil a priori.

[882.]{.series-number} "Ich weiß ..." mag heißen "Ich zweifle nicht ..." -- aber es heißt nicht die Worte "Ich zweifle" seien hier sinnlos, der Zweifel logisch unmöglich.

[883.]{.series-number} Man sagt "Ich weiß ...", wo man sich überzeugen kann.

[884.]{.series-number} Ein Fall läßt sich denken, indem ich mich davon überzeugen könnte, daß ich zwei Hände habe. Normalerweise aber kann ich's nicht. "Aber Du brauchst sie Dir ja nur vor die Augen zu halten." -- Wenn ich jetzt zweifeln könnte, daß ich zwei Hände habe, so hätte ich auch keinen Grund meinen Augen zu trauen. (Ebensogut könnte ich dann meinen Freund fragen.)

[885.]{.series-number} "Seine Schmerzen sind mir verborgen", das wäre, als sagte ich: "Diese Klänge sind meinem Auge verborgen."

[886.]{.series-number} Die Unsicherheit, in der mich all sein Benehmen über das läßt, was in seiner Seele ist. Aber läßt es mich denn immer unsicher?

[887.]{.series-number} "Es ist hier freilich nicht immer subjektive Unsicherheit, aber objektive." (Aber was heißt das?)

[888.]{.series-number} 16.02.1949

'Objektive Unsicherheit' ist eine Unbestimmtheit im Wesen des Spiels, der zugelassenen Evidenz.

[889.]{.series-number} "Was er innerlich redet, ist mir verborgen" könnte freilich auch heißen, ich kann es zumeist nicht erraten, noch (wie es ja möglich wäre) aus seinen Kehlkopfbewegungen z.B. entnehmen.

[890.]{.series-number} Von Sprachverwendungen aber, wie "Nur Du kannst wissen, was in Dir vorgeht", sehe ich ab. Wer mir aber vorhalten wollte, man sage manchmal "Ich muß doch wissen, ob ich Schmerzen habe", "Nur Du kannst wissen, was Du denkst" u.a., möge die Anlässe & den Zweck solcher Redensarten überlegen. ("Krieg ist Krieg" ist auch nicht ein Beispiel des Identitätsgesetzes)

[891.]{.series-number} Bin ich weniger sicher, daß dieser Mann Schmerzen hat, als daß 2 x 2 = 4 ist? -- Aber ist darum das erste mathematische Sicherheit? -- 'Mathematische Sicherheit' ist kein psychologischer Begriff.

[892.]{.series-number} 17.02.1949

Die Art der Sicherheit ist die Art der Sprachspiels.

[893.]{.series-number} Es gibt hier zwei verschiedene Fakten: Das eine Faktum, daß ich meine Handlungen im allgemeinen sicherer voraussehe als der Andre; das andre, daß meine Voraussage nicht auf derselben Evidenz beruht wie die des Andern & daß sie andere Schlüsse zuläßt.

[894.]{.series-number} Nicht das ist wichtig, daß ich irgendwelche Vorgänge in meinem Geist weiß, nicht darum frägt man mich nach meinen Motiven. Sondern weil hier die Evidenz & die Folgen der Aussage von andrer Art sind.

[895.]{.series-number} "Der Physiker rechnet darum, weil Papier & Tinte zuverlässiger sind als seine Apparate."

[896.]{.series-number} Nehmen wir an, es gebe einen Menschen, der immer richtig erriete, was ich im Gedanken zu mir selbst sage. (Wie er das macht, ist gleichgültig.) Aber was ist das Kriterium dafür, daß er es richtig errät? Nun, ich bin wahrheitsliebend & gestehe, er habe es richtig erraten. -- Aber könnte ich mich nicht irren, könnte mich mein Gedächtnis denn nicht täuschen? Und kann es das nicht (überhaupt) immer, wenn ich -- ohne zu lügen -- ausspreche, was ich bei mir gedacht habe? -- Aber so scheint es ja, es komme gar nicht darauf an, daß ich weiß 'was in meinem Innern geschehen ist.' (Ich mache hier eine Hilfskonstruktion.)

[897.]{.series-number} Für das wahrheitsgemäße Geständnis, ich hätte das & das gedacht, sind die Kriterien nicht die, wie für die Beschreibung eines vergangenen Vorgangs.

Und die Wichtigkeit des wahrheitsgemäßen Geständnisses liegt nicht darin, daß es irgendeinen Vorgang mit Sicherheit richtig darstellt. Sie liegt vielmehr in den besondern Anzeichen der 'subjektiven Wahrheit' & in den besondern Konsequenzen des wahrheitsgemäßen Geständnisses. Sie liegt vielmehr in den besondern Konsequenzen, die sich aus einem Geständnis ziehen lassen, dessen Wahrhaftigkeit durch die besondern Kriterien der Wahrhaftigkeit verbürgt ist.

[898.]{.series-number} (Angenommen daß die Träume der Menschen uns wichtige Aufschlüsse über den Träumer geben können, so wäre das, was den Aufschluß gibt, die wahrhaftige Traumerzählung. Die Frage, ob den Träumer sein Gedächtnis manchmal täuscht kann sich gar nicht erheben, es sei denn wir führten ein gänzlich neues Kriterium für die 'Richtigkeit' der Traumerzählung ein.)


[899.]{.series-number} 18.02.1949

Das Kind, das zuerst einen primitiven Wortausdruck des eigenen Schmerzes lernt, das dann anfängt (auch) von einem vergangenen Schmerz zu erzählen, -- es kann eines schönen Tages erzählen: "Wenn ich Schmerzen habe, kommt das Arzt". Hat nun in diesem Prozeß des Lernens das Wort "Schmerz" seine Bedeutung geändert? -- Ja, es hat seine Verwendung geändert. Aber bezieht sich das Wort im primitiven Ausdruck & im Satz nicht dasselbe, nämlich dasselbe Gefühl? Doch; aber nicht auf die gleiche Technik.

[900.]{.series-number} Ich kann einen Satz aussprechen oder aufschreiben, der eine Absicht (in der ersten Person) ausdrückt. Der Satz sei: "Ich werde in 2 Minuten den linken Arm heben." Aber es ist doch ein Unterschied, ob das wirklich meine Absicht ist, oder ob ich es nur so, wie gerade jetzt, als Beispiel hinschreibe.

[901.]{.series-number} Nicht nur auf die Schmerzen, sondern auch auf die Verstellung schließt man ja aus dem Benehmen.

[902.]{.series-number} 19.02.1949

Eine Form des Gedankenerratens: Einer stellt ein Jigsaw puzzle zusammen, der Andre kann ihn nicht sehen, aber er sagt von Zeit zu Zeit: "Jetzt kann er etwas nicht finden", "Jetzt denkt er 'wo habe ich nur ein solches Stück gesehen?'", "Jetzt ist er sehr befriedigt", "Jetzt denkt er 'jetzt weiß ich wo es hingehört!'", "Jetzt denkt er 'Es paßt nicht recht' -- & dabei braucht der Andre weder laut noch zu sich selber sprechen.

[903.]{.series-number} Alles dies ist Erraten von Gedanken, & daß es tatsächlich nicht geschieht, macht den Gedanken nicht verborgener als den physischen Vorgang, den ich nicht wahrnehme.

[904.]{.series-number} Man kann sich ein Erraten der Absicht denken, ähnlich einem Erraten des Gedankens, aber auch ein Erraten dessen, was Einer tatsächlich tun wird. Zu sagen "Nur er kann wissen, was er beabsichtigt" ist Unsinn. Zu sagen "Nur er kann wissen, was er tun wird" ist falsch. Denn die Voraussage, die im Ausdruck der Absicht liegt (z.B. "So wie es 5 Uhr schlägt, gehe ich nach Hause.") mag nicht zutreffen, & ich kann wissen, was wirklich geschehen wird.

[905.]{.series-number} Zwei Dinge aber sind wichtig. Daß er in vielen Fällen meine Handlungen nicht voraussehen kann, in denen er sie in der Absicht voraussieht. Und daß die Vorhersage der Absicht nicht auf der Grundlage ruht, auf der des Andern Voraussage ruht.

[906.]{.series-number} 20.02.1949

Vom Glauben, von der Sicherheit möchte man manchmal sagen, sie seien Farbtöne des Gedankens: Und sie drücken sich ja wirklich oft im Ton der Rede aus. Denk aber nicht an sie als 'Gefühle', die unsre Worte begleiten.


[907.]{.series-number} Wäre es richtig, zu sagen, daß das Sprachspiel des Aussprechens des Motivs von der Seite des 'Andern' gleich dem des Aussprechens der Ursache ist, aber nicht von der Seite dessen, der sein Motiv gesteht.

[908.]{.series-number} 21.02.1949

Was ist der Unterschied zwischen Motiv & Ursache? -- Wie findet man das Motiv, & wie die Ursache?

[909.]{.series-number} Die unsägliche Verschiedenheit aller der tagtäglichen Sprachspiele kommt uns gar nicht zu Bewußtsein, weil die äußern Formen unsrer Sprache alles gleichmachen.

[910.]{.series-number} 22.02.1949

Denke, Menschen würden das Wetter beurteilen; & zwar sagt Einer "Es schaut im Westen gelb aus, das ist ein gutes Zeichen. Es wird schön bleiben." Und er handelt dementsprechend. Ein Andrer sagt "Nein. Im Norden ist es grau. Ich bin überzeugt, es kommt Regen" -- Und handelt danach. Ein Dritter hat wieder andere Kriterien für seine Prognose, etc. etc.. Alle diese Leute können doch ihrer Sache sicher sein. Und die Sicherheit wird sich in ihren Handlungen ausdrücken. Ja hätten sie, statt aller Kriterien, nicht einfach den Himmel anschaun, & sagen können: "Ich habe den bestimmten Eindruck, es wird ..."?

[911.]{.series-number} Und nun: Mehrere Leute betrachten einen Kranken (oder, der sich krank stellt); der Eine hat den Eindruck, er sei wirklich krank, der Andre den entgegengesetzten; jeder sagt a) er habe den bestimmten Eindruck, daß ..., & handelt danach b) er gibt Gründe für diesen Eindruck an, die aber nur Gründe für ihn sind. "Was geschieht da, wenn Einer den Eindruck hat ...?" -- Unsinn! Wie, wenn die Leute einfach sagten: "Ich wette ..., er ist krank", "Ich wette ..., er verstellt sich"?

[912.]{.series-number} Wenn ich nun glaube, Einer heuchle Schmerz, so glaube ich nicht nur, er habe keinen. Es ist hier ein bestimmter Verdacht. Ich will sagen: Wenn die natürliche Einstellung der Menschen gegen den, der Schmerz äußert, verschieden ist, -- die eine kühl & gleichgültig, die andre mitleidsvoll, etc., -- so heißt das noch nicht, Einer glaube, der Mensch verstelle sich.

[913.]{.series-number} Wenn nun Einer sagt "Ich glaube, er heuchelt" -- was meint er damit? -- Nun, er gebraucht ein Wort, welches man in den & den Lagen gebraucht. Er wird, das Spiel vielleicht so weiterspielen, daß er Vermutungen über das künftige Benehmen des Andern anstellt; das muß aber nicht geschehn. Es geht einiges Benehmen & einige Konversation vor sich. Ein paar Sätze, hin & her; & ein paar Handlungen. Das kann alles sein.

[Nur im Fluß des Lebens haben die Worte ihre Bedeutung.]

[914.]{.series-number} Es kommt mir so vor, als stünde irgendwo ein leeres Schachbrett & daneben liegen Schachfiguren. Wenn ein paar Leute dran vorbeikommen, so stellt etwa der eine 2 oder 3 Figuren auf & der Andre auch; einer macht einen Zug, es folgt ein Gegenzug, sie machen Gesichter dabei, oder sagen so etwas wie "Das war dumm!" "Siehst Du!" etc. & lassen's dann. Das Ganze wäre unmöglich wenn sie nicht Schach spielen könnten; was vor sich geht aber, ist ein Fragment, oder mögliches Fragment einer Schachpartie.

[915.]{.series-number} Vergleiche nun "das Urteil eines Fachmanns" mit jenen Urteilen über das Wetter. Jenes hat für einen Andern als den Urteilenden Wert, -- dieses ist nur eine Äußerung der Stellungnahme des Urteilenden; -- es mag dadurch freilich auch auf Andre wirken. Die Sprachspiele sind verschieden.

[916.]{.series-number} Und natürlich gibt es auch hier Übergänge.

[917.]{.series-number} Man könnte fragen: "Gibt es, was die Gefühle eines Menschen betrifft, ein 'fachmännisches' Urteil?" Und die Antwort wäre: Es gibt auch hier, was man 'Menschen mit besserem' & 'Menschen mit schlechterem Urteil' nennt.

[918.]{.series-number} Aber es gibt z.B. keine Fachprüfung in Menschenkenntnis. (Wie wäre es, wenn's eine gäbe?)

[919.]{.series-number} Aber worin zeigt es sich, daß Einer das richtige Urteil hat? Das ist schwer zu sagen. Ich könnte manches anführen; aber es wären nur Fetzen einer Beschreibung.

[920.]{.series-number} Man kann einen auch durch Evidenz von dem & dem Seelenzustand des Andern überzeugen, Und doch gibt es hier kein Fachstudium.

[921.]{.series-number} Wie ist es damit, wenn man gewisse Regeln geben kann, aber doch nur wenige & solche die Einer durch Erfahrung ohnehin zumeist erlernt, -- wenn aber das wichtigste Übrige unwägbar ist??

[922.]{.series-number} Was heißt "unwägbare Evidenz"? (Seien wir ehrlich!)

[923.]{.series-number} Ich sage Einem, ich habe Gründe für diese Behauptung, oder Beweise für sie, aber sie seien 'unwägbar'. Nun, ich habe z.B. den Blick gesehen, den der eine dem andern zugeworfen hat. Ich sage "Hättest Du ihn gesehen, so würdest Du dasselbe sagen". [Aber es ist hier noch eine Unklarheit.] Ich kann ihn vielleicht ein andermal diesen Blick sehen lassen & er ist dann überzeugt. Das wäre eine Möglichkeit. Ich mache zum Teil Vorhersagen des Benehmens ("Sie werden heiraten, sie wird ihn dazu bringen.") zum Teil auch nicht.

[924.]{.series-number} Die Frage ist: Was leistet die unwägbare Evidenz? Mit welchem Rechte nennt man das "Evidenz"? (Vergleiche den Fall der Wetterbeobachter mit dem des Menschen, der das Leiden eines andern beurteilt.)

[925.]{.series-number} 23.02.1949

Ein wichtiges Faktum ist hier, daß wir Gewisses nur durch lange Erfahrung lernen & nicht durch einen Kurs in einer Schule. Wie entwickelt man z.B. einen Kennerblick? Es sagt Einer z.B.: "Dieses Bild ist nicht von dem & dem Meister" -- er macht also eine Aussage, die kein ästhetisches Urteil ist, sondern vielleicht durch Dokumente bewiesen werden kann. Er mag nicht im Stande sein, sein Urteil klar zu begründen. -- Wie hat er es gelernt. Konnte jemand es ihn lehren? O ja. -- Nicht so, wie man rechnen lehrt. Es bedurfte langer Erfahrung. D.h., der Lernende mußte vielleicht wieder & wieder eine Menge Bilder verschiedener Meister betrachten & vergleichen. Dabei konnte man ihm Winke geben. Nun das war der Prozeß des Lernens. Dann aber betrachtete er ein Bild & gab ein Urteil ab. Er konnte in den meisten Fällen Gründe für sein Urteil abgeben aber sie waren in den meisten Fällen nicht überzeugend.

[926.]{.series-number} Betrachte das Lernen -- und das Resultat des Lernens.

[927.]{.series-number} Der Kenner könnte sich z.B. einer Jury nicht verständlich machen. D.h. sie würden seinen Ausspruch aber nicht seine Gründe verstehen. Dem andern Kenner kann er die Andeutungen geben, die dieser versteht.


[928.]{.series-number} Aber will ich etwa sagen, die Sicherheit der Mathematik beruhe auf der Zuverlässigkeit von Tinte & Papier? Nein. (Das wäre ein circulus vitiosus) Ich habe nicht gesagt warum es zwischen den Mathematikern nicht zum Streit kommt, sondern nur daß es nicht zum Streit kommt.

[929.]{.series-number} Es ist wohl wahr daß man mit gewissen Arten von Papier & Tinte nicht rechnen könnte, wenn sie nämlich gewissen seltsamen Änderungen unterworfen wären, aber daß sie sich ändern könnte ja doch wieder nur durch das Gedächtnis & den Vergleich mit andern Rechenmitteln gezeigt werden. Und diese kann man ja nicht wieder an etwas anderm prüfen.

[930.]{.series-number} Hat es Sinn zu sagen, die Menschen stimmen in Bezug auf ihre Farburteile im allgemeinen überein?? Wie wäre es wenn's anders wäre? Der Eine würde sagen, die Blume sei rot, die der andre für blau hält etc. -- Aber mit welchem Recht könnte man nun die Wörter "rot" & "blau" dieser Menschen Farbwörter nennen? Warum sollen wir sagen, sie hätten die gleiche Bedeutung? Wir können das eine & das andere sagen. Der Begriff ist nun geändert & es gibt Gründe, ihn noch als denselben anzusprechen, & Gegengründe.

[931.]{.series-number} Aber wie ist es damit: "Es kommt über Farburteile im allgemeinen nicht zum Streit"? Es gibt 'Farbenblindheit' & Mittel sie festzustellen. Ist jener Satz nicht einer über den Begriff des Farburteils?

[932.]{.series-number} 24.02.1949

Wenn nicht Übereinstimmung in den Farburteilen bestünde, wie erlernten Menschen denn die Farbwörter gebrauchen? Mit welchem Recht könnten wir den Gebrauch, den sie lernen, den der 'Farbnamen' nennen? Aber hier gibt es natürlich Übergänge.

[933.]{.series-number} Und diese Überlegung muß für die Mathematik gelten: Gäbe es unsere mathematische Sicherheit nicht, so würden die Menschen auch nicht die gleiche Technik lernen, die wir erlernen. Sie wäre von der unsern mehr, oder weniger verschieden, & im Grenzfalle bis zur Unkenntlichkeit.

[934.]{.series-number} "Die mathematische Wahrheit ist doch unabhängig davon, ob Menschen sie erkennen, oder nicht!" -- Gewiß: "Die Menschen glauben, daß 2 x 2 = 4 ist" & "2 x 2 = 4" haben nicht den gleichen Sinn. Dieser ist ein mathematischer Satz, jener, wenn er überhaupt einen Sinn hat, kann etwa heißen, daß die Menschen auf den mathematischen Satz gekommen sind. Die Beiden haben gänzlich verschiedene Verwendung. -- Aber was würde nun das heißen: "Wenn auch alle Menschen glaubten, 2 x 2 sei 5, so wäre es doch 4"? Wie sähe denn das aus, wenn alle Menschen das glaubten? Nun, ich kann nur sagen, es wäre ein andrer Kalkül. Wäre es falsch! Ist eine Königskrönung falsch? Höchstens nutzlos. Und vielleicht auch das nicht.

[935.]{.series-number} Mathematik ist freilich, in einem Sinne, eine Lehre, aber doch auch ein Tun. Und einen 'falschen Zug' kann es nur als Ausnahme geben; denn würde, was wir jetzt so nennen, die Regel, so hörte damit das Spiel auf, worin es ein falscher Zug war.

[936.]{.series-number} 26.02.1949

Zur 'unwägbaren Evidenz' gehört gewiß der Ton, der Blick, die Gebärde. Ist es hier nicht wirklich, als sähe man das Arbeiten des Nervensystems. Denn ich möchte wohl, daß meine geheuchelte Gebärde ganz der echten gleicht, aber es geschieht eben doch nicht das gleiche.

[937.]{.series-number} Ich kann den echten Blick der Liebe erkennen, ihn vom verstellten unterscheiden. Und ich kann ihn doch dem Andern auf keine Art beschreiben. Hätten wir etwa einen großen Maler hier, so wäre es denkbar, daß er solcher in Bildern den echten & den geheuchelten darstellte, oder es ließe sich eine Darstellung im Film denken, -- auf sie aufgebaut vielleicht eine Beschreibung in Worten.

[938.]{.series-number} Frage Dich: Wie lernt der Mensch, einen 'Blick' für etwas kriegen? & wie läßt sich dieser Blick verwenden.

[939.]{.series-number} 27.02.1949

Mit welchem Recht kann man sagen, ein Kind müsse manches lernen, ehe es heucheln kann? (-- -- -- Ehe es einen Rechenfehler machen kann.)

[940.]{.series-number} Jemand sagt von seinem Kind "Heute hat es zum ersten Mal geheuchelt". Das kann man sich leicht vorstellen. Aber nicht, wenn er sagt "Heute war es zum ersten Mal aufrichtig" -- obwohl man doch vom Neugeborenen nicht sagen könnte, es sei aufrichtig. Und doch kann man wieder sagen "Mein Kind ist jetzt schon entschieden aufrichtig".

[941.]{.series-number} Wenn man nun fragt "Was muß es lernen, um aufrichtig sein, zu können?" -- erhält man vielleicht so eine Antwort wie: "Es muß eingesehen haben, daß Unaufrichtigkeit schlecht ist" -- oder irgend eine Antwort, die das Innere des Kindes beschreibt, die inneren Requisiten.

[942.]{.series-number} Auch boshaft, freundlich, dankbar, kann ja das neugeborne Kind nicht sein. Erst in einem komplizierten Muster des Benehmens gibt es Dankbarkeit. Wenn eine Figur nur aus drei Geraden besteht, so kann sie weder ein regelmäßiges noch ein unregelmäßiges Sechseck sein.

[943.]{.series-number} Wir sagen doch gewiß normalerweise nur von dem, er sei aufrichtig, der sprechen kann. Und wenn daraus auch nicht folgt, daß der Begriff 'aufrichtig' dort unanwendbar wäre, wo keine Sprache ist, so doch das, daß dieser Begriff dort nicht ohne jede Schwierigkeit anzuwenden ist.

