- Some Remarks on Logical Form (1929): Volltext, Analyse (Übersicht/17), INDEX-Eintrag - Kap 03: Gegenstand/Einfachheit, Stützpunkt im logischen Raum, intern/extern, Sachverhalt/Sachlage, Neinologie-Randnotiz Co-Authored-By: Claude Opus 4.8 (1M context) <noreply@anthropic.com>
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| Some Remarks on Logical Form | SRLF |
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1929 | 1929 | englisch | primärwerk-metadaten |
Some Remarks on Logical Form (SRLF) — Metadaten & Analyse
Vollständiger Titel: Some Remarks on Logical Form Entstehung/Veröffentlichung: 1929, Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 9, S. 162–171. Geschrieben für das Joint Session der Aristotelian Society / Mind Association (Juli 1929) — W. hat ihn dort nicht vorgetragen (sprach stattdessen über Unendlichkeit). Vorlage der Vault-Edition: Philosophical Occasions 1912–1951, hg. Klagge/Nordmann, Hackett 1993, S. 29–35. Seitenmarken im Volltext (163)–(171). Stellung im Werk: Der einzige philosophische Aufsatz, den W. nach der ABH und vor dem Spätwerk publiziert hat. Erste Schrift nach der Rückkehr nach Cambridge (Jan. 1929). W. hat den Text fast sofort selbst als schwach verworfen — die Sache (Farbausschließung) blieb aber der Hebel, der die ABH aufbrach. Volltext: Some Remarks on Logical Form/Some Remarks on Logical Form
Gesamtcharakter
Kurzer (≈ 6 Seiten), dichter Aufsatz. Zwei Bewegungen: (1) eine methodische — Atomformen lassen sich nicht a priori erraten, sondern nur a posteriori an den Phänomenen finden; (2) eine destruktive Selbstkorrektur — die ABH-These der Unabhängigkeit der Elementarsätze (2.061) ist falsch, wie die Farb-/Gradausschließung zeigt. Der zweite Punkt ist das, was den Aufsatz historisch bedeutsam macht: W. widerruft hier namentlich eine eigene publizierte Lehre. Die Bildtheorie selbst (Projektion, „reaches up to reality", interne Relation) wird nicht widerrufen, sondern beibehalten und gegen die Wahrheitsfunktionen-Maschinerie in Stellung gebracht.
Argumentationsgang
- Form/Inhalt, reine Form über Variablen (S. 162): Syntax = Regeln, die festlegen, in welchen Verbindungen ein Wort Sinn gibt; sie soll Unsinn ausschließen („red is higher than green"). Die Syntax der Umgangssprache leistet das nicht.
- Analyse → Atomsätze (S. 163, Russells Terminus): die Kerne, der „ultimate connection of terms". Aber: Atomformen kann man nicht a priori voraussehen. Korrekte Analyse nur durch „logical investigation of the phenomena themselves", a posteriori — nicht durch Konjekturen über a-priori-Möglichkeiten. Subjekt-Prädikat / Relation als Atomformen anzunehmen ist „mere playing with words". → Bruch mit der a-priori-Kombinatorik der ABH.
- Ebenen-Gleichnis I/II (S. 164): Umgangssprachliche Subjekt-Prädikat-/Relationsformen sind Normen (wie „jede Ellipse wird als Kreis projiziert"), in die sehr verschiedene logische Formen projiziert werden. Aus der Norm lässt sich die wirkliche logische Form nicht ablesen. — Das ist die ABH-Bildtheorie (Projektionsmethode, Form der Darstellung) in voller Kontinuität.
- Zahlen in den Atomsätzen (S. 165–167): Bei der wirklichen Analyse stößt man auf Raum/Zeit, Farben, Töne mit ihren Gradabstufungen. Deren Darstellung verlangt, dass Zahlen (rationale und irrationale) in die Struktur der Atomsätze selbst eingehen (Beispiel: Farbfleck „[6–9, 3–8] R", Koordinatensystem als Teil der Projektionsmethode). Zahlen sind „essential and unavoidable", kein bloßes Symbolik-Merkmal — überall, wo Eigenschaften Gradabstufung zulassen (Länge, Tonhöhe, Helligkeit, Röte).
- Gradausschließung als „Tautologie" (S. 167): „one degree of them excludes any other". Das ist keine Erfahrung, sondern „in some sense tautologies" (Temperatur-Beispiel: sagt man „80 Grad", sagt man nicht zusätzlich, dass es nicht 90 sind).
- Die gescheiterte Analyse (S. 168): Gradaussage = logisches Produkt von Einheits-Aussagen + „and nothing else"? Geht nicht: E(2b) müsste E(b) & E(b) sein = E(b); unterscheidet man Einheiten E(b') & E(b"), wird absurd (welche der beiden?). → Gradaussagen sind unanalysierbar.
- Der namentliche Widerruf (S. 168): „The mutual exclusion of unanalyzable statements of degree contradicts an opinion which was published by me several years ago [= ABH] and which necessitated that atomic propositions could not exclude one another." Wichtige Differenzierung: ausschließen ≠ widersprechen. Atomsätze können einander nicht widersprechen, aber ausschließen.
- Der Mechanismus (S. 169): Die Funktion „( ) P T" lässt „room only for one entity" (Stuhl-Gleichnis: nur Platz für eine Person). „R P T & B P T" ist „some sort of contradiction (and not merely a false proposition)" — aber die Symbolik, die das logische Produkt bilden lässt, „gives here no correct picture of reality".
