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| Personen — Atlas | atlas |
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Personen — werkübergreifend
Wo erwähnt Wittgenstein wen? Übersicht der Hauptbezugspersonen — Philosophen, Wissenschaftler, Künstler — und ihrer Vorkommen in den 16 Werken.
Frequenzmatrix (grep)
| Person | ABH | TB | PU | Z | ÜG | BdF | VB | BGM | BPP | LSPP | PPF | VüE | UW | BüF | BB |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Russell | 23 | 4 | 2 | 3 | 1 | 0 | 3 | 21 | 2 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 8 |
| Frege | 16 | 1 | 3 | 2 | 1 | 0 | 1 | 6 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 |
| Augustinus | 0 | 0 | 10 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 |
| Moore | 1 | 0 | 0 | 0 | 38 | 0 | 1 | 0 | 1 | 4 | 2 | 5 | 0 | 0 | 0 |
| W. James | 0 | 0 | 3 | 4 | 0 | 2 | 0 | 0 | 13 | 4 | 1 | 0 | 0 | 0 | 2 |
| Goethe | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 | 13 | 6 | 0 | 4 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Frazer | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 15 | 0 |
| Köhler | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 9 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Hertz | 2 | 2 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 2 |
| Boltzmann | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Newton | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 1 | 1 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Mach (Ernst) | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 | 0 |
Russell
ABH-Hauptbezugsfigur (23 Treffer). Auftritte:
- Vorwort: Russell wird als einer der zwei Hauptanreger genannt (neben Frege).
- 3.331: Russells „Theorie der Typen". Wittgenstein: Russell verletzt mit der Typentheorie die eigenen Regeln, weil er von „Typen" spricht.
- 3.333: „Eine Funktion kann nicht ihr eigenes Argument sein …" Russell-Antinomie-Auflösung.
- 4.0031: „Russells Verdienst ist es, gezeigt zu haben, dass die scheinbare logische Form des Satzes nicht seine wirkliche sein muss."
- 4.123–4.1273: Russell-Notation, Begriffsschrift, allgemeine Form.
- 5.4 ff.: keine logischen Gegenstände — Anti-Russell.
- 5.5302: Russells „=" als Identitätszeichen ist mehrdeutig.
- 5.5563: „Alle Sätze unserer Umgangssprache sind tatsächlich, so wie sie sind, logisch vollkommen geordnet."
- 6.123: Russell zur Logik.
- 6.1232: „die Russellsche Axiom"-Diskussion.
- Russell ist also der Hauptgegner der ABH-Logik-Konzeption — bei aller Anerkennung.
BGM (21 Treffer): Wittgenstein arbeitet sich an Russells Principia Mathematica-Konzeption ab, vor allem an der Mengenlehre.
Sonst: Russell erscheint selten — Wittgenstein wendet sich ab von Russell als Bezugsfigur ab den 30er Jahren. Ursache und Wirkung (1937) ist eine direkte Auseinandersetzung mit Russells These vom „intuitiven Erfassen" der Kausalität.
Frege
ABH (16 Treffer): Hauptbezugsfigur neben Russell.
- Vorwort: ABH verdankt „den großartigen Werken Freges" einen großen Teil der Anregung.
- 3.143: Freges Notation des Satzes als „aRb".
- 3.318: Freges Begriff der „Bedeutung" — Wittgenstein folgt Frege gegen Russell hier.
- 3.325: Begriffsschrift soll die logische Grammatik beachten — Frege-Pflicht.
- 4.063: Freges Wahrheits-Begriff — kritisch.
- 4.431: Frege zu Sinn/Bedeutung.
- 4.442: Frege-Notation des Urteilsstrichs („⊢"). Wittgenstein: das ist nicht „die Behauptung", sondern nur ein Annotationszeichen.
- 5.02: Argument und Affix; Frege-Russell-Diskussion.
- 5.42: das Frege-Russell-Russelsche Logik-Programm.
- 5.451: Funktionalität bei Frege.
- 5.521: Frege/Russell-Behandlung der Allgemeinheit.
- 5.532: „Frege hat in seinen Arbeiten über die Grundlagen der Arithmetik …"
- 6.123: Frege zur Logik.
Wittgensteins Verhältnis zu Frege: deutlich respektvoller als zu Russell — auch im Spätwerk gelegentliche Frege-Bemerkungen (PU §§ 49, 71, 561), meist zustimmend zitiert.
Augustinus
PU §§ 1–4: das Augustinus-Bild der Sprache als Eröffnung der PU. Das Augustinus-Zitat (Confessiones I/8) wird zur didaktischen Eröffnung — Wittgensteins erste „Übersichtliche Darstellung" einer Sprachauffassung.
- § 1: das Originalzitat (lateinisch + Übersetzung).
- § 2: das Bauarbeiter-Beispiel als „vollständige primitive Sprache".
- § 3: „Augustinus beschreibt … ein System der Verständigung; nur ist nicht alles, was wir Sprache nennen, dieses System."
- § 4: Augustinus' Auffassung als zu vereinfachte Schrift-Analogie.
- § 32: Augustinus, der „Eingeborene", lernt eine Fremdsprache.
- § 89: Augustinus zur Zeit-Frage („Was ist also die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt …").
Augustinus ist die einzige Großfigur, die fast nur in einem Werk (PU) prominent erscheint.
Moore
ÜG (38 Treffer): Hauptbezugsfigur des Spätwerks. ÜG entsteht als Antwort auf Moores Proof of an External World (1939) und A Defence of Common Sense (1925).