[944.]{.series-number} Der Erwachsene kann freilich, ohne ein Wort zu sprechen, durch Mienen, Gebärden & unartikulierte Laute heucheln, oder aufrichtig sein.

[945.]{.series-number} Denk Dir ein neugebornes Kind, das zwar freilich nicht reden könnte, aber das Mienen- & Gebärdenspiel der Erwachsenen hätte!

[946.]{.series-number} Erst in einem komplizierten Ausdrucksspiel gibt es Heuchelei & ihr Gegenteil. (Wie erst in einem Spiel einen falschen, oder richtigen Zug.)

[947.]{.series-number} Und wenn sich das Ausdrucksspiel entwickelt, so kann ich freilich sagen, es entwickle sich eine Seele, ein Inneres. Aber es ist nun das Innere nicht mehr die Ursache des Ausdrucks. (Sowenig wie das mathematische Denken das Rechnen erzeugt, die Triebkraft des Rechnens ist. Und dies ist eine Bemerkung über Begriffe.)

[948.]{.series-number} Einen dreifachen Kontrapunkt gibt es nur in einer ganz bestimmten musikalischen Umgebung.

[949.]{.series-number} Denk Dir, Einer verstecke seine Absicht, indem er einen geschriebenen Plan versteckt.

[950.]{.series-number} 28.02.1949

'Der Schmerz das Wichtige -- die Klage das Unwichtige' -- Nun, ich will, daß er von meinen Schmerzen Notiz nimmt, nicht von den Klagelauten. Und wie nimmt er von meinen Schmerzen Notiz?

[951.]{.series-number} Es scheint: hier ist ein Inneres, worauf das Äußere nur unbestimmte Schlüsse zuläßt. Es ist ein Bild & was das Bild rechtfertigt ist offenbar. Die scheinbare Sicherheit der ersten Person, die Unsicherheit der dritten.

[952.]{.series-number} 'Die zureichende Evidenz geht, ohne scharfe Grenzen zu haben, in die unzureichende über.' Die Grenzen sind verschwommen. Und doch gibt es Evidenz.

[953.]{.series-number} Die Beurteilung der Fälle ist schwankend, wie die natürliche Stellungnahme zum Andern.

[954.]{.series-number} 01.03.1949

Der seelenvolle Ausdruck in der Musik. Er ist nicht nach Graden der Stärke & des Tempos zu beschreiben. Sowenig wie der seelenvolle Gesichtsausdruck durch räumliche Maße. Ja er ist auch nicht durch ein Paradigma zu erklären, denn das gleiche Stück kann auf unzählige Arten mit echtem Ausdruck gespielt werden.

[955.]{.series-number} Und wie sähe nun das Gegenteil aus? -- Man könnte die Traurigkeit z.B. mit derselben Sicherheit feststellen, mit der man eine Halsentzündung etwa feststellt. -- Aber was wäre nun das für ein Begriff der Traurigkeit? Der unsere?

[956.]{.series-number} Warum nicht? Wer bei einem bestimmten Anlaß dieses Gesicht macht, sich so hält, etc., von dem können wir all das mit Bestimmtheit voraussagen, was wir (in der Welt, wie sie jetzt ist) von einem wahrhaft Traurigen erwarten.

[957.]{.series-number} Worin besteht unsre Unwissenheit über die Seelenzustände & Vorgänge im Andern? Denn sie ist aus mehrerem zusammengesetzt. Wir können nicht an seinem Äußern ablesen, was er zu sich selbst sagt. Wir können das, was er sagt oft nicht verstehen. Wir können seine Absichten nicht erraten. Wir wissen oft nicht in welcher Stimmung er sich befindet.

Die Unwissenheiten sind von verschiedener Art; & wenn man sie sich behoben denkt, dann würden sie auf verschiedene Weise behoben.

[958.]{.series-number} Was heißt es z.B., die Stimmung des Andern mit Sicherheit kennen? Nun, man denkt sich, Einer könnte sie nur vom Gesicht ablesen. -- Aber die Absicht auch?! Warum dann nicht ebensogut an den Händen, oder Kleidern? -- Aber man könnte sich ein Mittel denken, die Absicht zu erfahren. Man fragt ihn nach seiner Absicht & kann mit Sicherheit erkennen, wenn er lügt & etwa auch, was ihm dann durch den Kopf geht. Aber wenn nun die Absicht in diesem Moment sozusagen nur als Disposition vorliegt, wenn sie nicht gedacht wird? -- Hier wäre es also vielleicht nötig, daß ich ihn schon vorher beobachtet hätte!

[959.]{.series-number} "Das Innere ist mir verborgen" -- ist das nicht ebenso vage, wie der Begriff des 'Inneren'? (Denn bedenk nur: das Innere ist ja Empfindungen & Gedanken & Vorstellungen & Stimmung & Absicht u.s.f..)

[960.]{.series-number} Du errätst ja auch seine Absicht, seine Empfindungen, seine Gedanken, seine Stimmung nicht in gleicher Weise.

[961.]{.series-number} 03.03.1949

Ich weiß auch seine Handlungen nicht voraus wie die meinen, & ich habe andere Mittel meine Absicht zu bilden, als er, sie zu erraten. Auch wenn ich keine positive Absicht habe, kann ich negative Absichten haben; ich weiß nicht, was ich tun werde, bin aber schon entschieden, daß ich das & das nicht tun will.

[962.]{.series-number} Wenn einem unter Tags ein Traum der letzten Nacht einfällt, an den man früher im Wachen nie gedacht hatte, so ist das ein seltsames Erinnern. -- -- --

[963.]{.series-number} Der Gegensatz zu meiner Unsicherheit bezüglich dessen, was in ihm vorgeht, ist nicht seine Sicherheit. Denn ich kann der Gefühle des andern auch sicher sein, aber darum sind es nicht die meinen.

[964.]{.series-number} "Ich kann die Gefühle des Andern nur erraten" -- hat das wirklich Sinn, wenn man ihn z.B. mit schweren Verletzungen in furchtbaren Schmerzen sieht?

[965.]{.series-number} 16.03.1949

Der Traum eine Halluzination? -- Die Erinnerung an den Traum ist wie die Erinnerung an eine Halluzination, oder vielmehr: wie die Erinnerung an ein wirkliches Erlebnis. Das heißt, man möchte z.B. manchmal sagen: "Ich habe gerade das & das gesehen", so als hätte man's wirklich gerade gesehen.

[966.]{.series-number} Denk z.B. an die Beschreibung von 'Anlässen'. Ist es denn klar, daß Einer die Beschreibung des 'Kummeranlasses' verstehen muß? Denn die Anlässe zum Kummer sind ja mit 1000 andern Mustern verwoben. Ist es klar, daß Einer die Technik, die Bezeichnung dieser Art von Muster zu gebrauchen, muß lernen können? Daß er es aus den andern Mustern wie wir herausklauben kann?

[967.]{.series-number} Es gibt hier aber einfache & kompliziertere Fälle; & das ist für den Begriff wichtig. Jemand verbrennt sich & schreit auf; nur unter sehr seltenen Umständen würde man sein Benehmen "Verstellung" nennen. Ja hier könnte ein Arzt uns sagen, nur unter den & den Umständen könnte es Verstellung sein.

[968.]{.series-number} 20.03.1949

Die Beschreibung des Wortgebrauchs. Das Wort wird ausgesprochen -- in welcher Umgebung? Wir müssen also etwas Charakteristisches in diesen einzelnen Vorfällen finden, eine Art Regelmäßigkeit. -- Nun lernen wir aber den Wortgebrauch nicht mit Hilfe von Regeln. Wie könnte ich Einem denn eine Regel dafür geben, in welchen Fällen er zu sagen hat, er habe Schmerzen! -- Dagegen aber gibt es eine ungefähre Gesetzmäßigkeit in dem Gebrauch, den ein Mensch tatsächlich von dem Worte macht.

[969.]{.series-number} Ich will also sagen: es ist von vornherein nicht ausgemacht, daß es so etwas gibt, wie 'eine allgemeine Beschreibung der Verwendung eines Worts'. Und wenn es also doch etwas derartiges gibt, -- so ist nicht ausgemacht, wie bestimmt eine solche Beschreibung sein muß.

[970.]{.series-number} Unter welchen Umständen (äußeren Umständen) nennt man etwas eine Schmerzäußerung? (Denn das ist doch eine wichtige Frage,, wenn man sagt daß der wahren Schmerzäußerung etwas Inneres entspricht.)

[971.]{.series-number} Und kann ich nun diese Umstände beschreiben? -- und warum nicht? Ich könnte Beispiele geben, das ist klar. Wie kann ich denn lernen die Umstände zu beschreiben? Hat man mich's denn gelehrt? Oder was müßte ich dazu beobachten?

[972.]{.series-number} Und das gleiche gilt von den äußeren Anzeichen der 'Verstellung'.

[973.]{.series-number} Und wenn ich mir nun eine Aufzählung solcher Umstände denke, für wen wäre sie von Interesse? -- Ja einzelne Apercus haben wohl Interesse. Aber wäre eine Aufzählung interessant, die Vollständigkeit anstrebte? Könnte man sie praktisch brauchen? -- So funktioniert dieses Spiel gar nicht.

[974.]{.series-number} 22.03.1949

Es ist hier nichts versteckt, & nähme ich an, es sei etwas versteckt, so hätte die Kenntnis dieses Versteckten kein Interesse. Ich kann aber meine Gedanken vor ihm verbergen, indem ich ein Tagebuch verstecke. Und hier verstecke ich etwas, dessen Kenntnis für ihn von Interesse sein könnte.

[975.]{.series-number} Zu sagen, meine Gedanken seien ihm unzugänglich, weil sie im Innern meines Geistes stattfänden, ist ein Pleonasmus.

[976.]{.series-number} Was ich im Stillen zu mir selbst sage, ist ihm nicht bekannt: aber es kommt wieder nicht auf den 'seelischen Vorgang' dabei an, wenn auch hier ein physischer Vorgang stattfinden mag, der, wenn er dem Andern bekannt wäre, die laute Rede ersetzen könnte. Man könnte also auch hier einen physischen Vorgang versteckt nennen.

[977.]{.series-number} "Was ich im Stillen bei mir denke ist ihm verborgen" kann nur heißen, er könne es nicht erraten, aus dem & dem Grunde nicht erraten; nicht aber, er könne es nicht wahrnehmen, weil es in meiner Seele ist.

[978.]{.series-number} Man sieht ein Gesicht an & sagt "Was geht wohl hinter diesem Gesicht vor?" -- Aber man muß das nicht sagen. Man muß das Äußere nicht als die Front betrachten hinter der die geistigen Kräfte wirken.

[979.]{.series-number} Die Idee vom Geist des Menschen, den man sieht oder nicht sieht, ist sehr ähnlich der der Wortbedeutung, die als ein Vorgang oder Objekt beim Wort steht. :::

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II MS 169

-- -- -- Es hat denselben Zweck, dieselbe Verwendung -- bis auf eine Bestimmung.

So gibt es also zwischen Verwendungen wesentliche & unwesentliche Unterschiede? Erst wenn man vom Zweck des Wortes redet taucht diese Unterscheidung auf.

-- -- -- Es würde uns vielleicht befremden. "Er spielt gar nicht unser Spiel" möchte man sagen.

Es ist ein anderer Typus.

Der Psychologe berichtet die Äußerungen des Subjekts. Aber diese Äußerungen "Ich sehe ..." "Ich höre ..." "Ich fühle" etc. handeln nicht vom Benehmen.

-- -- -- Von beidem, aber nicht im Nebeneinander sondern vom einen durch das andere.

← Aber wir würden so auch sehen daß es für das Verstehen & Gebrauchen der Worte unwesentlich wäre.

Aber konnte dieser die Verwendung von "wenn" & von "daß" nicht ganz ebenso beherrschen wie wir? Würde er diese Worte nicht verstehen? & meinen wie wir.

Würde ich (von diesem) nicht glauben, er verstehe die Worte "daß" & "wenn" wie wir, wenn er sie ganz so verwendet wie wir?

Und würden wir von diesem [unreadable] nicht glauben, er verstehe "daß" & "wenn" so wie wir sie verstehen, wenn er sie ganz so verwendet wie wir?

Das ist ein anderer Typus. Aber welche Wichtigkeit hat es eigentlich?

Es wäre doch ähnlich, wie wenn jemand, statt mit jedem Vokal eine eigene Farbe zu verbinden, eine mit a, e, i, & eine mit o & u verbände: Vielleicht gibt es solches. "Das ist dann ein anderer Typus", möchte man sagen.

-- -- -- Weil nur dieses Wort, dieser Klang dieser Ton, diese Grammatik.

Hat also das Wort "Beethoven" ein Beethovengefühl?

Er ist der Blick mit welchem mich dieses Wort anschaut.

Aber der Blick kann man vom Gesicht nicht trennen. -- -- -- mit ganz besonderem Ausdruck Dieser Ausdruck ist nicht etwas was man von der Stelle trennen kann. (Nicht notwendigerweise.) Es ist ein anderer Begriff. (Ein anderes Spiel.)

"Du hast die Stelle jetzt mit einem andern Ausdruck gespielt" -- "-- jetzt mit demselben" & man kann ihn auch charakterisieren durch ein Wort, eine Geste, ein Gleichnis; aber dennoch macht man mit diesem Ausdruck nicht etwas was in anderer Verbindung vorkommen kann.

Das Erlebnis ist diese Stelle, so gespielt (so, wie ich es etwa vormache; eine Beschreibung könnte es nur andeuten.)

Die lustigen Farben.

Die 'Atmosphäre' ist gerade das, was man sich nicht wegdenken kann.

Der Name "Schubert", umschwebt von den Geistern seines Gesichts, seiner Werke. -- Also doch eine Atmosphäre? -- Aber man kann sie sich nicht von ihm abgelöst denken.

Der Name "S.", wenigstens, wenn wir vom Komponisten reden, ist so umgeben. Aber diese Umgebung scheint mit dem Namen selbst, mit diesem Wort, verwachsen.

-- -- --Denke, ich höre, es muß jemand ein Bild ....

& Ich höre, es habe jemand ein Bild "...".

-- Wenn sie nicht mit dieser Stelle einhergingen.

-- -- --ganz hirnverrückt

& lächerlich wäre.

Meine kinästhetischen Empfindungen belehren mich über die Bewegungen & Lagen meiner Glieder. Ich bewege jetzt meinen Finger. Ich spüre es kaum oder gar nicht. Vielleicht ein wenig in der Fingerspitze & manchmal an einer Stelle der Haut (gar nicht im Gelenk) Und diese Empfindung belehrt mich daß & wie ich den Finger bewege? Denn er kann es genau beschreiben.

Du mußt die Bewegung eben doch fühlen, sonst könntest Du nicht wissen wie er sich bewegt. Aber "es wissen" heißt nur, es angeben, beschreiben können. Ich mag die Richtung aus der der Schall kommt nur angeben können, weil er das eine meiner Ohren anders affiziert als andre; aber das höre ich nicht.

Ganz so ist es mit der Idee ein Merkmal der Schmerzempfindung müsse uns ... oder ein Merkmal des Erinnerungsbildes über die Zeit auf die es sich bezieht.

Eine Empfindung kann uns über die Bewegung oder Lage eines Gliedes, belehren. Es kann auch der Charakter des Schmerzes uns über den Sitz einer Ursache belehren.

Wie weiß ich daß den Blinden sein Tastgefühl & den Sehenden sein Gesicht über die Gestalt & Lage der Dinge belehrt?

Weiß ich's nur aus eigener Erfahrung & vermute es nur bei den Andern?

Es gibt hier außer jener Beschreibung noch eine Beschreibung der Empfindung. (dessen, was man manchmal das Sinnesdatum nennt).

Was ist das Kriterium dafür, daß mich ein Sinneseindruck über die Form & Farbe belehrt?

Welcher Sinneseindruck? Nun dieser. Ich kann ihn beschreiben "Er ist derselbe wie der ..." oder ihn an einem Muster zeigen. Und nun: was fühlst Du, wenn deine Finger in dieser Lage sind?

"Wie soll man ein Gefühl erklären? Jeder kann es nur in sich selbst kennen." Aber den Gebrauch der Worte muß man doch lehren können!

Ich suche nun nach dem grammatischen Unterschied.

Die Worte "rau" & "glatt", "kalt" & "warm". "süß", "sauer", "bitter" ... Aber warum nicht auch "dünn" & "dick"?

-- -- -- Kann da nicht ein Zweifel sein? muß nicht einer sein, wenn ein Gefühl gemeint ist?

Was würden wir sagen wenn Einer uns mitteilt er sähe an einem bestimmten Ding eine Farbe, die er nicht weiter beschreiben könnte? Muß er sich richtig ausdrücken? Muß er eine Farbe meinen?

Das schaut so aus; das schmeckt so, das fühlt sich so an. Das & so müssen verschieden erklärt werden.

Ich kann den Zustand meiner Depression beobachten, ich beobachte dann das, was ich z.B. beschreibe.

Ein Gedanke, der mir vor einem Monat noch unerträglich war ist es mir heute nicht mehr. (Eine Berührung die gestern schmerzhaft war ist es heute nicht.) Das ist das Resultat einer Beobachtung.

Sich an die gestrige Stimmung zu erinnern trachten kann man beobachten nennen.

Was nennt man "beobachten"? Ungefähr dies: sich in die günstigste Lage versetzen gewisse Eindrücke zu empfangen, mit der Absicht etwa sie zu beschreiben.

Wann sagt man jemand beobachte? Beiläufig: Wenn er sich in eine günstige Lage versetzt gewisse Eindrücke zu erhalten, z.B. mit der Absicht was sie ihn lehren zu beschreiben.

Ich fürchte mich im Grunde noch immer. -- Ich fürchte mich, ich halte diese Furcht nicht aus. -- Ich fürchte mich vor seinem Kommen darum bin ich so unruhig. -- O, ich fürchte mich jetzt viel weniger davor als früher. -- Ich fürchte mich, jetzt wo ich furchtlos sein sollte!

(Aber) es könnte verschiedene Erklärungen geben: Ich fürchte mich! Geh weg! Ich halte diese Furcht nicht aus! Ich fürchte mich vor seinem Kommen deshalb bin ich so unruhig. Ich fürchte mich noch immer etwas, aber viel weniger als früher. Ich fürchte mich im Grunde noch immer, obwohl ich mir's nicht gestehen will. Ich fürchte mich, jetzt, wo ich furchtlos sein sollte! Ich fürchte mich; ich muß es leider gestehn. Ich glaube, ich fürchte mich noch immer.

Die Zusammenhänge in denen ein Wort steht sind am besten in einem Drama dargestellt zu finden daher das beste Beispiel für einen Satz in einer bestimmten Bedeutung ein Zitat aus einem Drama ist.

Und wer fragt die Person im Drama, was sie während des Sprechens erlebt?

Das beste Beispiel für einen Ausdruck in ganz bestimmter Bedeutung ist eine Stelle in einem Drama.

-- -- -- Nun, wir setzen manches voraus. Z.B. daß sie ihre eigenen Stimmen hören auch manchmal manches bei ihren Gebärden fühlen & was sonst noch zum menschlichen Leben gehörte.

In ein philosophisches Wespennest stechen. Moore.

Das Sprachspiel der Meldung kann so gedreht werden, daß dem Frager die Meldung eine Information über den Meldenden gilt nicht über den Gegenstand der Meldung

(Messen um den Maßstab zu prüfen.)

Die augenblickliche Bewegung.

Wer eine Bewegung sieht, der sieht überhaupt nicht die Lage in einem Zeitpunkt. Er könnte sie nicht abbilden.

Anstückeln.

Ich glaubte damals, die Erde sei eine Scheibe. -- Nur so? --

"Wie ich mich kenne, werde ich jetzt so handeln."

Die Linie verläuft ins Dunkel.

Sie hat keinen realen Punkt für ... Auch wenn man anders anstückeln will, muß man's nach einem andern Prinzip tun.

Man kann ja fragen Ist ein Zustand den ich an seinen Äußerungen erkenne wirklich derselbe wie der den er nicht auf diese Weise erkennt. Und die Antwort ist eine Entscheidung.

Die Kurve "im Irrtum sein".

"Zu glauben scheinen", ein Verb. Die erste Person Indikativ Präsens ist sinnlos, weil ich meine Absichten kenne. Aber das wäre eine Fortsetzung von "Er glaubt".

Oder: Wenn Glaube ein Zustand des Geistes ist so hat er Dauer. Er dauert nicht nur während ich sage, ich glaube. Also ist er eine Disposition. Warum kann ich nicht von mir sagen ich hätte sie? Wie erkennen die Andern meinen Zustand? Sie beobachten mich, sie fragen mich: Meine Antwort ist nicht unbedingt "Ich glaube ..." sondern vielleicht "Es ist so" daraus erkennen sie meine Disposition Und wie erkenne ich sie? Durch Stichproben? -- Meine Disposition ist etwa "Es läßt sich das & das von mir erwarten". Interessiert sie mich nicht?

Ich habe zu meinen eigenen Worten eine ganz andre Einstellung als die Andern.

Ich horche nicht auf sie & lerne daraus etwas über mich. Sie haben zu meinen Taten eine ganz andre Beziehung als zu den Taten Andrer.

Horchte ich auf die Rede meines Mundes, so würde ich sagen können, ein Andrer spreche aus meinem Mund.

"Ich bin in diesen Tagen geneigt zu sagen ..."

Wenn Einer etwas mit großer Überzeugungskraft sagt: glaubt er es jedenfalls während er's sagt? Ist Glauben so ein Zustand?

Er spricht seinen Glauben um nichts besser aus durch "Ich glaube ..." als durch die bloße Behauptung

Mich interessieren meine Worte & meine Handlungen ganz anders als den Andern. (Auch z.B. mein Tonfall.) Ich verhalte mich zu ihnen nicht beobachtend.

