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title: Ethik und Mystisches — Atlas
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type: atlas
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tags:
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- ethik
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- mystisches
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- schweigen
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- religion
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# Ethik und Mystisches — werkübergreifend
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Ein **früh und spät präsentes Thema**, aber unterschiedlich behandelt:
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- **ABH**: kurz und endgültig (6.4er-Reihe + 7).
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- **Tagebücher 1914–1916**: ausführlich, mit religiösen Notizen.
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- **Vortrag über Ethik 1929**: einziger eigenständiger Aufsatz.
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- **Vermischte Bemerkungen**: streiflichtartig, durchgängig.
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- **Späte Hauptwerke (PU, BGM, ÜG)**: praktisch abwesend.
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## ABH — Hauptort
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**6.4er-Reihe** + Schluss.
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- **6.41**: „Der Sinn der Welt muss außerhalb ihrer liegen. … In ihr gibt es keinen Wert."
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- **6.42**: „Darum kann es auch keine Sätze der Ethik geben. Sätze können nichts Höheres ausdrücken."
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- **6.421**: „Es ist klar, dass sich die Ethik nicht aussprechen lässt. Die Ethik ist transzendental. (Ethik und Ästhetik sind Eins.)"
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- **6.422**: „Der erste Gedanke bei der Aufstellung eines ethischen Gesetzes von der Form 'du sollst …' ist: und was dann, wenn ich es nicht tue?"
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- **6.43**: „Wenn das gute oder böse Wollen die Welt ändert, so kann es nur die Grenzen der Welt ändern, nicht die Tatsachen … Die Welt des Glücklichen ist eine andere als die des Unglücklichen."
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- **6.44**: „Nicht *wie* die Welt ist, ist das Mystische, sondern *dass* sie ist."
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- **6.45**: „Die Anschauung der Welt sub specie aeterni ist ihre Anschauung als — begrenztes — Ganzes."
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- **6.522**: „Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies *zeigt* sich; es ist das Mystische."
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- **6.54**: „Meine Sätze erläutern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt …"
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- **7**: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen."
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## Tagebücher 1914–1916
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Ausführliche religiöse und ethische Bemerkungen, vor allem während der Kriegszeit. Hauptpassagen:
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- **1916** (Juli–August): „Ich habe an Gott gedacht. Daß ich Gott unterwürfig bin." (Codierte Bemerkung.)
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- **8.7.1916** ff.: „An einen Gott glauben heißt sehen, dass es mit den Tatsachen der Welt noch nicht abgetan ist."
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- Das gesamte Material zu „Welt", „Glücklicher Mensch", „Sinn des Lebens" liegt hier sehr offen — in der ABH zusammengezogen auf die 6.4er-Reihe.
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## Vortrag über Ethik (1929)
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**Wittgensteins einziger eigenständiger Vortrag zur Ethik.**
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- Definiert „absoluten" gegenüber „relativen" Wert: relative Sätze („Dies ist ein guter Stuhl") sind klar; absolute Sätze („Dies ist absolut gut") sind unklar.
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- **Drei Beispiele für ethisches Erleben**:
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1. „Erfahrung der absoluten Sicherheit" (sich nichts kann mir passieren).
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2. „Wunder, dass die Welt existiert" — Verwunderung über das Sein.
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3. Schuld-Empfinden, das absolut ist.
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- Wittgensteins Schlussfolgerung: ethische Sätze „running against the boundaries of language". Sie sind unsinnig — aber kein gewöhnlicher Unsinn, sondern ein „Stoßen an Grenzen".
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- Verbindung zur ABH 6.421: „Ethik ist transzendental."
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## Vermischte Bemerkungen — streiflichtartig
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VB enthält über alle Lebensphasen hinweg ethische, religiöse, ästhetische Bemerkungen. Schlüssel-Cluster:
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- 1929–1937 (Schreibens-Beginn der mittleren Phase): viele Bemerkungen zur eigenen Aufrichtigkeit, Schreibmethode, Glaubensfrage.
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- 1947–1948 (späte Cambridge-Zeit): Bemerkungen zu Kierkegaard.
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- VB durchgehend: „Wenn Gott dich nicht hinunterstößt, so wird dich niemand hinunterstoßen können." — die Idee, dass Religion sich nicht aus Lehrsätzen, sondern aus einer Lebensweise zeigt.
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## Bemerkungen über Frazer (1931)
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Ethnologische Bemerkungen zu Magie und Religion. Wichtige Punkte:
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- Wittgenstein gegen Frazers Reduktion magischer Praktiken auf „falsche Wissenschaft".
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- Religion und Magie sind „**Bilder einer Lebensform**", nicht primitive Erklärungsversuche.
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- Methodische Pointe: nicht erklären, sondern „**übersichtlich darstellen**".
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## Vorlesungen über religiösen Glauben (Cambridge 1938)
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(Nicht im Vault enthalten, aber im Kontext relevant — siehe Klagge/Nordmann, *Philosophical Occasions* 1993.)
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## Spätschriften — fast abwesend
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PU, BGM, ÜG: praktisch keine ethischen Bemerkungen. Das Schweigen ist hier nicht „Mystik" wie in der ABH, sondern Folge der methodischen Selbstbeschränkung.
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## Für das Buchprojekt
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- ABH-Schluss (6.4er + 7) ist Teil des Hauptbuchs als „**negative Ethik**" (siehe `ideenpool/topics/negative-ethik.md`).
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- Vortrag über Ethik liefert die einzige eigenständige Selbst-Exposition Wittgensteins. **Pflicht-Referenz für den Epilog.**
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- VB liefert das biographische Material — sparsam einsetzen.
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- Frazer-Bemerkungen sind für die *Methodenfrage* wichtig: „übersichtliche Darstellung" gilt für Ethik wie für Magie und für Philosophie überhaupt.
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