- ÜG §§ 1–20: was Moore meinen könnte, wenn er sagt „Ich weiß, dass dies eine Hand ist."
- ÜG §§ 32–60: Moores Spezielle Sätze als „Grundlagen-Sätze", nicht als Wissens-Sätze.
- ÜG §§ 92–95: Weltbild und Moore-Sätze.
William James
BPP (13 Treffer): William James ist die Hauptfigur, an der Wittgenstein die Psychologie der Spätphase entwickelt. Principles of Psychology (1890) liegt im Hintergrund vieler BPP-Bemerkungen.
- Z 1: James' These „der Gedanke sei schon am Anfang des Satzes fertig".
- BPP I § 173, § 254, § 335, § 451 etc.: Aufnahme und Kritik einzelner James-Positionen — meist sympathisch, immer mit kritischer Wendung („James sagt etwas, was wie eine psychologische Aussage klingt und keine ist").
Goethe
BdF (13 Treffer): Goethes Farbenlehre ist die Hauptgesprächspartnerin. Wittgenstein nimmt Goethe ernst — als „Phänomenologe der Farben", nicht als Anti-Newton.
- BdF I § 13 ff.: Goethes Lehre als „begriffliches Modell", nicht als physikalische Theorie.
- BdF II § 16: Goethe-Position zur „Trübung des Mittels".
- BdF III § 86 ff.: ausführliche Goethe-Diskussion.
In VB (6 Treffer): Goethe als Schriftsteller, kulturkritische Bemerkungen.
Frazer
BüF ist eine eigenständige Auseinandersetzung mit J. G. Frazer, The Golden Bough. 15 Treffer in 321 Zeilen — sehr dicht.
- Kritik der Frazerschen Reduktion magischer Riten auf „falsche Wissenschaft".
- Frazers Methode = Erklärungsversuch; Wittgensteins Methode = übersichtliche Darstellung.
Köhler
BPP (9 Treffer): Wolfgang Köhler, Gestaltpsychologe (Gestalt Psychology 1929).
- BPP I § 561, § 869, § 971: Aspektsehen-Diskussion. Wittgenstein: „Im Gegensatz zu Köhler ist es gerade eine Bedeutung, die ich sehe."
Hertz, Boltzmann
- Heinrich Hertz, Prinzipien der Mechanik (1894): Vorbild des ABH-Bildtheorie-Begriffs. ABH 4.04, TB 1.5.1915. Hertz hat den Begriff „Bild" (im Sinn von „Modell") in der Mechanik eingeführt — Wittgensteins ABH-Bildtheorie ist davon inspiriert.
- Ludwig Boltzmann: nur einmal in VB erwähnt (Wittgensteins Vorbild als Wissenschaftler aus seiner Wiener Jugend). Boltzmann hatte sich 1906 das Leben genommen; Wittgenstein hatte ursprünglich vorgehabt, bei ihm in Wien zu studieren.
Newton
Nur in VB (1 Treffer) und in BdF (1 Treffer). Wittgenstein steht der Newtonschen Optik kritisch gegenüber (BdF III) — aber nicht zugunsten von Goethe, sondern wegen der grammatischen Konfusion zwischen Physik und Phänomenologie.
Ernst Mach
Ernst Mach kommt in Wittgensteins Werk explizit nicht vor. Das ist wichtig festzuhalten: die in der Wittgenstein-Forschung (und im Buchprojekt-Memory) gelegentlich gezogene Mach-Linie ist eine Außen-Rekonstruktion, keine W.-Selbstangabe. Die strukturelle Parallele (Beobachter, Bezugsweise) bleibt zu zeigen — sie ist nicht zitierbar.
(Mach erscheint in Brian McGuinness' Biographie Young Ludwig als Hintergrundfigur der Wiener Boltzmann-Hertz-Linie; und in Wittgensteins Briefen an Russell vor 1912. Aber im philosophischen Werk: nicht.)
Weitere knapp erwähnte Figuren
- Kierkegaard: VB mehrfach, BPP gelegentlich. Religiöse und ethische Bemerkungen.
- Schopenhauer: TB häufig (1914–1916); ABH-Solipsismus-Linie hat Schopenhauer-Hintergrund.
- Spengler: VB, mehrfach (1930er Jahre). Wittgenstein über kulturkritischen Pessimismus.
- Freud: VB und einige BPP-Bemerkungen. Wittgenstein über Freuds „Mythologie".
- Tolstoi: VB („Tolstois Volkserzählungen"). Religiöse Inspiration der Frontphase.
- Brahms, Bruckner, Beethoven, Schubert: VB, kulturkritisch.
- Sraffa: keine direkte Werks-Erwähnung; Wittgenstein hat aber im PU-Vorwort die „Anregungen meines Freundes Sraffa" als entscheidend für die Spätphilosophie genannt.
Für das Buchprojekt
- Russell + Frege sind die ABH-Hauptfiguren — bereits in
ideenpool/topics/russell-und-frege-kritik.mdaufgenommen. - Hertz ist die unauffällige Schlüsselfigur für die ABH-Bildtheorie — eine knappe Würdigung in der Einleitung lohnt sich.
- Mach ist (laut Memory) im Buchprojekt eine Brückenfigur — aber Wittgenstein nennt Mach nicht. Diese Spannung sollte im Buch transparent gemacht werden: „die Strukturparallele liegt vor, das Zitat fehlt."
- Augustinus ist die einzige historische Großfigur, die in der Wittgenstein-Lektüre kanonisch zitiert wird (PU § 1) — eigene Augustinus-Lesart lohnt sich daher.