Ich kann mich nicht beobachten wie der Andere mich fragen "Was wird dieser jetzt wohl tun?" etc.

Daher kann das Verb "Er glaubt", "Ich glaubte" nicht die Fortsetzung in der ersten Person haben wie das Verb "essen".

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file13.svg)

"Was wäre aber die Fortsetzung die ich mir erwartete?!" Ich kann keine sehen.

"Ich glaube das." -- "Da schein ich also das zu glauben."

"Nach meinen Äußerungen glaube ich das; aber es ist nicht so." "Mir scheint ich glaube das, aber es ist nicht so."

Meine Worte sind meinen Handlungen parallel. Seine seinen.

Andere Koordinaten.

Ich schließe nicht von meinen Worten auf meine vermutlichen Handlungen.

Jene konsequente Fortsetzung wäre "Ich scheine zu glauben".

Die Annahme ist von vornherein umgeben von allen den Formen des Wortes "glauben" von allen den verschiedenen Implikationen. Denn ich beherrsche seine Technik, lang ehe ich über sie nachdenke.

"Nach meiner Äußerung zu urteilen glaube ich das." (Nun, es ließen sich Umstände ausdenken, in denen so eine Äußerung Sinn hätte. Aber von diesem Gebrauch der Worte reden wir nicht.)

Und es könnte Einer auch sagen "Es wird regnen, aber ich glaube es nicht" wenn Anzeichen dafür da wären, daß zwei Personen aus seinem Munde reden. Es würden hier Sprachspiele gespielt die wir uns zwar ausmalen können, die wir aber für gewöhnlich nicht antreffen.

Und dann könnte Einer auch sagen "Es regnet, aber ich glaube es nicht". Man müßte sich dazu Anzeichen ausmalen daß zwei Persönlichkeiten aus seinem Munde sprechen.

Da scheint es ja als wäre die Behauptung "Ich glaube" nicht die Behauptung dessen, wer die Annahme "ich glaube" annimmt! Ich bin also versucht nach einer anderen Fortsetzung des Verbums in der 1. Person Indikativ zu suchen.

Ich denke so: Glauben ist ein Zustand der Seele. Er existiert während einer Zeit er ist nicht an die Zeit seines Ausdrucks gebunden. Er ist also eine Art Disposition Die offenbart mir im Andern sein Benehmen seine Worte. Und zwar ebensowohl sein Ausdruck "Ich glaube" wie die einzige Behauptung Wie ist es nun mit mir? Studiere ich meine Disposition um die Behauptung oder die Äußerung 'Ich glaube' zu machen? -- Aber könnte ich nicht doch wie der Andre ein Urteil über diese Disposition abgeben? Da müßte ich ja wie der Andre auf mich acht geben, auf meine Worte hören! etc.

Jene Fortsetzung fände sich leicht wenn ich nur sagen könnte "Ich scheine zu glauben."

Eine fleckige Wand; & ich beschäftige mich damit, Gesichter in ihr zu sehen; aber nicht um die Natur des Aspekts zu studieren, sondern weil mich jene Gestalten interessieren & das Verlangnis das mich von einer zur andern führt.

Aspekte leuchten immer wieder vor mir auf, andere vergehen, manchmal 'starre ich wie blind' auf die Wand.

Unter dem Fleck könnte auch das Doppelkreuz & der Hase-Entenkopf sein & sie könnten wie die andern & mit ihnen einmal so einmal so gesehen werden.

Das Aufleuchten von Aspekten ist dem Aufleuchten von Vorstellungsbildern verwandt.

Wenn ich es immer als ein ef verwendet habe so habe ich's darum nicht als ein ef gesehen.

"Das kann ein F sein".

Der Aspekt scheint zur Struktur der inneren Materialisation zu gehören.

Wir lernen Sprachspiele. Wir lernen Gegenstände nach ihren Farben ordnen, die Farben von Gegenständen melden, Farbe auf verschiedene Weise erzeugen, Formen vergleichen, melden, messen etc. etc. Lernen wir auch, sie uns vorzustellen?

Es gibt ein Sprachspiel "Melde die Farbe ..." aber nicht "Melde diese Farbe hier."

Es gibt ein Sprachspiel "Melde ob diese Figur in jener vorkommt". (Auch "wie oft" oder "wo".) Was Du meldest ist eine Wahrnehmung.

Man könnte also auch sagen: "Melde ob hier ein Spiegel-ef vorkommt", & es kann einem plötzlich auffallen. Dies könnte von größter Wichtigkeit sein.

Die Meldung aber "Jetzt sehe ich's als-- jetzt als--" meldet keine Wahrnehmung.

Du kannst daran so denken, oder so, dann siehst Du es einmal so einmal so. Wie?

Du kannst daher einmal an das denken, einmal an das, es einmal als das ansehen einmal als das & dann wirst Du's einmal so einmal so sehen. Wie denn?! Es gibt ja keine weitere Bestimmung.

Freilich wenn Du so schaust, die Brauen zusammenziehst z.B. dann siehst Du's grün, aber sonst rot. So könnte mich die Farbe doch übers Objekt belehren. Die Vorschrift wäre eben Du mußt so schaun.

Ich kann die Aspekte des F wechseln & mir keiner andern Willenshandlung dabei bewußt sein.

-- -- -- Denn der Ausdruck der Verwandlung des Aspekts ist auch der Ausdruck der

Kongruenz & Unähnlichkeit.

Sehen & denken im Aspekt.

Ich schaue auf ein Tier. Man fragt mich "Was siehst Du dort?" Ich antworte "Einen Hasen". -- Ich sehe in die Landschaft; plötzlich läuft ein Hase vorbei. Ich rufe aus: "Ein Hase!" Beides, die Meldung & der Ausruf, kann man (einen) Ausdruck der Wahrnehmung & des Seherlebnisses nennen. Aber der Ausruf ist es in anderem Sinn als die Meldung, er entringt sich uns. Er verhält sich zum Erlebnis ähnlich wie der Schrei zum Schmerz.

Aber da er die Beschreibung einer Wahrnehmung ist, kann man ihn auch den Ausdruck eines Gedankens nennen. Und man kann also sagen, daß wer das Tier anschaute nicht an das Tier denken mußte; wer aber das Seherlebnis hat dessen Ausdruck der Ausruf ist, der denkt auch an das was er sieht.

Und darum scheint das Erlebnis des Aspektwechsels halb Seh- halb Gedankenerlebnis.

Beim Sehen des Aspektwechsels beschäftige ich mich mit dem Objekt.

Mit dem, was ich jetzt bemerke, was mir auffällt, beschäftige ich mich. Darum ist das Erleben des Aspektwechsels wie ein Tun.

Es ist ein Aufmerken.

---

Was ist das Kriterium des Seherlebnisses? Was soll das Kriterium sein? Die Darstellung dessen, "was gesehen wird".


Kann ich nun dieses Aufleuchten des Aspekts ein Seherlebnis vor einem Denkerlebnis trennen? Wenn Du es trennst, dann geht der Aspekt verloren.

Wie ist es hier mit dem Doppelkreuz? Es ist wieder Sehen einer Deutung gemäß. Sehen als.


Wenn ich nun diesen Menschen in der Menge erkenne, nachdem ich vielleicht schon längere Zeit in seiner Richtung geschaut habe, -- ist es ein Sehen? ein Denken? Der Ausdruck des Erlebnisses ist "Schau, da ist der ...!" -- aber es könnte natürlich auch eine Skizze sein. Auch in der Skizze & im Skizzieren mag es sich ausdrücken daß ich diesen erkenne. (Aber das plötzliche Erkennen drückt sich darin nicht aus.)

Die Frage ist: warum will man das sagen? Nun, wenn man so fragt, ist es nicht sehr schwer zu beantworten. Nimm an, das Kind erkennt plötzlich einen Menschen. Es sei das erste mal, das es jemand plötzlich erkennt. -- Es ist als wären ihm plötzlich die Augen aufgegangen. Man kann z.B. fragen: Wenn es das so & so plötzlich erkennt, -- könnte es dasselbe plötzliche Seherlebnis haben, aber ohne das Erkennen? Nun, es könnte ihn z.B. falsch erkennen.

Denk, Einer fragte: "Tu ich denn das mit den Augen?"

Derselbe Ausdruck der früher Meldung des Gesehenen war, ist jetzt Ausruf.

Es läuft ein Hase über den Weg. Er kennt ihn nicht & sagt: "Etwas Seltsames ist vorbeigefahren" & beschreibt nun die Erscheinung. Der Andre sagt "Ein Hase!" & er kann ihn nicht so genau beschreiben . Und warum will ich nun demnach sagen daß der, der ihn erkennt, ihn anders sieht, als der ihn nicht erkennt?

Es ist der wohlbekannte Eindruck.

Sieht der das Lächeln welches es nicht als solches erkennt anders als der es als Lächeln erkennt? Er reagiert anders drauf.

Was ist dafür zu sagen, daß er es anders sieht? "Wenn man weiß, was es ist, schaut's anders aus" -- Wieso?

Wie wäre es, wenn Einer es zwar nicht kennte, sich aber gleich darin auskennt? Sieht er's dann wie der, der es kennt? Was soll ich sagen?

Es ist eine Frage der Begriffsbestimmung.

Ich erwähne diese Arten der Aspekte um zu zeigen mit welcher Art der Vielheit man es hier zu tun hat.

Es gibt hier eine Menge mit einander verwandter Erscheinungen & Begriffe.

Manchmal ist das Begriffliche vorherrschend. (Was heißt das?)

Das heißt doch: Manchmal ist der Ausdruck des Aspekterlebnisses nur durch eine begriffliche Erklärung möglich. Und diese kann wieder sehr verschiedener Art sein.

Es ist wichtig hier zu bedenken, daß es eine Menge mit einander verwandter Erscheinungen & Begriffe gibt.

Denk nur an die Worte, die Liebende zueinander sprechen! Sie sind mit Gefühl 'geladen'. Und sie sind gewiß nicht auf Vereinbarung durch beliebige andere Lautreihen ersetzbar. Ist das nicht, weil sie Gesten sind?

Und eine Geste muß nichts Angeborenes sein, sie ist anerzogen, aber eben assimiliert. -- Aber ist das nicht Mythus?! -- Nein. Denn die Merkmale der Assimilation sind eben, daß ich dies Wort gebrauchen will & lieber keines als ein mir aufgedrungenes verwenden will & ähnliche Reaktionen.


"Ich bemerkte die Ähnlichkeit vielleicht 5 Minuten" "Nach 5 Minuten habe ich die Ähnlichkeit nicht mehr bemerkt, zuerst aber sehr stark."

"Nach fünf Minuten ist mir die Ähnlichkeit nicht mehr aufgefallen, zuerst aber sehr stark."

... "Ich bemerkte die Ähnlichkeit vielleicht 5 Minuten lang, dann nicht mehr".

"Sie fällt mir nicht mehr auf" -- aber was geschieht da, wenn sie mir auffällt? Nun, ich schaue das Gesicht so & so an, sage das & das, zu mir oder zum Andern das & das. Aber ist das & das das Auffallen der Ähnlichkeit? Nein, das sind die Erscheinungen des Auffallens, aber diese sind 'was geschieht'.

'Auffallen' ist eine andre (& verwandte) Art Begriff als 'Erscheinung des Auffallens'.

Aber ist das Denken & das Sagen nicht verschiedener Art! & ist das Denken nicht das Auffallen?

Ich kann mir die & die Worte im Innern sagen, ohne an ihren Inhalt zu denken.

Denken & in der Vorstellung sprechen (ich sage nicht "zu sich selbst sprechen") sind verschiedene Begriffe.

Ist das Auffallen: Schauen & Denken? Nein. Viele Begriffe kreuzen sich hier.

Wie weiß der Chemiker daß ein Na Atom an dieser Stelle der Struktur sitzt. Frage nach dem Kriterium nicht psychologische Frage.

Das Kind lernt eine bestimmte Schreibweise der Buchstaben aber es weiß nicht daß es Schreibweisen gibt, kennt den Begriff der Schreibweise nicht.

-- -- -- Wenn nicht, so wird man das nicht wohl eine Blindheit nennen können.

-- -- Nur sein Defekt wird etwa mit diesem verwandt sein.

Wenn ich aber sagen will "Dieses Wort (im Gedicht) stand wie ein Bild da".

"Das Wort (im Gedicht) ist nicht anders als ein Bild dessen was es bedeutet" -- -- --.

Wenn mir der Satz wie ein Wortgemälde vorkommen kann (Aus grünem Ort erschallen Lustgesänge ...)

Wenn mir aber der Satz wie ein Wortgemälde vorkommen kann, ja das einzelne Wort darin wie ein Bild, dann ist es nicht mehr ganz so verwunderlich, daß ein Wort außer jedem Zusammenhang & ohne Zweck ausgesprochen eine bestimmte Bedeutung in sich zu tragen scheint.

Erlebnis der Richtung.

Denke hier an eine besondere Art der Täuschung, die auf diese Dinge ein Licht wirft. Inwiefern ist eine Vorstellung, ein Wort, etc., ein Keim? Sie ist der Anfang einer Ausdeutung. Ich könnte ein Stück von einer Linie sehen & dann sagen, es war die Schulter des N. & dann es sei der N. welcher ..., etc. Ich habe es aber nicht der Linie entnommen, daß sie die Schulter ist etc.

Was heißt es nun, beim Suchen nach einem Namen oder Wort fühle, erlebe, man eine Lücke in die nur ein einziges Ding paßt etc. Nur diese Worte könnten ja der primäre Ausdruck sein statt des Ausdrucks "das Wort liegt mir auf der Zunge". Der Ausdruck James' ist eigentlich nur eine Paraphrasierung des gewöhnlichen.

James will eigentlich sagen: Was für ein merkwürdiges Erlebnis! Das Wort ist nicht da & ist doch schon da, oder etwas ist da, was nur zu diesem Wort heranwachsen kann. Aber das ist gar kein Erlebnis. Die Worte "Es liegt mir auf der Zunge" drücken kein Erlebnis aus & James deutet sie nur als Beschreibung eines Erlebnisinhalts.

"Es liegt mir auf der Zunge" drückt sowenig ein Erlebnis aus wie "Jetzt hab ich's!" Es ist ein Ausdruck den wir in gewissen Situationen gebrauchen & er ist umgeben von einem bestimmten Benehmen auch von manchen charakteristischen Erlebnissen.

Geschieht nicht doch etwas Besonderes, wenn Einem ein Wort einfällt? Horch genau hin. -- Das feine Hinhorchen nützt Dich nichts. Du könntest damit doch nur entdecken, was in Dir selbst zu dieser Zeit stattfindet.

Und wie kann ich gar beim Philosophieren darauf hinhorchen. Und doch kann ich mir's einbilden wie kommt das? Worauf gebe ich eigentlich acht?

Könnte man sich denken daß Menschen das Lügen als eine Art Wahnsinn betrachteten. -- Sie sagen "Es ist doch nicht wahr, wie kann man's denn dann sagen?!" Sie hätten kein Verständnis für die Lüge. Er wird doch nicht sagen, er hat Schmerzen wenn er keine hat! -- Sagt er's doch, so ist er verrückt. Nun versucht man ihnen die Versuchung zur Lüge begreiflich zu machen, aber sie sagen: "Ja es wäre freilich angenehmer wenn er glaubte ..., aber es ist doch nicht wahr!" -- Sie verurteilen das Lügen nicht sosehr als sie es als etwas Absurdes & widerliches empfinden. Wie wenn einer von uns anfinge auf allen vieren zu gehen.


Inwiefern macht die Unsicherheit, die Möglichkeit des Betrugs Schwierigkeit beim Schmerzbegriff?? "Ich bin sicher, er hat Schmerzen" -- was heißt das. Wie verwendet man's. Was ist der Ausdruck der Sicherheit im Benehmen, was macht uns sicher? Nicht ein Beweis. D.h. was mich sicher macht, macht einen Andern nicht sicher. Aber die Diskrepanz hat Grenzen.

Denke nicht ans Sicher-Sein als einen Geisteszustand, eine Art Gefühl, oder dergleichen. Das Wichtige an der Sicherheit ist die Handlungsweise nicht der Ausdruck der Stimme mit dem man spricht.

Der Glaube, die Sicherheit eine Art Gefühl beim Äußern des Satzes. Nun es gibt einen Ton der Überzeugung des Zweifels etc. Aber der wichtigste Ausdruck der Überzeugung ist nicht dieser Ton sondern die Handlungsweise.

Wenn Du daran denkst, man könne sicher sein, daß der Andre Schmerzen hat, so sollst Du nicht fragen "Was geht da in mir vor?" sondern: "Wie äußert sich das?".

Frag nicht „was geht da in uns vor, wenn wir sicher sind ...?" sondern "Wie zeigt es sich?"

Das Denken der Menschen geht im Innern des Bewußtseins in einer Abgeschlossenheit vor sich, gegen die jede physische Abgeschlossenheit Offenheit wäre.

Die Zukunft ist uns verborgen. Aber fühlt der Astronom das, der eine Sonnenfinsternis berechnet.

Das Innere ist verborgen. -- Die Zukunft ist verborgen.


Aber entspricht dem Wort im primitiven Ausruf & in der Mitteilung nicht dasselbe -- nämlich dasselbe Gefühl? Hat das Kind das noch nicht sprechen kann nicht dasselbe Gefühl wie das andre? Wie vergleicht man sie? Nun, so verglichen, ist es das gleiche.

Drückt das Kind auf die primitive Art nicht eben das Gefühl aus, wovon das andere berichtet?

Die logische & die psychologische Unmöglichkeit.

Wen ich, mit offenbarer Ursache, sich in Schmerzen winden sehe, von dem denke ich nicht, seine Gefühle seien mir doch verborgen.

"Es verhält sich so & so".

Einerseits hat es den Satzklang, anderseits das Schreitende des Satzes. Es ist eine Bewegung die anfängt & zu einem Ende kommt. Eben nicht ein Zeichen das etwas bedeutet, sondern etwas, was Sinn hat, was einen Sinn hinstellt, der unabhängig von Wahr- oder Falschheit besteht. Es ist der Pfeil & nicht der Punkt.

(Wo aber ist der Fehler?)

"Es verhält ..." ist eben ein Satz. Aber ich hätte doch nicht einen beliebigen andern sinnvollen Satz statt dessen gebraucht.


Solcher Art ist unser Begriff. -- Aber könnten wir also einen andern haben? Einen der Benehmen, Anlaß & Erlebnis in zwangsläufige Verbindung bringt?

Warum nicht? Wir müßten dann doch so beschaffen sein, daß wir tatsächlich Alle, oder so ziemlich Alle, unter gleichen Umständen gleich reagieren. Denn wenn wir glauben sein Gefühlsausdruck sei echt so benehmen wir uns ja -- im allgemeinen -- anders als wenn wir das Gegenteil glauben.

Aber diese Übereinstimmung besteht nicht & darum wüßten wir nicht, was wir mit einem zwangsläufigen Begriff anzufangen hätten. -- (Sandhaufen.)

-- -- -- -- -- -- weil anderes für die Wahrheit seiner Aussage spricht & die Aussage andre Folgen hat.

... Ist er aufrichtig so kann er sie uns sagen, aber meine Aufrichtigkeit genügt nicht dazu seine Motive zu erraten. Hier ist die Ähnlichkeit mit dem Wissen.

Subjektive & objektive Sicherheit.

Warum will ich sagen, "2 × 2 = 4" ist objektiv sicher "Dieser Mensch hat Schmerzen" nur subjektiv sicher?

Es kann ein Streit über das richtige Resultat einer Rechnung ausbrechen. Aber so ein Streit

ist selten & dann bald

entschieden

Das ist ein Faktum, das für den Zweck der Mathematik wesentlich ist. [Physiker, Papier & Tinte, Zuverlässigkeit]. Es kommt zwischen Mathematikern im allgemeinen nicht zum Streit über das Resultat einer Rechnung. </s>{=html}

Es kann auch Unstimmigkeiten darüber geben, welche Farbe ein Gegenstand hat. Dem Einen erscheint sie ein etwas gelbliches Rot dem andern ein reines Rot. Farbenblindheit kann durch bestimmte Tests erkannt werden.

Diese Übereinstimmung gibt es nicht in der Frage ob eine Gefühlsäußerung geheuchelt, oder echt ist.

Warum nicht? -- Was willst Du wissen? Angenommen Du sagst: "Dieser mißtraut der Äußerung weil er mißtrauischer ist als jener, der ihr traut".


Ich will die Betrachtung über Mathematik die diesen Philosophischen Untersuchungen angehören "Anfänge der Mathematik" nennen.


Die Frage ist, wie kann hier die Disposition des Urteilenden eine wichtige Rolle spielen, wenn sie's sonst nicht tut? Oder auch: Wie kann ein solches Urteil dann wichtig sein? Wie kann man: hier dennoch von einem Urteil sprechen?

Wir spielen mit elastischen, ja auch biegsamen Begriffen. Das heißt nun aber nicht, daß sie beliebig & widerstandslos deformiert werden können, also unbrauchbar sind. Denn hätte Vertraun und Mißtraun keine Grundlage in der objektiven Realität, so wären sie nur von pathologischem Interesse.

Warum aber gebrauchen wir statt dieses vagen nicht bestimmtere Begriffe?

Aber nicht: die objektive Sicherheit besteht nicht, weil wir nicht in des Andern Seele sehen. Dieser Ausdruck bedeutet jenes.

Brächen unter den Mathematikern fortwährend Streitigkeiten über die Richtigkeit der Rechnungen aus, wäre z.B. der Eine überzeugt eine der Ziffern habe sich unvermerkt geändert oder das Gedächtnis habe ihn oder den Andern getäuscht etc. etc., -- so würde es den Begriff der 'mathematischen Sicherheit' entweder nicht geben oder aber er spielte eine andre Rolle als die tatsächliche. Es könnte etwa die der Sicherheit sein, Gott erhöre ein Gebet um Regen; entweder indem er den Regen schicke, oder indem er ihn -- aus den & den & den Gründen -- nicht schicke.