- Wahrheitstafel-Behandlung (S. 170–171): Bei „R P T & B P T" muss die Zeile „T T T" verschwinden (unmögliche Kombination). Es gibt also kein logisches Produkt im ersten Sinn — darin liegt die Ausschließung (vs. Widerspruch). Eine perfekte Notation müsste solche Kombinationen durch Syntaxregeln ausschließen. Aber: diese Regeln „cannot be laid down until we have actually reached the ultimate analysis of the phenomena in question. This … has not yet been achieved." → offener, unerfüllter Schluss.
Welche ABH-Thesen brechen
- 2.061 „Die Sachverhalte sind von einander unabhängig." — direkt widerrufen.
- 2.062 „Aus dem Bestehen oder Nichtbestehen eines Sachverhaltes kann nicht auf das Bestehen oder Nichtbestehen eines anderen geschlossen werden." — gebrochen (aus „a ist rot" folgt „a ist nicht grün").
- 4.211 „Ein Zeichen des Elementarsatzes ist es, dass kein Elementarsatz mit ihm in Widerspruch stehen kann." — aufgeweicht: Atomsätze widersprechen einander zwar nicht, schließen sich aber aus.
- 5.134 „Aus einem Elementarsatz lässt sich kein anderer folgern." — gebrochen.
- Allgemeine Satzform / Wahrheitsfunktionalität (6, N-Operator): Nicht alle Wahrheitswert-Kombinationen sind verfügbar (die „T T T"-Zeile fällt weg) → die rein wahrheitsfunktionale Erfassung aller logischen Beziehungen versagt. Logik muss schon in die Form der Atomsätze hinein (Zahlen, Systeme).
- 6.3751 (Farbausschließung): Die ABH hatte hier bereits „logisch unmöglich … durch die logische Struktur der Farbe ausgeschlossen" gesagt, die Lösung aber in eine künftige Analyse verschoben. SRLF gibt genau diese Hoffnung auf („no analysis can eliminate statements of degree").
Kontinuität (was bleibt)
- Bildtheorie / Projektion: das Ebenen-Gleichnis I/II ist die ABH-Bildtheorie; „a proposition reaches up to reality" (vgl. 2.1511) wird bekräftigt.
- Interne Relation (4.122 ff.): „difference of degree is an internal relation" — ABH-Vokabular, jetzt gegen die Wahrheitsfunktionen gewendet.
- Logische Mannigfaltigkeit (4.04): „the atomic statement must have the same multiplicity as the degree which it attributes" — Verschärfung von 4.04.
Schlüsselbegriffe
atomic proposition, logical multiplicity, mode of projection, degree / gradation, mutual exclusion vs. contradiction, numbers in atomic propositions, internal relation, a posteriori analysis of phenomena, „reaches up to reality", systems of representation (implizit).
Resonanz mit Buchprojekt
Stützt die „Überzieh"-Diagnose direkt — als W.s eigenes späteres Urteil über die ABH.
- Der Aufsatz ist W.s eigenes Eingeständnis, dass die ABH überzogen hat: die Forderung, alle logische Ordnung sei a priori, die Elementarsätze unabhängig und alle Logik wahrheitsfunktional, hält am simpelsten wirklichen Phänomen (ein Farbfleck) nicht stand. Das ist das Monster, das an der ersten echten Farbe knirscht (McGinn-Linie /
[[03-der-logische-raum]]). - Bestätigt die Sachlage-als-Ausschließungs-Strauss-Lesart des Users textnah: W. behandelt Farbe 1929 selbst als System sich ausschließender „completes" („R P T leaves room only for one") — genau der Strauss „a ist rot → a ist nicht grün/blau/…". W. wird zu dem getrieben, was der User aus 2.0131 herausliest.
- Stützt „Gegenstand als Stützpunkt mit Farbraum um sich" (2.0131): Die Form des Gegenstands (der Möglichkeitsraum) ist intern/strukturell und leistet mehr, als die offizielle ABH-Kombinatorik unabhängiger Atome erlaubt — daher müssen Zahlen/Systeme in die Atomform.
- Vorsicht beim Zitieren: SRLF ist post-ABH. Wie die Tagebuch-Stelle „Offenbar garantiert…" als Entwicklungs-/Verdikt-Beleg führen, nicht als ABH-internen Beweis. Es zeigt, dass W. den Bruch selbst sah — nicht, dass die ABH ihn schon ausspricht.
Belegstellen (Seitenmarken der Vorlage)
- a-posteriori-Methode: „we can only arrive at a correct analysis by … the logical investigation of the phenomena themselves, i.e., in a certain sense a posteriori" (S. 163–164).
- Zahlen unvermeidlich: „numbers (rational and irrational) must enter into the structure of the atomic propositions themselves" (S. 165).
- Gradausschließung als Tautologie: „these remarks do not express an experience but are in some sense tautologies" (S. 167).
- Der Widerruf: „contradicts an opinion which was published by me several years ago … that atomic propositions could not exclude one another … I deliberately say ‚exclude' and not ‚contradict'" (S. 168).
- „room only for one": „That which corresponds in reality to the function ‚( ) P T' leaves room only for one entity" (S. 169).
- Offener Schluss: „Such rules … cannot be laid down until we have actually reached the ultimate analysis … This … has not yet been achieved." (S. 171).