Es hieße dann etwa: "Wir können zwar nie sicher sein was das Resultat einer Rechnung ist, aber sie hat immer ein ganz bestimmtes Resultat, das Gott weiß". Sie ist von der höchsten Sicherheit, wenn wir auch nur ein rohes Abbild von ihr haben.

Wenn ich also sage "In allen Schulen der Welt wird das gleiche Einmaleins gelehrt" -- was ist das für ein Satz? Es ist eine über den Begriff des Einmaleins.

"Bei einem Pferderennen laufen die Pferde, im allgemeinen, so schnell wie sie nur können." So könnte man Einem erklären was das Wort "Pferderennen" bedeutet.

Mit der 'mathematischen Sicherheit' fällt die 'Mathematik'.

Denk an das Erlernen der Mathematik & die Rolle der Formeln.


Zeig wie das ist, wenn man Schmerzen hat. -- Zeig wie das ist, wenn man heuchelt daß man Schmerzen hat.

In einem Theaterstück kann man beides dargestellt sehen. Aber nun der Unterschied!


...Wie würden sie lernen, jene Wörter zu gebrauchen? Und ist das Sprachspiel, welches sie lernen das welches wir den Gebrauch der Farbwörter nennen?

-- -- -- Damit könnte man sagen wollen, daß in keiner unsrer Schulen ein Narr Arithmetik unterrichtet. Es kann aber.

Es gibt Farbenblindheit & Mittel sie festzustellen. Unter den nicht Farbenblinden kommt es, im allgemeinen, über (ihre) Farburteile nicht zum Streit. Dies ist eine Bemerkung über den Begriff der Farburteile.

Und doch bin ich über diesen Ausdruck nicht glücklich. Warum? Ist es nur weil das Kind das Heucheln nicht eigentlich lernt? Ja, es müßte auch die Umgebung des Heuchelns nicht lernen. Denke, es käme ein Kind mit erwachsenem Benehmen zur Welt. Es kann freilich noch nicht sprechen, hat aber z.B. schon entschiedene Ab- und Zuneigungen & bringt Freude, Ekel, Dankbarkeit, etc. durch Mienen & Gebärden klar zum Ausdruck. Muß es also schon mit dem Kopf nicken können? Oder bestimmte Inflexionen der Laute gebrauchen?

... dieses besondere & durchaus nicht einfache Muster in der Zeichnung unsres Lebens.

Und wie sähe nun das Gegenteil aus? -- Wie scharf wären die Grenzen der Evidenz.

Man würde unfehlbar erkennen, wenn Einer z.B. traurig wäre. Aber was ist nun das für ein Begriff der Traurigkeit? Der alte?

Ein Stamm in dem sich niemand je verstellt, oder doch so selten wie bei uns Einer auf der Straße auf allen Vieren geht.

Ja wenn man einem von ihnen Verstellung anriete benähme er sich etwa so wie einer von uns dem man empfiehlt auf allen Vieren zu gehen? Aber was folgt? Es gibt dort also auch kein Mißtraun. Und das ganze Leben sieht nun ganz anders aus, aber darum im Ganzen nicht notwendigerweise schöner.

Aus den Fehlern der Verstellung folgt noch nicht daß Jeder weiß, wie's dem Andern zumute ist. Aber auch das ließe sich denken. -- Schaut er so aus, so ist er traurig. Aber das heißt nicht: "Schaut er so aus, so geht das in seinem Inneren vor", sondern ungefähr "Schaut er so aus, so können wir mit Sicherheit die Schlüsse ziehen die wir oft nur mit Unsicherheit ziehen können; schaut er nicht so aus, so wissen wir daß diese Schlüsse nicht zu ziehen sind".

Das kann man sagen, daß unser Leben sehr anders wäre, wenn die Menschen alles das laut sprächen, was sie jetzt im Stillen zu sich selber sagen, oder wenn dies von außen abzulesen wäre.

Aber denk nun Du kämst in die Gesellschaft, in der wie wir sagen wollen die Gefühle mit Sicherheit an der Erscheinung zu erkennen sind (das Bild vom Innern & Äußern gebrauchen wir nicht). Aber wäre das nicht ähnlich wie wenn man aus einem Land, wo viele Masken getragen werden, in eines kommt, wo keine, oder weniger Masken getragen werden? (Also etwa von England nach Irland).

Das Leben ist eben da anders.

Man wird oft sagen: Ich verstehe diese Leute nicht. Man sagt auch: Ich verstehe die Freude & die Trauer dieses Menschen nicht. Und was heißt das? Nicht dies, daß er eigentlich in meinem Sinn nicht traurig & nicht fröhlich ist? Und was heißt es nun zu sagen: In seinem Innern ginge vielleicht gerade dasselbe in ihm vor wie in mir, es habe nur einen andern Ausdruck?

Bedenke, daß wir den Andern nicht nur dann nicht verstehen, wenn er seine Gefühle versteckt, sondern oft auch dann nicht, wenn er sie nicht versteckt, ja wenn er sein Äußerstes tut, sich verständlich zu machen.

"Das Innere ist verborgen" wäre unter gewissen Umständen als sagte man: "Du siehst nur die äußere Zeichenbewegung einer Multiplikation; die Multiplikation selbst ist uns verborgen."

Die Unsicherheit dessen was im Andern vorsichgeht, ist nicht der Gegensatz seiner eignen Zweifellosigkeit.

Wenn ich sage "Ich weiß nicht mit Sicherheit, was er wünscht" so heißt das nicht: im Gegensatz zu ihm selbst. Denn, was er wünscht, kann mir ganz klar sein, & ich bin deswegen doch nicht er.

Ich kann nur erraten, was er im Kopfe rechnet. Wenn es anders wäre, könnte ich dies jemanden mitteilen & die Bestätigung des Rechnenden erhalten. Aber wüßte ich dann von allen Rechnenden, was sie rechnen? Wie mache ich mit ihm Verbindung? Nun, es läßt sich hier das eine, oder andere annehmen.

Was weiß ich, wenn ich weiß, daß Einer traurig ist? Oder: Was kann ich mit diesem Wissen anfangen? -- Ich weiß etwa, was von ihm zu erwarten ist. Aber wenn ich nun auch weiß, daß das & das ihn aufheitern wird, so ist das eine andre Art des Wissens.

Auch wenn ich jetzt alles hörte was er zu sich sagt, wüßte ich so wenig worauf sich seine Worte beziehen wie wenn ich einen Satz aus der Mitte einer Geschichte läse. Auch wenn ich alles sähe was in ihm jetzt vorgeht, so wüßte ich doch nicht auf wen sich z.B. die Namen & Bilder in seinen Gedanken beziehen.

Du kannst doch nicht erwarten, daß ein Mensch durchsichtiger sein soll als z.B. eine geschlossene Kiste.

Aber das bleibt bestehn daß wir manchmal nicht wissen ob Einer Schmerzen hat oder aber sich nur so stellt. Und wenn's anders wäre, gäbe es verschiedene Möglichkeiten.

Tennis ohne Ball -- Lautloses Reden & Ablesen der Mundbewegung.

"Es ist nicht so, daß, wenn immer Einer schreit, er Schmerzen hat; sondern wenn er unter gewissen schwer beschreibbaren Umständen schreit & sich in einer schwer beschreibbaren Weise benimmt, sagen wir, er habe ... Schmerzen oder habe wahrscheinlich Schmerzen". -- Und was sind Schmerzen? -- Denn ich muß doch dieses Wort erklären können. Nun ich steche ihn etwa mit einer Nadel & sage das sind Schmerzen. Aber so einfach kann es ja nach dem obigen nicht zu erklären sein. Der ganze Begriff Schmerz wird also verwickelt. Die Weise wie wir das Wort gebrauchen lernen also die Weise wie es gebraucht wird, ist kompliziert & schwer zu beschreiben. Es wird etwa zuerst unter gewissen Umständen gelehrt, wo kein Zweifel besteht, d.h. wo von Zweifel nicht die Rede ist.

Die Unsicherheit die immer besteht ist nicht die ob er nicht vielleicht heuchelt (denn er konnte sich ja sogar einbilden zu heucheln) sondern der komplizierte Zusammenhang des Wortes 'Schmerz haben' mit dem menschlichen Benehmen. Warum so ein Begriff nützlich ist, ist eine andre Frage.


Wie kann ich denn lernen diese Umstände zu beschreiben? Hat man mich's denn gelehrt?

Oder, was müßte ich dazu beobachten?

Und ebensowenig kann ich die Umstände beschreiben, -- in denen man sagt, Jemand verstelle sich, heuchle Schmerz. Ist so eine Beschreibung von Interesse? Manches an ihr ist manchmal von Interesse.

Warum kannst Du nicht sicher sein daß sich Einer nicht verstellt? -- 'Weil man in sein Inneres nicht schauen kann." -- Aber wenn Du es könntest, was sähest Du dort? -- "Seine geheimen Gedanken." -- Aber wenn er sie nun auf Chinesisch ausspricht; wohin mußt Du dann schauen? -- "Aber ich kann ja nicht sicher sein, daß er sie wahrheitsgemäß ausspricht!" -- Aber wohin mußt Du schauen um herauszufinden ob er sie wahrheitsgemäß ausspricht?

Auch was im Inneren vorgeht hat nur im Fluß des Lebens Bedeutung.

"Aber für ihn gibt es doch keinen Zweifel darüber ob er sich verstellt, wenn ich also in ihn hineinschauen könnte, gäbe es für mich darüber auch keinen."

Wie wäre es damit: Weder ich noch er kann wissen, ob er sich verstellt. Er mag es gestehen & dabei gibt es freilich keinen Irrtum. Ich mag es mit voller Sicherheit & mit guten Gründen annehmen & die Folge mag mir recht geben.

Oder: Ich kann wissen daß er Schmerzen hat, oder daß er sich verstellt; aber ich weiß es nicht weil ich 'in ihn hinein schaue'.

Aber wenn nun ein Weg gefunden würde seine Nerven funktionieren zu sehen, wäre das nicht wirklich ein Mittel zu finden ob er Schmerzen hat? Nun es könnte ein neues Direktiv unseres Verhaltens sein & auch mehr oder weniger mit den alten Direktiven übereinstimmen. Und könntest Du mehr verlangen, als das Nervensystem funktionieren zu sehen?

Es kann vorkommen, daß ich nicht weiß, ob er sich verstellt oder nicht. Wenn das der Fall ist, woran liegt es? Könnte man sagen: "Daran daß ich sein Nervensystem nicht arbeiten sehe"? Muß es aber an etwas liegen? Könnte ich nicht einfach wissen ob er sich verstellt ohne zu wissen wie ich's weiß?

Ich hätte ganz einfach einen Blick dafür.

Ich weiß nicht, was er hinter meinem Rücken sagt -- aber muß er auch etwas hinter meinem Rücken denken?

D.h.: Auch was in ihm vorgeht ist ein Spiel, & die Verstellung ist in ihm nicht wie ein Gefühl gegenwärtig, sondern wie ein Spiel.

Denn auch, wenn er zu sich selbst spricht, (so) haben seine Worte doch nur als Elemente eines Sprachspiels Bedeutung.

Ich kann nicht wissen ob er sich verstellt, einerseits weil unser Begriff der Verstellung, & also der Sicherheit der Verstellung, der ist, der er ist -- anderseits weil, auch angenommen einen etwas andern Begriff der Verstellung, gewisse Tatsachen sind, wie sie sind. Denn es ließe sich wohl denken, daß uns Kriterien der Verstellung zugänglich wären, die es tatsächlich nicht sind & daß wir sie, wenn sie uns zugänglich würden, auch wirklich zu Kriterien nähmen.

Was verstehe ich von ihm, wenn er nicht weiß, was in mir vorgeht? Wie & in wiefern verstehe ich's.

Physisch versteckt -- logisch versteckt.

Ich sage "Dieser Mensch verbirgt sein Innres". Woher weiß man, daß er es verbirgt? Es gibt dafür also Anzeichen & auch Anzeichen für's Gegenteil.

Es gibt den unverkennbaren Ausdruck der Freude & das Gegenteil.

Unter diesen Umständen weiß man, daß er Schmerzen hat, oder keine hat; unter jenen ist man unsicher.

Frag Dich aber: woran kann man ein Anzeichen für etwas Inneres als untrüglich erkennen? Man kann es doch nur wieder am Äußeren messen. Also kommt es auf den Gegensatz Innen und Außen nicht an.

Es gibt doch Fälle, wo nur ein Wahnsinniger den Ausdruck der Schmerzen (z.B.) für unecht halten könnte.

"Ich weiß nicht ob er mich gern oder ungern hat; ja ich weiß nicht einmal, ob er es selbst weiß."

Ist es logisch, oder physisch unmöglich, zu wissen, ob der Andre sich an etwas erinnert?

Ich sage ich erinnere mich nicht, in Wirklichkeit aber erinnere ich mich.

Was ich sagen will, ist daß es gar nicht drauf ankommt was 'dabei' in mir geschieht. Ich verstecke also eigentlich gar nichts vor ihm, denn wenn auch etwas in mir vorgeht & er das nie sehen kann, so kann was da vorgeht für ihn nicht von Interesse sein. Heißt das also daß ich ihn nicht anlüge? Freilich lüge ich ihn an; aber eine Lüge über innere Vorgänge ist von andrer Kategorie als eine über äußere Vorgänge.

Wenn ich ihn anlüge & er errät es an meinem Gesicht & sagt es mir, -- habe ich noch immer das Gefühl daß mein Inneres vor ihm in keiner Weise zugänglich verborgen sei? Fühle ich nicht vielmehr, daß er mich ganz durchschaut?

Es sind mir besondre Fälle in denen das Innere mir verborgen ist, & es ist also dann nicht verborgen weil es das Innere ist.

Denk wir hätten eine Art Schneckenhaus & wenn unser Kopf draußen ist so wäre unser Denken etc. nicht privat, wohl aber wenn wir ihn einziehen.

Man könnte sich Fälle denken in denen Einer sein Gesicht abwendet, damit der Andre es nicht lesen kann.

Meine Gedanken sind ihm nicht verborgen, wenn ich sie unwillkürlich ausspreche & er hört es. Doch, denn auch dann weiß er nicht ob ich wirklich meine was ich sage, & ich weiß es, ist das richtig? Aber worin besteht nun das, daß ich weiß, ob ich's meine? Vor allem: Kann er's nicht auch wissen?

Wie wäre es denn, wenn mein ehrliches Geständnis unzuverlässiger wäre als das Urteil des Andern? Oder auch: Was ist das für eine Tatsache: daß es nicht so ist? Wenn sich auf mein Geständnis meines Motivs nicht die Konsequenzen bauen ließen, die man im allgemeinen drauf bauen kann, dann gäbe es das ganze Sprachspiel nicht.

Ein Relativitätsproblem.

Ich kann im allgemeinen ein klareres zusammenhängenderes Bild von meinem Leben entwerfen als der Andre.

Man könnte die Frage so stellen: Warum zielt man bei einem Verbrecher z.B. im allgemeinen auf ein Geständnis ab. Heißt dies nicht daß das Geständnis verläßlicher ist als jeder andre Bericht?

Es muß also hier eine allgemeine Tatsache zu Grunde liegen (ähnlich etwa wie die, daß ich die Bewegungen des eigenen Körpers vorhersagen kann.).

Es muß etwa so sein daß ich im allgemeinen von meinen Handlungen einen kohärenteren Bericht geben kann als der Andre. In diesem Bericht spielt das Innere die Rolle der Theorie oder Konstruktion die das übrige zu einem verständlichen Ganzen ergänzt.

Oder doch: Es gibt für meine Zuverlässigkeit andre Kriterien.

Meine Gedanken sind ihm nicht verborgen sondern nur auf eine andre Weise offenbar, als sie's mir sind.

Das Sprachspiel ist eben was es ist.

Wenn man vom logischen Versteckten spricht so ist das eine schlechte Interpretation.

"Ich weiß, was ich meine." Was heißt das? Etwa, daß ich nicht bloß so daher geredet habe, daß ich erklären kann, was ich meine & dergleichen. Aber wäre es richtig, es von meiner gewöhnlichen Rede zu sagen? Oder weiß es der Andre nicht ebensogut.

"Ich weiß, ob ich lüge oder nicht." Die Frage ist wie wird die

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file14.svg)

lügenhafte Äußerung zu etwas Wichtigem:

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file15.svg)

Betrachte die Verstellung nicht als ein peinliches Anhängsel, als eine Störung des Musters.

Man kann sagen "Er versteckt seine Gefühle". Das heißt aber daß sie nicht a priori immer versteckt sind. Oder auch: Es gibt zwei Aussagen die einander widersprechen: Die eine ist daß die Gefühle wesentlich versteckt sind; die andre, daß jemand seine Gefühle vor mir versteckt.

Kann ich nie wissen was er fühlt, dann kann er sich auch nicht verstellen.

Denn Verstellen muß doch heißen den Andern dazu bringen, daß er mein Gefühl falsch rät. Wenn er es nun aber richtig errät & der Richtigkeit sicher ist, so weiß er's. Denn ich kann ihn eben auch dazu bringen daß er meine Gefühle richtig errät & über sie nicht im Zweifel ist.

Das Innere ist uns verborgen, heißt, es ist uns verborgen in einem Sinne, in dem es ihm nicht verborgen ist. Und dem Besitzer ist es nicht verborgen in dem Sinne, daß er es äußert & wir der Äußerung unter gewissen Bedingungen Glauben schenken & es da den Irrtum nicht gibt. Und diese Asymmetrie des Spiels bringt man mit dem Satz, das Innere sei uns verborgen, zum Ausdruck.

Es gibt offenbar einen Zug des Sprachspiels der die Idee vom Privat- oder Verstecktsein nahelegt -- & es gibt auch etwas, was man das Verstecken des Innern nennen kann.

Sähe man das Arbeiten der Nerven so würden uns die Äußerungen wenig bedeuten & Verstellung wäre anders.

Oder soll ich sagen das Innere sei nicht versteckt, sondern versteckbar? Er kann es in sich verstecken. Aber das ist wieder falsch.

"Er schreit, wenn er Schmerzen hat, nicht ich." Ist das ein Erfahrungssatz?

"Ich heuchle Schmerzen" steht nicht auf einer Stufe mit "Ich habe Schmerzen". Es ist ja nicht die Äußerung des Heuchelns.

"Warum sagt man Einer habe Schmerzen?" Das ist eine sinnvolle Frage, & die Art der Antwort ist klar -- "Wann sagt man Einer heuchle Schmerzen?" Das muß doch auch eine sinnvolle Frage sein.

Kann man sich denn denken, die Schmerzzeichen & Schmerzanlässe seien ganz anders als sie sind? Sie seien etwa die der Freude? -- Also bestimmen die Schmerzzeichen & das Schmerzbenehmen den Begriff Schmerz Uns sie bestimmen auch den Begriff 'Schmerzen heucheln'.

Könnte man sich eine Welt denken in der es Heucheln nicht geben könnte?

Wenn man 'traurig ist weil man weint' warum hat man dann nicht auch Schmerzen weil man schreit?

Man muß die Begriffe 'Schmerzen haben' & 'Schmerzen heucheln' in der dritten & ersten Person betrachten. Oder auch: der Infinitiv hat alle Personen & Zeiten hinter sich. Nur das Ganze ist das Instrument, der Begriff.

Aber wozu dann dies komplizierte Ding? Nun unser Betrügen ist doch verdammt kompliziert.

Und wie ist es mit dem privat, oder versteckt sein des Gefühls?

Eine Gesellschaft in der die herrschende Klasse eine Sprache spricht, die die dienende Klasse nicht lernen kann. Die obere Klasse legt Wert darauf, daß die untere nie erraten soll was jene fühlen. Sie werden dadurch unbemerkbar, geheimnisvoll.

Was für eine Art Verstecken ist das Sprechen einer dem Andern unverständliche Sprache?


Ist das wenn-Gefühl (z.B.) die Bereitschaft eine bestimmte Geste zu machen. Und besteht darin die Verwandtschaft mit Gefühlen?

Das Wort "wenn", mit diesem Ausdruck gesprochen, deuten wir als den Ausdruck eines Gefühls.

Frage: ist das wenn-Gefühl das gleiche, wie das if-Gefühl?

Die Verwendung (des Worts) scheint zum Wort zu passen. Wenn man sie entscheiden will spricht man sich die Wörter mit charakteristischer Intonation aus.


Statt "Einstellung zur Seele" könnte man auch sagen: "Einstellung zum Menschen."

Ich könnte von einem Menschen ja immer sagen er sei ein Automat (das könnte ich so in der Schule beim Physiologieunterricht lernen) & es würde doch meine Einstellung zum Andern nicht beeinflussen. Ich kann es ja eben auch von mir selber sagen.

Was aber ist der Unterschied zwischen einer Einstellung & einer Meinung? Ich möchte sagen: Die Einstellung kommt vor der Meinung. (Ist aber nicht der Glaube an Gott eben eine Einstellung?)

Wie wäre dies: Nur der glaubt es, der es als Mitteilung aussprechen kann.

Eine Meinung kann sich irren. Aber wie sähe hier ein Irrtum aus?


Ist das wenn-Gefühl das Korrelat eines Ausdrucks? -- Nicht allein. Es ist das Korrelat der Bedeutung & des Ausdrucks.

Die Atmosphäre des Wortes ist die Verwendung. Oder: Wir stellen uns seine Verwendung als Atmosphäre vor.

Die 'Atmosphäre' des Wortes ist ein Bild seiner Verwendung.

Wir betrachten das Wort in einer bestimmten Umgebung, mit bestimmtem Tonfall gesprochen, als Gefühlsausdruck.

Die Stelle hat einen starken Ausdruck. Sie ist ungeheuer ausdrucksvoll. Ich wiederhole sie mir immer wieder & wieder, mache eine besondre Gebärde, paraphrasiere sie. -- Aber ein Gefühl?? Wo ist es? Beinahe möchte ich sagen: im Magen. Und doch ist sofort klar, daß kein (solches) Gefühl die Stelle ausschöpft. Die Stelle ist eine Gebärde. Oder sie ist mit unsrer Sprache verwandt. Man könnte sich auch ein Gemälde denken, die in gleicher Weise eindrucksvoll wäre.

Das Wenn-Gefühl: Ließe sich ein Gedicht vorstellen, in dem wir dies Gefühl besonders stark erhielten? ('Sabel'gefühl)

Nur ich kann meine Gedanken, Gefühle etc. äußern.

Die Äußerungen meiner Gefühle können unecht sein. Insbesondere können sie verstellt sein. Das ist ein andres Sprachspiel als das primitive, der echten Äußerungen.

Ist daran etwas verwunderlich?

Ist an der Möglichkeit des primitiven & des komplizierteren Sprachspieles etwas verwunderlich?

"Das Kind weiß noch zu wenig, um sich zu verstellen". Ist das richtig? Die Frage ist doch: Wann würden wir von einem Kind (z.B.) sagen, es verstelle sich? Was muß es alles können, damit wir das sagen? Erst in einem verhältnismäßig komplizierten Lebensmuster reden wir von Verstellung.

Oder auch: Erst in einem verhältnismäßig komplizierten Lebensmuster nennen wir Gewisses mögliche Verstellung.

Dies ist natürlich eine nicht gewöhnliche Betrachtungsweise.

Es ist gleichsam eine rein geometrische Betrachtungsweise. Eine in die Ursache und Wirkung nicht eintreten.

Man könnte doch fragen: "Wie schaut eine Schlacht (z.B.) aus?" Welches Bild bietet sie dar? Wobei es uns gleichgültig ist ob der Säbel den Schädel spaltet & ob der Mensch hinfällt weil ihm der Schädel gespalten wurde.

Zu sagen "Er weiß, was er denkt" ist Unsinn. "Ich weiß was er denkt" mag wahr sein.

Wenn Menschen wirklich, wie ich annehme, das Nervensystem des Andern funktionieren sehen könnten & danach ihr Verhalten zum Andern einrichteten, so hätten sie, glaube ich, gar nicht gar nicht unsern Schmerzbegriff (z.B.), obgleich vielleicht einen verwandten. Ihr Leben sähe eben ganz anders aus, als das unsre.


D.h. ich betrachte dieses Sprachspiel als autonom. Ich will es nur beschreiben, oder betrachten, nicht rechtfertigen.

Ich sage nicht, die Evidenz mache das Innere nur wahrscheinlich. Denn mir geht an dem Sprachspiel nichts ab.

Daß die Evidenz dies nur wahrscheinlich macht, besteht darin, daß

"Aber ich muß doch mit Recht, oder mit Unrecht, sagen können, jemand habe Schmerzen, oder verstelle sich!" -- Recht & Unrecht gibt es nur soweit die Evidenz reicht.

Aber ich kann mir doch auf jeden Fall denken daß ich Recht, oder Unrecht, habe, -- ob nun die Evidenz zureichend ist oder nicht! Was nützt es mir, daß ich's denken kann? -- Mehr, als daß ich's sagen kann? -- Mir mag freilich ein Bild vorschweben, aber wie weiß ich, daß, & wie, es sich brauchen läßt?

Mir müßte also das Bild und sein Gebrauch vorschweben.

Zuerst könnte man sagen, daß es unsre Bestimmung sei, ob wir etwas als sicheres Kriterium von Schmerz (z.B.) ansehen, ob wir alles dies überhaupt als Kriterium für etwas ansehen. Aber dann müssen wir sagen, daß das Ganze nicht unsre Bestimmung ist, sondern ein Teil des Lebens.

Kann ein Idiot zu primitiv sein um sich zu verstellen? Er könnte sich auf tierischer Art verstellen. Und das zeigt daß es von da an Stufen der Verstellung gibt.

Es gibt sehr einfache Formen der Verstellung. Es ist also vielleicht unwahr, zu sagen ein Kind müsse viel lernen, ehe es sich verstellen kann. Es muß dazu freilich heranwachsen, sich entwickeln.

Ein Tier kann nicht auf ein Ding zeigen, das es interessiert.

Von Verstellung wird man nur sprechen, wenn verschiedene Fälle & Grade der Verstellung vorliegen.

Es muß eine große Mannigfaltigkeit von Reaktionen vorhanden sein.

Ein Kind muß sich weit entwickelt haben, ehe es sich verstellen kann, viel gelernt haben, ehe es heucheln kann.

D.h.: Heucheln ist nicht eine Erfahrung.

Die Möglichkeit der Verstellung scheint eine Schwierigkeit zu erzeugen. Denn sie scheint die äußere Evidenz wertlos zu machen, d.h. die Evidenz zu annullieren.

Man will sagen: Entweder hat er Schmerzen, oder er erlebt das Heucheln. Alles Äußere kann dies & jenes ausdrücken.

Vor allem hat die Verstellung ihre eigenen äußeren Zeichen. Wie könnten wir sonst überhaupt über Verstellung reden?

Wir reden also über Muster im Lebensteppich.

Willst Du also sagen, daß es das Lebensmuster des echten & des geheuchelten Schmerzes nicht gibt? Aber kann ich sie beschreiben?

Denk Dir es handelte sich wirklich um Muster auf einem langen Band. Das Band zieht an mir vorbei & ich sage einmal "dies ist das Muster S", einmal "das ist das Muster V". Manchmal weiß ich für einige Zeit nicht, welches es ist; manchmal sage ich am Ende "Es war keins von beiden". Wie könnte man mich lehren, diese Muster zu erkennen? Man zeigt mir einfache Beispiele, dann auch komplizierte von beiden Arten. Es ist beinahe, wie ich den Stil zweier Komponisten unterscheiden lerne. Warum zieht man aber bei den Mustern diese schwer faßliche Grenze? Weil sie in unserm Leben von Wichtigkeit ist.

Die Hauptschwierigkeit entsteht dadurch daß man sich das Erlebnis (den Schmerz z.B.) als ein Ding vorstellt, für welches wir natürlich einen Namen haben & dessen Begriff also ganz leicht faßlich ist. Wir wollen also immer sagen: Was "Schmerz" bedeutet, wissen wir (nämlich dies) & so liegt also die Schwierigkeit nur darin daß man eben dies im Andern nicht mit Sicherheit feststellen kann. Daß hier der Begriff 'Schmerz' erst untersucht wird, sehen wir nicht. Das gleiche gilt von der Verstellung.

Warum bilden wir keinen einfachern Begriff? -- Weil er uns nicht interessieren würde. -- Aber was heißt das? Ist es die richtige Antwort?

Soll ich sagen: Unsre Begriffe werden von unserm Interesse, also von unsrer Lebensweise, bestimmt?

Wir lernen als Kinder zugleich die Begriffe & was man mit ihnen macht. Es kommt vor, daß wir später einen neuen & für uns zweckmäßigern Begriff einführen. -- Das wird aber nur in sehr bestimmten & kleinen Gebieten vorkommen & es setzt voraus, daß die meisten Begriffe unverändert bleiben.

Könnte ein Gesetzgeber den Schmerzbegriff abschaffen?

Gewisse Begriffe sind so eng mit dem Fundamentalsten in unsrer Lebensweise verflochten, daß sie darum unangreifbar sind.


In allen meinen Aussagen setze ich voraus daß dort ein Haus steht. Oder vielmehr: es ist in ihnen dies vorausgesetzt. Also etwa:

A ist in diesem Haus = Es steht dort ein Haus & A ist darin.

Ist es richtig zu sagen daß der Befehl

"Geh in's Haus!" voraussetzt, daß dort ein Haus steht & daß der Befehlende es weiß?

Wer sagen würde "Geh in dieses Haus" wenn kein Haus dort ist, von dem würden wir sagen: "Er glaubt, daß dort ein Haus ist". Aber ist dies weniger richtig wenn wirklich eins dort ist?

Aus einem praktischen Satz kann kein philosophischer folgen.

Moore's Satz war ein unbestimmt gelassener praktischer.


Können wir uns denken, daß andre Menschen andere Farbbegriffe haben? -- Die Frage ist: sollen wir andere Begriffe Farbbegriffe nennen? Glaubt der Hund sein Herr sei vor der Tür, oder weiß er es?

Schlechter Einfluß der Aristotelischen Logik. Die Logik der Sprache ist unendlich viel komplizierter, als sie aussieht.

Die Beispiele die Philosophen in der 1. Person geben sind in der 3. zu untersuchen.

Denk Dir die Situation in der wir Einen fragen können: "Glaubst Du das, oder weißt Du's?"

In welchen Fällen sagt man "Er weiß es", in welchen "Er weiß es nicht"?

Überleg Dir die Frage: "Weiß er, daß das ein Buch ist?" Und insbesondre den Gebrauch des Wortes "das".

"Ich sehe es genau & weiß, daß es ein Buch ist".

"Ich weiß daß das ein Baum ist." -- "Daß was ein Baum ist?" "Ich weiß nicht, ob es ein Baum ist, aber ich weiß, daß es ein Körper ist".

Du sagst "Das ist ein Baum" & auch daß Du mit "Das" das Gesichtsbild meinst. Das erlaubt eine Substitution im ersten Satz.

Wenn man sagt "Ich weiß, daß diesem Eindruck ein Körper entspricht" so bezieht man sich auf eine Bestätigung durch andere Eindrücke. Wenn man nun so eine Bestätigung nicht anerkennt, -- ändert man das Sprachspiel.

"Ich weiß".

"Ich bin sicher".

Wir sagen z.B. "Ich weiß daß es so ist" wenn uns jemand ein wohlbekanntes Faktum mitteilt. Wir sagen in diesem Falle nicht "Ich bin sicher daß es so ist". ("Ich weiß, daß da der Schneeberg ist"). Antwortete ich "Ich bin sicher daß es der Schneeberg ist" so würde man sagen "Es unterliegt gar keinem Zweifel"!

Denk man erklärte "Ich weiß es" als: Ich habe es gelernt & es unterliegt keinem Zweifel.

Denke, es zweifelte Einer daran, daß ein Baum "Baum" heißt.

"Ich weiß daß das die Erde ist" -- wobei ich mit dem Fuß auf die Erde stampfe.

Zweifeln. Was ist das für ein Spiel, in dem man fragt: "Wie sicher ist für Dich dieser Satz?"

Wäre es richtig zu sagen: "Ich setze mich nieder, weil ich weiß, daß dies ein Sessel ist; ich greife nach etwas, weil ich weiß daß dies ein Buch ist; etc. etc." Was ist damit gewonnen? Ich sage damit, daß alle diese Zweifel für mich nicht existieren. Ferner daß sie nicht darum nicht existieren. Zweifel über all dies erhebt sich nicht. Aber das ist nicht genug. In einer gewissen Klasse von Fällen wissen wir nicht was der Zweifel für Folgen hätte, wie er zu beseitigen wäre, also welchen Sinn er hat


Worin besteht denn dieser Glaube, 'daß unsre Begriffe die einzig vernünftigen sind'? Daran daß wir uns nicht vorstellen, daß andern Menschen an ganz anderem liegt & daß unsre Begriffe mit dem zusammenhängen, was uns interessiert, worauf's uns ankommt.

Ferner aber hängt unser Interesse mit besondern Fakten in der Außenwelt zusammen.

Müssen wir aber immer den Grund für eine Begriffsbildung angeben können?

"Das wäre gar kein Lächeln".

Warum soll zum Lächeln nicht eine Bewegung gehören?

"Das Lächeln hat etwas Maschinelles." "Es ist eigentlich kein richtiges Lächeln." "Rochieren" nennt man etwas nur im Schachspiel.

"Warum haben wir einen Begriff 'sich verstellen'?" -- "Nun, weil die Menschen sich oft verstellen." -- Ist das die richtige Antwort?

Wie wäre es, wenn Jemand antwortete: "Weil wir mit diesem Begriff das tun können, was wir tun wollen"? Ist es nicht, als fragte man: "Warum haben wir den Begriff der irrationalen Zahlen?" Wie könnte man das beantworten?

Wir anerkennen die Aussage des wahrhaftigen Menschen über das, was er gerade gedacht hat, sowie über das was er geträumt hat.

Auch wenn wir die Gedanken eines Menschen oft erraten könnten & sagten wir wissen sie, so könnte das Kriterium dafür nur sein, daß er selbst unser Raten bestätigte. Es sei denn, daß wir den Begriff des Gedankens ganz ändern.


Wir malen ein gelbes, grünes, blaues, rotes klar durchsichtiges Glas mit verschiedenen Hintergründen, so daß uns deutlich wird, worin der Augenschein der farbigen Klarheit besteht. Und nun wollen wir nach Analogie jener Fälle das Bild eines weißen klar durchsichtigen Glases malen.

Wir können uns hier physikalisch ausdrücken, obwohl uns das Physikalische nicht interessiert. Es ist ein gutes Bild dessen, was wir beschreiben wollen. -- Ein klares gelbes Glas reflektiert kein gelbes Licht in's Auge, also scheint uns das Gelb nicht im Glas lokalisiert. Mattes Schwarz durch gelbes Glas gesehen ist schwarz, Weiß ist gelb. Also muß, nach Analogie, Schwarz durch klares Weiß schwarz erscheinen, weiß weiß, also ganz so wie durch ein farbloses Glas. -- Soll nun Rot weißlich erscheinen? also rosa? Aber wie wird dann ein dunkles Rot, das sich gegen das Schwarze zuneigt, erscheinen? Es sollte ein schwärzliches Rosa also ein Graurot werden, aber dann dürfte Schwarz nicht schwarz bleiben.

3rd middle July

2nd end May

Consul [unreadable] Brit Ren 30 [unreadable]</s>{=html}

Mit 'reinem Weiß' meint man oft die hellste der Farben, mit Schwarz die dunkelste; aber nicht auch mit reinem Gelb Rot, etc..

Weiß durch Gelb gesehen würde nicht gelblichweiß, sondern *Gelb*. Gelb durch Weiß gesehen, soll es weißlichgelb oder Weiß werden? To Ithaca

3rd booked till July

2nd booked till end April

From N.Y.

3rd class min. £40

2nd class min. £55

</s>{=html} Im ersten Fall wirkt das 'weiße' Glas wie farbloses, im zweiten wie undurchsichtiges.

Ich will also sagen: Der 'reine' Farbbegriff, den man sich aus unseren gewöhnlichen Farbbegriffen machen möchte ist eine Chimäre. Es gibt freilich verschiedene Farbbegriffe & unter ihnen solche die man reiner & unreiner nennen kann.

Statt "Chimäre" hätte ich sagen können "falsche Idealisierung". Falsche Idealisierungen sind vielleicht die platonischen Ideen. Wenn es so etwas gibt, dann muß, wer falsch idealisiert, Unsinn reden, -- weil er eine Redeweise, die in einem Sprachspiel gilt, in einem andern, wo sie nicht hingehört, verwendet.

Wenn Typen irgendwo aufgehoben sind, wer sagt, welche Typen? -- Alle, die sich denken lassen?!

Was ist die ideale Repräsentation der Farbe? Ist es nicht so etwas, wie durch eine Röhre schauen & einen kleinen roten Kreis (z.B.) sehen? -- Und soll ich nun die Farben nach dieser Erfahrung nennen? Gut, aber nun muß ich diese Farbwörter doch auch in ganz anderen Fällen anwenden. Und wie soll ich sie mit mit den Farben um mich herum vergleichen? Und wie nützlich wird so ein Vergleich sein? -- Oder ist die ideale Weise eine Farbe zu zeigen, das ganze Gesichtsfeld mit ihr zu erfüllen? Wie wenn man den Blick gegen den blauen Himmel richtet? Aber die alte Frage besteht auch hier. Denn vergiß auch nicht, daß Dein Blick schweift & es nicht die Beschreibung dessen gibt, was Du siehst.


'Es hat keinen Sinn: er wisse meine Gedanken.' So ist das Forschen nach den Gedanken des Andern nicht das Spiel, wo "wissen" angewendet werden soll. -- So bezieht sich der Satz auf's ganze Sprachspiel. Sagt aber der Astronom wenn er eine Mondesfinsternis berechnet, die Zukunft könne man nie wissen? Man sagt es, wo man sich über sie unsicher fühlt. -- Sagt der Fabrikant, man könne natürlich nicht wissen, ob seine Automobile funktionieren werden?

Wer jenen Satz sagt, macht eine Unterscheidung. Ziehe eine Grenze; & es mag eine wichtige Grenze sein. -- Wird sie durch die tatsächliche Ungewißheit wichtiger?

Man kann dann fragen: Was ist denn das Charakteristikum dessen, was wir wirklich wissen können? Und die Antwort wird sein: Wissen kann man nur wo kein Irrtum möglich ist, oder: wo es klare Regeln der Evidenz gibt.

"Ich weiß, daß er mich gern gesehen hat." -- Was folgt daraus? Was von Wichtigkeit? Vergiß, daß Du die richtige Vorstellung seines Seelenzustandes hast! Kann ich wirklich sagen, daß die Wichtigkeit dieser Wahrheit darin liegt, daß sie gewisse Folgen hat? -- Es ist angenehm mit jemand zu sein, der sich freut einen zu sehen, der sich so & so benimmt (wenn man von früher her mancherlei über dies Benehmen weiß).

Wenn ich also weiß, daß er sich freut, so fühle ich mich sicher, nicht unsicher in meinem Vergnügen. Und das, könnte man sagen, sei kein Wissen. -- Anders ist es aber doch, wenn ich weiß, daß er sieht, was er zu sehen vorgibt.

"Ich weiß, daß er sich aufrichtig gefreut hat, mich zu sehen." :::

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II MS 170

Menschen, die den Begriff 'morgen' nicht haben. Sie könnten noch eine recht ausgebildete Sprache haben: verschiedene Befehle, Fragen, Beschreibungen. Könnten wir uns mit ihnen verständigen? -- Könnten wir ihnen aber beschreiben wie Menschen das Wort "morgen" gebrauchen, ohne es sie zu lehren? Welchem Zweck könnte die Beschreibung dienen? 'Morgen' spielt eine so große Rolle, weil für uns der Wechsel von Tag & Nacht so wichtig ist. Wäre er's nicht ...

Wollte man eine beiläufige Beschreibung des Spiels mit "morgen" geben, analog einer beiläufigen Beschreibung der Differentialrechnung, so müßte sie viel primitiver sein, & es wäre schwer, sich einen Zweck für sie zu denken. Denke aber, welchen Begriff sich Leute vom gekrümmten Raum machen.

Auch wenn das Benehmen eines Menschen an sich sehr regelmäßig ist, ist es uns doch schwer diese Regelmäßigkeit zu lernen, wenn sein Benehmen fremdartig, von unserm abweichend ist. Man sagt dann etwa "Ich kann mich nicht daran gewöhnen, daß er ...". Denk auch, daß der Wunsch die Erwartung erzeugt.

Die Sprache eines, der als Schwachsinniger unter normalen Menschen lebt & von ihnen gepflegt wird. Er kennt vielleicht den Begriff 'morgen' nicht.

Operieren mit Begriffen durchsetzt unser Leben. Ich sehe irgend eine Analogie mit einem sehr allgemeinen Gebrauch von Schlüsseln. Wenn man etwa, um irgend etwas zu bewegen immer ein Schloß zu öffnen hätte.

Kann der Psychologe uns lehren, was Sehen ist? Er lehrt uns den Gebrauch des Wortes "sehen" nicht. Ist "sehen" ein Fachwort der Psychologie? Ist "Hund" ein Fachwort der Zoologie? -- Der Psychologe entdeckt vielleicht Unterschiede zwischen Menschen, welche im gewöhnlichen Leben nicht bemerkt werden & sich nur unter den Bedingungen eines Experiments zeigen. Aber Blindheit ist nicht etwas, was der Psychologe entdeckt. Wäre Sehen etwas, was der Psychologe entdeckt hat, so könnte das Wort "sehen" hier nur eine Form des Verhaltens, eine Fähigkeit so & so zu handeln bedeuten.

Lehrte also der Psychologe "Es gibt Menschen welche sehen", so müßte er uns nun das Verhalten dieser sehenden Menschen beschreiben können. Damit aber hätte er uns den Gebrauch der Form "Ich sehe etwas rotes rundes" z.B. nicht beigebracht, & zwar auch dem Sehenden nicht.

Könnte nicht ein Sehender ganz ohne das Wort "sehen" auskommen? Er sagt etwa "Dort ist ...". Ein normales Kind könnte lange ohne das Wort "sehen" auskommen, aber nicht z.B. ohne die Wörter "rot", "gelb", "rund".

Wenn ich den Verlauf meiner Schmerzen beobachte, welche Sinneseindrücke soll ich gehabt haben, wenn ich nicht beobachtet hätte? Hätte ich nichts gefühlt? oder es mir nur nicht gemerkt?

"Ich hätte es nicht gesehen, wenn ich es nicht beobachtet hätte." Worauf beziehen sich die Wörter "es"? Auf das Gleiche? "Ich hätte den Schmerz nicht gefühlt, wenn ich den Schmerz nicht beobachtet hätte." Aber man kann doch sagen "Beobachte Deinen Schmerz" & nicht "Fühle Schmerz!".


Prüfe: "Die meisten Sessel verdampfen nicht." "Wäre so etwas geschehen, so hätte ich bestimmt davon gehört."

Freilich kann man auch hier sagen "Es ist immer so gewesen, also wird's auch diesmal so sein:" -- aber wie weiß man, daß es immer so war?

Das eine scheint vom andern gestützt, aber keines liegt offenbar dem andern zu Grunde.

Wir sagen "Ohne jeden Zweifel ist es so", & wissen nicht, wie sehr diese Sicherheit unsre Begriffe bestimmt. Wir würden auf die Frage "hat die Erde wirklich schon vor Deiner Geburt existiert" halb ärgerlich & halb verlegen antworten "Ja selbstverständlich!" & uns dabei bewußt sein daß wir einerseits gar nicht im Stande sind Gründe dafür anzugeben, weil es scheinbar zu viele dafür gibt, & anderseits, daß ein Zweifel unmöglich ist, & man dem Fragenden gar nicht durch eine besondere Belehrung antworten kann sondern indem man ihm nach & nach ein Bild unsrer Welt beibringt. :::

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II MS 171

Inneres, in dem es entweder so, oder so ausschaut; wir sehen es nicht. In meinem Innern ist es entweder rot oder blau. Ich weiß es, der Andre weiß es nicht.

Wäre die Verstellung nicht ein kompliziertes Muster, so wäre es denkbar, daß sich das neugeborene Kind verstellt.

Ich will also sagen, daß es einen ursprünglichen echten Schmerzausdruck gibt; daß also der Schmerzausdruck nicht gleichermaßen mit dem Schmerz & der Verstellung verbunden ist.

D.h.: die Schmerzäußerung ist nicht gleichermaßen mit dem Schmerz & der Verstellung verbunden.

Nicht das ist uns der wichtige Aspekt, daß die Evidenz das Erlebnis des Andern 'nur wahrscheinlich macht', sondern, daß wir gerade dies als Evidenz für etwas Wichtiges betrachten.

Aber angenommen, das Kind käme gleich so auf die Welt, daß es sich verstellen kann, ja so, daß seine erste Schmerzäußerung Verstellung ist. -- Wir könnten uns eine mißtrauische Einstellung zum neugebornen Kind vorstellen: aber wie würden wir es das Wort "Schmerz" (oder "Wehweh") lehren? Etwa in fragendem Tonfall. Wir würden dann etwa ein konsistentes Benehmen als Beweis der Echtheit ansehen.

Bedenke, daß Du das Kind den Begriff lehren mußt. Also mußt Du es die Evidenz (sozusagen das Gesetz der Evidenz) lehren.

Bemerkenswert ist der Begriff, zu dem dies Spiel der Evidenz gehört.

Unsere Begriffe, Urteile, Reaktionen erscheinen nie bloß in Verbindung mit einer einzelnen Handlung, sondern mit dem ganzen Gewimmel der menschlichen Handlungen.

Nur ich weiß meine Gedanken, ist wirklich dasselbe wie: nur ich denke meine eignen Gedanken.

Kann man sich Menschen denken, die Verstellung nicht kennen & denen man sie nicht erklären kann? Kann man sich Menschen denken, die nicht lügen können? -- Was würde diesen Menschen sonst noch abgehen? Wir sollten uns dann wohl auch denken, daß sie nichts erdichten können & Erdichtetes nicht verstehen.

Wer sich nicht verstellen könnte, könnte auch nicht eine Rolle spielen.

Ist nicht die Schwierigkeit, daß die Verstellung in der Absicht liegt? Denn wir könnten doch das Schmerzbenehmen genau nachahmen, ohne uns zu verstellen.

Die Fähigkeit sich zu verstellen liegt also in der Fähigkeit zur Nachahmung, oder in der Fähigkeit zu dieser Absicht. Wir müssen aber doch annehmen, daß das Subjekt die Worte "Ich habe Schmerzen" sagen kann. Es handelt sich also um die Fähigkeit zur Absicht. Ist es z.B. möglich sich Menschen vorzustellen, die darum nicht lügen können, weil die Lüge für sie nichts als ein Mißklang wäre. Ich will mir einen Fall denken, wo die Menschen nicht aus Moralität wahrhaftig sind, sondern in der Lüge etwas Absurdes sehen.

Wer lügt würde als geisteskrank angesehen. Besser ausgedrückt: Das Lügen oder die Verstellung müßte diesen Leuten als Perversität erscheinen.

Ist es richtig zu sagen das fixe Lächeln wäre eigentlich kein Lächeln? Wie erkennt man, daß es keines ist?

Lächeln ist eine Miene in einem normalen Mienenspiel. -- Aber ist das eine willkürliche Festsetzung? So lernen wir das Wort gebrauchen.

Nicht die Bemerkung ist uns wichtig ... sondern die, daß dies Verwickelte uns eine Evidenz ist.

Jemand stöhnt in der Narkose oder im Schlaf. Man fragt mich "Hat er Schmerzen?" Ich zucke die Achsel oder sage "Ich weiß nicht, ob er Schmerzen hat". Manchmal erkenne ich etwas als Kriterium dafür an, manchmal aber nicht. Nun, meine ich dann nichts damit? Doch: Ich mache ja den Zug in einem bestehenden Spiel. Aber es gäbe dieses Spiel nicht, wenn es nicht Kriterien in andern Fällen gäbe. Der Zweifel in den verschiedenen Fällen hat sozusagen verschiedene Färbung. Man könnte sagen "verschiedenen Wahrheitswert".


"Ich weiß zufälligerweise, daß das ein Bergahorn ist; ein Bergahorn ist ein äußerer Gegenstand, also gibt es äußere Gegenstände".


Etwas stellt sich als Schmerz oder als Verstellung heraus. Und das ist den Begriffen 'Schmerz' & 'Verstellung' wesentlich, auch wenn es sich nicht in jeder ihrer Anwendungen herausstellt.

"Beyond a reasonable doubt"

Ich weiß ... = Ich bin sicher, daß es so ist & es ist so. Ich wußte ... = Ich war sicher, daß es so ist & es war so.

Ich weiß, wie es ist = Ich kann sagen, wie es ist & es ist wie ich's sage.

Ein Blinder berührt einen Gegenstand & fragt mich "Was ist das?" -- Ich antworte "Ein Tisch." -- Er: "Bist Du sicher?" -- Ich: "Ich weiß es."


"Ich weiß ..." = Ich habe den höchsten Grad der Gewißheit. Wenn Moore es gebraucht, so ist es, als wollte er sagen:

"Die Philosophen sagen immer, man könnte das Gefühl des Wissens nur in dem & dem Fall haben, ich aber habe es auch in diesem & diesem & diesem Fall." Er schaut auf die Hand, gibt sich das Gefühl des Wissens & sagt nun, er habe es.

Wozu dient die Aussage "Er weiß" & "Ich weiß"? Wie zeigt sich's, daß jemand etwas weiß? Denn nur wenn das klar ist, ist der Begriff des Wissens klar.

Wenn Einer sagt: "Ja, jetzt weiß ich, daß es ein Baum ist" & wenn er's auch bei der richtigen Gelegenheit sagt, so ist das allein noch nicht ein Zeichen, daß er das Wort "wissen" wie wir verwendet.

"Ich weiß daß hier ein Baum steht." Dies kann man z.B. sagen, wenn man aus irgend einem Grunde seine eigenen Worte wiederholen will(, wie wenn man die Stelle aus einem Buch auswendig sagt.) Wie wissen wir nun, welche Verwendung Du von dem Satz gemacht hast? Du kannst es uns sagen. Es könnte die sein: Ich denke an Menschen, die sagen, es sei unsicher, daß ... & sage nun "Nein, es ist nicht unsicher: ich weiß, daß ...". (Wie "Ich weiß, daß er mich nicht betrügt".) Wer nun so sagt "Ich weiß, daß das ein Baum ist" der meint: ein Baum & nicht das & das.

Es ist wahr, daß M. weiß, daß dies ein Baum ist, dies zeigt sich in seinem ganzen Benehmen. Daraus folgt nicht, daß er beim Philosophieren die Worte "Ich weiß ..." nicht mißversteht. Er bewies sein Mißverständnis indem er seine Hände anschaute & sagte "Ich weiß daß dies Hände sind" statt einfach zu konstatieren "Ich weiß eine Unzahl von Tatsachen physikalische Gegenstände betreffend." Und zwar sind sie mir so gewiß, daß nichts diese Gewißheit verstärken oder sie zerstören kann.

Nicht das scheint uns sehr bedeutsam, daß ... aber wohl das, daß dies für uns eine Evidenz ist.


"Im Inneren da ist entweder Schmerzen oder Verstellung. Außen sind Zeichen (das Benehmen) die nicht mit völliger Sicherheit das eine oder andre bedeuten". Aber so ist es nicht. Die äußern Zeichen bedeuten in äußerst komplizierter Weise, manchmal unzweideutig, manchmal unsicher: Schmerz, Verstellung und manches andre.


"Nichts ist so gewöhnlich wie die Farbe rötlichgrün; denn nichts ist gewöhnlicher wie der Übergang vom Grün des Blattes in Rot. "


"Das Glauben, Wissen, ein Erlebnis, das während man es hat, man als eben dies erkennt." :::

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II MS 173

"Wenn sich Einer wirklich freut, so weiß man's." Aber man kann darum den echten Ausdruck doch nicht beschreiben. -- Es ist aber natürlich auch nicht immer wahr, daß man den echten Ausdruck erkennt, oder weiß, ob der Ausdruck echt ist. Ja, es gibt Fälle, wo man weder gern von echt, noch von unecht spricht. Es lächelt jemand & seine weiteren Reaktionen stimmen weder zur echten, noch auch, zur verstellten Freude. Wir würden vielleicht sagen "Ich kenne mich in ihm nicht aus." Es ist weder das Bild (Muster) der echten Freude, noch das der verstellten. Könnte er nicht zum normalen fühlenden Menschen sich verhalten wie der Farbenblinde zum Normalsehenden?

Ich könnte auf Grund meiner Kenntnis seines Charakters verläßlich aussagen, er werde in dieser Situation so & so reagieren, & es wäre auch möglich, daß Andre sich auf mein Urteil verlassen können, ohne doch von mir verlangen zu können, daß ich mein Urteil durch eine verifizierbare Beschreibung begründe.

Ein Maler hätte den Ausdruck holder Freude dargestellt -- & ich sehe das Bild & sage "Vielleicht verstellt sie sich".

Es ist zum mindesten vorstellbar, daß in einem Land das Gericht sich auf die Aussage eines Menschen in Bezug auf seine Möglichkeiten verläßt, wenn der Zeuge ihn eine gewisse Zeit lang gekannt hat. So fragt man auch heute etwa einen Psychiater ob der & der des Selbstmords fähig ist. Dabei wird vorausgesetzt, daß Erfahrung eine solche Aussage im allgemeinen nicht widerlegt.

Ich versuche die Gesetze oder Regeln der Evidenz für Erlebnissätze zu beschreiben: Charakterisiert man so wirklich, was mit dem Seelischen gemeint ist?

Das Kennzeichnende des Seelischen scheint zu sein, daß man es im Andern nach Äußerem erraten muß & nur von sich her kennt. Aber wenn durch genaueres Überlegen diese Ansicht in Rauch aufgeht, so wird damit zwar nicht das Innere das Äußere, aber "äußeres" & "inneres" gelten nun nicht mehr als Eigenschaften der Evidenz. "Innere Evidenz" heißt nichts, & darum auch "äußere Evidenz".

Wohl aber gibt es 'Evidenz für Inneres' & 'Evidenz für Äußeres'.

"Ich nehme doch nur immer sein Äußeres wahr." Wenn das Sinn hat, muß es einen Begriff bestimmen. Aber warum soll ich nicht sagen, ich nehme seine Zweifel wahr? (Er kann sie nicht wahrnehmen.)

Ja, ich kann oft sein Inneres beschreiben, wie ich's wahrnehme, aber nicht sein Äußeres.

Die Verbindung von Innen & Außen gehört zu diesen Begriffen. Wir machen diese Verbindung nicht, um das Innere wegzuzaubern. Es gibt innere Begriffe & äußere Begriffe.

Was ich sagen will, ist doch, daß das Innere sich vom Äußern durch seine Logik unterscheidet. Und daß allerdings die Logik den Ausdruck "das Innere" erklärt, ihn begreiflich macht.

Wir brauchen den Begriff "seelisch" (etc.) nicht, um zu rechtfertigen, daß gewisse unsrer Schlüsse unbestimmt sind, etc. Sondern diese Unbestimmtheit, etc., erklärt uns den Gebrauch des Wortes "seelisch".

"Natürlich sehe ich, eigentlich, nur das Äußere." Aber rede ich nicht wirklich nur von Äußerem? Ich sage z.B., unter welchen Umständen Menschen dieses oder jenes sagen. Und ich meine doch immer äußere Umstände. Es ist also, als ob ich das Innere durchs Äußere erklären (quasi definieren) wollte. Und doch ist es nicht so.

Liegt es daran, daß das Sprachspiel etwas Äußeres ist?

Keine Evidenz lehrt uns die psychologische Äußerung.

"seelisch" ist für mich kein metaphysisches, sondern ein logisches Epitheton.

"Ich sehe das Äußere & stelle mir dazu ein Inneres vor."

Wenn Miene, Gebärde & Umstände eindeutig sind, dann scheint das Innere das Äußere zu sein; erst wenn wir das Äußere nicht lesen können, scheint ein Inneres hinter ihm versteckt.

Es gibt innere & äußere Begriffe, innere & äußere Betrachtungsweisen des Menschen. Ja es gibt auch innere & äußere Tatsachen -- sowie es z.B. physikalische & mathematische Tatsachen gibt. Sie stehen aber nicht nebeneinander wie Pflanzen verschiedener Art. Denn was ich gesagt habe, klingt als hätte man gesagt: In der Natur kommen alle diese Tatsachen vor. Und was ist nun daran falsch?

Inneres ist mit Äußerem nicht nur erfahrungsmäßig verbunden, sondern auch logisch.

Inneres ist mit Äußerem logisch verbunden, nicht bloß erfahrungsmäßig.

"Wenn ich die Gesetze der Evidenz für das Seelische untersuche, so das Wesen des Seelischen." Ist das wahr?

Ja. Das Wesen ist nicht etwas, was aufgezeigt werden kann, es kann nur in seinen Zügen beschrieben werden.

Aber spricht dagegen nicht ein Vorurteil? Wir können freilich die Eigenschaften des Tintenfasses nach & nach aufzählen, aber sein Wesen, muß es nicht ein für allemal feststehen, ist es uns nicht eben mit diesem Gegenstand den wir vor uns haben, gegeben? Was wir da vor uns haben, ist doch nicht der 'Gebrauch eines Wortes'! Freilich nicht; aber der Begriff 'Tintenfaß', der doch hier notwendig ist, steht nicht greifbar vor uns, noch trägt, was vor uns steht, diesen Begriff in sich. Und um ihn darzustellen genügt es nicht Einem ein Tintenfaß in die Hand zu geben. Und das nicht, weil der Mensch zu begriffsstützig ist, den Begriff aus dem Gegenstand heraus zu lesen.

Ich kann Einem einen Gegenstand zeigen, weil seine Farbe auffallend ist & ich sie dem Andern vorführen will, aber das setzt schon ein gewisses Spiel zwischen uns voraus.

Ja, er mag beim Anblick des Gegenstands staunen, daß er aber 'über die Farbe staunt', daß die Farbe der Grund des Staunens, & nicht etwa bloß die Ursache seines Erlebnisses ist, dazu braucht er den Begriff der Farbe, nicht nur das Sehen.

Jemand sagt auf sein Ehrenwort aus, daß der Andre das & das geglaubt habe. -- Da kann man ihn fragen "Woher weißt Du das", & er antworten "Er hat mich dessen im höchsten Ernst versichert, & ich kenne ihn genau."

Wenn ich sage "Ich kenne mich in ihm nicht aus", so hat das sehr wenig Ähnlichkeit mit dem Fall: "Ich kenne mich in diesem Mechanismus nicht aus". Ich glaube, es heißt ungefähr: Ich kann sein Benehmen nicht mit der Sicherheit vorhersagen, wie das von Leuten, 'in denen ich mich auskenne'.

Es muß die Frage der Evidenz für Erlebtes mit der Sicherheit oder Unsicherheit einer Voraussicht des Benehmens des Andern zusammenhängen. Aber ganz so ist es nicht, denn man sagt ja nur selten die Reaktion des Andern voraus. Ich meine die nicht-Vorhersehbarkeit muß eine wesentliche Eigenschaft des Seelischen sein. So wie auch die unendliche Vielfältigkeit des Ausdrucks.

Was z.B. spricht dafür, was dagegen, daß der Hund ein Seelenleben hat? Es ist doch wohl nicht seine Gestalt, Farbe, oder seine Anatomie. Also ist es sein Benehmen.

Die, welche sagen, der Hund habe keine Seele, stützen sich auf das, was er tun kann, & nicht tun kann. Denn wenn Einer sagte, ein Hund könne nicht hoffen, -- woraus entnimmt er das? Und wer sagt, der Hund habe eine Seele, kann das nur auf das Benehmen stützen, das er am Hund beobachtet. "Schau Dir nur das Gesicht & die Bewegungen des Hundes an, & Du siehst, daß er eine Seele hat." Aber was ist es am Gesicht? Ist es nur die Ähnlichkeit mit dem Mienenspiel des menschlichen? Ist es, wenigstens unter anderem, der Mangel an Steifheit?

Die wichtigen feinen Abschattungen des Benehmens, sind nicht vorhersagbar.

Aber heißt das: Wenn sie vorhersehbar wären, so würden wir beim Menschen nicht von einem Innern im Gegensatz zu Äußerem reden? -- Aber stellen wir uns so eine Vorhersagbarkeit auch klar vor? Impliziert sie z.B., daß wir ihn nicht um eine Entscheidung fragen würden?

Denk Dir, wir begegneten einem Menschen, der keine Seele hätte. Warum soll so etwas nicht als Abnormität vorkommen können? Es wäre also ein menschlicher Leib zur Welt gekommen mit gewissen Lebensfunktionen, aber ohne eine Seele. Nun, wie sähe das aus?

Das Einzige was ich mir da vorstellen kann, ist, daß dieser Menschenleib automatenhaft handelt & nicht wie die gewöhnlichen Menschenleiber.

Wenn es heißt "Der Mensch besteht aus einem Leib & einer Seele", so wäre dem durch so eine Erscheinung nicht widersprochen. Denn dies wäre eben kein (eigentlicher) Mensch, sondern etwas anderes, & allerdings sehr seltenes. Wie aber kann man wissen, daß es nie vorkommt? Nur, -- wie sähe dieses Phänomen eigentlich aus?

Oder soll es nun doch gar kein Phänomen sein? Soll die Seelenhaftigkeit gar nicht erkennbar sein?

Kann es Herzlosigkeit geben, die keinen Ausdruck besitzt? Wäre das, was wir "Herzlosigkeit" nennen?

Man könnte es auch so sagen: Wie müßte ein menschlicher Leib handeln, daß man nicht geneigt wäre, von inneren & äußeren Zuständen des Menschen zu reden? Immer wieder denke ich da: "maschinenhaft".

Das feinst gegliederte Benehmen des Menschen ist vielleicht die Sprache mit dem Ton & dem Mienenspiel.

Dürfte der Seelenlose Zeichen des Schmerzes geben? Wenn er nur schriee & sich wände so könnte man das noch als automatische Reaktion betrachten, wenn er aber das Gesicht schmerzhaft verzöge & leidend aussähe, so hätten wir schon das Gefühl, wir sähen in ihn hinein. Wenn er aber nun immer genau das gleiche leidende Gesicht machte?

Es ist, als würde er durch einen menschlichen Ausdruck für uns durchsichtig.

Wer eine Seele hat, muß des Schmerzes, der Freude, des Kummers etc., etc. fähig sein. Und soll er dazu auch fähig sein zu erinnern, Entschlüsse zu fassen, sich etwas vorzunehmen, so braucht er den sprachlichen Ausdruck.

Es ist nicht so, als hätte ich in mir direkte Evidenz; er für mein Seelisches aber nur indirekte. Sondern er hat dafür Evidenz, ich (aber) nicht.

Sagt man nun aber, diese Evidenz mache das Seelische nur wahrscheinlich, so ist das vieldeutig & kann Wahres & Falsches bedeuten. Ist es aber wahr, so nicht, weil die Evidenz erfahrungsmäßig mit dem Seelischen zusammenhängt (wie ein Symptom mit einer Krankheit).

Warum soll man nicht sagen: "Die Evidenz des Seelischen im Andern ist das Äußere"? Nur gibt es nicht äußere & innere Evidenz für das Innere.

Und die Evidenz, soweit sie unsicher ist, ist sie es nicht, weil sie nur äußere Evidenz ist.

Daß der Schauspieler den Kummer darstellen kann, zeigt die Unsicherheit der Evidenz, aber daß er den Kummer darstellen kann, auch die Realität der Evidenz.

Nicht das Verhältnis von Innerem zu Äußerem erklärt die Unsicherheit der Evidenz, sondern umgekehrt wird dies Verhältnis nur als Bild für jene Unsicherheit gebraucht.

Man kann ja nicht nur Seelisches auf der Bühne darstellen, es wird uns auch eine Wunde vorgetäuscht, oder ein Berg. Es ist also nicht das alleinige Charakteristikum des Seelischen, daß es sich schauspielern läßt.

Warum sagen wir: "Ich wußte nicht, was hinter dieser Stirne vorging", obwohl es uns doch ganz gleichgültig sein kann, was hinter der Stirne eines Menschen vorgeht. Unsre Unsicherheit bezieht sich gar nicht auf Vorgänge im Innern; bezieht sie sich auf Seelisches, so hat doch das Seelische seinen Ausdruck im Körperlichen. Einer Unsicherheit das Innere betreffend entspricht also eine Unsicherheit über Äußeres. Wie einer Unsicherheit über das Resultat einer Rechnung eine Unsicherheit über das Zahlzeichen entspricht, das am Ende der Rechnung stehen wird.

Und das heißt nicht, daß sich, allgemein, die Unsicherheit über etwas Seelisches als Unsicherheit über Äußeres ausdrücken läßt. Sowie zwar der Gram wesentlich einen Ausdruck in den Mienen hat, ich aber nicht im Stande sein mag, eine Miene anders zu beschreiben als durch das Wort "gramvoll".

Könnte Einer vor Gericht aussagen: "Ich weiß, daß er damals an ... gedacht hat"? Nun, so eine Aussage könnte zugelassen sein, oder auch nicht. Vielleicht würde geurteilt werden, daß jemand, der den Angeklagten so viele Jahre kennt, aus seiner Miene etc. entnehmen kann, was er in einem bestimmten Falle denkt. Vielleicht aber würde so eine Aussage in keinem Falle zugelassen, & die Meinung wäre, daß auch keine Äußerung des Angeklagten wiedergegeben werden darf, wenn dies nur zur Beschreibung seiner seelischen Vorgänge geschieht.

"Ich kenne mich in diesen Leuten nicht aus." Und wozu wollte ich mich in ihnen auskennen? -- Sind es nicht ihre Reaktionen, in denen ich mich nicht auskenne? Die ich z.B. nicht voraussehen kann; die mich immer wieder überraschen? "Er reagiert scheinbar unlogisch." Und das heißt: inkonsequent.

Kennt man sich in Manchem nicht aus, so bedeutet das, daß man sich in Andern auskennt. Und das wird manchmal so ausgedrückt, man 'könne sich vorstellen', was im Andern vor sich geht. Es klingt also, als ob Wissen, was im Andern vorgeht ein Vorstellen dieses Vorgangs sei. Wenn ich z.B. weiß, daß mich Einer haßt, so fühle ich eine Art Abbild dieses Hasses. Hier ist alles falsch. Man gebraucht zwar die Worte "sich den Haß (etc.) eines Andern vorstellen", ja es können dabei auch Vorstellungsbilder mitspielen, oder man macht dabei vielleicht ein dem Haßerfüllten ähnliches Gesicht.

Das Sprachspiel ist von vornherein so angelegt, daß ein Vergleich mit andern Sprachspielen einen zu dem Bild 'außen-innen' führen kann. Aber dazu kommt noch die tatsächliche Unsicherheit, die dem Erraten der seelischen Vorgänge des Andern anhaftet. Denn es wäre -- wie gesagt -- wohl möglich, daß dieses Erkennen viel sicherer wäre, als es ist. Ja daß Verstellung hauptsächlich durch ein Verstecken des Gesichts (z.B.) geschieht. D.h.: Verstellung wäre auch dann möglich, wenn man sein Gesicht nicht verstellen könnte.

Es ist aber nicht wahr, daß die Unsicherheit im Erkennen seines Ärgers (z.B.) einfach die Unsicherheit über sein zukünftiges Benehmen ist. Es liegt vielmehr im Begriff eine Unsicherheit der Kriterien. Manchmal ist er also, gleichsam, durchsichtig, manchmal nicht. Und es ist irreführend, wenn man sich den eigentlichen Ärger sozusagen als Gesichtsausdruck eines inneren Gesichts denkt, so daß dieser Gesichtsausdruck zwar vollkommen klar definiert ist, & es nur nach dem äußern nicht sicher ist, ob die Seele wirklich diesen Ausdruck hat.

Denn auch wenn er selbst ohne zu lügen sagt, er sei etwas ärgerlich gewesen, so heißt das nicht, daß er damals in sich jenes von uns 'ärgerlich' genanntes Gesicht gesehen habe. Wir haben wieder nur eine Wortreaktion von ihm, & es ist noch gar nicht klar, wie viel die bedeutet. Das Bild ist klar, aber nicht seine Anwendung.

Denn auch, wenn ich selbst sage "Ich habe mich etwas über ihn geärgert", -- wie weiß ich die Anwendung dieser Worte so genau? Ist sie denn so klar? Nun, sie sind eben eine Äußerung.

Aber weiß ich etwa nicht genau, was ich mit jener Äußerung meine? "Ich weiß doch genau, welchen Zustand in mir ich so nenne." Das heißt nichts. Ich weiß, wie man das Wort anwendet & manchmal mache ich die Äußerung ohne Zögern & manchmal zögernd & sage etwa, ich hätte mich nicht 'geradezu geärgert', oder dergleichen. Aber es ist nicht diese Unbestimmtheit, von der ich sprach. Auch dort, wo ich unbedenklich sage, ich hätte mich geärgert, ist darum nicht ausgemacht wie sicher die Konsequenzen aus diesem Signal sind.

Als ich sagte es sei eine Unbestimmtheit in der Anwendung, meinte ich nicht, ich wisse nicht recht, wann ich die Äußerung machen solle (wie es etwa wäre, wenn ich nicht gut Deutsch verstünde).

Man darf eben nicht vergessen, welche Verbindungen gemacht werden, wenn wir lernen Ausdrücke wie "Ich ärgere mich" zu gebrauchen.

Und denke nicht an ein Erraten der richtigen Bedeutung durch das Kind, denn, ob es sie richtig erraten hat, muß sich doch wieder in seiner Verwendung der Worte zeigen.


Wir sagen: "Denken wir uns Menschen, welche dieses Sprachspiel nicht kennen". Aber damit haben wir noch keine klare Vorstellung vom Leben dieser Menschen, wo es vom unsern abweicht. Wir wissen noch nicht, was wir uns vorzustellen haben; denn das Leben jener Menschen soll ja im übrigen dem unsern entsprechen, & es ist erst zu bestimmen, was wir unter den neuen Umständen ein dem unsern entsprechendes Leben nennen würden. Ist es nicht, als sagte man: Es gibt Menschen, die ohne den König Schach spielen. Es treten sofort Fragen auf: Wer gewinnt nun, wer verliert, u.a. Du mußt weitere Entscheidungen treffen, die Du in jener ersten Bestimmung noch nicht vorhersiehst. Wie Du ja auch die ursprüngliche Technik nicht übersiehst, nur daß sie Dir von Fall zu Fall geläufig ist.

Zur Verstellung gehört auch, daß man Verstellung beim Andern für möglich halte.

Wenn Menschen sich so benehmen, daß wir Verstellung vermuten möchten, aber diese Menschen zeigen untereinander kein Mißtraun, dann ergeben sie doch nicht das Bild von Menschen, die sich verstellen.

'Wir müssen uns immer wieder über diese Leute wundern."

Wir könnten gewisse Leute auf der Bühne darstellen & ihnen Selbstgespräche (asides) in ihren Mund legen, die sie natürlich im wirklichen Leben nicht aussprachen, die aber doch ihren Gedanken entsprächen. Fremdartige Menschen aber könnten wir so nicht darstellen. Selbst, wenn wir ihre Handlungen voraussehen könnten, könnten wir ihnen keine passenden Selbstgespräche in den Mund legen. Und doch ist auch in dieser Betrachtungsweise etwas Falsches. Denn Einer könnte, während er handelt, wirklich etwas zu sich selbst sagen, & dies könnte einfach ganz konventionell sein.

Daß ich eines Menschen Freund sein kann, beruht darauf, daß er die gleichen, oder ähnliche Möglichkeiten hat wie ich selbst.

Wäre es richtig zu sagen, in unsern Begriffen spiegle sich unser Leben? Sie stehen mitten in ihm.

Unsre Sprache durchdringt unser Leben.

Von wem würden wir sagen, er habe unsern Begriff des Schmerzes nicht? Ich könnte annehmen, er kenne Schmerzen nicht, aber ich will annehmen er kenne sie; er gibt also Schmerzäußerungen von sich & man könnte ihm die Worte "Ich habe Schmerzen" beibringen. Soll er auch fähig sein sich seiner Schmerzen zu erinnern? -- Soll er Schmerzäußerungen der Andern als solche erkennen, und wie zeigt sich das? Soll er Mitleid zeigen? -- Soll er gespielten Schmerz als solchen verstehen?

"Ich weiß nicht, wie ärgerlich er war." "Ich weiß nicht, ob er wirklich ärgerlich war". -- Weiß er's selbst? Nun fragt man ihn, & er sagt: "Ja, ich war's".

Was ist denn das: die Unsicherheit darüber, ob der Andre ärgerlich war? Ist es ein Zustand der Seele des Unsichern? Warum soll der uns beschäftigen? Sie liegt in dem Gebrauch der Aussage "Er ist ärgerlich".

Aber Einer ist unsicher, der Andre kann sicher sein: er 'kennt den Gesichtsausdruck' dieses Menschen, wenn er ärgerlich ist. Wie lernt er dieses Anzeichen des Ärgers als solches kennen? Das ist nicht leicht zu sagen.

Aber nicht nur: "Was heißt es, über den Zustand des Andern unsicher sein?" -- sondern auch: "Was heißt es 'Wissen, sicher sein daß jener sich ärgert'?"

Hier könnte man nun fragen, was ich denn eigentlich will, wieweit ich die Grammatik behandeln will.

Es ist etwas gemeinsam der Sicherheit, daß er mich besuchen wird, & der Sicherheit, daß er sich ärgert. Es ist auch etwas dem Tennisspiel & dem Sprachspiel gemeinsam, aber niemand würde hier sagen: "Ganz einfach: sie spielen beidemal, nur eben etwas andres." Man sieht in diesem Falle die Unähnlichkeit mit: "Er ißt einmal einen Apfel, ein andermal eine Birne", während man sie in jenem Fall nicht so leicht sieht.

"Ich weiß, daß er gestern angekommen ist" -- "Ich weiß, daß 2 × 2 = 4 ist." -- "Ich weiß, daß er Schmerzen hatte" -- "Ich weiß, daß dort ein Tisch steht."

Ich weiß jedesmal, nur immer etwas anderes? Freilich, -- aber die Sprachspiele sind weit verschiedener, als die Sätze, die sagen, was ich weiß.

"Die Welt der physikalischen Gegenstände & die Welt des Bewußtseins." Was weiß ich von dieser? Was mich meine Sinne lehren? Also, wie das ist, wenn man sieht, hört, fühlt, etc. etc. -- Aber lerne ich das wirklich? Oder lerne ich wie das ist, wenn ich jetzt sehe, höre, etc. & glaube, daß es auch früher so war?

Was ist eigentlich die 'Welt' des Bewußtseins? Da möchte ich sagen: "Was in meinem Geist vorgeht, jetzt in ihm vorgeht, was ich sehe, höre, ‥‥‥" Könnten wir das nicht vereinfachen & sagen: "Was ich jetzt sehe." --

Die Frage ist offenbar: Wie 'vergleichen' wir physikalische Gegenstände -- wie Erlebnisse?

Was ist eigentlich die 'Welt des Bewußtseins'? -- Was in meinem Bewußtsein ist: was ich jetzt sehe, höre, fühle, ‥‥․ -- Und was, z.B., sehe ich jetzt? Darauf kann die Antwort nicht sein: "Nun, alles das", mit einer umfassenden Gebärde.

Ich beobachte diesen Fleck. "Jetzt ist er so" -- dabei zeige ich etwa auf ein Bild. Ich mag ständig das gleiche beobachten, & mag dabei gleichbleiben, oder sich verändern. Was ich beobachte & was ich sehe hat nicht die gleiche (Art der) Identität. Denn die Worte "dieser Fleck" z.B. lassen die (Art der) Identität, die ich meine, nicht erkennen.

"Die Psychologie beschreibt die Phänomene der Farbenblindheit & auch des normalen Sehens." Was sind die 'Phänomene der Farbenblindheit'? Doch die Reaktionen des Farbenblinden, durch die er sich vom Normalen unterscheidet. Doch nicht alle Reaktionen des Farbenblinden, z.B. auch die, durch die er sich vom Blinden unterscheidet. -- Kann ich den Blinden lehren, was Sehen ist, oder kann ich den Sehenden es lehren? Das heißt nichts. Was heißt es denn: das Sehen zu beschreiben? Aber ich kann Menschen die Bedeutung der Worte "blind" & "sehend" lehren, & zwar lernt sie der Sehende, wie der Blinde. Weiß denn der Blinde, wie das ist, wenn man sieht? Aber weiß es der Sehende?! Weiß er auch, wie es ist, Bewußtsein zu haben? Aber kann nicht der Psychologe den Unterschied zwischen dem Benehmen des Sehenden & des Blinden beobachten? (Der Meteorologe den Unterschied zwischen Regen & Trockenheit?) Man könnte doch z.B. den Unterschied des Benehmens beobachten von Ratten, denen man die Barthaare genommen hat, & von unverstümmelten. Und das hieße vielleicht die Rolle dieses Tastapparates zu beschreiben. -- Das Leben der Blinden ist anders als das Leben der Sehenden.

Der Normale kann z.B. erlernen, nach Diktat schreiben. Was ist das? Nun, der Eine spricht, der Andre schreibt was jener spricht. Wenn er also den Laut a sagt, schreibt der Andre das Zeichen "a" etc. -- Muß nun nicht, wer diese Erklärung versteht, das Spiel entweder schon gekannt haben, nur vielleicht nicht unter diesem Namen, -- oder es durch die Beschreibung gelernt haben? Aber Karl der Große hat gewiß das Prinzip des Schreibens verstanden, & doch nicht schreiben lernen können. So kann also auch der die Beschreibung der Technik verstehen, der sie nicht erlernen kann. Aber es gibt eben zwei Fälle des Nicht-Erlernen-Könnens. Im einen erlangen wir bloß eine Fertigkeit nicht, im andern fehlt uns das Verständnis. Man kann Einem ein Spiel erklären: Er mag diese Erklärung verstehen, aber das Spiel nicht erlernen können, oder unfähig sein eine Erklärung des Spiels zu verstehen. Es ist aber auch das Umgekehrte denkbar.

"Du siehst den Baum, der Blinde sieht ihn nicht." Das müßte ich einem Sehenden sagen. Und also einem Blinden: "Du siehst den Baum nicht, wir sehen ihn"? Wie wäre das, wenn der Blinde zu sehen glaubte, oder ich glaubte, ich könne nicht sehen?

Ist es ein Phänomen, daß ich den Baum sehe? Es ist eins, daß ich dies richtig als Baum erkenne, daß ich nicht blind bin.

"Ich sehe einen Baum" als Äußerung des visuellen Eindrucks, ist es die Beschreibung eines Phänomens? Welches Phänomens? wie kann ich Einem dies erklären? Und ist es nicht doch für den Andern ein Phänomen, daß ich diesen Gesichtseindruck habe? Denn es ist etwas, was er beobachtet, aber nicht etwas, was ich beobachte. Die Worte "Ich sehe einen Baum" sind nicht die Beschreibung eines Phänomens. (Ich könnte z.B. nicht sagen -- "Ich sehe einen Baum! wie merkwürdig!", aber wohl: "Ich sehe einen Baum, obwohl keiner da ist. Wie merkwürdig!")

Oder soll ich sagen: "Der Eindruck ist kein Phänomen; daß L.W. diesen Eindruck hat, ist eins"?

(Man könnte sich denken, daß Einer den Eindruck, gleichsam wie einen Traum, vor sich hin spricht, ohne das Pronomen der ersten Person.)

Beobachten ist nicht das gleiche wie betrachten, oder anblicken. "Betrachte diese Farbe & sag, woran sie Dich erinnert." Ändert sich die Farbe, so betrachtest Du nicht mehr die, welche ich meinte. Man beobachtet, um zu sehen, was man nicht sähe, wenn man nicht beobachtet.

Man sagt etwa: "Betrachte diese Farbe für einige Zeit". Das tut man aber nicht, um mehr zu sehen, als man auf den ersten Blick gesehen hätte.

Könnte in einer "Psychologie" der Satz stehen: "Es gibt Menschen, welche sehen"? Nun, wäre das falsch? -- Aber wem wird hier etwas mitgeteilt? (Und ich meine nicht nur: was mitgeteilt wird, sei schon längst bekannt.)

Ist mir bekannt, daß ich sehe?

Man könnte sagen wollen: Wenn es solche Menschen nicht gäbe, so auch den Begriff des Sehens nicht. -- Aber könnten nicht Marsbewohner so etwas sagen? Sie haben etwa durch Zufall zuerst lauter Blinde bei uns kennen gelernt.

Und wie kann es unsinnig sein, zu sagen "Es gibt Menschen, welche sehen", wenn es nicht unsinnig ist, zu sagen, es gibt Menschen, welche blind sind? Aber der Sinn des Satzes "Es gibt Menschen, welche sehen" d.h. seine mögliche Verwendung ist jedenfalls nicht sogleich klar.

Könnte das Sehen nicht Ausnahme sein? Aber beschreiben könnten es weder die Blinden, noch die Sehenden, es sei denn als Fähigkeit, das & das zu tun. Z.B. auch, gewisse Sprachspiele zu spielen; aber da muß man achtgeben, wie man diese Sprachspiele beschreibt.

Sagt man: "Es gibt Menschen, welche sehen". So folgt die Frage: "Und was ist 'sehen'?" Und wie soll man sie beantworten? Indem man dem Fragenden den Gebrauch des Wortes "sehen" beibringt?

Wie wäre es mit dieser Erklärung: "Es gibt Menschen, die sich benehmen wie Du & ich, & nicht wie dieser da, der Blinde."?

"Du kannst, mit offenen Augen, über die Straße gehen, ohne überfahren zu werden, etc." Die Logik der Mitteilung.

Damit, daß ein Satz von der Form einer Mitteilung eine Verwendung hat, ist noch nichts über die Art seiner Verwendung gesagt.

Kann der Psychologe mir mitteilen, was Sehen ist? Was nennt man "mitteilen, was Sehen ist"? Nicht der Psychologe lehrt mich den Gebrauch des Wortes "sehen".

Wenn der Psychologe sagt: "Es gibt Menschen, welche sehen", so können wir ihn fragen: "Und was nennst Du "Menschen, welche sehen"". Darauf wäre die Antwort von der Art "Menschen, die unter den & den Umständen so & so reagieren, sich so & so benehmen". "sehen" wäre ein Fachwort des Psychologen, das er uns erklärt. Sehen ist dann etwas was er an den Menschen beobachtet hat.

Wir lernen die Ausdrücke "ich sehe ...", "er sieht ..." etc. gebrauchen ehe wir zwischen Sehen & Blindheit unterscheiden lernen.

"Es gibt Menschen, welche reden können.", "Ich kann einen Satz sagen.", "Ich kann das Wort "Satz" aussprechen.", "Wie Du siehst, bin ich wach.", "Ich bin hier."

Es gibt doch eine Belehrung darüber, unter welchen Umständen ein gewisser Satz eine Mitteilung sein kann. Wie soll ich diese Belehrung nennen?

Kann man sagen, ich habe beobachtet, daß ich & Andre mit offenen Augen gehen können, ohne anzustoßen, & daß wir's mit geschlossenen Augen nicht können?

Wenn ich Einem mitteile, ich sei nicht blind, ist das eine Beobachtung? Ich kann ihn jedenfalls durch mein Benehmen davon überzeugen.

Ein Blinder könnte leicht herausfinden, ob auch ich blind sei; indem er z.B. eine bestimmte Handbewegung macht & mich fragt, was er getan hat.

Können wir uns nicht einen blinden Volksstamm denken? Könnte er nicht unter besondern Bedingungen lebensfähig sein? Und könnte es nicht als Ausnahme Sehende geben.

Angenommen, ein Blinder sagte zu mir: "Du kannst gehen ohne irgendwo anzustoßen, ich kann es nicht" -- wäre der erste Teil des Satzes eine Mitteilung?

Nun, er sagt mir nichts neues.

Es scheint Sätze zu geben, die den Charakter von Erfahrungssätzen haben, deren Wahrheit aber für mich unanfechtbar ist. D.h., wenn ich annehme, daß sie falsch sind, muß ich allen meinen Urteilen mißtrauen.

Es gibt jedenfalls Irrtümer, die ich als gewöhnlich hinnehme, & solche, die andern Charakter haben & von meinen übrigen Urteilen als eine vorübergehende Verwirrung abgekapselt werden müssen. Aber gibt es nicht auch Übergänge zwischen diesen beiden.

Wenn man den Begriff des Wissens in diese Untersuchung bringt so nützt das nichts; denn Wissen ist nicht ein psychologischer Zustand durch dessen Besonderheiten sich nun allerlei erklärt. Die besondere Logik des Begriffs "wissen" ist vielmehr nicht die des psychologischen Zustands. :::

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II MS 174

Die Schmerzäußerung ist nicht gleichermaßen mit dem Schmerz & mit der Verstellung verbunden.

Sich verstellen ist nicht ein so einfacher Begriff wie Schmerzen haben.

Nicht das scheint uns bemerkenswert, daß die Evidenz das Erlebnis des Andern 'nur wahrscheinlich macht', sondern, daß dies schwer beschreibbare uns eine wichtige Evidenz ist.

Bedenke, daß Du das Kind den Begriff lehren mußt. Also mußt Du es das Spiel der Evidenz lehren.

24.04.1950

Daß unsre Evidenz das Erlebnis des Andern nur wahrscheinlich macht, das führt uns nicht weit; wohl aber, daß dies schwer beschreibbare Muster der Erfahrung für uns eine wichtige Evidenz ist.

Daß dies Schwankende ein wichtiger Teil unsres Lebens ist. Wie aber kann man dann überhaupt sagen, es sei etwas Schwankendes? Woran messe ich sein Schwanken? Nun, es gibt unzählige Gestalten des Lächelns, z.B.. Und Lächeln, welches ein Lächeln ist, & Lächeln, welches keins ist.

Wovon nehmen wir im Leben Notiz? -- "‥‥Da lächelte er." -- das kann unendlich wichtig sein. Aber muß denn eine kleine Verziehung des Gesichts wichtig sein? Und muß sie's uns durch die wahrscheinlichen praktischen Folgen sein?

"Was in mir vorgeht, kann er nicht wissen." Er kann's aber doch vermuten. -- Also kann er's nur nicht wissen. Also machen wir nur eine Unterscheidung im Gebrauch des Wortes "wissen".

Sagt aber der Astronom, der eine Mondesfinsternis berechnet: man könne die Zukunft natürlich nicht wissen? Wir sagen's, wenn wir uns über die Zukunft unsicher fühlen. Der Landmann sagt es in betreff des Wetters; aber der Tischler (sagt) nicht, man könne nicht wissen, ob seine Sessel nicht zusammenbrechen werden.

"Ich weiß, daß er sich gefreut hat, mich zu sehen". Was weiß ich? Welche Konsequenzen hat die Tatsache? Ich fühle mich sicher in meinem Verhältnis zu ihm. Aber ist das ein Wissen? Was ist aber der Unterschied zwischen Vermuten & Wissen, daß er sich gefreut hat? Wenn ich's weiß, so werde ich's ohne Zeichen des Zweifels behaupten; & Andre werden diese Aussage verstehen. Nun ja, sie hat ja gewisse praktische Folgen, es läßt sich zur Not etwas aus ihr folgern, aber das scheint nur ihr Schatten zu sein. Was ist das Interesse seines inneren Zustandes der Freude?

Wenn ich glaube, er habe sich gefreut, & lerne später, daß es nicht so war, welche Folgen hat das?

Welchen Unterschied macht es, wenn ich erst glaube, er habe sich gefreut & dann einsehe, daß es nicht wahr war?

Wir möchten alles in sein Inneres projizieren. Dies sei, um was es sich handle. Denn so entgehen wir der Schwierigkeit das Feld des Satzes zu beschreiben.

Es ist genau so, wie wenn man sagt:

"Das Benzol hat die Struktur

![](Letzte Schriften über die Philosophie der Psychologie/media/file16.svg)["]{.post-block-punct}

heiße: die Atome seien so angeordnet.

Warum sage ich aber, ich 'projiziere' alles in's Innere? Liegt es nicht im Innern? Nein. Es liegt nicht im Innern, es ist das Innere. Und das ist nur eine oberflächliche logische Einordnung & nicht die Beschreibung, deren wir bedürfen.

Wir 'projizieren' nichts in sein Inneres; wir geben nur eine Erklärung, die uns nicht weiterführt.

Denk Dir, die Seele ward ein Gesicht, & wenn Einer sich freut, so lächelt dieses verborgene Gesicht. Laß es so sein, -- aber nun wollen wir doch wissen, welche Wichtigkeit dies Lächeln (oder welcher Gesichtsausdruck immer) hat.

Ja, dies könnte sogar unser gewöhnlicher Ausdruck sein: "Sein inneres Gesicht hat gelächelt, wie er mich gesehen hat" etc.

Erste Frage: Wie weiß man, wie beurteilt man, ob sein inneres Gesicht lächelt? Zweite Frage: Welche Wichtigkeit hat es? -- Aber die beiden hängen zusammen. Und man könnte eine andere, wenngleich verwandte, Frage so stellen: Welche Wichtigkeit hat sein -- äußeres -- Lächeln? Denn, ist das innere von Wichtigkeit, so muß es -- in einer (etwas) andern Art-- auch das äußere sein.

(Einzusehen, daß meine Manipulationen gerechtfertigt sind, ist nicht leicht.)

Wenn aber nun Ich weiß, daß er sich gefreut hat" gewiß nicht heißt: Ich weiß, daß er gelächelt hat, so ist es etwas anderes, was ich weiß & worauf es hier ankommt.

Denn das innere Lächeln könnte man sogar zur Not durch ein äußeres ersetzen, & es bliebe (noch immer) die Frage nach der Bedeutung bestehen.

"Ich bin sicher, daß er sich gefreut hat mich zu sehen", das könnte in einem Gerichtssaal ausgesagt werden. Hier sind die möglichen 'praktischen' Folgen klar. Und ebenso auch, wenn die Aussage wäre "Ich bin sicher, er hat sich nicht gefreut, sich aber verstellt." Anderes ist von dem zu erwarten, der sich freut & von dem, der Freude heuchelt.

Liegt mir aber deshalb daran, daß der Andre sich wirklich freut mich zu sehen, weil es andere Folgen hat? Ich fühle mich wohl, weil dieser Mensch (mit dieser Vergangenheit etc.) sich so benimmt. Und das 'so' ist freilich ein sehr kompliziertes Muster.

Wenn man philosophische Probleme nicht lösen will, -- warum gibt man es nicht auf, sich mit ihnen zu beschäftigen. Denn sie lösen heißt seinen Standpunkt, die alte Denkweise ändern. Und willst Du das nicht, so solltest Du die Probleme unlösbare nennen.

Es wird immer vorausgesetzt, daß der Lächelnde ein Mensch ist, nicht nur daß, was lächelt, ein menschlicher Körper ist. Es werden auch bestimmte Umstände vorausgesetzt & Zusammenhänge des Lächelns mit andern Formen des Benehmens. Aber wenn alles das vorausgesetzt ist, ist mir das Lächeln des Andern angenehm. Wenn ich jemand auf der Straße nach dem Weg frage, so ist mir eine freundliche Antwort lieber als eine unfreundliche. Ich reagiere unmittelbar auf das Benehmen des Andern. Das Innere setze ich voraus, insofern ich einen Menschen voraussetze.

Das 'Innere' ist eine Täuschung. D.h.: der ganze Ideenkomplex auf den damit angespielt ist, ist wie ein gemalter Vorhang vor die wirkliche Anwendung der Worte gezogen.

Mir scheint: wenn man nicht eigentlich wissen kann, ob sich jemand ärgert (z.B.), dann kann man es auch nicht eigentlich glauben, oder vermuten.

Ist es nicht wahr, daß, wessen ich 'sicher sein' kann, das kann ich auch 'wissen'?

Wäre es nicht lächerlich, wenn ein Anwalt im Gerichtssaal sagte, der Junge könne nicht wissen, der & der sei zornig gewesen, weil Zorn etwas Inneres sei? -- Dann kann man auch nicht wissen, ob Hängen eine Strafe ist.

Wer sagt "das kann man nicht wissen", macht eine Unterscheidung zwischen Sprachspielen. Er sagt: In solchen Sprachspielen gibt es ein Wissen, in solchen nicht. Und damit schränkt er den Begriff des 'Wissens' ein.

Diese Einschränkung könnte nützlich sein, wenn sie einen wichtigen Unterschied betont, den unser gewöhnlicher Sprachgebrauch übergeht. Aber ich glaube, so ist es nicht.

Aber ist denn die mathematische Sicherheit nicht größer als jede physikalische & schon erst recht als die Sicherheit darüber, was der Andre fühlt?

Und kann man nicht die größere Gewißheit der Mathematik eben so ausdrücken: In der Mathematik gäbe es ein Wissen?

In der Math. läßt eine bestimmte klar angebbare Evidenz keinen Zweifel offen. So ist es nicht, wenn wir wissen, jemand habe sich gefreut. Ob eine Rechnung das, oder jenes ergiebt, darüber kann es im Gerichtssaal nicht lange zum Streite kommen; wohl aber darüber, ob Einer ärgerlich war oder nicht. Aber folgt daraus, daß man das eine wissen, das andre nicht wissen kann? Eher noch, daß man im einen Fall die Entscheidung so gut wie immer weiß, im andern sie oft nicht weiß.

Wenn man sagt, man weiß nie, ob der Andre wirklich so & so gefühlt hat, dann nicht, weil er vielleicht in Wirklichkeit doch anders gefühlt hat, sondern weil sozusagen auch Gott nicht wissen kann daß er so gefühlt hat.

Ich bin z.B. überzeugt, daß mein Freund sich gefreut hat mich zu sehen. Nun aber sage ich mir, indem ich philosophiere, es könnte ja doch anders sein; vielleicht stellte er sich nur so. Aber sogleich sage ich mir, daß, auch wenn er dies selbst zugäbe, ich durchaus nicht sicher wäre, daß er sich nicht irrt, daß er sich selbst kennt. Es ist also im ganzen Spiel eine Unbestimmtheit. Man könnte sagen: In einem Spiel, in dem die Regeln unbestimmt sind, kann man nicht wissen, wer gewonnen & wer verloren hat.

Es gibt ein 'warum', worauf die Antwort keine Vorhersagen zuläßt. So ist es z.B. mit animistischen Erklärungen. Viele von Freuds Erklärungen, oder Göthes in der Farbenlehre sind von dieser Art. Die Erklärung gibt uns eine Analogie. Und nun ist die Erscheinung nicht mehr isoliert, sondern mit andern verknüpft.

Wenn Einer 'Freundschaft heuchelt & endlich seine wahren Gefühle zeigt, oder gesteht', denken wir für gewöhnlich nicht daran nun dies Geständnis in Zweifel zu ziehen & auch hier zu sagen, wir könnten nicht wissen, was wirklich in ihm vorgeht. Vielmehr scheint jetzt Sicherheit erreicht.

Wichtig ist dies: Ich mag aus gewissen Anzeichen & der Kenntnis einer Person, wissen, daß er sich freut, etc.. Aber einem Dritten kann ich nicht meine Beobachtungen beschreiben &, wenn er diesen traut, ihn dadurch von der Echtheit jener Freude etc. überzeugen.

Man sagt von einer Gefühlsäußerung "Sie sieht echt aus". Und welchen Sinn hätte das, wenn es nicht überzeugende Kriterien der Echtheit gäbe? Man kann nicht sagen "Das scheint echt", wenn man nicht auch sagen kann "Das ist echt."

"Dieses Weinen macht einen echten Eindruck" -- so gibt es also ein echtes Weinen. So gibt es also ein Kriterium dafür. "Aber kein sicheres!"

Wie unterscheidet sich Einer, der ein sicheres Kriterium anerkennt von einem, der's nicht tut?

Aber heißt denn, kein sicheres Kriterium anerkennen: nie sicher sein, daß der Andre so & fühlt? Kann ich nicht ganz sicher sein, & doch kein sicheres Kriterium anerkennen? Ich bin (benehme mich) sicher & weiß etwa nicht warum ich es bin.

Wie würde es aussehen, wenn Alle Menschen immer über die Gefühle des Andern unsicher wären? Sie würden scheinbar immer etwas zweifelhaft sein, immer etwa eine zweifelhafte Miene oder Gebärde machen, während sie den Andern bemitleiden etc.. -- Aber wenn wir nun diese ständige Gebärde weglassen, weil sie ständig ist, welches Benehmen bleibt dann? Etwa ein kühles, oder gleichgültiges nur oberflächliches interessiertes? Aber dann brauchen wir ihr Benehmen wieder nicht als Ausdruck des Zweifelns deuten. -- Also heißt es nichts, daß Alle immer ‥‥

Es gibt Unsicherheit & es gibt Sicherheit; aber daraus folgt nicht, daß es sichere Kriterien gibt.

Wie, wenn Einer nun sagte: "Ich weiß, daß er sich freut" heiße nichts anderes als, ich sei seiner Freude sicher, also wieder: ich reagiere auf ihn so & so, & zwar ohne Unsicherheit. Es wäre dann ungefähr so, wie "Ich weiß, daß alles zum Guten ist" -- der Ausdruck meiner eigenen Stellungnahme zu was immer kommt. Und hier wäre Grund zu sagen, dies sei eigentlich kein Wissen. Die letztere Aussage würde aber auch im Gerichtssaal niemand davon überzeugen, daß alles zum Guten ist.

Und hier liegt nun etwas Wichtiges: Die Aussage "Ich weiß, daß er sich freut" würde doch auch im Gerichtssaal nicht als mehr gelten als: "Ich habe den sichern Eindruck, daß er sich freut". Der Fall wäre nicht der gleiche, wie wenn ein Physiker aussagte, er habe dies Experiment gemacht & es habe dies ergeben; oder wie wenn ein Mathematiker über eine Berechnung aussagte. -- Wenn ich den Andern lange gekannt habe, wird der Gerichtshof wohl auch meine Aussage gelten lassen, ihr Gewicht beilegen. Aber meine absolute Sicherheit wird ihm nicht ein Wissen bedeuten. Denn aus einem Wissen müßte er ganz bestimmte Schlüsse ziehen können.

Und man kann nicht entgegnen: "Ich ziehe bestimmte Schlüsse aus meinem Wissen, auch wenn's niemand andrer kann" -- denn Schlüsse müssen für Alle gelten.

Die Verbindung der Evidenz mit dem, wofür sie Evidenz ist, ist hier nicht zwangsläufig. Und ich meine nicht: "die Verbindung des Äußern mit dem Innern".

Man könnte sogar sagen: Die Unsicherheit über das Innere ist eine Unsicherheit über etwas Äußeres.

Wenn "Ich weiß ..." heißt: Ich kann den Andern überzeugen, wenn er mir die Evidenz glaubt, dann kann man sagen: Ich mag zwar über seine Stimmung so sicher sein, wie über die Wahrheit eines math. Satzes, aber es ist dennoch falsch zu sagen, ich wisse seine Stimmung. (Es ist aber dennoch falsch zu sagen: Wissen sei ein anderer SeelenZustand als Sicher-Sein. (Ich ist ein andrer Mensch als L.W.))

D.h.: 'wissen' ist ein psychologischer Begriff andrer Art als 'sicher sein', 'überzeugt sein', 'glauben', 'vermuten', etc.. Die Evidenz für das Wissen ist andrer Art.

Russell's Beispiel: "Ich weiß, daß der gegenwärtige Ministerpräsident eine Glatze hat"; der es sagt ist sicher & zwar weil er fälschlich glaubt, X sei Ministerpräsident; aber auch der gegenwärtige hat eine Glatze & so ist seine Behauptung wahr & doch weiß er nicht, daß sie's ist.

"Ich weiß, daß es so ist" ist zwar ein Ausdruck meiner vollkommenen Sicherheit, aber es folgt aus ihm noch andres als meine Sicherheit.

Erstens heißt natürlich "Seine Gefühle kann ich nicht wissen" nicht: ...im Gegensatz zu meinen. Zweitens heißt es nicht: ich kann seiner Gefühle nie ganz sicher sein.

Aussage: "Ich weiß, daß die Flasche dort gestanden ist." -- "Wie weißt Du das?" -- "Ich habe sie dort gesehen." -- Wenn nun die Aussage ist: "Ich weiß, daß er sich gefreut hat", & gefragt wird "Wie weißt Du das?" -- Was ist die Antwort? Sie ist nicht einfach die Beschreibung eines physikalischen Tatbestandes. Es gehört z.B. dazu, daß ich den betreffenden kenne. Wenn im Gerichtssaal ein Film vorgeführt werden könnte, in dem die ganze Szene wiedergegeben wäre, sein Mienenspiel, seine Gebärden, seine Stimme, könnte das manchmal ganz überzeugend wirken. Zum mindesten wenn er kein Schauspieler ist. Aber es wirkt z.B. nur, wenn die, welche die Szene beurteilen der gleichen Kultur angehören. Ich wüßte z.B. nicht, wie bei Chinesen die echte Freude aussieht.

Nicht darauf richten wir unser Augenmerk, daß einer nicht wissen kann, was ein anderer erlebt, daß ein Erlebnis in irgend einem Sinne das Geheimnis dessen ist, der es hat, sondern auf die Regeln der Evidenz überhaupt, die sich auf Erlebnisse beziehen.

Wichtig ist z.B. daß man einen Menschen 'kennen' muß, um beurteilen zu können, welche Bedeutung einer Gefühlsäußerung von ihm beizumessen ist, & daß man doch nicht beschreiben kann, was man an ihm kennt. Ebenso wichtig ist, daß man nicht sagen kann, worin die wesentlichen beobachtbaren Folgen eines innern Zustandes bestehen. Wenn er sich z.B. wirklich gefreut hat, was ist dann von ihm zu erwarten, & was nicht? Es gibt natürlich solche charakteristische Folgen aber sie sind nicht so zu beschreiben, wie die Reaktionen welche einen Zustand eines physikalischen Gegenstands kennzeichnen.

Man muß auch dies bedenken: Echtheit & Unechtheit sind nicht die einzigen wesentlichen Merkmale eines Gefühlsausdrucks.

Es ist z.B. nicht zu sagen, ob eine Katze, die schnurrt & gleich darauf kratzt, sich verstellt habe. Es könnte sein daß ein Mensch die Zeichen der Freude von sich gäbe & sich dann in ganz unerwarteter Weise benimmt, & daß wir doch nicht sagen können, der erste Ausdruck sei nicht echt gewesen.

Es scheint mir so wenig festzustehen, daß es nur echten oder verstellten Gefühlsausdruck geben kann, wie daß es nur Dur oder Moll Tonarten geben kann.



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II MS 176

"Kann man wissen, was in dem Andern vorgeht, wie er selbst es weiß?" -- Wie weiß er es denn? Er kann sein Gefühl (z.B.) ausdrücken. Ein Zweifel für ihn, ob er wirklich dies Erlebnis habe -- analog dem Zweifel, ob er wirklich die & die Krankheit habe -- tritt in das Spiel nicht ein; & darum ist es falsch zu sagen, er wisse, was er erlebe. Der Andre aber kann sehr wohl zweifeln, ob Jener dies Erlebnis habe. Der Zweifel tritt also in's Spiel ein, aber eben darum ist es auch möglich daß völlige Sicherheit besteht.

Muß ich weniger sicher sein, daß Einer Schmerzen leide, als daß 12 × 12 = 144 ist?

Und doch sagt man manchmal, das könne man nicht wissen. Nun, vor allem, man kann es nicht beweisen. D.h., es gibt hier so etwas wie einen Beweis, der sich auf (allgemein) anerkannte Prinzipien stützt, nicht.

Aber das, was in ihm ist, wie kann ich es sehen? Es ist zwischen seinem Erlebnis & mir immer der Ausdruck! Hier ist das Bild: Er sieht's direkt, ich indirekt. Aber das ist falsch. Er sieht nicht etwas & beschreibt es.

Wenn 'etwas in ihm vorgeht', so seh ich's freilich nicht, aber wer weiß, ob er selbst es sieht. -- -- --

Sehe ich nicht wirklich oft, was in ihm vorgeht? -- "Ja, aber nicht so wie er selbst es wahrnimmt. Ich sehe, daß er Schmerzen hat, aber fühle doch dabei keine Schmerzen. Und wenn ich welche fühlte, wären's nicht die seinen." Das heißt nichts. Anderseits wäre es denkbar, es ließe sich mit einem Andern eine Verbindung herstellen, durch die ich denselben Schmerz (d.h. die gleiche Art des Schmerzes) empfände, & an der gleichen Stelle, wie der Andre. Aber daß das der Fall ist, müßte man durch den Schmerzausdruck der beiden feststellen.

Und wenn sich diese Art, den Schmerz des Andern kennen zu lernen, bewährt hätte, wäre es denkbar, daß man sie, dem Schmerzausdruck eines Menschen entgegen anwendete, also seiner Äußerung mißtraute, wenn sie mit jener Probe im Widerspruch stünde. Und nun kann man sich doch auch denken, daß es Menschen gibt, die sich ursprünglich nach jener Methode richten, & das "Schmerz" nennen, was durch sie ermittelt wird. Dann wird ihr Begriff 'Schmerz' dem unsern verwandt, aber von ihm verschieden sein. (Es kommt aber natürlich nicht darauf an, ob sie diesen ihren Begriff mit dem gleichen Wort benennen, wie wir den verwandten, sondern nur darauf, daß er in ihrem Leben das Analogon zu unserm Schmerzbegriff ist.

Diesem Analogon unseres Begriffes fehlte dann jene Unsicherheit der Evidenz des unsern. In diesem Punkte wären sich unsre Begriffe nicht ähnlich.

(Nennen wir jenen analogen Begriff "Schmerz", so können diese Leute glauben daß sie Schmerzen haben & auch daran zweifeln. Sollte aber jemand sagen: "Nun dann besteht eben wesentlich keine Ähnlichkeit zwischen den Begriffen" -- dann können wir entgegnen: Es gibt hier ungeheure Unterschiede, aber auch große Ähnlichkeiten.)

Man könnte sich denken daß zur Feststellung, ob Einer 'Schmerzen' habe eine Art Fieberthermometer verwendet wird. Schreit ein Mensch oder stöhnt er, so legen sie ihm das Thermometer ein, & erst wenn dies den & den Ausschlag zeigt, fangen sie an den Leidenden zu bedauern & ihn zu behandeln wie wir den, der 'offenbar Schmerzen hat'.

Hängt unsere Logik des Schmerzbegriffes mit dem tatsächlichen Fehlen gewisser physischer Möglichkeiten des Gedanken- & Gefühllesens zusammen? -- Wenn das eine Frage der Kausalität ist, -- wie kann ich sie beantworten?

Die Frage könnte eigentlich so gestellt werden: Wie hängt, was uns wichtig ist, von dem ab, was physisch möglich ist?

Wenn uns das Messen nicht wichtig ist, dann messen wir nicht, auch wenn wir's können.

15.04.1951

"Ist die Unmöglichkeit zu wissen, was im Andern vorgeht eine physische oder eine logische? Und wenn beides, -- wie hängen sie zusammen?" Vorerst: es ließen sich Möglichkeiten der Erforschung des Andern denken, die in Wirklichkeit nicht bestehen. Also gibt es eine physische Unmöglichkeit. Die logische Unmöglichkeit liegt in dem Fehlen exakter Regeln der Evidenz. (Daher drücken wir uns manchmal so aus: "Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein." Obgleich Verstellung nur eine von vielen möglichen Ursachen eines falschen Urteils ist.) -- Wir können uns eine Arithmetik vorstellen, in der Aufgaben mit kleinen Zahlen mit Sicherheit gelöst werden können, die Resultate aber umso unsicherer werden, je größer die Zahlen sind. So daß die Leute, die diese Rechenkunst besitzen, erklären, man könne des Produktes zweier großen Zahlen nie ganz sicher sein & es ließe sich auch keine Grenze angeben zwischen kleinen & großen Zahlen. Aber es ist natürlich nicht wahr, daß wir der seelischen Vorgänge im Andern nie sicher sind. Wir sind es in unzähligen Fällen. Und es bleibt nun die Frage, ob wir unser Sprachspiel, das auf 'unwägbarer Evidenz' beruht & oft zu Unsicherheit führt, aufgeben würden, wenn wir die Möglichkeit hätten, es mit einem exaktern zu vertauschen, das im großen & ganzen ähnliche Folgen hätte. Wir könnten -- z.B. -- mit einem mechanischen "Lügen-Detektor" arbeiten & eine Lüge neu definieren, als dasjenige was einen Ausschlag des Lügen-Detektors erzeugt. Die Frage ist also: Würden wir unsre Lebensform ändern, wenn uns das & das zur Verfügung gestellt würde? -- Und wie könnte ich die beantworten?


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